Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann steht zwischen Holzbalken auf einer Baustelle und lächelt, während er ein dunkelblaues Poloshirt trägt.

Zimmerei & Dachdeckerei Rathje: Erfolgskonzept Vier-Tage-Woche

Gerald Weßel

25. Oktober 2022

Montag bis Freitag, die Werktage. Sie können fürs Handwerk rund um die Jahresmitte nie zahlreich genug sein. Die warmen Monate müssen halt bei übervollen Auftragsbüchern mehr denn je genutzt werden. Doch ein Dachdecker- und Zimmerermeister hat den Kampf um Überstunden und mit der Wochenendarbeit aufgegeben – mit Erfolg. Sascha Rathje aus dem norddeutschen Wedel hat in seinem Betrieb die Vier-Tage-Woche eingeführt. „Oder vielmehr haben wir nach einer Testphase gemeinsam im Team beschlossen, in Zukunft so zu arbeiten“, blickt er zurück.

Bild von Sascha Rathke von Zimmerei & Dachdeckerei Rathje
Dachdecker- und Zimmerermeister Sascha Ratje (Titelbild und Abbildungen: Zimmerei & Dachdeckerei Rathje)

Mehr Maloche und dabei glücklicher

Der Erfolg spricht laut Rathje für sich: „Obwohl wir im Durchschnitt länger und mehr arbeiten als früher, sind die Mitarbeiter super motiviert.“ Und obendrein fände das neue System auch bei Kunden Gefallen: „Niemand stört sich dran. Alle loben, dass wir uns weiterentwickeln“, freut sich der Chef der Zimmerei & Dachdeckerei Rathje. Kurzum: Der Chef ist rundum zufrieden mit der Vier-Tage-Woche, die für seine Zimmerei & Dachdeckerei Rathje einen Schritt in die Zukunft des Dachhandwerks bedeutet.

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Dabei wirkt sie auf den ersten Blick extrem. Gearbeitet wird in der Regel von Montag bis Donnerstag - bei im Schnitt gleicher Wochenarbeitszeit. „Wir starten meist gegen 5.30 Uhr in der Firma. Mit einem Kaffee intus, nach nötigen Absprachen und dem Packen der Autos geht es los zu den Baustellen, wo für etwa 9,5 Stunden gearbeitet wird.“ Zur Arbeitszeit zählt alles bis auf die Pausen, auch die Fahrten hin und zurück.

Arbeitsplan nach Maß für Jedermann

Wer will, kann aber auch Freitag oder Sonnabend arbeiten und so auf Wochen kommen, wie sie früher aussahen. „Aber der Druck ist genommen, jeder kann sich selbst seinen Arbeitsplan zusammenstellen", erzählt Rathje begeistert. Nur im Winter kehre man zurück zum klassischen Modell der 5-Tage-Woche, da es hier aufgrund des Wetters und der abnehmenden Helligkeit nicht möglich sei, das ganze Pensum an vier Tagen hinzubekommen. Denn Arbeit gibt es reichlich für die Zimmerei & Dachdeckerei Rathje, deren Erfolgsgeschichte vor gut 20 Jahren begann.

Bild von Mitarbeiter von Zimmerei & Dachdeckerei Rathje
Jede Fahrt gehört für die Angestellten der Zimmerei & Dachdeckerei Rathje mit zur Arbeitszeit.

Zimmerei & Dachdeckerei Rathje: Komplettanbieter im Holz- und Dachbau

Und aus der Gründung des Mitgliedsbetriebes der DEG Alles für das Dach eG im Jahr 2001 erwuchs mittelfristig ein Wedeler Topunternehmen, das heute 16 Mitarbeiter beschäftigt. Die Grundlage dafür war die Zimmererlehre von Sascha Ratje bei einem großen Fertighausbauer. „Das genaue Arbeiten, das ich während der Ausbildung gelernt habe, war das Fundament für die Selbstständigkeit."

Nach der Ausbildung unterbrach der Wehrdienst seinen beruflichen Lauf nur kurz, ehe er weiter Erfahrung sammelte. Ein Jahr später ging es dann zur Zimmerermeisterschule nach Flensburg. Als frisch gebackener Zimmerermeister machte sich Rathje gleich selbstständig, und sein Betrieb wuchs schnell und stetig. Hinzu kam die Einsicht, dass „die Dachdeckerarbeiten fast immer dabei waren.“ So sattelte er bereits ein Jahr nach dem ersten Meisterbrief den zweiten als Dachdecker per Abendschule neben dem Tageswerk obendrauf. „Seitdem bin ich einer der wenigen im Kreis, der beide Meistertitel besitzt und so fachlich in beiden Gewerken arbeiten darf“, verweist er auf das beurkundete Fähigkeitsspektrum eines Komplettanbieters im Holz- und Dachbau.

Volle Auftragsbücher

„Und über zu wenig Arbeit können wir uns nicht beklagen", freut sich Rathje über das volle Auftragsbuch - fast ausschließlich durch Privatkundschaft, maximal zehn Prozent Gewerbe. „Seit mehreren Jahren haben wir bereits mehr als zwölf Monate Vorlaufzeit, wenn jemand an uns herantritt.“ Er ist mit seinem Team zwar breit und stark rund ums Dach aufgestellt, aber ein klarer Schwerpunkt liegt inzwischen auf der energetischen Dachsanierung. „Dabei passen wir uns zwar natürlich immer dem Kunden an, aber in vielen Fällen ist der Preis zweitrangig“, verweist er auf eine Vielzahl von Aufträgen für exklusive Qualitätsdächer. Aber: „Es gibt Wünsche, die muss man so manch einem einfach ausreden.“ Stichwort: blaues Dach. „Da trete ich dem Kunden entgegen, um ihn vor sich selbst schützen.“

Digitales Firmenmanagement als Grundvoraussetzung

Allerdings wäre die Vier-Tage-Woche in der Zimmerei & Dachdeckerei Rathje ohne eine weitere interne Änderung nicht möglich gewesen. Die neue Arbeitsweise wurde nämlich von der Einführung einer umfänglichen digitalen Verwaltung begleitet. „Im Endeffekt läuft jetzt alles über die Firmen-Smartphones der Mitarbeiter", beginnt Rathje den Prozess zu erklären, der bei der digitalen Buchung der Bauprojekte beginnt und über die Arbeitszeit- und Pausenerfassung bis zum Ausloggen beim Feierabend reicht. „Alles wird minutengenau dokumentiert, so kann ich genau sehen, wie viel Arbeitszeit bei welchem Mitarbeiter für dieses oder jenes Projekt bereits verbraucht wurde.“ Dies sei nicht nur praktisch bei Notfallaufträgen, wie zum Beispiel Reparaturen bei Sturmschäden, sondern ermögliche eine alle Belange der Firma besser berücksichtigende Verwaltung.

Bild von Mitarbeiter von Zimmerei & Dachdeckerei Rathje
Grundlage der Vier-Tage-Woche bei der Zimmerei & Dachdeckerei Rathje ist eine digitale Verwaltung aller Kennzahlen, allen voran die Arbeitszeiten der Mitarbeiter.

Digitale Verwaltung lohnt sich

„Jedes Handwerksunternehmen würde sich einen Gefallen tun, solch ein digitales System einzuführen", ist der Zimmerer- und Dachdeckermeister überzeugt. „Die Kosten in Höhe von einigen tausend Euro sind schnell wieder reingeholt.“ Und das System helfe auch den Mitarbeitern, ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen. „Die Länge der Pausenzeiten wird oft unterschätzt.“ Das wurde in den ersten Monaten beim Erhalt der Lohnzettel einigen Mitarbeitern klar. Denn die Pausen summierten sich auf und kosteten am Monatsende bares Geld.

Vorteile überwiegen – auch für die Mitarbeiter

Aber ist das nicht schlicht Überwachung zur Optimierung des Gewinns der Zimmerei & Dachdeckerei Rathje? Nein, wenn man Rathje glaubt. „Die meisten fanden es direkt gut, weil die Zettelschreiberei aufhört.“ Den einen oder anderen habe es jedoch gegeben, der alles hinterfragte. „Die Vorteile überwiegen aber einfach, nicht nur aus meiner Sicht, sondern auch für die Angestellten.“ Er sehe zwar ein, dass die notwendige genaue Überwachung, um die individuellen Arbeitszeiten abrechnen zu können, Ungemach hervorrufen mag. „Aber mit der Zeit lernen die Mitarbeiter das System und seine positiven Facetten kennen, und zurück will bei uns im Betrieb niemand mehr.“

Mehr Motivation und weniger Ausfallzeiten

Und Rathjes Erfolg mit 4-Tage-Woche und Digitalisierung ist kein Zufall, wie zum Beispiel auch Hartmut Seifert, Leiter des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, bekräftigt. Wer mitreden und mitgestalten könne, fühle sich wohler in seinem Job, habe weniger Ausfallzeiten und gehe motivierter zur Sache. Und auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin verweist auf die positiven Auswirkungen für alle betrieblichen Prozesse, wenn die Mitarbeiter auch ihre Arbeitszeit und deren Zeitpunkt beeinflussen können.

Bild von Mitarbeitern von Zimmerei & Dachdeckerei Rathje beim Firmenevent
Für Sascha Rathje (ganz links) gehören Teambuilding-Events der Zimmerei & Dachdeckerei Rathje mit zur Firmenkultur. Denn Vertrauen und gegenseitige Wertschätzung sind im Alltag unabdingbar.

Die Basis ist gegenseitiges Vertrauen

Dafür braucht es Vertrauen, doch dieses geben laut Handwerksberater Daniel Dirkes fast alle Mitarbeiter zurück. Maximal ein Fünftel nutze die Situation aus. Doch diese dürften kein Grund sein, dynamische Arbeitszeitmodelle vornweg abzulehnen. Stattdessen lohne es sich, mit frischen Konzepten die Handwerker zur Firma zu locken, die gerade nach solch modern geführten Betrieben suchten. Allein der sich eher weiter verschärfende und auch mittelfristig wohl kaum schwindende Fachkräftemangel fordert laut Dierkes die Dachdecker und Zimmerer heraus, neue Wege zu gehen. 

Wer hier Hilfe sucht, kann sich zum Beispiel an Experten für Arbeitsrecht oder zum Start an seinen Steuerberater wenden. Letzterer kennt das Unternehmen und ist sicher ein guter Partner, um lose Gedanken zu ersten Strukturen zu flechten, die vielleicht zu einem für den Betrieb und seine Mitarbeiter passenden Arbeitszeitmodell reifen können.

Bild von Sascha Rathje von Zimmerei & Dachdeckerei Rathje
Sascha Rathje ist einer der wenigen Firmenchefs in der Region, der beide Meistertitel besitzt - ein unschätzbarer Vorteil im Wettbewerb.

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Gerald Weßel

Der studierte Wirtschaftsgeograf und ausgebildete Journalist schreibt seit Jahren in Bremen und dem Umland für die lokale Tageszeitung Weser-Kurier. An seiner Arbeit begeistert ihn vor allem die Vielfalt an Themen, Sichtweisen und Geschichten.

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