Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Ein Mann mit grünem Hut mit der Aufschrift „Hanf“ steht in einem hellen Raum, im Hintergrund hängt ein gerahmtes Dokument an der Wand.

„Auszubildende haben wenig Bock und Bildungsdefizite“

Knut Köstergarten

7. September 2021

Dachdeckermeister Ingmar Brede hatte uns als Reaktion auf die Artikel zum Fachkräftemangel folgendes über Instagram geschrieben: „Fachkräftemangel kenne ich nicht. Und nicht zwingend macht man etwas verkehrt, wenn man keine Leute bekommt.“ Diese Einschätzung bringt auf den Punkt, dass es viele Möglichkeiten gibt, was Betriebe tun können, aber keine Erfolgsgarantie. Und dass die Lage eben auch von Region zu Region unterschiedlich ist.

Mitarbeiter von Dachdecker Ralf Harrer

Der Betrieb Harrer ist hervorragend organisiert und bietet den Mitarbeitern gute Bedingungen inklusive bester Technik. (Alle Fotos: Harrer)

Gute Bedingungen für Auszubildende  

Darauf weist auch Benjamin Harrer hin, der den Ralf Harrer Dachdeckerbetrieb in Neckartailfingen im Großraum Stuttgart führt, Mitglied bei der Dachdecker-Einkauf Süd eG. An seinem Beispiel lässt sich zeigen, wie vielschichtig die Gründe sind, warum sich die richtigen Fachkräfte nur schwer finden lassen. 1993 von den Eltern gegründet, ist der Betrieb hervorragend organisiert und bietet den rund zehn Mitarbeitern gute Bedingungen. „Wir haben top Arbeitsgeräte, Lift und Hubsteiger sowie inzwischen zwei Krane. Bei uns muss keiner mehr reißen ohne Ende. Schwindelfrei sein reicht, der Kopf ist wichtig. Es geht nicht um Tempo, sondern um Präzision. Ich will keine Reklamationen, Kunden sollen begeistert sein und uns weiterempfehlen“, erläutert Harrer.

Weltmarktführer in der Industrie als Konkurrenz

Für seinen Betrieb ist die sehr starke Industrie im Stuttgarter Großraum der Gegner. „Da sagen sich viele junge Leute, dass sie gar keine Ausbildung brauchen. Sie gehen lieber über Leiharbeit ans Band und hoffen, dass sie bleiben können.“ Mercedes, Porsche, Bosch, Metabo oder Festool, das seien die Weltmarktführer. „Schafft da einer die Ausbildung im Handwerk nicht, egal, dann geht er eben als Helfer dorthin.“ Dabei zahlt Harrer ihnen an Grundgehalt auch nicht weniger.

Bild von Harrer-Mitarbeitern auf dem Flachdach

Bei jeder Arbeit haben die Mitarbeiter die fachgerechte Ausführung im Blick, hier auf dem Flachdach.

Gesucht: Auszubildende mit echtem Interesse

Harrer braucht Auszubildende, die Bock haben, Verantwortung übernehmen wollen und Interesse zeigen. „Wir wollen unser Wissen gerne weitergeben an die jungen Leute. Doch da will keiner den Chef mal für ein paar Tage begleiten und lernen, wie Akquise und Kundenbetreuung funktionieren. Und Fragen haben sie auch keine, stattdessen schlechte Noten und eher Desinteresse.“

Harrer gibt ein Beispiel. „Wir haben aktuell zwei Auszubildende, die sind 19, haben aber keinen Führerschein. Da habe ich das Thema mal angesprochen. Wir würden das finanziell fördern und einen Firmenwagen würden sie auch bekommen. Der Köder ist also da, doch dem Fisch schmeckt er nicht“, berichtet Harrer. Beide Lehrlinge lehnten ab.

Mitarbeiter von Dachdecker Ralf Harrer

Harrer sucht Mitarbeiter, die Bock auf die Arbeit haben und mit Freude bei der Sache sind.

Basics Pünktlichkeit und Selbstständigkeit fehlen

Zudem fehlten die Basics wie Pünktlichkeit ohne Ausreden oder das selbstständige Erledigen von Arbeiten. „Die jungen Leute haben extreme Bildungsdefizite, sind weniger selbstständig und hätten gerne den Allerwertesten gepudert“, ärgert sich Harrer. Und er erzählt noch ein Beispiel für seine Situation. „Wir nutzen im Betrieb die Regentage, damit die Lehrlinge im Betrieb den Fenstereinbau, den Luftdichten-Anschluss oder die bituminöse Abdichtung üben können. Zwei Tage später auf der Baustelle haben sie alles vergessen. Traurig ist das!“ Wer wirklich wollte, war ein Flüchtling, der als Helfer im Team gearbeitet hat. „Der wusste, worauf es ankommt, der hat Bock gehabt. Doch trotz seines Jobs bei uns wurde er abgeschoben.“

Aktive Werbung in den sozialen Medien

Harrer war früher selbst in Schulen unterwegs, um für den Beruf Dachdecker zu werben. Doch dafür hat er aktuell keine Zeit. Harrer macht ein Fernstudium zum Bautechniker, um sein Wissen zu erweitern. Er bildet nur noch aus, wenn einer von sich aus kommt und ins Team passt. Dass er kaum Fachkräfte findet, liegt auch nicht an fehlender Präsenz im Internet. Die Homepage ist gut gestaltet und einladend, Harrer ist zudem in den sozialen Medien aktiv, auf Facebook und Instagram. „Wir haben eine junge Truppe mit einem alten Hasen, der auch noch jung ist, unser Zimmerergeselle Alex.“

Mitarbeiter von Dachdecker Ralf Harrer

Ein junges Team mit einem guten Zusammenhalt sucht engagierte Auszubildende.

Kritik an Werbung für das Berufsbild

Insgesamt ist Harrer aufgefallen, dass sich viele junge Menschen als Zimmerer bewerben. „Das Berufsbild und die Komplexität des Dachdeckers sei noch immer weitgehend unbekannt. Das ist für viele einer, der Ziegel aufs Dach schmeißt oder ein ‚Schwarz-Schmierer‘.“ Harrer sieht hier großen Aufklärungs- und Nachholbedarf. Sein Landesinnungsverband in Baden-Württemberg hat die Zeichen der Zeit erkannt und startet jetzt eine groß angelegte Nachwuchskampagne unter dem Titel „Oben ist das neue Vorn“.

Die zugehörige Homepage samt Testimonials-Videos ist online, hinzu kommt ein moderner Social-Media-Auftritt mit professionell hergestelltem Content. Herzstück der Kampagne ist das Dachmobil, ein aufmerksamkeitsstarkes Medienfahrzeug, das bei Veranstaltungen zum Einsatz kommt und mit einem Virtual-Reality-Game, 360°-Videos und einen Drohnenflugsimulator drei digitale Attraktionen unter seinem Dach vereint.

Dachdecker Ralf Harrer

Holt verbal gerne mal die Axt heraus: Quereinsteiger Benjamin Harrer sieht großen Nachholbedarf bei der Nachwuchswerbung für das Berufsbild Dachdecker.

Quereinsteiger ist in erster Linie Kaufmann

Harrer schaut schon mal kritisch auf die Arbeit seiner Verbände – vielleicht auch deshalb, weil er Quereinsteiger ist. Nach einer kaufmännischen Ausbildung machte er den Wirtschaftsfachwirt, den Manager im Dachdeckerhandwerk, die Ausbildung zum Bauwerksabdichter und den Gebäudeenergieberater. Er ist Dachpraktiker, aber in erster Linie Kaufmann.

Komplexe Ausführungen führt er in Kooperation mit seinem Vater Ralf durch, der Dachdeckermeister ist. Für ihn ist der Dachdeckermeister nichts. „In den Schulen gibt es zu viel Beamtentum, zu wenig Kreativität.“ Von sich selbst sagt er, dass er reden, planen und verkaufen kann. Das sei sein Job. „Daher kommt auch ein gewisser Abstand zu den Verbänden.“

Sie interessieren sich für das Thema Fachkräfte? Dann erfahren Sie hier, was unsere Leser darüber denken.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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