Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Mehrere Arbeiter stehen auf einer Hubarbeitsbühne über verschneiten Dächern und Landschaft, während sie an einer goldenen Kirchturmspitze arbeiten.

Dachdecker rettet Turmspitze mit goldener Kugel und Kreuz

Harald Friedrich

2. Februar 2021

Februar 2020: Zwei Tage, bevor die WHO den Namen COVID-19 für eine neue Krankheit vorschlug, schlug Sabine zu. Dieses Sturmtief verursachte auch in Bayern enorme Schäden. Und Pfarrer Stephan Rauscher von der St. Johannes Baptist-Kirche im oberbayerischen Attenkirchen konnte von Glück sagen, dass nach Sabine das Team von Mertl-Bedachungen kam.

Eine goldene Turmkugel wird mit einem Kran an die Spitze eines Kirchturms gehoben, im Hintergrund sind Häuser und grüne Landschaft zu sehen.

Das Sturmtief Sabine sorgte für schwere Schäden an der Kirchturmspitze.

Turmspitze neigte sich bedenklich nach Osten

Der 30-jährige Dachdeckermeister und Spengler Andreas Mertl war nach dem Sturmtief Sabine im Notfalleinsatz für betroffene Hausbesitzer. Und zur gleichen Zeit entdeckte die Kirchenverwaltung die in Schieflage geratene Spitze des 30 Meter hohen Turms der barocken Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Nicht mehr senkrecht nach oben, sondern dem Winddruck folgend neigte sie sich bedenklich nach Osten.

Historische Befestigung der Turmspitze mit dem Autokran erkunden

Ein Hubsteiger wird benutzt, um an der Spitze eines Kirchturms zu arbeiten, inmitten eines Wohngebiets mit roten Dächern.

Drohnenaufnahme von den Arbeiten an der Turmspitze.

Zunächst jedoch galt es, dem Geheimnis der Befestigung der Turmspitze aus dem 19. Jahrhundert auf den Grund zu gehen. Eine Inspektion im Turminneren scheiterte aufgrund der schlanken Turmform, in der kein Mensch bis nach oben klettern konnte. Was waren die Alternativen? „Den Turm einzurüsten und mit einem Gerüstkranz rund um die Turmspitze zu versehen, hätte den Etat der Kirchengemeinde mit geschätzten 45.000 Euro bei Weitem überfordert“, so Andreas Mertl.

Sein Vorschlag war daher, anstatt eines Gerüsts eine Hebebühne und einen Autokran für die Inspektion einzusetzen. Zudem offenbarte ein Flug mit der hauseigenen Drohne des Dachdeckerbetriebs zusätzliche Schäden an den Blitzschutzeinrichtungen des Turms. Auch hier hatte Sabine ganze Arbeit geleistet.

Zwei Arbeiter klettern auf einer Kirchturmspitze aus Metall, umgeben von Bäumen, Straßen und einem ländlichen Dorf im Hintergrund.

Zudem offenbarte ein Flug mit der hauseigenen Drohne des Dachdeckerbetriebs zusätzliche Schäden an den Blitzschutzeinrichtungen der Turmspitze.

Rückbau der Turmspitze mit Rostlöser und körperlicher Kraft

Im Juli 2020 wurde die gesamte metallene Turmspitze zurückgebaut. Für die beiden Dachdecker auf der Hebebühne war dies eine Lehrstunde in Sachen Befestigungstechnik im 19. Jahrhundert. Die Kugel und das Kreuz saßen auf einem Holzpfahl, der tief bis in den Turm hereinreichte und mit einer Eisenkonstruktion verschraubt und verzapft war. Der 300-Kilogramm-Zugtest mit dem Kran führte zu keinem Ergebnis.

Ein Kran hebt eine Arbeitsbühne mit Personen über eine ländliche Gegend mit Häusern, Feldern und Bäumen an einem bewölkten Tag.

Schwieriges Prozedere: Die Öffnung der Bördelung der beiden Kugelhälften.

Also war Handarbeit angesagt: Mertls Männer mussten die Bördelung der beiden Kugelhälften mühsam öffnen, um mehr zu sehen. Das Ergebnis: Der „eiserne Halter“ war durch den Winddruck gebrochen. Mit Rostlöser und zum Teil auch roher Gewalt gelang es den Dachdeckern endlich, die 70 Kilogramm schwere Turmspitze zu lösen.

Jetzt waren Maler und Schlosser gefragt. Der gegabelte Metallhalter wurde nachgebaut und für die Ewigkeit feuerverzinkt. Und Kugel und Kreuz wurden von einem Maler restauriert und neu vergoldet.

Pfarrer platziert eine Zeitkapsel im Inneren der Turmspitze

Zwei Personen mit Mützen und Masken stehen draußen neben einer goldenen Kugel, im Hintergrund eine winterliche Landschaft mit Schnee.

Der schwindelfreie Pfarrer Stephan Rauscher (vorne) ließ es sich nicht nehmen, vor dem Aufsetzen des Kreuzes eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten für nachfolgende Generationen in der neuen Kugel zu platzieren. (Foto und auch Titelfoto: Bayerischer Rundfunk)

An einem frostigen und verschneiten 4. Dezember 2020 konnte die neue Turmspitze wieder montiert werden. Erneut kam eine Hebebühne zum Einsatz. Dabei waren noch zusätzlich letzte Arbeiten an der Schiefereindeckung erfolgt. Dann kam der große Augenblick – auch für Pfarrer Stephan Rauscher. Er ließ es sich nicht nehmen, vor dem Aufsetzen des Kreuzes eine Zeitkapsel mit aktuellen Dokumenten für nachfolgende Generationen in der neuen „Krönung“ des Kirchturms zu platzieren.

TV-Beitrag über das spektakuläre Dachprojekt

„Der Herr Pfarrer erwies sich als völlig schwindelfrei“, stellte Andreas Mertl nach dem Einsatz in luftiger Höhe erstaunt fest.  Begleitet wurde die spektakuläre „Wiedergeburt“ der Kirchturmspitze durch ein Team des Bayerischen Fernsehens, die in der Abendschau darüber ausführlich berichteten.

Ein Arbeiter auf einer roten Hebebühne repariert die Spitze eines Kirchturms mit Uhr vor blauem Himmel.

Kirchturm mit Uhr und weißem Putz, große rote Skulptur im Vordergrund, winterlicher Himmel und kahler Baum daneben.

Ein roter LKW steht hinter einem grünen Bauzaun mit der Aufschrift „Merti-Bedachungen“, im Hintergrund ist ein Kirchturm zu sehen.

Beeindruckende Montage: Bis in 30 Meter Höhe transportierte der Kran die Mertl-Mitarbeiter.

Jedes Dach ist ein Unikat

Für Andreas Mertl war das Projekt Turmspitze „eigentlich ein fast ganz normaler Auftrag“, wie er schmunzelnd sagt. „Allerdings sind Kirchturmspitzen eines der wenigen Dinge, die es nicht beim Dachdecker-Einkauf Süd gibt“, wo der Betrieb auch Mitglied ist. Der Alltag seines 10-köpfigen Teams spielt sich sonst eher bei Sanierungen von Privathäusern ab. Langweilig findet er das ganz und gar nicht. „Jedes Dach ist ein Unikat und damit eine neue Herausforderung“.

Ein Mann mit grüner Mütze arbeitet draußen im Schnee, im Hintergrund sind verschneite Häuser und eine winterliche Landschaft zu sehen.

Schieferarbeiten an der Turmspitze vor dem Aufsetzen der neuen Kugel und des neuen Kreuzes.

Lieber Dachdecker mit Auszeichnungen als Studierter werden

War das der Grund, weshalb er Dachdecker geworden ist oder hatte sein Vater Josef ihn dazu überredet? „Nein, überhaupt nicht“, erinnert sich Andreas Mertl. „Eigentlich habe ich mich auf der Schulbank ganz wohl gefühlt und hätte fast studiert.“ Aber dann besann er sich noch rechtzeitig: „Studierte gibt’s genug – ich wollte lieber etwas Praktisches machen.“

So absolvierte er zunächst die Spenglerausbildung, die er 2012 als Zweitbester der Innung abschloss. Und weiter ging es nach ganz oben. Für seine Leistungen im Meisterkurs in der bayerischen Dachdeckerschmiede Waldkirchen erhielt er 2014 den Meisterpreis der bayerischen Staatsregierung. „Und außerdem habe ich gleich noch den Betriebswirt im Handwerk gemacht“, so Mertl fast beiläufig. Dass er als Bester von 373 Absolventen dann noch den Förderpreis des Genossenschaftsverbands Bayern e. V. bekam, muss man ihm schon fast aus der Nase ziehen.

Zwei Männer im Schnee tragen große, mit grauem Klebeband umwickelte Polsterobjekte und tragen grüne Mützen.

Dick verpackt brachten die Mertl-Mitarbeiter die neue Kugel und das neue Kreuz zum Einsatzort.

Zum Nachwuchs hingehen: Coole Storys auf Instagram

Ist Andreas Mertl damit automatisch ein Idol für den potenziellen Nachwuchs? Denn Nachwuchssorgen plagen seinen Betrieb nicht. „Nein, das hat nichts mit Idol zu tun“, stellt er richtig. „Du darfst nicht warten, bis der Nachwuchs kommt – sondern musst zum Nachwuchs hingehen.“ Und das macht Andreas Mertl mit seinem Innungsbetrieb sehr konsequent durch seine intensiven Auftritte auf allen Social-Media-Kanälen. Zum Beispiel auf Instagram mit der Story vom Goldenen Kreuz ganz oben.

Sie interessieren sich für ungewöhnliche Praxisprojekte. Dann lesen Sie unsere Story über die Sanierung von Hannovers höchster Gebäudekuppel.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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