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Sport- und Kulturhalle in Holzbauweise realisiert

2021.07.22 Harald Friedrich • Lesezeit 3’

Die kleine Gemeinde Neulußheim südöstlich von Heidelberg hatte sich Großes vorgenommen: den Bau einer kombinierten Sport- und Kulturhalle in ökologischer Holzbauweise. Ein typischer Fall für die G + S Holzbau GmbH im benachbarten Ketsch bei Mannheim – trotz Lieferkrise beim Naturmaterial Holz.

Die Dimensionen der von dem Architekten Diplomingenieur (FH) Armin Irsigler von der I+E Generalbau GmbH und dem Statiker Diplomingenieur Gregor Baum geplanten Halle in Holzbauweise sind beachtlich: 46,8 Meter lang, 24,8 Meter breit und 9,5 Meter hoch. Hinzu kommen ein Bühnenanbau von 5,5 x 21,5 Meter, ein Sportlerzonenanbau von 2 x 39 Meter auf der Nordseite und gegenüberliegend ein Geräteanbau von 4,6 x 20 Meter, der sich abschrägt bis auf 9,6 Meter.

Bild von Halle in Holzbauweise

Die neue Sport- und Kulturhalle in Holzbauweise: ein Fall für G+S Holzbau. (Alle Fotos: G+S Holzbau)

Holzmaterial gerade noch rechtzeitig bestellt

Für Thomas Griesser, Geschäftsführer der G + S Holzbau GmbH, ist das zwar auch kein Auftrag wie jeder andere. Doch getreu seiner Philosophie „Mit Holz aus Leidenschaft“ ist für ihn eigentlich nichts unmöglich – Hauptsache es ist aus Holz. Wie schon bei einem fünfstöckigen Mehrfamilienhaus in Holzbauweise in Mannheim. Doch richtig schwierig bleibt es aktuell schon – allein mit Blick auf Lieferengpässe und Preisexplosion beim weltweit begehrten Naturmaterial Holz. „Da waren wir ja gerade noch rechtzeitig dran“, erinnert sich Griesser angesichts der momentanen fatalen Materialsituation am Bau. „Wir haben im Januar das Holz geordert – und zwar bei unserem Lieferanten Dachdecker-Einkauf Süd eG, deren Niederlassung wir seit Jahren und bei 85 Prozent unserer Aufträge die Treue halten.“

Bild von Halle in Holzbauweise

Ohne verlässliche Lieferanten wie die Dachdecker-Einkauf Süd eG geht aktuell in Sachen Holz gar nichts.

Verlässliche Lieferanten sind wichtig in der Holzkrise

Der „Treuebonus“ macht sich für ihn und den Auftraggeber – die Gemeinde Neulußheim unter Bürgermeister Gunther Hoffmann – bezahlt. Denn sowohl zeitlich als auch kostenmäßig läuft alles zur Zufriedenheit von Auftraggeber und Auftragnehmer. Nach Griessers Informationen dürfte sehr wohl genug Holz auf dem deutschen Markt verfügbar sein. „Knapp ist der Leim, der auf einem Nebenprodukt der Kerosin- und Benzinherstellung basiert“. Fazit: Wenig Flüge – wenig Leim.

Bild von Halle in Holzbauweise

Die großen Wand- und Deckenelemente fertigt der Betrieb selber vor in den Firmenräumen.

Holzbauweise: Wandelemente selbst vorgefertigt

Nachdem bereits im Laufe des Jahres 2020 die Gründung und der Bau der neun Aussteifungsstützen in Stahlbeton für die Sport- und Kulturhalle erfolgte, war am 24. März 2021 der erste Arbeitstag von G+S Holzbau bei diesem Projekt. Die Wandelemente in Holzbauweise wurden in den Firmenräumen selbst vorgefertigt. Der Rahmen besteht aus einem 14 Zentimeter dicken Ständerwerk aus Fichte/Tanne mit einer 15 Millimeter OSB-Plattenbeplankung.

Bild von Halle in Holzbauweise

14 Zentimeter dickes Ständerwerk aus Fichte/Tanne mit einer 15 Millimeter OSB-Plattenbeplankung.

Für niedrige Energiekosten sorgen eine Steicozell Holzfaser-Einblasdämmung sowie Steicoprotect Holzfaser-Dämmplatten als Wärmedämmverbundsystem. Nur etwas mehr als zwei Wochen nach dem Holz-Baubeginn wurde am 9. April der letzte Träger der Dachkonstruktion vom Autokran auf seinen Platz gehoben.

Tragende Längsbinder von über 20 Meter Länge

Auf seinen Platz heißt im Fall der Sport- und Kulturhalle auf den 21,3 Meter langen und 2,3 Meter hohen tragenden Längsbindern aus einer 30 Zentimeter dicken Leimholzkonstruktion. Die Dachlast tragen 17 Leimholz-Dachbinder sowie zwei Abschlussrandbinder. Jeder von ihnen 24,6 Meter lang und 20 Zentimeter dick. Die Anfangshöhe an den Traufen beginnt bei 1,48 Meter und wächst bis zur Firsthöhe auf 1,76 Meter an.

Bild von Halle in Holzbauweise

Die Längsbindern sind aus einer 30 Zentimeter dicken Leimholzkonstruktion.

Holzprojekte bis zur Dachoberkante in Eigenregie

Thomas Griesser und sein 27-köpfiges G+S-Team sind nicht nur Perfektionisten – sie lieben es auch, solche Projekte in Holzbauweise bis zur Dachoberkante komplett durchzuziehen. Beim Tragwerk fiel auf G+S-Empfehlung die Entscheidung für eine Scheibenausbildung mit MetsäWood Kerto-LVL-Q-Elementen – beim Hauptdach in einer Stärke von 57 Millimetern, bei den Anbaudächern mit 69 Millimeter.

 

Bild von Halle in Holzbauweise

Innenbild der Sport- und Kulturhalle im Rohzustand.

Anbauten als Flachdächer mit Gefälledämmung

Die Dächer der drei Anbauten arbeiten die Ketschener Holzbauexperten als Flachdächer mit Gefälledämmung aus. Das Hauptdach des Komplexes besitzt eine Dachneigung von zwei Grad. Die Anbau-Dächer werden mit einer 2-lagigen icopal Klappdämmung gedämmt und mit einer Oberlage mit icopal Ventura Elastomer-Bitumenbahnen geschlossen. Darauf wird eine icoplan Grünplast top Bahn als wurzelsichere Schicht verarbeitet. Auf ihr werden die Holzbauer zu Gärtnern – hier legen sie die Gründächer an. „Öko muss sein, sagten schließlich Gemeinderat und Bürgermeister“, betont Griesser.

Bild von Dach in Holzbauweise

Die Dachabdichtung der Sport- und Kulturhalle.

Holzbauweise ist die passende ökologische Lösung

Und damit liegt er ebenso richtig wie sein Auftraggeber. Denn nicht nur aus Naturverbundenheit im schönen Ländle, sondern auch wegen der kurzen Zeit für die Realisierung eines solchen nicht gerade kleinen Objekts war die Holzbauweise nahezu alternativlos. Erst recht, wenn man als Bauherr einen kompetenten Ansprechpartner praktisch gleich nebenan hat. Ein ungeschriebenes Gesetz aller Ökobewussten heißt schließlich, stets zu „Produkten aus der Region“ zu greifen.

Sie interessieren sich für Holzbauprojekte? Dann lesen Sie unsere Story über das aktuelle Bauvorhaben der Zimmerei & Holzbau Günter Wilhelmi.

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