Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Mehrere junge Frauen stehen an einem langen Holzbrett und schlagen Nägel ein, in einem hellen Raum mit großen Fenstern.

Ohne coole Werbung keine Dachdecker-Azubis

Harald Friedrich

30. Juli 2020

Über die Bezeichnung „Ziegelaufleger“ ärgert sich Ruediger Thaler maßlos. Und tut mit seinem Team der Landesinnung Berlin etwas dagegen: Traumjob-Angebote auf vielen Kanälen. „Im Moment können wir leider keine Nachwuchskampagne wie in der Vergangenheit fahren, weil einfach keine Präsenz-Veranstaltungen wegen Corona zulässig sind“, bedauert der Geschäftsführer der Landesinnung. Was aber nicht heißt, dass die Berliner Dachdecker den Kopf in den Berliner Sandboden stecken. Cooler Job, coole Werbung, cooler Nachwuchs, heißt das Erfolgsrezept aus der Berliner Dachdeckerküche.

Dachdecker-Azubis Landesinnung Berlin

Kino-Spot der Berliner Dachdecker.

Werbespots in Multiplex-Kinos und der U-Bahn

„Im Februar 2020 – also in der Zeit, in der die Ausbildungsplatzsuche hier in Berlin in die heiße Phase geht, waren wir in ganz Berlin präsent“, erläutert Thaler. Noch kurz vor den Corona-Einschränkungen lief ein Werbespot zwei volle Wochen lang in allen Berliner Multiplex-Kinos. Und praktisch keine U-Bahn war in der Bundeshauptstadt unterwegs ohne Dachdecker an Bord – in Form von Fensteraufklebern, die für die Ausbildung in einem der abwechslungsreichsten Handwerksberufe warb. Zudem konnten die Dachdecker noch die Messe BAUTEC im Februar mitnehmen. „Hier sind wir schon echte Stammgäste – mit einem eigenen Nachwuchsstand“, freut sich Thaler.

Dachdecker-Azubis Landesinnung Berlin

Vor Corona warben die Berliner Dachdecker noch einmal persönlich auf der Messe BAUTEC.

Jugendmesse YOU und Girls’Day hoffentlich wieder 2021

Doch dann kam das Virus und mit ihm die Absage der bundesweit größten Jugendmesse YOU im Juni in Berlin. „Zur YOU kommen die Kids und zahlen sogar Eintritt dafür. Das ist tausendmal effektiver für die Nachwuchswerbung als viele Berufsinfomessen, bei denen wir einer von vielen Berufen sind“, erklärt Ruediger Thaler.  Schade, dass es erst im kommenden Jahr wohl wieder eine YOU geben wird. Ebenso setzt Thaler auf den nächsten Girls’Day, der in 2020 leider auch ein Opfer der Pandemie wurde. „Auch hier machen wir immer 50 bis 60 Jugendlichen – und nicht nur Girls – Appetit auf unser Gewerk.“

Dachdecker-Azubis Landesinnung Berlin

Beim Girls’Day packen die Mädchen richtig an und probieren alles aus, hier das Eindecken mit Ziegeln am Modell.

Erfolgreiche Kennenlern-Veranstaltungen über Schulnetzwerk

Um gegen das „Ziegelaufleger-Image“ zu kämpfen, haben sich die Berliner Dachdecker noch mehr Aktionen einfallen lassen. Zusammen mit einem Schulnetzwerk organisiert das Bildungszentrum der Dachdecker Kennenlern-Veranstaltungen, an denen pro Jahr 500 bis 600 Schülerinnen und Schüler teilnehmen. Und mit jeder Teilnahme wächst offenbar die Begeisterung, denn die Rückläufe sind hoch. „Da haben wir schon viele Auszubildende gefunden“, bestätigt der Geschäftsführer. Steter Tropfen höhlt nicht nur den Stein, sondern weckt auch Interesse: „Noch nie in den letzten 15 Jahren waren die Lehrlingszahlen so hoch zum Jahresende 2019, wo unsere Betriebe insgesamt 272 Lehrlinge hatten“, erklärt Thaler. „Diese Zahl steht unverändert, wobei wir das jetzt beginnende neue Lehrjahr 20/21 schätzen müssen.“

Hohe Ausbildungsbereitschaft der Dachdeckerbetriebe

Dazu trägt auch die relativ hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe bei. Mehr als 96 von insgesamt rund 200 Innungsbetrieben sind aktuell dabei, wenn es um den Nachwuchs geht. „Interessant ist auch, dass sich die Zahl der Ausbildungsbetriebe in den letzten drei Jahren von 80 auf 96 erhöht hat“, sagt Thaler. Zu dieser erhöhten Motivation trägt auch die Landesinnung bei. Wer sich zum Nachwuchs bekennt und ausbildet, erhält zehn Prozent Nachlass auf den Innungsbeitrag. Insgesamt eine gute Bilanz, auch wenn da in Zeiten des Mangels an Fachkräften sicher noch weitere Berliner Luft nach oben ist.

Dachdecker-Azubis Landesinnung Berlin

Kinospot der Berliner Dachdecker, Teil II.

Ausbildungsabbrüche um 50 Prozent reduziert

Diese Bereitschaft der Betriebe  motiviert wohl auch den potenziellen Nachwuchs: „Die Quote der Ausbildungsabbrüche konnten wir um zuletzt um 50 Prozent senken“, erklärt Thaler mit einem gewissen Stolz. „Und wer von den jungen Leuten die Gesellenprüfung nicht im ersten Anlauf schafft, wird weiter motiviert und weder von den Betrieben noch von uns im Stich gelassen.“ Für jeden neuen Lehrling gibt es zum Start der Ausbildung einen voll ausgestatteten Werkzeugkoffer im Wert von 200 Euro. „Dafür konnten wir auch zahlreiche Sponsoren mit ins Boot holen“, freut sich Ruediger Thaler. Und für die Betriebe gibt es den „Ausbildungs-Aufkleber“ mit den Sponsoren.

Neben der klassischen Ausbildung führt das Bildungszentrum der Dachdecker auch die Helfer mit wachsendem Erfolg und sehr geringer Durchfallquote in sechsmonatigen Kursen zur Gesellenprüfung. „Hier merkt man aber auch, dass bei den Helfern einfach schon viel Praxiserfahrung vorhanden ist“, sagt Thaler.

Dachdecker-Azubis Landesinnung Berlin

Trommeln gehört für ihn zum Handwerk: Landesgeschäftsführer der Berliner Dachdecker, Ruediger Thaler.

Berufsberater der Arbeitsagentur gezielt informieren

Einen besonders wichtigen Werbe-Kanal kann Thaler aufgrund eines Ehrenamts bei der Agentur für Arbeit nutzen: Berufsberater kommen direkt an die Quelle des Berliner Dachdeckerhandwerks ins Bildungszentrum, um hier ihr eigenes Bild von den Dachdeckern zu korrigieren. „Wer als Berufsberater hier vor Ort war, weiß dann auch, dass Dachdecker ein anspruchsvolles Handwerk ist – und nichts mit Ziegelauflegern zu tun hat.“ Das ist von großer Bedeutung, denn Berufsberater sind sehr wichtige Multiplikatoren mit Einfluss auf potenzielle Auszubildende.

Hauptstadt-Dachdecker auch in sozialen Medien präsent

Berliner Dachdecker sind Hauptstadt-Dachdecker – und ebenso cool und selbstbewusst wird der potenzielle Nachwuchs auch angesprochen. „Da lassen wir uns von einem Virus auch nicht ausbremsen – allenfalls mal kurz unterbrechen“, verspricht Thaler. Und in den sozialen Medien geht es ja ohnehin weiter. Mit regelmäßigen Beiträgen auf Facebook, mit denen sich die Ausbildungsbetriebe an die Eltern wenden, und so langsam auch auf Instagram für die Ansprache der Jugendlichen, wird Appetit auf das Handwerk „ganz oben“ gemacht. Hier wird mit einem sehr abwechslungsreichen Job an frischer Luft gelockt und auf das bundesweite Portal des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks, Dachdecker Dein Beruf, hingewiesen.

Sie wollen mehr zum Thema Nachwuchswerbung lesen? Dann empfehlen wir Ihnen den Artikel über einen Dachdecker, der lieber Flüchtlinge ausbildet.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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