Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Solarmodule auf einem Hausdach, im Hintergrund mehrere Windräder vor blauem Himmel, Symbol für erneuerbare Energien und umweltfreundliche Stromerzeugung.

„Das Dach-Bewusstsein hat sich positiv verändert“

Harald Friedrich

13. Februar 2020

DACH\LIVE: Klimawandel – ein Hype oder eine echte Bedrohung?

Karl-Heinz Krawczyk: Der Klimawandel ist Realität. Eine Bedrohung ist er heute schon für die Natur und  für Teile der Menschheit. Zum Hype gemacht wird er medial begleitet von diversen Gruppen, die zu Recht eine schnelle und nachhaltige Veränderung fordern. Ob diese so schnell funktionieren kann, wird sich zeigen. Erfreulicherweise ist der Klimawandel zumindest aktuell im Gespräch und in den Köpfen der Menschen. Jeder Einzelne hat hierbei die Gelegenheit, sein Verhalten klimafreundlich zu gestalten, das ist auf Dauer unvermeidlich.

Dach Karl-Heinz Krawczyk

Sieht jeden Einzelnen in der Pflicht, sein Verhalten zu verändern: Karl-Heinz Krawczyk, Landesinnungsmeister der Dachdecker in Baden-Württemberg. Er führt einen Betrieb in Freiburg.

DACH\LIVE: Die Umsetzung des Klimapakets lockt mit steuerlichen Anreizen und vielen Fördermöglichkeiten. Wird das Dachdeckerhandwerk zum ersten Ansprechpartner für Bauherren?

Karl-Heinz Krawczyk: Das Dachdeckerhandwerk wird in Sachen Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik bei der Umsetzung des Klimapakets sicherlich ein erster Ansprechpartner für Bauherren werden. Das waren wir auch schon vor dem Klimapaket. Unser Gewerk hat neben einigen anderen Gewerken schon seit langer Zeit daran gearbeitet, die Gebäude klimafreundlicher zu machen. Der Bund, das Land und auch die Städte gewähren seit geraumer Zeit diverse Fördermittel für klimafreundliche Baumaßnahmen. Wir beraten und betreuen unsere Kunden dabei von Beginn an.

Dach Karl-Heinz Krawczyk

Dämmen spart: In Wohngebäuden ist die Raumwärme Energiefresser Nummer eins.

DACH\LIVE: Das Dachdeckerhandwerk steht für die Umsetzung bereit, lautet die Meldung des ZVDH. Gibt es noch leere Seiten in den Auftragsbüchern?

Karl-Heinz Krawczyk: Leere Seiten in den Auftragsbüchern gibt es derzeit wohl bei keinem Handwerker. Das Bereitsein bezieht sich diesbezüglich auf die technische Herausforderung, die wir fachgerecht umsetzen können. Das Dachdeckerhandwerk hat sich schon vor langer Zeit auf den Klimawandel eingestellt. Das Thema ist ja nicht neu, es erfährt derzeit nur durch Greta Thunbergs Aktivitäten neue und große Aufmerksamkeit.

 DACH\LIVE: Hat sich das Dach-Bewusstsein bei den Kunden verändert – zum Beispiel durch mehr Aufgeschlossenheit für einen DachCheck?

Karl-Heinz Krawczyk: Das Dach-Bewusstsein bei den Kunden hat sich positiv verändert. Die Kunden legen zunehmend Wert auf Qualität. Und diese Qualität ist ihren Preis wert, wenn man sieht und weiß, was man dafür bekommt. Die Niedrigzinsphase motiviert viele Gebäudeeigentümer dazu, in ihre Immobilie zu investieren. Dazu kommen vermehrt Starkregen- und Hitzeperioden, die ein gedämmtes und dichtes Dach unvermeidlich für die Wohn- und Lebensqualität machen.

Dach Karl-Heinz Krawczyk

Es braucht gut ausgebildete Fachkräfte, um die gesetzlichen Vorgaben in der energetischen Sanierung auch sauber und exakt umsetzen zu können.

DACH\LIVE: Die Anforderungen an die energetische Sanierung sind hoch. Zu hoch für den normalen Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk?

Karl-Heinz Krawczyk: Die Anforderungen an die energetische Sanierung sind hoch und die Ausbildung unserer Auszubildenden ist ausgezeichnet dafür ausgerichtet. Die Ausbildungsordnung wird fortwährend an alle Anforderungen angepasst, sei es technischer oder auch digitaler Natur. Auch Hersteller, Lieferanten und Verarbeiter haben ein großes Interesse daran, dass ihre Dämm-Systeme fachgerecht verarbeitet werden. Dazu werden Materialien und Schulungen in den Ausbildungszentren angeboten, dies gehört zum regulären Ausbildungsbetrieb dazu.

 DACH\LIVE: Baden-Württemberg verzeichnet eine Steigerung bei der Zahl der Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk. Wie haben Sie das geschafft?

Karl-Heinz Krawczyk: Der Landesverband Baden-Württemberg ist schon seit vielen Jahren sehr aktiv in der Nachwuchswerbung, sowohl in Printmedien als auch in sozialen Medien. In diesem Jahr werden wir mit einer außergewöhnlichen PR-Kampagne an den Start gehen.

Ein schöner Anreiz, um Nachwuchs-Fachkräfte zu gewinnen: das Azubi-Konzept.

Smart als Dienstwagen: Ein schöner Anreiz, um Nachwuchs-Fachkräfte zu gewinnen. Das Azubi-Konzept stammt von der Dachdeckerinnung Stuttgart. Mal sehen, was die neue PR-Kampagne der Landesinnung Baden-Württemberg zu bieten hat.

Der Trend zum Studium ist verständlich, weil man sich erhofft, mit einem akademischen Beruf weniger Schmutzfinger, mehr Ansehen und mehr Verdienst zu haben. Ob das dann hilft, wenn das Dach des schönen Eigenheims undicht ist und kein Handwerker zu finden ist, wage ich zu bezweifeln. Der Handwerksberuf ist zukunftsträchtig und nicht wegzudenken. Junge Leute lernen bei einem Betriebspraktikum praxisnah die Tätigkeit eines Dachdeckers kennen, erfahrungsgemäß macht etwa die Hälfte der Praktikanten im Anschluss eine Handwerksausbildung und bleibt danach dem Betrieb als unverzichtbare Fachkraft erhalten.

 DACH\LIVE: Alle reden von bezahlbarem Wohnraum. Gleichzeitig werden die Auflagen und Anforderungen immer höher. Brauchen wir so viele Gesetze und Vorschriften?

Dach Karl-Heinz Krawczyk

Lobbyarbeit auf der Messe Dach+Holz: Karl-Heinz Krawczyk empfängt Ministerpräsident Winfried Kretschmann und ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk (von links) am Stand der Landesinnung Baden-Württemberg zum Gespräch.

Karl-Heinz Krawczyk: Dieses Übermaß an Gesetzen und Vorschriften in den letzten Jahren ist gewiss diskutabel. Eine Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis lässt sich nicht so leicht leugnen. Die Auflagen und Anforderungen machen bezahlbaren Wohnraum sehr teuer, so dass er schlussendlich unbezahlbar wird. Natürlich wäre „einfach bauen“ eine Lösung. Damit gemeint ist, dass wirtschaftlich gebaut wird: Praktisch, funktionell, nachhaltig, energie- und auch platzsparend. Dabei ist der Baustoff Holz ein großes Thema. Wie hoch die Anforderungen an Stellplätze oder den sehr strengen Brandschutz sein sollten, lässt sich diskutieren. Auch ein Preistreiber ist sicherlich die Vergabe der Bauaufträge an den günstigsten Anbieter. Denn der leistet vielleicht nicht zwingend die beste Arbeit und die dadurch entstandenen Baumängel müssen kostenintensiv beseitigt werden.

 DACH\LIVE: Alle reden von der Digitalisierung – auch im Dachdeckerhandwerk. Was merkt der Mitarbeiter davon – außer, dass der Chef vielleicht eine Drohne einsetzt?

Karl-Heinz Krawczyk: Tatsächlich merken unsere Mitarbeiter, dass ich als Chef gelegentlich eine Drohne im Einsatz habe. Der Ablauf einer Drohneninspektion ist bei uns mittlerweile ganz normaler Arbeitsalltag. Tatsächlich merken sie aber auch, dass sich in unserem Betrieb seit einigen Jahren schleichend die Digitalisierung breitmacht. Diese Veränderungen werden von allen Beteiligten sehr positiv wahrgenommen und unterstützt. Für Anregungen von allen Seiten und weitere digitale Veränderungen sind wir sehr offen. Unsere Mitarbeiter haben mehrere Apps auf ihren Handys, die im Arbeitsalltag ohne Probleme genutzt werden. Übrigens ist die Nutzung von WhatsApp auch betriebliche Digitalisierung.

DACH\LIVE: Die Flächenversiegelung durch Bebauung beträgt pro Jahr in Deutschland rund 100 Quadratkilometer. Muss da nicht eigentlich eine Gründach-Pflicht kommen?

Dach Karl-Heinz Krawczyk

Begrünte Dächer sehen schön aus, dämmen sehr gut und binden CO2.

Karl-Heinz Krawczyk: Eine Gründach-Pflicht muss nicht kommen, eine Gründach-Empfehlung wäre aber durchaus sinnvoll. Unter Umständen könnte es für den Fall einer Nachverdichtung zur Pflicht werden, den Anteil der Grünfläche, die durch diese Bebauung wegfällt, oben auf dem Dach durch eine entsprechende Grünfläche zu ersetzen. Auch die Aufstockung von Bestandsgebäuden ist sehr empfehlenswert, wenn sie technisch durchführbar sein sollte. Die Flächenversiegelung ist kein neues Problem, sie wird heutzutage nur stärker wahrgenommen. Die Fassadenbegrünung wird immer mehr thematisiert, das wäre auch ein Lösungsansatz. Durch den Zuzug von Menschen in die Ballungsräume wächst unvermeidlich der Bedarf an Wohnraum. Die Notwendigkeit einer Flächenversiegelung ist damit quasi absehbar. Dieses Problem zu lösen, bedarf umfangreicheren Überlegungen und ist aktuell nicht einfach zu bewältigen.

 DACH\LIVE: Was wird der Dachdeckermeister Karl-Heinz Krawczyk mit 67 machen?

Karl-Heinz Krawczyk: Mit 67 Jahren werde ich weiterhin mein Leben genießen, hoffentlich gesund sein,  in einer klimafreundlichen Welt leben und meinen potenziellen Enkelkindern von der guten neuen Zeit erzählen.

Sie interessieren sich für Themen aus den Verbänden & Innungen? Dann lesen Sie unseren Artikel über die bürokratischen Hürden, als Dachdecker auch Zimmerer auszubilden.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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