Bild von Teilnehmern des Meisterkurses in Eslohe

75 Jahre Eslohe: Von Meisterschülerinnen und Zukunftsplänen

13. Januar 2026

 · Konstanze Kulus

Die Lorenz-Burmann-Schule in Eslohe ist seit inzwischen 75 Jahren eine feste Adresse in der Nachwuchsförderung. Im Jahr 1999 wurde außerdem das Bildungszentrum des westfälischen Dachdeckerhandwerks e. V. gegründet, um Zuschüsse sicherzustellen, unter anderem für Sanierungs- und Ausstattungsinvestitionen. In der Einrichtung des Landesinnungsverbandes Westfalen werden aus Lehrlingen Gesellen und aus Gesellen Meister. Oder Meisterinnen: Noch nie zuvor haben so viele Frauen einen Dachdeckermeisterkurs beim Leiter der Meisterschule, Timo Kösters, gebucht wie in diesem Jahr 2025.

Bild von Timo Kösters, Leiter des Bildungszentrums Eslohe
Timo Kösters ist Leiter der Meisterschule am Bildungszentrum Eslohe. (Alle: Fotos: LIV Westfalen)

Aktueller Meisterkurs: jeder Vierte ist eine Frau

Im laufenden Jahr besuchen sechs Frauen den Kurs, der aus insgesamt 24 Personen besteht. Sie bilden also immerhin ein Viertel der Teilnehmenden. „Vor fünf bis zehn Jahren war es mal eine Frau, dann zwei. Jetzt interessieren sich immer mehr Damen für die Ausbildung zur Dachdeckerin und dann auch für die Weiterbildung zur Meisterin“, erzählt Dachdecker- und Klempnermeister Timo Kösters, der rund 19 Jahre in Eslohe tätig ist – erst als Ausbilder, dann als Leiter der überbetrieblichen Ausbildung und seit 2018 als Leiter der Meisterschulen für die Dachdecker- und Klempnermeisterausbildung. Er führt den weiblichen Zuwachs unter anderem auf die Ausbildungskampagnen des Zentral- und des Landesverbandes zurück: „Man hat sich gemeinsam entschieden, die vielen neuen Möglichkeiten zu nutzen und auch Geld zu investieren, um langfristig Nachwuchs zu sichern.“

Bild von Vicky Kotschenreuther, Teilnehmerin des Meisterkurses
Meisterschülerin Vicky Kotschenreuther beim Arbeiten in der Holzwerkstatt von Eslohe.

Eine der Frauen im aktuellen Meisterkurs ist Janina Wesemann. Hier ist unser Portrait!

Analog und digital unterwegs für mehr Sichtbarkeit  

So ist das Handwerk inzwischen häufig zu Gast auf Berufsbildungsmessen und in allgemeinbildenden Schulen. Diese können die Kampagne „Komm Hoch!“ aus Eslohe gratis buchen. Die Dachdecker kommen dann mit einer mobilen Live-Werkstatt vorbei. SchülerInnen probieren sich hier aus und testen, ob der Umgang mit den verschiedenen Werkzeugen und Werkstoffen etwas für sie ist.

Auch in den Social-Media-Kanälen hat man in Sachen Sichtbarkeit deutlich zugelegt. Und weil der Dachdeckerberuf inzwischen viel mit neuen, „grünen“ Ansätzen zum Umweltschutz zu tun hat, kommt er gerade bei der an Nachhaltigkeit interessierten Jugend richtig gut an. „Wir haben in Westfalen selbst in den geburtenschwachen Jahrgängen unsere Kurse immer vollbekommen. Im Jahr nach dem Sturm Kyrill im Januar 2007 sind die Zahlen geradezu explodiert und auch gegenwärtig haben wir eine volle Auslastung“, berichtet Timo Kösters.

Bild von Lukas Hesse, Teilnehmer des Meisterkurses
Meisterschüler Lukas Hesse arbeitet an einer Schieferdeckung.

Auf das Team kommt’s an

Dem Vorurteil, dass Frauen dem Job körperlich nicht gewachsen seien und sich in der „harten Männerdomäne“ durchkämpfen müssten, widerspricht Timo Kösters. „Zum einen haben wir inzwischen Hilfsmittel wie Kräne oder Lastenzüge. Es ist also mehr gefragt als reine Muskelkraft. Viel wichtiger ist mir aber, dass man in dem Job als Team arbeitet und sich unterstützt. Kann eine oder einer etwas nicht, springt der andere ein. Ja, die Sprüche fliegen auch mal tief, aber die Frauen machen entweder mit oder werden verschont“, beobachtet er. Vor allem in der Werkhalle seien alle gleich: „Hier bei uns in Eslohe treffen sich verschiedene Geschlechter, rund 45 verschiedene Nationen und ganz unterschiedliche Charaktere – und es klappt hervorragend!“

Bild von Logo des Bildungszentrums eslohe
75-jähriges Jubiläum 2025: Das Bildungszentrum des westfälischen Dachdeckerhandwerks.

Erfolgsgeschichte Bildungszentrum

Was ebenso gut funktioniert, sind das Bildungszentrum und die Meisterschule in Eslohe. Wo zu Beginn gerade mal knapp 100 Lehrlinge zu verzeichnen waren, sind es heute schon rund 1400. Während man früher zum Teil schon mit 14 Jahren in die Ausbildung gestartet ist, sind die meisten Jugendlichen heute mindestens 16 Jahre alt. Wo noch vor einigen Jahren fast ausschließlich Real- oder HauptschülerInnen Dachdecker wurden, sind es heute immer mehr Abiturienten, die im dualen Studium Gesellenbrief und Bachelorabschluss kombinieren, im trialen Studium sogar noch plus Meisterbrief, oder Quereinsteiger, die aufs Dach wollen.

Bild von alten Absolvent des Bildungszentrums Eslohe
Aus der Historie: Absolventen des Meisterkurses posieren vor und auf dem Dachmodell.

Lesetipp: Hat auch ihren Meister in Eslohe absolviert: Berufsbotschafterin Chiara Monteton

Meisterschule oft direkt nach dem Gesellenbrief

Und wo man früher erst mehrere Gesellenjahre absolvieren musste, sind jetzt Volljährigkeit und Gesellenbrief ausreichend, um direkt die Meisterschule besuchen zu können. Die neunmonatige Vollzeitausbildung und Prüfung absolvieren nach der Erfahrung von Timo Kösters vor allem diejenigen jungen Frauen und Männer, die aus einer Unternehmerfamilie stammen, einen Betrieb übernehmen möchten oder von der Selbstständigkeit träumen. Manche streben auch eine Karriere in der Industrie an – oder landen dort, ohne es vorher geplant zu haben.

Bild von Marie und Alina Kürpick, Teilnehmerinnen des Meisterkurses
Zwei Schwestern gemeinsam im Dachdeckermeisterkurs: Marie (links) und Alina Kürpick.

Weil sie wissen, dass sie in ihre Zukunft und in der Meisterschule in Eslohe in eine Aus- und Weiterbildung investieren, die unter anderem vom Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik anerkannt wird, sind sie bereit, dafür auch wertgerechte Kosten zu tragen. Manche stemmen diese mithilfe eines Stipendiums, manche nutzen das Meister-BAföG, „bei anderen schießen Oma und Opa was dazu“, berichtet Timo Kösters.

70 Millionen sollen in Eslohe investiert werden  

Der Zulauf ist sehr groß – und wird es nach der Hoffnung des Trägers, des Innungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Westfalen, auch bleiben. Deswegen investiert man auch selbst in eine zeitgerechte, moderne und zukunftsweisende Bildungseinrichtung in Eslohe. Für letztere bedarf es erheblicher Neubaumaßnahmen, die in Kürze aufgenommen werden sollen. Auf Basis der vorliegenden Machbarkeitsstudie beabsichtigt der Träger nun, für die sich auf über 70 Millionen Euro belaufende geplante Maßnahme den vom Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen angebotenen Fördertopf für strukturschwache Regionen anzuzapfen.

Bild von Kerstin Steiner, Teilnehmerin des Meisterkurses
Metallwerkstatt: Meisterschülerin Kerstin Steiner mit bester Laune beim Arbeiten an einer Dachrinne.

Das Vorhaben spiegelt die Mission des westfälischen Verbandes und seiner Institutionen wider: „Ein Dach bauen, heißt Sicherheit geben und neue Dimensionen schaffen. Wir bauen gemeinsam das Dach für das Dachdeckerhandwerk Westfalen“, sagt Timo Kösters.

Highlights aus 75 Jahren Bildungszentrum Eslohe

1948   

Gründung der Lorenz-Burmann-Schule, benannt nach dem damaligen Vorsitzenden des Landesinnungsverbandes des Dachdeckerhandwerks Westfalen und einem der Initiatoren der Schule

1950   

Anerkennung zur staatlichen Ersatzschule, Aufnahme des Lehrbetriebs und Einführung von Vorbereitungslehrgängen zur Ablegung der Meisterprüfung

Bild von den Anfängen des Bildungszentrums Eslohe
Werkstoff Schiefer: Foto aus den Anfängen des Bildungszentrums Eslohe.

1967   

Spatenstich für den Schulneubau inkl. Internat, Mensa, Heimleiterwohnung und Nebenräumen

1977   

Einweihung einer neuen Werkhalle mit Unterrichts- und Sozialräumen

1980   

Bau weiterer Internatsräume

1990   

Bau einer neuen Meisterschule

1990er

Sanierung und Umbau des Internats, der Verwaltung sowie der Küche und des Speiseraums, Schaffung neuer Klassen-, Seminar- und Freizeiträume

1997   

Installation einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Werkhalle

2000   

Einführung einer neuen Computeranlage für digitales Lernen und Arbeiten

2025   

Planung des kompletten stufenweisen Neubaus des Bildungszentrums und aller dazugehörigen Einrichtungen

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