Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Zwei Personen in roten Shirts sitzen auf einem Schieferdach, halten einen schwarzen Sonnenschirm und lächeln in die Kamera.

Auferstanden aus Bombenschutt: 125 Jahre Dachdecker Bernhardt

Gerald Weßel

4. November 2021

Flammen verschlingen Erbe und Erinnerungen ganzer Generation. Auch der Firmensitz der Bernhardt Bedachung- Gerüstbau GmbH, Mitglied der Dachdecker-Einkauf Süd eG, wird bei den Luftangriffen der Alliierten 1944 auf Frankfurt zerstört. „Der damalige Firmensitz brannte komplett aus“, erzählt Dachdeckermeisterin Melanie Bernhardt. Sie führt den 1896 gegründeten Betrieb heute gemeinsam mit Bruder Oliver in vierter Generation. „Damit verschwanden neben vielen Unterlagen der Firmengeschichte auch unzählige Erinnerungen unserer Familie, die nicht wiederzubringen sind.“

Frau mit Sonnenbrille steht auf einer Dachterrasse, im Hintergrund Stadtansicht mit modernen und historischen Gebäuden bei sonnigem Wetter.

Vor 125 Jahren startete der Betrieb in Thüringen, heute hat Melanie Bernhardt freien Blick auf die Frankfurter Skyline.

Ursprung des Betriebs liegt in Thüringen

Zum 125. Geburtstag ist der tragische Brand des ersten Firmensitzes erneut relevant geworden, denn noch zum 100. waren viele Fragen bezüglich der Anfangszeit offen. So hatte sich Bernhardt fest vorgenommen, diesen Schleier der Vergangenheit zu lichten. „Es war offiziell kaum etwas da, worauf ich mich stützen konnte“, berichtet sie. Bernhardt wandte sich an die Dachdeckerinnung Frankfurt, was neben der eigenen Recherche entscheidende Hinweise brachte. Und auch wenn längst nicht alle Fragen beantwortet werden konnten, weiß die Frankfurter Unternehmerin heute, dass der Betrieb einst ganz woanders die ersten Pfannen, Ziegel und Schieferplatten auf Dächer legte: in Thüringen.

Opa Bernhardt machte 1938 den Meister

„Hier wurde 1896 unser Betrieb unter dem Namen Storch gegründet. Der damalige Chef heiratete irgendwann vor 1930 in unsere Familie ein und zog später nach Frankfurt um.“ Danach wird in den Annalen aber wieder so manches unklar. Bis schließlich ihr Opa 1938 seine Meisterprüfung ablegte und die Firma ab 1940 alleine führte. Dabei wollte er bereits einer ungeschriebenen Tradition folgen: Geschwister als Duo an der Unternehmensspitze. Sein Vater hatte es ihm gemeinsam mit seinem Bruder vorgemacht. Doch der Großonkel des heutigen Duos auf den Frankfurter Dächern kam bei einem Unfall mit einer Straßenbahn ums Leben. So musste der Opa die Firma durch den Krieg in die Gründerjahre der Bundesrepublik lenken. Immerhin blieb er aus heute unbekannten Gründen vom Dienst an der Waffe verschont.

Ein Mann mit Sonnenbrille und Mütze arbeitet im Freien, hält ein großes Metallrohr und trägt Handschuhe.

Bruder Oliver ist oft gemeinsam mit Melanie Bernhardt im Team auf der Arbeit.

Heute Arbeiten und Wohnen unter einem Dach

Der Standort des Unternehmens wechselte mehrmals, bis man schließlich in den 80ern Wohnen und Arbeiten unter einem Dach im Stadtteil Bornheim vereinte. „Wir hatten davor zum Beispiel lange einen separaten Lagerplatz am Ostgüterbahnhof“, erzählt Melanie Bernhardt. Doch mit dem Wegfall des Holzgerüstbaus brauchte man weit weniger Stauraum. Heute ist von diesem einstigen Zweig nur noch der Begriff im Namen des Unternehmens geblieben. Es hat sich eh viel verändert: „Früher wurden Aufträge oft per Handschlag vereinbart, das geht heute zum Beispiel gar nicht mehr“, verweist sie auf die gestiegenen Anforderungen alleine auf Seiten der Bürokratie – trotz oder auch wegen der Digitalisierung. „Die Kunden erwarten nicht selten Erreichbarkeit Rund-um-die-Uhr.“

Eine Person sitzt auf einem Hausdach und blickt auf eine Wohngegend mit vielen Bäumen und Häusern an einem bewölkten Tag.

Schöne Schnappschüsse wie dieser sind Teil der Marketingaktivitäten auf Instagram.

Über soziale Medien werben & Lobbyarbeit machen

Um für Alt- und Neukunden auch noch sichtbarer zu sein, begann sie 2011 mit Facebook und vor einiger Zeit auch mit Instagram. Dort lädt sie Videos und Bilder aller Art aus dem Leben in und rund um den Familienbetrieb hoch. „Wir haben nur wenig Budget für Werbung, da passen die sozialen Medien gut ins Konzept.“ Sie schätzt diese auch für die Möglichkeit, schnell Meinungen einzuholen oder gemeinsam mit anderen mit Nachdruck Anliegen an die Stadt heranzutragen. Dies ist für Bernhardt auch als Pressesprecherin der Dachdeckerinnung Frankfurt nützlich. „Das ist besser als jeder Beschwerdebrief“, ist sie überzeugt.

Zwei Männer auf einem Dach, einer im Vordergrund mit Sonnenbrille und Hut, der andere sitzt weiter hinten.

Humor ist oft mit dabei, wenn das Geschwisterpaar Fotomotive für die sozialen Meiden aufnimmt.

Profihandwerk plus Service und Tradition

Doch am eigenen Anspruch hat sich über die Generationen hinweg nichts verändert. „Mein Bruder und ich, unsere Angestellten und auch meine Eltern im Büro stehen für professionelles Handwerk mit Service und Tradition, das auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurückschreckt“, bringt sie es für sich auf den Punkt. „Wir haben uns gegenüber den frühen 80ern aber sehr verkleinert.“ Von einst 16 Mitarbeitern sind sie auf – das Geschwisterpaar eingeschlossen – vier geschrumpft. „Wir können keine Hilfsarbeiter gebrauchen. Bei uns sind nur echte Spezialisten mit langjähriger Erfahrung tätig“, ist für Melanie Bernhardt klar. „Wir sind uns selber treu geblieben, als wir entschieden haben kleiner zu werden, um die Zügel in der Hand zu behalten.“

Eine Person sitzt hinter einem großen Stapel Aktenordner und zeigt mit beiden Daumen nach unten, wirkt überfordert.

Verschwunden hinter dem Aktenberg: Melanie Bernhardt sind die bürokratischen Auflagen ein Dorn im Auge.

Schwierige und aufwändige Spezialaufträge

Der Grund hierfür findet sich auch in der Auftragsstruktur der Firma und den dahinterstehenden Kunden: Spezialarbeiten für Gutachten oder wiederholt Aufträge für einen festen Stamm an Architekten. Oft werden sie gerufen, wenn es um eher kleinere, aber dafür besonders aufwendige Fälle geht. „Wir betreuen auch viele Häuser schon über Jahre“, sagt sie. Es kommt aber eben auch immer vor, dass sie zur Reparatur von Mängeln, die von anderen ins Dach eingearbeitet wurden, gerufen werden. „Hierbei ist dann auch die Dokumentation sehr aufwendig. Es muss für den Kunden ja klar sein, wie sah es aus, was war das Problem, wie haben wir es repariert und was haben wir ergänzt.“

Zwei Personen arbeiten im Freien an einem Holzbalken, tragen Arbeitskleidung, Handschuhe und benutzen Werkzeuge.

Genaues und fachlich sauberes Arbeit ist die Basis für den Erfolg des Betriebs – egal, ob es sich um eine Dachrinne oder einen Großauftrag handelt.

Reparaturfälle mit komplexen Gutachten

Hier kommen auch komplexe Gutachten ins Spiel. So manch andere Firma schrecke hiervor eher zurück. „Viele wollen eher Neubauten und große Flächen machen, das ist nicht so unser“, stellt sie klar. „Wir mögen es, wenn es auf den Blick fürs Detail und eine Menge Fachwissen ankommt, um recht kleine, aber nicht minderwichtige Bereiche gut hinzubekommen.“ Leider seien solche Reparaturfälle keine Seltenheit, daran seien aber auch Kunden oft nicht schuldlos: „Manche beauftragen regelrecht achtlos, schauen sich kaum an, wen sie da von wo ganz anfahren lassen.“ Hier räche sich dann der reine Blick auf den niedrigsten Preis. Gute Firmen kämen zurück, wenn sie einen Fehler begingen. Für Bernhardt sind letztendlich die oft nicht mehr auffindbaren Fremdhandwerker hauptverantwortlich.

Ein Mann mit grauer Mütze und kariertem Hemd steht vor einem Fenster und zeigt einen Daumen hoch.

Pflegt ein enges und vertrauensvolles Verhältnis zu den Kunden: Oliver Bernhardt.

Handschlag und Vertrauen im Umgang mit Kunden

Dem Geschwistertandem sind langfristige Kundenbindungen wichtig. „Wir behandeln die Dächer unserer Kunden, als wäre es unser eigenes Dach.“ Und eines hat sich seit den Gründertagen nicht verändert: „Verzichten auf den Handschlag will keiner, denn unpersönlich will niemand“, erzählt sie. „Es geht einfach um Vertrauen in die Personen und die Qualifikationen und da können wir als Familie punkten.“ Zum 125. Geburtstag richtig feiern konnten sie bisher nicht und haben es diesen Winter aufgrund von Corona auch nicht vor. „Mehr als eine kleine Zusammenkunft im Zuge der Innungsversammlung war nicht drin“, sagt sie. „Aber aufgeschoben heißt nicht aufgehoben“, blickt Bernhardt hoffnungsvoll ins kommende Jahr.

Sie interessieren sich für Betriebsportraits? Dann lesen Sie unsere Story über Dachdecker, die seit 140 Jahren Überzeugungstäter sind.

 

Gerald Weßel

Der studierte Wirtschaftsgeograf und ausgebildete Journalist schreibt seit Jahren in Bremen und dem Umland für die lokale Tageszeitung Weser-Kurier. An seiner Arbeit begeistert ihn vor allem die Vielfalt an Themen, Sichtweisen und Geschichten.

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