Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Zwei Männer stehen lächelnd vor einem schwarzen Firmenwagen mit orangener Aufschrift und grafischem Element, bei Tageslicht auf einem Parkplatz.

Fachkräfte finden: Dachdecker bildet lieber Flüchtlinge aus

Michael Podschadel

10. Oktober 2019

Flüchtlinge sind engagiert und zeigen gute Leistungen

Bagher M. ist bereits der dritte Flüchtling, der eine Ausbildung bei maindach begonnen hat. Seine beiden Vorgänger mussten vorzeitig abbrechen, was Chef Holger Leonhardt bedauert. „Einer der beiden hat nach rund sechs Monaten Höhenangst bekommen. Das kann jedem passieren, da kann man nichts machen. Der andere wurde aus der Ausbildung in den elterlichen Betrieb geholt. Das ist wirklich schade. Denn seine Leistung war gut und ein fester Ausbildungsplatz ist immerhin Grundlage für eine Aufenthaltsgenehmigung.“ Weil beide Lehrlinge während ihrer Zeit im Betrieb motiviert ans Werk gingen, blieb Leonhardt am Ball. Auch der aus Afghanistan geflüchtete Bagher M. zeigt gute Leistungen. Er ist einer von derzeit zwei Dachdeckerlehrlingen im Betrieb. Was beide von den zahlreichen ungeeigneten Bewerben unterscheidet, ist ihre positive Einstellung zum Beruf.

Dachdecker: Bagher M. aus Afghanistan nutzt seine Chance bei maindach und zeigt sich motiviert und leistungsbereit.

Bagher M. aus Afghanistan nutzt seine Chance bei maindach und zeigt sich motiviert und leistungsbereit.

Dachdecker: Enttäuschung über Motivation deutscher Bewerber

Für den 39-jährigen Leonhardt war die Entscheidung, unter Flüchtlingen nach geeigneten Auszubildenden zu suchen, eine Konsequenz aus der ständigen Enttäuschung über die mangelnde Motivation und Selbstständigkeit vieler Bewerber aus Deutschland. „Wenn Eltern mich anrufen, um einen Ausbildungsplatz für ihren Sohn zu finden, dann lehne ich gleich ab. Ein 16-Jähriger sollte meiner Meinung nach schon eigenständig genug sein, um selbst den Hörer in die Hand zu nehmen und sich zu informieren“, berichtet Leonhardt. Er ergänzt: „Und um sieben Uhr morgens auf der Arbeit zu erscheinen, gelingt auch längst nicht jedem Lehrling.“ Mit den Zuwanderern hat Leonhardt solche Erfahrungen nicht gemacht. Seiner Meinung nach hat das einen einfachen Grund. „Wer so viele Mühen auf sich nimmt, um nach Deutschland zu kommen, der wirft eine Ausbildung nicht so einfach hin.“

Flüchtlinge als Auszubildende können eine Win-Win-Situation bieten

Geflüchteten Menschen eine Chance als Dachdecker zu geben, klingt zunächst einmal nach einer Win-Win-Situation. Die hiesigen Betriebe könnten auf diese Weise Fachkräfte finden und die Geflüchteten werden umfassender integriert und steigern ihre Chancen, hier bleiben zu dürfen. Sie haben eine regelmäßige Arbeit, lernen durch den Austausch mit Kollegen die deutsche Sprache viel schneller und fassen insgesamt besser Fuß.

Dachdecker: Im Team von maindach gibt es keine Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen. Bagher M. wurde schnell und gut ins Team integriert.

Im Team von maindach gibt es keine Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen. Bagher M. wurde schnell und gut ins Team integriert.

Der 20-jährige Bagher M. ist dafür ein gutes Beispiel: Er ist im Betrieb maindach Auszubildender im zweiten Ausbildungsjahr. Mit der Hilfe seines Chefs Holger Leonhardt konnte der Lehrling aus seiner Flüchtlingsunterkunft im Taunus in eine kleine Wohnung nach Frankfurt am Main ziehen – und damit in die Nähe seines Arbeitsplatzes. „Im Wohnheim war Bagher mit sechs oder sieben anderen Flüchtlingen in einem Zimmer untergebracht. So kann niemand konzentriert für seine Ausbildung oder den Sprachkurs lernen“, meint der Unternehmer. Mit seinem Engagement musste Leonhardt jedoch zunächst so einige bürokratische Hürden nehmen.

Dachdecker muss viele bürokratische Hürden überwinden

So gut die Vorsätze von Holger Leonhardt auch sind, bei den Behörden hat er damit nicht nur offene Türen eingerannt: „Das ist manchmal schon etwas frustrierend. Man will jemanden ausbilden und steht vor schier unüberwindbaren Hürden.“ Der Dachdeckermeister investierte einen großen Teil seiner Freizeit in Abstimmungen mit Ämtern und Behördengänge. Aus seinem Urlaub heraus telefonierte er über Wochen täglich mit dem Sozialamt und dem Regierungspräsidium, um zu erwirken, dass Bagher M. überhaupt aus dem Flüchtlingsheim ausziehen durfte. „Nachdem wir endlich die Einwilligung hatten, habe ich mich noch um eine Wohnung in Frankfurt gekümmert. Viele Vermieter sind bei dem Thema ja eher skeptisch und wollen Sicherheiten“, berichtet Leonhardt über seine Erfahrungen.

Netzwerke bieten Betrieben Unterstützung

Trotz dieser Hindernisse fand er in Frankfurt aber auch Anlaufstellen. Über die Caritas beispielsweise können erste Kontakte geknüpft und Informationen zum Thema „Ausbildung für Asylbewerber“ eingeholt werden. Auch die örtliche Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main ist mit ihrem Projekt „Passgenaue Besetzung“ eine gute Anlaufstelle für interessierte Betriebe. Und die Initiative Berufliche Integration von Flüchtlingen in Frankfurt-Rhein-Main (BIFF) bietet gemeinsam mit der Stadt, der Arbeitsagentur und der Industrie- und Handelskammer eine eigene Plattform und Anlaufstelle zum Thema. Hier ist auch Leonhardt aktiv.

Dachdecker: Lernen auf dem Dach von erfahrenen Gesellen.

Lernen auf dem Dach von erfahrenen Gesellen.

Dachdecker ist ein Beispiel für gelebte Willkommenskultur

Holger Leonhardt hat sein Unternehmen 2012 gegründet, zwei Jahre nach Verleihung des Meisterbriefs. Acht Mitarbeiter sind aktuell bei maindach angestellt. Die Geschäfte laufen gut für das Unternehmen, das auf Steildächer spezialisiert ist und auch Zimmererarbeiten anbietet. Für den Inhaber Grund genug, sich weiter nach aussichtsreichen Bewerbern umzuschauen. „Gute Auszubildende müssen ja nicht nur gefunden, sondern auch versorgt und gehalten werden“, meint Leonhardt.

Für ihn ist ganz klar, dass er die nächsten Ausbildungsplätze nach Möglichkeit wieder mit jungen Zuwanderern besetzt. „Ich bin schon dran und habe einen weiteren Flüchtling aus Afghanistan kennengelernt, den ich gern in meinen Betrieb holen möchte.“ Für Holger Leonhardt ist das Projekt ganz klar eine Win-Win-Situation. Denn damit stellt er nicht nur seinen eigenen Betrieb auf solide Beine, sondern zeigt ganz praxis- und lebensnah, wie Integration funktionieren kann.

Sie haben Interesse am Thema Fachkräfte sichern. Dann lesen Sie unseren Artikel über den Betrieb Viellechner und seine Azubi-Challenge.

Michael Podschadel

Der graduierte Komparatist war fast ein Jahrzehnt in der Pressearbeit tätig, bevor er sich als Texter und Redakteur selbstständig gemacht hat. Zu seinen inhaltlichen Schwerpunkten zählen Arbeitssicherheit und Technik. Richtig spannend wird es für ihn dann, wenn Menschen und ihre persönlichen Erfahrungen im Zentrum von Reportagen oder Hintergrundberichten stehen.

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