Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann in Arbeitskleidung arbeitet auf einer Baustelle, trägt ein graues T-Shirt und Shorts, steht auf Holzbalken und hält ein Holzbrett.

Kasseler Hagel-Katastrophe: Dachdecker Peter Bärwald im Noteinsatz

Rainer Sander

20. Juli 2023

Schon Tage voraus wusste Deutschland, dass Gewitter kommen. Einen Tag vorher zeichnete sich ab, in welchen Regionen etwas passieren würde. Stunden zuvor am 22. Juni und zuletzt noch einmal Minuten davor warnte der Deutsche Wetterdienst vor schweren Unwettern. Michael Weinreich in Kassel-Harleshausen dachte um 17 Uhr, als es losging, dass auch dies vorübergehen wird.

Zwei Männer begutachten einen beschädigten Bereich auf einem Flachdach im Freien. Einer trägt eine schwarze Weste und roten Pullover, beide schauen konzentriert auf die Stelle.
Mehr als faustgroße Löcher begutachten Michael Weinreich (links) und Peter Bärwald . (Alle Fotos: Rainer Sander)

40 Millimeter dicke Hagelkörner zerstören Flachdach

Das hofften auch alle anderen Menschen in der nordhessischen Metropole, die sich tatsächlich gar nicht schützen konnten, und irgendwie kam es auch so: es ging vorüber. Nur war für viele die Welt zu Hause danach nicht mehr so wie zuvor. Keine halbe Stunde hat der Spuk gedauert, bei dem 40 Millimeter dicke Hagelkörner die Kunststofffolien auf dem Flachdach der Weinreichs durchschlugen. Die Bitumenbahnen auf dem Vordach haben hingegen gehalten, ohne Spuren zu zeigen. Dachdecker Peter Bärwald ist sich sicher, „solch große Hagelkörner hat es in Kassel noch nicht gegeben und schon gar nicht in dieser Menge mit so viel Regen vorweg und hinterher.“ Die Folgen des Klimawandels werden auch Auswirkungen auf die zukünftige Wahl von Baustoffen haben.

Schwarze abstrakte Silhouette einer Katze auf grauem, texturiertem Hintergrund.
Glatt durchschlagen haben hier die 40 Millimeter dicken Hagelkörner die Kunststofffolien.

Wassermassen bahnen sich den Weg vom Dach bis zum Keller

Die wie ein Schweizer Käse durchlöcherte Dachhaut stellte kein Hindernis mehr da für die Wassermassen. Sie durchdrangen die Dachkonstruktion, saugten sich in den Balken fest, flossen in die Zimmerdecken, bahnten sich den Weg zu den Außenwänden, wo zusätzlich Wasser durch beschädigte Blechprofile eindrang. Durch die Wohnungen der Mieter, die Zwischendecken der Etagen und vor allem die Wände hinab erreichte das Wasser schließlich den Keller, wo es sich sammelte und „zum Stehen“ kam. Das Ergebnis des Schreckens: Drei Etagen komplett durchnässt, Wasser in allen Schränken und Möbeln, der Keller als Auffangbecken.

Drei Männer arbeiten auf einer Baustelle im Freien, tragen legere Kleidung und stehen auf einem teilweise abgedeckten Holzgerüst.
Das Team von Peter Bärwald bei den schnell begonnenen Aufräum- und Abrissarbeiten.

Notversorgung mit Teichfolie aus Mannheim

Noch am Abend besorgte der in Mannheim lebende Sohn der Familie Teichfolie. Im Baumarkt kaufte er den gesamten Vorrat auf. In Mannheim war von Katastrophenwetter schließlich nichts zu sehen, und wer sollte einen 100 Quadratmeter großen Teich bauen wollen? Noch in der Nacht kam die Plane aufs Dach in Kassel und ein Hilferuf ging bei Peter Bärwald ein.

Baustelle mit gestapeltem Baumaterial, Holzbalken und Metallteilen auf einer weißen Plane im Freien.
Mit Teichfolie, vorne rechts, installierte Familie eine erste Notabdeckung, bevor später die Dachdecker kamen.

750 Notrufe gingen bei Peter Bärwald ein

Es war einer von inzwischen über 750 Notrufen. „Es hört noch immer nicht auf, berichtet der Fuldataler Dachdeckermeister Peter Bärwald: „Niemanden von den Hilfesuchenden will ich im Stich lassen. Zu 80 Prozent sind es Kunden, bei denen wir irgendwann schon einmal tätig waren.“ Neben der mangelnden Zeit und den fehlenden Fachkräften sind Lieferschwierigkeiten beim Material gerade das größte Problem. Dachfenster und Wohndachfenster oder Lichtkuppeln könne der Bedachungsfachhandel so schnell und in den plötzlich erforderlichen Mengen trotz Lagerhaltung nicht liefern.

Zwei Arbeiter entfernen Holzplanken auf einer Baustelle im Freien, umgeben von Bäumen und Häusern.
Viele Holzlatten mussten wegen der eingedrungenen Feuchtigkeit entfernt werden.

Auch der Gerüstbauer ist gleich zur Stelle

Das Angebot erstellte Dachdeckermeister Peter Bärwald in der Nacht von Freitag auf Samstag. Der Gerüstbauer, Gerüstbau Wagner aus Ahnatal ist als Geschäftspartner in dieser Situation gleich zur Stelle gewesen. Unter langjährigen geschäftlichen Weggefährten hilft man sich zuerst. „Treue zahlt sich aus“, sagt Bärwald. Bereits am Dienstag, also fünf Tage nach dem Unwetter stand das Gerüst, ohne das es nicht geht. Bis dahin mussten die Weinreichs nach jedem noch so geringen Regen Patrouillengänge auf dem eigenen Dach absolvieren.

Zusammengeknüllte, alte Dachpappe und Trümmerteile liegen auf einem Haufen.
Die Reste der abgerissenen Kunststofffolie und Holzlatten gesammelt für den Müllcontainer.

Das Dachdecker-Team ist zwei Wochen im Dauereinsatz

„Die Bauherren und Auftraggeber aller bestehenden Baustellen und solcher, die eigentlich jetzt Baubeginn gehabt hätten, hatten vollstes Verständnis, dass nach solch einer Katastrophe ihre Aufträge zurückstehen“, freut sich Bärwald über die große Solidarität in der Region. „Auch alle Mitarbeiter haben mitgespielt. Von Donnerstagnacht bis Sonntagabend haben wir immer bis zur anbrechenden Dunkelheit durchgearbeitet und von Montagmorgen bis Samstagabend ging es mit Überstunden weiter“, berichtet Bärwald. „Erst der übernächste Sonntag war der erste freie Tag. Das geht nur, wenn der Beruf auch eine Berufung ist. Eine große Portion Liebe zum Job gehört dazu“, erläutert der Dachdeckermeister, warum sich sein Team so engagiert hat. Nur deshalb war es möglich, bereits mehr als die Hälfte der 700 Notrufe so weit zu bearbeiten, dass zumindest eine Notversorgung gelang.

Familie muss ausziehen – Komplettsanierung steht an

Für Familie Weinreich ist auf einen Schlag alles anders geworden. Die beiden Mieter sind bereits ausgezogen und in ein paar Tagen kommt der Möbelwagen, holt das verschont gebliebene Hab und Gut und bringt es in eine vorübergehende Wohnung. Mit ein bisschen Glück können sie vor Weihnachten zurückkehren. Bis dahin darf aber nichts schief gehen.

Ein Bauarbeiter trägt Handschuhe und Arbeitskleidung, lehnt sich nach vorne und arbeitet auf einer Baustelle im Freien.
Das Team von Peter Bärwald arbeitete das erste Wochenende nach der Hagel-Katastrophe durch, um den Kunden auf zahlreichen Dächern zu helfen.

Bis auf den Dachstuhl wird die gesamte Dachkonstruktion jetzt entfernt und es gibt ein komplett neues Dach. Diesmal aus Bitumen, in der Hoffnung, dass sich solch eine Katastrophe nicht wiederholt. Inzwischen kriecht der Schimmel an den Haus- und Innenwänden empor, denn das Wasser steht unter dem Estrich und sucht sich seinen Weg nach oben durch Mauerwerk und Putz. Sogar der muss ab! Die Feuchtigkeit kann in dieser Menge gar nicht verdunsten, auch weil jetzt Teichfolie auf dem Dach liegt und von unten absperrt. Das gesamte Haus ist renovierungsbedürftig.

Eine Person arbeitet mit einem Werkzeug auf einer Baustelle und trägt Arbeitskleidung. Im Hintergrund sind Häuser mit roten Dächern zu sehen.
Nur der Dachstuhl bleibt übrig.

Materiallager: Nachbar stellt Carport zur Verfügung

Den Anfang muss der Dachdecker machen, damit kein weiterer Schaden entsteht und nicht weiteres Regenwasser den Weg ins Gemäuer findet. Der Betrieb Bärwald & Zinn GmbH, Mitglied der DEG Dach-Fassade-Holz eG, freut sich, dass die Nachbarn Verständnis haben und helfen. Im Haus unmittelbar daneben können die Dachdecker vorübergehend den Carport nutzen. Nur so finden die bereits gelieferten Dachpappe-Rollen und der Container zum Abtransport des Schutts überhaupt Platz.

Eine Person in Arbeitskleidung beugt sich auf einer Baustelle über eine abgedeckte Fläche, im Hintergrund sind Häuser und Baugerüste sichtbar.
Peter Bärwald schaut schon mal nach, wie es an dieser Stelle unter den Folienlöchern aussieht.

Dachdeckerbetriebe leisten Außergewöhnliches

Jetzt - Stunden später - da der Text fertig ist, rieche ich noch immer den muffigen Stock-Geruch in meiner Kleidung. Er beißt sich förmlich in die Nasenschleimhaut und kribbelt. Dabei bin ich im Haus selbst gar nicht gewesen. Allein die Ausdünstungen auf dem Dach für 15 Minuten haben gereicht. Dank Dachdeckermeister Bärwald und Handwerkern aus anderen Gewerken wird‘s wieder ein Ort zum Leben. Insgesamt leisten die Betriebe der Dachdecker-Innung Kassel gerade Außergewöhnliches für die von der Hagel-Katastrophe betroffenen Menschen.

Sie interessieren sich für spannende Storys aus dem Dachhandwerk. Dann lesen Sie unsere Geschichte über die Zimmerei Rathje, welche die 4-Tage-Woche eingeführt hat.

Rainer Sander

Der „gelernte“ Pädagoge und Betriebswirt des Handwerks war 1986 erster Öffentlichkeitsreferent einer nordhessischen Kreishandwerkerschaft. Danach 15 Jahre Sozialmanagement und seit 2005 selbständiger Coach und Berater. Die ganze Zeit über arbeitete er zudem als freier Journalist für nordhessischen Print- und Online-Medien.

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