Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Ein Mann in einem grauen Anzug steht draußen vor einem Fenster und lächelt, mit einer Hand in der Hosentasche.

Dachdecker wollen in der Bundeshauptstadt ganz oben bleiben

Harald Friedrich

23. April 2024

In vielen Städten begann die Hochkonjunktur des Dachdeckerhandwerks mit dem Beginn des Industriezeitalters, als dringend Wohnraum in den Städten benötigt wurde. Die Dachdecker Berlins konnten Ende des 19. Jahrhunderts aber bereist auf ein halbes Jahrhundert Innungsgeschichte zurückblicken. Und heute ist die Innung – inzwischen Landesinnung des Dachdecker-Handwerks Berlin – schon über 180 Jahre lebendig.

Acht Bezirksmeister pflegen Kontakte vor Ort

Mit über 890 Quadratkilometer Fläche ist die Bundeshauptstadt fast dreimal so groß wie München – und sogar größer als die Landfläche New Yorks. Da scheint es doch sehr schwierig, einen Zusammenhalt zwischen den rund 200 Mitgliedsbetrieben des Dachdecker-Handwerks zu erhalten. Die Realität sieht anders aus – und das liegt vielleicht auch daran, dass die Landesinnung nicht mit Tempo 30 arbeitet, sondern permanent richtig Gas gibt. Dabei stehen neben Landesinnungsmeister Stephan Ziemann und seinem Stellvertreter Oliver Möckel acht Bezirksmeister mit auf dem Gaspedal, die den direkten Kontakt zu ihren Kolleginnen und Kollegen vor Ort pflegen.

Bild von Mitgliedern der Landesinnung
Der Vorstand von links: stellvertretender Landesinnungsmeister Oliver Möckel, Lehrlingswartin Josephin Süßer, Landesinnungsmeister Stephan Ziemann, Schatzmeister Patrick Heinrich und Geschäftsführer Sebastian Bobinski. (Alle Fotos: LIV Dachdecker Berlin)

Hoher Organisationsgrad der Berliner Dachdecker

Das Ergebnis kann sich im Organisationsgrad sehen lassen: Zwei von drei Berliner Dachdecker-Betrieben sind Mitglied in der Landesinnung. Ein weiterer Grund dafür könnte auch die Nähe von berufsständischer Organisation und Aus- und Weiterbildung sein. Das nördliche Ende der Nicolaistraße in Berlin-Zehlendorf mag rein städteplanerisch eine Sackgasse sein – für das Berliner Dachdecker-Handwerk ist es eine Straße in die Zukunft.

Knapp 300 Azubis in den drei Lehrjahren

Denn hier ist in einem ehemaligen Fabrikgebäude aus den 1920er Jahren seit 1994 der Sitz der Innungsgeschäftsstelle und der Aus- und Weiterbildungsstätte der Dachdecker in der Bundeshauptstadt. „Bis zu 300 angehende Dachdeckerinnen und Dachdecker bilden wir hier in allen drei Lehrjahren aus“, berichtet Landesgeschäftsführer Sebastian Bobinski. „Dazu steigen hier pro Jahr in unserem Meisterkurs rund 20 Teilnehmer die Karriereleiter weiter nach oben.“

Bild von Ausbildungsmeister Dario Biskupovic mit einer Grüne-Woche-Azubi-Tagesbesetzung
Nachwuchswerbung auf der Grünen Woche: Ausbildungsmeister Dario Biskupovic (rechts) und vier engagierte Azubis aus Berliner Betrieben erwarteten am Messestand interessierte SchülerInnen.

Mathe-Werkstatt für schwächere Lehrlinge

Die Bandbreite der schulischen Vorqualifikation ist enorm: „Einerseits gibt es leider gerade hier in Berlin oft enorme Defizite in der deutschen Sprache – und das Mathe-Niveau liegt nicht selten etwa auf Höhe von Fünft- und Sechstklässlern“, bedauert Bobinski. Eine Art „Aufholjagd“ für die schwächeren Azubis ist die im März 2024 gestartete Mathe-Werkstatt, die sich zuvor schon beim Landesinnungsverband Sachsen bewährt hat. Sie soll dabei helfen, schulische Defizite auszugleichen, die einer Gewerke spezifischen Ausbildung im Wege stehen würden.

Schnellläuferklasse für die Top-Azubis

 „Andererseits haben wir eine Schnellläuferklasse mit aktuell 26 Schülerinnen und Schülern, meist Abiturienten, die eine verkürzte Turbo-Ausbildung absolvieren“, erklärt Bobinski. Ermöglicht wird dieser „Ausbildungs-Booster“ durch das enorme Engagement der Ausbilder im Bildungszentrum und der Lehrkräfte an der Berufsschule.

Wer die Ausbildung erfolgreich absolviert hat, kann im Job Vollgas geben. Der Arbeitsplatz für gute Dachdecker ist in Berlin aktuell noch ebenso sicher wie das gefüllte Auftragsbuch für gute Betriebe. An erster Stelle steht bei den 200 Dachdecker-Innungsbetrieben die energetische Sanierung.

Bild von Dachdecker-Truck auf der Messe You4
Mit dem Slogan: „Berlin liegt dir zu Füßen" wirbt die Landesinnung um den Nachwuchs.

PV-Aufträge aus Kostengründen zurückgestellt

Der große Solarboom nach Einführung einer Solaranlagen-Pflicht zum Jahresbeginn 2023 für Neubauten und umfassende Sanierungen steht hingegen auf dem Bremspedal. „Viele Aufträge werden aus Kostengründen zurückgestellt“, bedauert Landesgeschäftsführer Bobinski. Eine der Ursachen sieht der Jurist in der unklaren Förderlage nach den Senatswahlen. „Eigentlich schade – denn damit werden nachhaltige Bauprojekte ausgebremst oder landen zumindest in der Warteschleife.“

Und genau eine solche Warteschleife, auch bei der Schaffung von Wohnraum, kann sich die Bundeshauptstadt ganz und gar nicht leisten. Von der Verunsicherung profitieren zurzeit verstärkt mobile Solarteur-Handwerkerkolonnen, die leider manchmal mit einer wenig qualifizierten Ausführung das Geld von investitionsbereiten Hausbesitzern vernichten.

Gute PV-Kooperation mit dem Elektrohandwerk

Gibt es denn – wie in anderen Landesverbänden und auf Innungsebene – auch in Berlin eine Kooperationsvereinbarung mit dem Elektrohandwerk in Sachen PV? „Der Vertrag liegt gerade vor mir – und ist aber nicht unterschrieben“, so Bobinski. „Aber in der Praxis kooperieren wir bei der Photovoltaik schon lange erfolgreich mit unseren Kolleginnen und Kollegen im E-Handwerk Berlin-Brandenburg – auch ohne Unterschrift.“

Bild von Schülern beim Schiefer schlagen auf einer Messe
Selber Hand anlegen und Schiefer schlagen: Großes Interesse bei SchülerInnen bei einer Ausbildungsmesse.

Zusammenarbeit mit Behörden ist ausbaufähig

Im Gegensatz dazu ist die Zusammenarbeit mit den Behörden manchmal nicht ganz so kooperativ, wenn es um die Sondernutzung von Verkehrsflächen geht. Da sind schon mal drei Monate Vorlauf der Alltag – zu lange und zu unrealistisch, meint Bobinski. Da bleibt den Dachdecker-Betrieben manchmal nur reiner Pragmatismus: Gerüst oder Kran aufstellen und parallel die Sondernutzung beantragen. „Inzwischen hat sich in Berlin aber durchaus auch in den Amtsstuben die Erkenntnis durchgesetzt, dass wir alle das Handwerk brauchen“, freut sich der Geschäftsführer. Es gibt also viel zu tun – und das täglich – für das zwölfköpfige Team der Geschäftsstelle und des Ausbildungszentrums in Berlin.

Landesgeschäftsführer mit handwerklichem Background

Für Sebastian Bobinski persönlich ist das Handwerk kein Neuland. Bevor er im Mai 2023 seinen Schreibtisch in der Landesinnung besetzte und Anfang September 2023 die Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Ruediger F. Thaler antrat, der inzwischen den wohlverdienten Ruhestand genießt, war er zehn Jahre lang Geschäftsführer der Berliner Tischlerinnung. Und auch als Volljurist erinnert er sich an die „handwerklichen Schnittmengen“ in seiner Familie. Bobinskis Vater war gelernter Bootsbauer und als Schiffszimmermann für die schwedische Handelsflotte auf hoher See unterwegs. Außerdem packte der heutige Dachdecker-Landesgeschäftsführer schon in seiner Jugendzeit bei seinem Onkel in der Reklame- und Schildermacherwerkstatt mit an.

Nach Feierabend gerne mal Rudern

Und auf was freut sich der 48-Jährige nach Feierabend? Sebastian Bobinski muss nicht lange überlegen: „Auf die tolle Zeit mit meiner Frau und unseren beiden Kindern – und darauf, dass ich mal wieder Zeit fürs Rudern habe.“ Wer ihn kennengelernt hat, darf sich sicher sein: Auch im Boot legt er sich voller Motivation in die Riemen.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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