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Traumberuf Dachdeckerin

2019.02.05 Michael Podschadel • Lesezeit 3’

Dachdeckermeisterin Frauke Hahn war schon nach dem Abitur Feuer und Flamme für den Beruf. Hier berichtet die 33-Jährige, warum sie Dachdeckerin geworden ist, wie sie ihren Betrieb führt und was sie in der Freizeit und im Ehrenamt macht.

Dass die Kinder des Chefs ihre Freizeit gerne auf dem unmittelbar benachbarten Firmengelände verbracht haben, war für die Mitarbeiter des Dachdeckerbetriebs Hahn Bedachungen in Seelze bei Hannover schon vor 25 Jahren keine Besonderheit. Früh zeigte sich bei Frauke Hahn eine Begeisterung für das Handwerk ihres Vaters, Großvaters und Urgroßvaters, die sie bis heute nicht losgelassen hat: „Nach dem Abitur habe ich ein Praktikum im Betrieb absolviert und war sofort Feuer und Flamme“, berichtet die heutige Chefin.

Frauke Hahn schloss 2006 ihre zweijährige Ausbildung zur Dachdeckerin ab, ein Jahr später folgte der Meisterbrief.

Frauke Hahn schloss 2006 ihre zweijährige Ausbildung zur Dachdeckerin ab, ein Jahr später folgte der Meisterbrief.

Dachdeckerin macht nach der Lehre gleich den Meisterbrief

2006 schloss sie ihre zweijährige Ausbildung zur Dachdeckerin ab, ein Jahr später folgte der Meisterbrief. Vater Helmut ist froh, ohne Drängen eine Nachfolgerin für den Familienbetrieb zu haben – von drei Kindern zieht es bisher nur Tochter Frauke ins Handwerk. „Mein Vater hat bei keinem seiner Kinder Druck gemacht. Für uns war immer klar, dass jeder beruflich den Weg gehen kann, der ihm liegt“ berichtet die heutige Betriebsleiterin. „Und ich wollte unbedingt Dachdeckerin werden“, ergänzt sie mit einem Lächeln.

Die Ausbildung war eine großartige Zeit

Obwohl das Dachdeckerhandwerk quantitativ von Männern dominiert wurde und wird, blickt Frauke Hahn sehr zufrieden auf ihre Ausbildung in der Dachdeckerschule St. Andreasberg zurück. „Das war wirklich eine großartige Zeit mit vielen kollegialen Mitschülern. Zum Glück habe ich keine ernsthaften Vorbehalte gegenüber Frauen im Dachdeckerberuf zu spüren bekommen. Dumme Kommentare habe ich angemessen erwidert, das war es dann auch schon“, weiß die Dachdeckerin zu berichten.

Auch im elterlichen Betrieb war sie vom ersten Tag an voll integriert. „Meine Großmutter hat schon hier gearbeitet, allerdings in der Buchhaltung.“ Frauke Hahn ist die erste Frau in ihrer Familie, die den handwerklichen Berufsweg gewählt hat; und bisher leider auch die einzige Dachdeckerin im Betrieb. Gerade bei Schülerinnen würde sich Hahn mehr Begeisterung für Ihren Beruf wünschen. Sie bedauert, unter den Bewerbern auf ausgeschriebene Ausbildungsplätze in zehn Jahren noch keine einzige Frau gesichtet zu haben.

Sportliche Dachdeckerin: Schwimmen und Fitnesstraining

In ihrer Freizeit treibt die junge Dachdeckerin regelmäßig Ausdauersport, vom Schwimmen bis zum Fitnesstraining. Außerdem hört sie Rockmusik – am liebsten live. Für ihr Handwerk engagiert sich Frauke Hahn auch nach Feierabend. Sie ist Mitglied im Beirat der Dachdecker-Einkauf Ost, Niederlassung Hannover, und seit sechs Jahren im Vorstand der Vereinigung ehemaliger Dachdeckerfachschüler St. Andreasberg. Dabei liegt ihr vor allem ein Thema am Herzen: der Nachwuchs. „Wir haben zwei engagierte Auszubildende, mit denen wir sehr zufrieden sind. Das ist aber leider nicht die Regel“, kommentiert Hahn den Fachkräftemangel.

Dachdeckerin engagiert sich für Nachwuchswerbung

„Viele motivierte junge Menschen machen heute lieber das Abitur und studieren anschließend, anstatt sich für einen Handwerksberuf zu begeistern.“ Ihrer Meinung nach sollten Schulen auch im digitalen Zeitalter handwerkliche Kenntnisse stärker vermitteln. Die Dachdeckerin vermutet: „Es mangelt im Unterricht vielleicht einfach an Berührungspunkten, damit Schüler ihre handwerklichen Fähigkeiten überhaupt entdecken können. Mal einen Akkuschrauber in die Hand zu nehmen, kann ja nicht schaden.“ Augenzwinkernd ergänzt sie: „Irgendjemand muss doch auch die Dächer der Schulen und Hochschulen eindecken.“

Dachdeckerin ganz oben: Heute führt Frauke Hahn den Betrieb, den ihr Urgroßvater 1925 gegründet hat, gemeinsam mit ihrem Vater.

Heute führt Frauke Hahn den Betrieb, den ihr Urgroßvater 1925 gegründet hat, gemeinsam mit ihrem Vater.

Familiäres Betriebsklima in vierter Generation

Heute führt Frauke Hahn den Betrieb, den ihr Urgroßvater 1925 gegründet hat, gemeinsam mit ihrem Vater. Unter den 17 festangestellten Mitarbeitern finden sich noch einige, die ihr in Kindertagen beim Spielen auf dem Betriebsgelände zugeschaut haben. „Für mich ist die menschliche Bindung sehr wichtig“. Hahn führt aus: „Wir haben eine gute, erfahrene und zuverlässige Belegschaft, die eingespielt ist. Das ist nicht nur eine Frage der Betriebsführung, sondern auch ein über Jahre gewachsener Zusammenhalt.“ Im Team von Hahn Bedachungen gibt es Raum für individuelle Interessen und Fähigkeiten – auf diese Weise kann das Unternehmen ein breit gefächertes Leistungsspektrum anbieten. „Von der Reparatur einer tropfenden Dachrinne über die Montage einer Photovoltaikanlage bis zur Eindeckung von Dachflächen jeder Größenordnung bieten wird so ziemlich jede Handwerksleistung für das Dach an“, berichtet die Dachdeckermeisterin stolz.

Die Auftragslage ist laut Hahn gut. Derzeit liegt die Hauptauslastung in der Flachdachabdichtung und der Dachbegrünung. Das Wichtigste ist aber: Die Kunden sind zufrieden und kommen gerne wieder. „Manche Kunden kommen sogar nach vielen Jahren auf uns zurück, weil sie sich noch an die Arbeit meines Großvaters erinnern.“ Eine ehrlichere Bestätigung der eigenen Leistung kann sich ein Traditionsunternehmen wohl kaum wünschen.

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