Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein lächelnder Mann im Anzug mit roter Krawatte steht neben einer Frau mit Brille und Blumenstrauß.

Dieser Dachdecker lebt das Ehrenamt

Harald Friedrich

15. November 2018

Hans-Peter Kistenberger ist in vielen Ehrenämtern zuhause – immer leidenschaftlich, voller Ideen und mit klarer Meinung. Und er klebt nicht an seinen Posten. „Es hat alles seine Zeit. Und irgendwann ist die Zeit gekommen, dass es weitergeht und ein anderer die Aufgaben übernimmt.“ Daher kandidierte der Dachdeckermeister bei den Vorstandswahlen 2018 auf dem Landesverbandstag nach 18 Jahren nicht mehr als Landesinnungsmeister von Baden-Württemberg. „Ich will Platz machen für die nächste Generation“, lautete schon vor diesem Verbandstag seine Ansage. Und Wehmut kommt auch nicht auf: „Ich habe ja jetzt Zeit, all das zu tun, wofür die Zeit bisher zu knapp war.“

Dachdeckermeister Hans-Peter Kistenberger ist in vielen Ehrenämtern zuhause, so will er als Unternehmer der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Dachdeckermeister Hans-Peter Kistenberger ist in vielen Ehrenämtern zuhause, so will er als Unternehmer der Gesellschaft etwas zurückgeben.

Ein Highlight: Landesverbandstag in der Heimatstadt Bruchsal

Das Ereignis, das ihm vielleicht am meisten in Erinnerung bleiben wird, ist der Landesverbandstag 2009 in seiner Heimatstadt Bruchsal. „Es war toll, sich ganz intensiv für die Vorbereitungen einbringen zu können. Außerdem es war beeindruckend, wie fasziniert die 600 Teilnehmer unseres Verbandstages waren“, erinnert sich Kistenberger.  Kein Wunder, denn es drehte sich hier alles um das Thema Feuer und Brandschutz und Veranstaltungsort war die Feuerwehrschule.

Ein Dachdecker übernimmt Ehrenämter in Handwerk, Politik und Gesellschaft

So „Feuer und Flamme“ wie für sein Amt als Landesinnungsmeister war und ist er auch für seine anderen Engagements. Als Dachdecker übernahm er Ehrenämter von der Innung Karlsruhe bis hinauf zum Hauptvorstand und der Tarifkommission des Zentralverbandes des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Doch Freigeist Kistenberger dachte immer über das Handwerk hinaus, hinein in Politik und Gesellschaft. Seit 1999 ist er Mitglied des Bruchsaler Gemeinderats, heute als Fraktionsvorsitzender der CDU,  und seit 2014 auch Mitglied im Kreisrat.

Dazu kommen Ehrenämter als Ehrensenator in der Großen Karnevalsgesellschaft, Beiratsfunktionen bei der Sparkasse Kraichgau und im Beirat Süd der SV Sparkassenversicherung sowie ein Amt als Aufsichtsrat bei der EWB Energie- und Wasserversorgung Bruchsal GmbH. Ganz schön sportlich? Da gab es ja auch noch seine mehrjährige Tätigkeit als Schiedsrichter in der Handball-Oberliga nach Ende seiner Handballer-Karriere. „Auch da hatte ich immer Entscheidungen zu treffen“, berichtet Kistenberger mit einem Schmunzeln.

Im Ehrenamt Ideen entwickeln und vorleben

Lassen sich all diese Funktionen mit der eines Landesinnungsmeisters im Dachdeckerhandwerk vergleichen? „Das Handwerk hat seine eigene Welt und Gesetzmäßigkeiten“, so Kistenbergers Einschätzung. „Aber auch die Kommunalpolitik ist anders als die Landes- oder Bundespolitik.“ Wichtig ist für ihn in allen Ehrenämtern, Ideen zu entwickeln, zu leben und vorzuleben. „Leider wird das heute von viel zu wenigen Unternehmern realisiert.“

Ein Verlust an Lebensqualität durch Freizeitverlust hat das für ihn nie bedeutet. „Die Gesellschaft ändert sich rapide. Da ist doch eigentlich jeder gefordert, sich zu engagieren für Familie, Mitarbeiter und Bürger“, so Kistenbergers Motivation. „Ich will jeden Tag wieder in den Spiegel sehen können.“ Und das heißt für Kistenberg, als Unternehmer der Gesellschaft etwas zurückgeben, nicht nur das Eigeninteresse im Blick haben.

Ehrenamt: Hans-Peter Kistenberger übernahm Ehrenämter von der Innung Karlsruhe bis hinauf zum Hauptvorstand und der Tarifkommission des Zentralverbandes des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH).

Hans-Peter Kistenberger übernahm Ehrenämter von der Innung Karlsruhe bis hinauf zum Hauptvorstand und der Tarifkommission des Zentralverbandes des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH).

Gibt es für ihn einen Tipp für alle, die künftig Ja zum Ehrenamt sagen wollen? „Es ist wie als  Dachdecker, einfach einsteigen, lernen, dazulernen und sich behaupten. Dann Einsatz bringen in der Innung, den Vorstand aktiv unterstützen und Ämter übernehmen“, sagt Kistenberger. Ganz wichtig für ihn ist es auch, sich Vorbilder zu suchen. Seine eigenen Vorbilder waren Kollegen, wie die ZVDH-Präsidenten. „Ich bewundere deren Engagement, selbst ich hätte kaum diese Energie und die Zeit dafür“, gibt er offen zu.

Ausbildung und Meisterbrief: Erfolgsmodelle bewahren und weiterentwickeln

Wie sieht Hans-Peter Kistenberger nach 18 Jahren als Landesinnungsmeister Meisterbrief und Innungswesen in Deutschland? Er zögert keine Sekunde mit seiner Antwort: „Das duale Ausbildungssystem und die Meisterausbildung sind Erfolgsmodelle, um die wir in der ganzen Welt beneidet werden. Würden wir den Meisterbrief abschaffen, würde die Qualität der Arbeit und der Ausbildung darunter leiden.“ Aber er gibt auch ehrlich zu, dass es hier keinen Stillstand geben darf. „Weiterentwicklung muss sein, aber das bestehende Prinzip muss erhalten bleiben.“

Ehrenamt: Bei den Vorstandswahlen 2018 auf dem Landesverbandstag in Rust kandidierte Dachdeckermeister Hans-Peter Kistenberger nach 18 Jahren im Amt nicht mehr als Landesinnungsmeister von Baden-Württemberg.

Bei den Vorstandswahlen 2018 auf dem Landesverbandstag in Rust kandidierte Dachdeckermeister Hans-Peter Kistenberger nach 18 Jahren im Amt nicht mehr als Landesinnungsmeister von Baden-Württemberg.

Im Ehrenamt ein lebenswertes Miteinander befördern

Mal angenommen, er würde morgen aufwachen und wäre Bundekanzler. Was würde er mit in dieses Amt bringen? „Den Willen, ein lebens- und liebenswertes Miteinander zu realisieren. In einem Land, in dem sich alle Gesellschaftsschichten, Kinder, junge Menschen und Senioren wiederfinden und wohl fühlen. Und nicht alleine sind mit ihren Sorgen und Nöten“, skizziert Kistenberger seine Vision. Konkret würde er aus seinem Handwerksleben zwei Themen mitbringen und sofort anpacken: „Der Wohnungsbau muss von Seiten des Staates massiv gefördert werden. Und auf der anderen Seite sollte der Staat übertrieben hohe Standards im Wohnungsbau absenken.“ Irgendwie schade, dass es nur ein Traum bleibt, dass der Bundeskanzler Hans-Peter Kistenberger heißt.

Sie interessieren sich für ehrenamtliches Engagement in der Innung. Dann lesen sie unseren Artikel über die erste weibliche Obermeisterin in Westfalen.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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