Als Meisterin weiß sie genau, was sie auf dem Dach zu tun hat – als Dachdeckerin Sina lässt sie ihre Community auf Instagram daran teilhaben, wie ihr Arbeitsalltag aussieht. Mit ihren Posts, Reels und Storys trifft Sina Klein offensichtlich einen Nerv: Die aktuell bereits über 80 000 Follower sind ein beeindruckender Beleg dafür, dass sich mit Dachhandwerk viele Menschen erreichen lassen.
„Menschen zeigen, wie schön unser Beruf ist“
Angefangen hat alles vor einigen Jahren mit dem Wunsch, mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für das Dachdeckerhandwerk zu schaffen. „Ich wollte den Menschen da draußen zeigen, wie schön unser Beruf ist“, sagt Sina Klein. „Und auch, was alles dazugehört.“ Als sie im Mai 2020 ihr erstes Video postete, war sie noch in der Ausbildung. Heute ist die 25-Jährige eine gestandene Meisterin im elterlichen Familienbetrieb K&B Bedachungen im niedersächsischen Eldingen und hat sich in den sozialen Medien eine enorme Reichweite verschafft: Außer auf Instagram ist sie auch auf TikTok regelmäßig aktiv, hin und wieder lädt sie ihre kurzen Filme zudem auf YouTube hoch.

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Auftritte in TV und Radio
In ihren Videos zeigt sie, wie sie auf Dächer klettert, Gesimskästen mit Kunststoffpaneelen verkleidet oder Material zur Baustelle transportiert. Dass sie damit so viele Menschen erreichen würde, hätte sie am Anfang nicht für möglich gehalten. „Ich hatte nie das Ziel, dass das so groß wird, wie es jetzt ist“, macht Sina Klein deutlich. Doch ihre Community wuchs schnell – so schnell, dass die junge Dachdeckerin bald auch außerhalb der Handwerkerszene einige Bekanntheit erlangte. Ein Interview in einem Magazin der Bundesagentur für Arbeit, eine Dokumentation über sie im NDR-Fernsehen, ein Gespräch im NDR-Podcast „Dibaba hat Besuch“ oder jüngst ein längerer Bericht in der Berliner Morgenpost anlässlich des internationalen Frauentags sind nur einige von mehreren öffentlichen Auftritten, die sie mittlerweile absolviert hat.

Interessant für Werbepartner
„Es ist immer noch verrückt, mich selbst im Fernsehen zu sehen“, erzählt Sina Klein. Diese Art von Resonanz bedeute ihr viel: „Weil es zeigt, dass gesehen wird, wofür ich kämpfe.“ Gesehen wird das auch von Unternehmen, die von ihrem positiven Image und von ihrer Reichweite profitieren wollen: So arbeitet die 25-Jährige mittlerweile mit Werbepartnern wie Makita, FHB, Pica-Marker, Dörken oder Rockwool zusammen. „Ich platziere Produkte von denen und gebe meinen Followern Tipps und Tricks mit auf den Weg, wie man sie im Arbeitsalltag einsetzt“, erläutert sie.
Insgesamt investiere sie viel Zeit in ihre Social-Media-Aktivitäten: „Vom Aufwand ist das praktisch ein eigener Job, was ich da mache. Darum habe ich seit ein paar Monaten auch einen Manager, der sich um Verträge, Verhandlungen und so weiter kümmert – der nimmt mir eine Menge Arbeit ab.“

Motivation für junge Frauen
Ihre Community besteht zu 90 Prozent aus Männern zwischen Anfang 20 und Mitte 40. Das spiegele wider, wie es im Handwerk nun einmal nach wie vor aussehe: „Es gibt bei uns leider immer noch viel zu wenig Frauen, darum möchte ich insbesondere auch Mädchen und junge Frauen motivieren, sich ins Handwerk zu trauen.“ Sie wolle zeigen, dass Frauen auf der Baustelle sie selbst sein können und auch mit langen Fingernägeln genauso gut arbeiten wie Männer. „Damit mache ich dann auch den Jungs klar, dass das normal ist und dass wir dazugehören.“
Es freue sie, dass sie inzwischen regelmäßig auch von Frauen Nachrichten bekomme: „Die fragen mich zum Beispiel, wie ich bestimmte Mädelsprobleme löse – zum Beispiel die Periode. Manchmal antworte ich dann direkt, und manchmal greife ich solche Fragen auch in einem Reel auf.“

Ehrenamtlicher Einsatz für Nachwuchswerbung
Weil es ihr eine echte Herzensangelegenheit ist, junge Menschen vom Handwerk zu begeistern, engagiert sie sich außerdem auch ehrenamtlich. Ob als Jugendbotschafterin des Landesinnungsverbands des Dachdeckerhandwerks Niedersachsen-Bremen, mit Auftritten bei Berufsmessen und Branchenevents, oder als Jury-Mitglied beim Deutschen Dachpreis „Dachkrone“: Sina Klein ist immer mit vollem Einsatz dabei, wenn sie um Unterstützung gebeten wird. Das war jüngst bei der Freisprechung der Auszubildenden in Schleswig-Holstein auf der Messe NordBau nicht anders, zu der sie als Rednerin eingeladen war. „Da durfte ich ein paar Worte sagen“, berichtet sie, „das war schon etwas Besonderes. Es ist mir definitiv ein Anliegen, möglichst viele junge Leute zu erreichen und Werbung für unser Handwerk zu machen.“

Auf dem Weg zur Chefin
Und als wäre das alles nicht schon genug, hat die 25-Jährige ja auch noch ihren Hauptjob zu erledigen. Im Betrieb ihres Vaters Hartmut Klein ist sie gerade dabei, Schritt für Schritt mehr in die Verantwortung zu gehen, um den Betrieb perspektivisch übernehmen zu können. „Wenn mein Vater nächstes Jahr in Rente geht, soll alles soweit geregelt sein. Er lebt fürs Handwerk, darum werde ich sicher auch danach weiterhin auf seine Expertise zurückgreifen können.“
Bruder Leon startet Dachdeckerlehre
Aufmerksamen Followern von Dachdeckerin Sina dürfte auch ihr Bruder Leon (20) schon begegnet sein, der inzwischen eine Ausbildung im Betrieb begonnen hat. „Es steht noch in den Sternen, ob Leon später seinen Meister machen oder vielleicht studieren will“, sagt Sina Klein. „Aber wenn er Lust hat, würde ich mich definitiv freuen, den Betrieb irgendwann mit ihm zusammen zu führen.“





















