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Klasse statt Masse: Bei Dachwunder ist der Name Programm

2020.12.01 Michael Podschadel • Lesezeit 4’

Ungewöhnlich sind nicht allein der Name und das coole Marketing. Bei Dachwunder in Paderborn gibt es ganz bewusst ein verkleinertes Team und trotzdem große Projekte. Und gleich zwei Frauen spielen für Gegenwart und Zukunft des Betriebs eine tragende Rolle.

Ungefähr einmal im Jahr übernimmt Dachwunder ein größeres Projekt, das das gesamte Team bindet. 2020 war es die komplette Dacherneuerung eines Bauernhofs in der Gemeinde Schlangen. „700 Quadratmeter Dachfläche mussten hier saniert werden“, berichtet der Dachdeckermeister Jens Block. Interessant: Monatelang konnte der private Eigentümer keinen Dachbetrieb finden. Mehrere Betriebe hatten sich das Gebäude zwar angesehen, aber nach einem halben Jahr immer noch kein Angebot eingereicht.

Bild von Dachwunder Baustelle

Großprojekt Bauernhof: 700 Quadratmeter Dachfläche wurden hier saniert.

Neun Wochen mit dem Team auf einer Baustelle

Block war da schneller. „Zwar ging plötzlich parallel doch noch ein zweites Angebot ein. Aber unser Auftraggeber zweifelte an der Zuverlässigkeit und Termintreue eines Unternehmens, das über ein halbes Jahr zur Angebotserstellung benötigt.“ Neun Wochen waren Jens Block und sein Team von Dachwunder im Einsatz, und mussten dabei so einige Hürden nehmen, auch wegen eines unvorhersehbaren Lieferengpasses. Dringend benötigte Ortgänge ließen fast acht Wochen auf sich warten.

Außen einrüsten und innen abhängen: Sicherheit auf marodem Dach

Das gut 50 Jahre alte Dach war auch so marode, dass ganze Felder nur noch vom Mörtel zwischen den alten Hohlpfannen gehalten wurden. Viele der morschen Latten brachen beim Abriss und einige Bereiche fielen ein. „Zudem waren die Sparrenfelder sehr groß, mit Sparrenlängen bis zu zwölf Meter. Da mir das Thema Arbeitssicherheit sehr wichtig ist, habe ich ein passendes Fanggerüst angeschafft.

Gerade die Einrüstung und das Abhängen von innen waren schon eine Herausforderung – die wir aber zu nehmen wussten“, berichtet der Dachdeckermeister. Sein Anspruch ist es, die beste Arbeit abzuliefern. Für besondere Herausforderungen ist er dabei immer zu haben.

Bild von Dachwunder Betriebsgelände

Das Betriebsgelände ist unscheinbar, doch der Qualitätsanspruch von Dachwunder ist hoch.

Name Dachwunder befeuert das professionelle Marketing

Die hohen Qualitätsstandards seiner Arbeit bebildert er mit einem professionellen und durchdachten Marketing, das funktioniert. „Der Name Dachwunder ist zum Beispiel sehr einprägsam und immer wieder ein guter Gesprächseinstieg“, berichtet Jens Block. Mit der Frage danach, welche Wunder er auf dem Dach denn vollbringe, nahm schon so manches Kundengespräch seinen Anfang.

Und auch in den sozialen Medien ist Dachwunder erfolgreich. „Wir haben zum Beispiel ein knappes Dreiminutenvideo zum Dachhandwerk gemacht, das das Gewerk einfach mal etwas vorstellt. Das wurde schon tausende Male angesehen. Selbst Kinder haben mich schon darauf angesprochen, weil sie das Dachwunder-Logo wiedererkannt haben“, erzählt Block stolz. Begleitet werden solche Aktionen von regelmäßigen Fotos und Drohnenvideos aus der Praxis, die der Unternehmer auf Facebook, Instagram und YouTube postet. Wer sich also ein Bild vom Portfolio des Dachbaubetriebs machen will, hat dazu zahlreiche Möglichkeiten.

Bild von Jens Block

Jens Block macht auch gerne mal Selfies auf dem Dach.

Die richtige Teamgröße für absolut einwandfreie Arbeit gefunden

Ungewöhnlich wie das Marketing ist auch die Philosophie von Jens Block. Man muss nicht auf jeder Hochzeit tanzen – so könnte sein Motto lauten. Nach der Gründung 2014 in Bünde startete Dachwunder schnell durch mit bis zu elf Mitarbeitern. Glücklicher war der Unternehmer damit aber nicht. „Ich bin wirklich gerne auf dem Dach im Einsatz und trage persönlich Sorge dafür, dass wir eine absolut einwandfreie Arbeit abliefern. Ab einer gewissen Größe war mir beides kaum noch möglich“, meint Block. Zu viel Zeit hat das Personalmanagement damals aus seiner Sicht gekostet. Zu wenig Zeit blieb ihm für das Wesentliche seines Handwerks. Darum hat er die Personaldecke nach dem Umzug seines Unternehmens 2018 nach Paderborn deutlich kleiner gehalten und weiß heute die Übersichtlichkeit seines Unternehmens zu schätzen.

Dachwunder ist ein waschechter Familienbetrieb

Bild von Tochter Joyce mit Schweißgerät auf dem Flachdach

Zuwachs im Familienbetrieb: Joyce Block macht aktuell ihre Ausbildung.

Zu seinem derzeit sechsköpfigen Team gehören nicht nur seine Frau im Büro, sondern auch Tochter Joyce auf dem Dach. Auch der Schwager hat seine Ausbildung im Betrieb gemacht, sogar mit Auszeichnung. „Beim Umzug nach Paderborn habe ich ihn und andere gute Mitarbeiter zurücklassen müssen“, erklärt Inhaber Block. „Ich konnte aber für jeden, der nicht mitkommen wollte, einen neuen Betrieb finden.“

Tochter Joyce lernt im eigenen Betrieb – aus Qualitätsgründen

Jens Block ist auch privat ein Familienmensch. Mit seiner Frau Sharlyn hat er vier Töchter zwischen 7 und 17. Die älteste heißt Joyce und macht derzeit ihre Ausbildung zur Dachdeckerin im elterlichen Betrieb. Musste die Tochter nicht mal raus und was anderes kennenlernen? „Ich wollte nicht, dass meine Tochter in einem Fremdbetrieb lernt“, sagt Block. Dafür nennt er, der ehrenamtlich als Meisterausbilder am Handwerksbildungszentrum in Bielefeld-Brackwede tätig ist, einen triftigen Grund. „Ich habe sehr hohe Ansprüche an mein Handwerk, die ich gerne weitergeben und in meiner eigenen Firma auch durchsetzen möchte. Wenn ich mir so manche Baustelle ansehe, merke ich leider oft, dass nicht jeder Betrieb diese Qualitätsansprüche hat.“

Bild von Dachdecker Jens Block und Tochter Joyce

Vater Jens ist wichtig, Tochter Joyce im eigenen Betrieb auszubilden.

Ehefrau Sharlyn stemmt das Familienmanagement

Dass es bei Dachwunder gut läuft, liegt auch am Rückhalt, den Sharlyn Block ihrem Mann gibt. „Meine Frau kümmert sich ja nicht nur im Büro. Vier Kinder bedeuten sehr viel Arbeit. Familie und Beruf gut zu vereinen, das funktioniert bei uns nur, weil meine Frau das Familienmanagement stemmt.“ Der Eintritt der Tochter in den Familienbetrieb macht den Vater stolz – auch deshalb, weil er darin bestätigt sieht, dass Frauen im Dachhandwerk gut aufgehoben sind. „Ich hatte schon mal einen sehr guten Lehrling, der abgebrochen hat, weil ihm die Arbeit körperlich zu anstrengend war. Das ist bei meiner Tochter anders. Sie nimmt Hürden auch auf ganz andere Art als ein männlicher Kollege“, meint der Vater lächelnd. Für das Handwerk ist die seiner Meinung nach ganz andere Perspektive weiblicher Kolleginnen eine echte Bereicherung.

Sie interessieren sich dafür, wie ungewöhnliche Betriebe arbeiten? Dann lesen Sie unsere Story über den Dachdeckermeister und Querdenker Jan Voges.

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