Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Frau mit Dutt hebt die Arme, hält eine große, aufgerissene Rolle Dachpappe im Freien vor einem Gebäude hoch.

Dachdeckerin Jana Görgen liebt die Herausforderungen

Knut Köstergarten

6. Mai 2021

Es gibt ein besonderes Bild, das Dachdeckerin Jana Görgen auf ihrem Instagram-Kanal gepostet hat. In luftiger Höhe balanciert sie den Körper einer Freundin nur mit den Beinen auf einem schmalen Steindurchgang. Es ist Akrobatik pur und eine echte, auch mentale Herausforderung. Sie schreibt dazu: „Vertrauen ist, wenn man mit dem Leben eines anderen so umgeht, als wäre es das eigene.“

Bild von Dachdeckerin Jana Görgen

Nervenkitzel und Körperbeherrschung auf einem schmalen Stein-Durchgang: Jana Görgen trägt ihre Freundin auf Beinen. (Foto: Görgen)

Mit viel Selbstvertrauen ins Praktikum gestartet

Das Bild sagt einiges darüber aus, wie diese junge Dachdeckerin tickt, die aktuell ihre Meisterausbildung an der Handwerkskammer Stuttgart startet. Sie übernimmt gerne Verantwortung und Herausforderungen mutig an – beruflich und privat. „Ich habe einen starken Charakter und zudem viel Selbstvertrauen“, sagt Görgen. Das brauchte sie auch 2017 nach der Realschule. Über einen Bekannten der Familie machte Görgen direkt nach den Prüfungen ein Praktikum als Dachdeckerin. „Da gab es aufgeweckte Leute und die Arbeit war abwechslungsreich. Ich konnte schon so viele verschiedene Eindrücke sammeln, obwohl ich gerade mal zehn Prozent der Tätigkeiten kennengelernt habe.“ Da gewann sie den Eindruck, dieser Job könnte passen.

Bild von Dachdeckerin Jana Görgen beim Arbeiten auf dem Flachdach

Konnte schon im Praktikum so viele verschiedene Arbeitsbereiche kennenlernen: Jana Görgen. (Foto: Görgen)

Den Ausbildungsplatz bei der FBS Bedachungen GmbH in Hemmingen fand sie dann eher zufällig. „Meine Mutter ist mit meinem Hund spazieren gegangen und hat an einer Baustelle gefragt, ob der Dachdeckerbetrieb ausbildet. Da bin ich noch am gleichen Tag ins Büro gegangen und schon hatte ich den Vertrag“, erinnert sich Görgen. „Ich bin ehrgeizig und habe mir gesagt, du passt da rein.“ Sie ist die erste Frau im Betrieb. „Der Juniorchef meinte, dass sie mal was Neues machen sollten. Er hatte Lust auf die gemeinsame Reise. Das war am Ende die richtige Entscheidung für beide Seiten.“

Herausforderung: Umgang mit den Mitschülern  

Eine Herausforderung war es trotzdem, gerade auf der Berufsschule mit den jungen Männern. „Mich kann man wenig verletzen. Ich weiß, wie ich mit den Jungs umgehen muss“, sagt Görgen. Es ging ganz gut, weil sich die junge Frau abgrenzen konnte. „Ich bin schlagfertig und lasse mich nicht ärgern. Respekt habe ich mir durch Leistung in der Schule verschafft.“ Relativ human sei es alles in allem gewesen. Es ist herauszuhören, dass es sicher manchmal nicht so einfach war.

Bild von Dachdeckerin Jana Görgen

Für die selbstbewusste junge Frau war der Umgang mit den Männern in der Berufsschule nicht immer einfach. (Foto: Jürgen Bach)

Viel Wertschätzung im Ausbildungsbetrieb

Im Betrieb ist es besser mit der Wertschätzung. „Ich wurde sehr gut ausgebildet in Sachen Technik und Organisation und bin sehr froh.“ Entweder mit dem Juniorchef oder einem Gesellen ging es auf wöchentlich wechselnde Baustellen. Und es gab die Möglichkeit für zusätzliche Praxis mit gestellten Materialien in den Firmenräumen. „Im ersten Jahr habe ich mehr zugeschaut. Da wurde mir alles  gezeigt und vorgemacht. Im zweites Jahr konnte ich selber loslegen und die Lernphase starten. Im dritten Jahr habe ich schon richtig gearbeitet“,  erzählt die Dachdeckerin.

Bild von Dachdeckerin Jana Görgen bei Klempnerarbeiten

Sie liebt Ihre Arbeit als Dachdeckerin: Jana Görgen bei Klempnerarbeiten. (Foto: Jürgen Bach)

Jede Woche auf dem Dach etwas dazugelernt 

So Schritt für Schritt gab es zwar Herausforderungen, aber keine Überforderung in der Lehre. Und die 21-Jährige konnte in allen Bereichen von Steil- und Flachdach bis Spenglerei praktische Erfahrungen auf der Baustelle sammeln, nicht nur in den überbetrieblichen Lehrgängen. „Insgesamt habe ich in den bisherigen vier Jahren als Auszubildende und Gesellin jede Woche etwas dazugelernt.“

Sicher auch ein Grund, warum die Dachdeckerin beim Landesentscheid der besten Lehrlinge in Baden-Württemberg Platz drei belegte und dieses Jahr am Bundesentscheid teilnehmen kann. Über diesen Erfolg berichteten auch die Stuttgarter Nachrichten, was für den Betrieb einen sehr positiven Effekt in Sachen Nachwuchswerbung hatte. „Wir haben dieses Jahr zwei neue Azubis gewonnen, die wegen des Berichts Kontakt aufnahmen“, berichtet Görgen.

Bild von Dachdeckerin Jana Görgen

Mit dem technischen Leiter des Dachdecker-Bildungszentrums Baden-Württemberg in Karlsruhe, Cornelius-Fritz Gradner, bei der Übergabe des Gesellenbriefs. (Foto: Görgen)

Nach der Meisterschule Führungsposition im Betrieb   

Für die Meisterschule, die sie im Mai 2022 abschließen wird, entschied sich die 21-Jährige, um als Frau im Job mehr Möglichkeiten zu haben. „Ich will nicht 40 Jahre nur auf dem Dach stehen, sondern in einer Führungsposition mehr Büro machen, Kunden und Projekte verantwortlich betreuen. Bei den Chefs rennt sie da offene Türen ein. „Der Senior wird wohl in ein, zwei Jahren den Betrieb ganz an den Junior angeben. Und dann kann ich als zweite Meisterin in eine Führungsrolle einsteigen“, sagt Görgen. Eine Perspektive, auf die sie sich sehr freut. Da kann sie Verantwortung übernehmen.

Bild von Dachdeckerin Jana Görgen

Die Dachdeckerin möchte gerne nach dem Meister eine Führungsrolle im Betrieb einnehmen. (Foto: Görgen)

Cocktails mixen am Wochenende

Das tut Görgen auch in der Freizeit. Seit 2018 arbeitet sie nebenbei als Minijob in einer Bar im Heimatort Ditzingen. Sie tut das, weil ihr das Ambiente gefällt, sie gerne Getränke mixt und Kunden happy macht. „Damit habe ich noch mehr Verantwortung“, sagt Görgen und lacht dabei. Aktuell steht sie wegen Corona nicht hinter der Theke, was ihr fehlt. Die 21-Jährige ist eben gerne mit Menschen zusammen und in Bewegung. Aktuell nutzt sie die zusätzliche freie Zeit für Spaziergänge mit ihrem Hund. Und dann gibt es noch das Motorrad. Geschwindigkeit ist auch ihr Ding. Nur abheben tut die bodenständige junge Frau nicht. Aber sie weiß genau, was sie will und verfolgt ihre Ziele.

Sie interessieren sich für das Thema Frauen im Handwerk? Dann lesen Sie unsere Story über die bekannteste Dachdeckerin in Rheinland-Pfalz.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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