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Ein gelber und roter Zug steht hinter einem Wagen mit Holzplatten in einer Halle.

Eco-Timber: Abbund und Vorfertigung für Dachhandwerker

Knut Köstergarten

13. Juli 2023

Zimmerermeister Uwe Klingebiel gründete 2020 in Heiligenstadt die Eco-Timber GmbH & Co. KG als industriellen Dienstleister für den Holzbau. Sein Ziel, das er mit dem Partner DEG Dach-Fassade-Holz eG verfolgt: Zimmerer und Dachdecker bei Abbund und Vorfertigung zu entlasten, damit sich diese in Zeiten des Fachkräftemangels auf die Montage vor Ort konzentrieren können.

Bild von Holzmodulbau bei Eco-Timber
In der Vorfertigung gibt es eine 28 Meter lange Tischanlage zur Montage mit zwei Deckenkränen. (Alle Fotos: Eco-Timber)

Abbund zukaufen kann ein Problem sein

Uwe Klingebiel weiß, wovon er spricht. Seit 20 Jahren führt er im nahen Streitholz mit Holzbau und Bedachungen Uwe Klingebiel GmbH eine Zimmerei mit zehn Mitarbeitern. „Wir haben immer den Abbund zugekauft, waren aber mit Reaktionszeit, Zuverlässigkeit und Serviceprofil oft unzufrieden.“ Dann wollte er aus Platzgründen mit dem Betrieb umziehen, und da kam ihm die Idee, gleich ein Industrieunternehmen für Abbund sowie Vorfertigung im Holzmodulbau und Holzelementbau zu gründen. „Denn andere Dachhandwerker haben ja das gleiche Problem, wo sie verlässlich zukaufen können.“

Keine Konkurrenz für Dachdecker und Zimmerer

Dabei macht Klingebiel sofort klar, dass Eco-Timber keine Konkurrenz für Dachdecker und Zimmerer darstellt. „Wir sind ein Industrieunternehmen, bieten keine Montage an und nehmen auch keinerlei Kontakt zu Endkunden auf.“ Die Abrechnung der Aufträge läuft über den Handel. Wer also bei der DEG Mitglied oder Kunde ist und dort sein Material bestellt, kann dort zusätzlich Abbund und/oder Vorfertigung bestellen. Das heißt, dass die Aufträge zählen in Sachen Rückvergütung.

Bild von Produktionshalle von Eco-Timber
„Wir haben immer den Abbund zugekauft, waren aber mit Reaktionszeit, Zuverlässigkeit und Serviceprofil oft unzufrieden", erklärt Geschäftsführer Uwe Klingebiel.

Fachkräftemangel erfordert mehr Zusammenarbeit

Auch wenn er die Skepsis der Dachhandwerker verstehen kann, für Klingebiel ist Kooperation heute wichtiger denn je. „Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels geht es doch darum, wo ich meine Mitarbeiter am besten gewinnbringend einsetzen kann. Wer sich auf die Montage konzentriert, kann mehr Projekte abwickeln und macht mehr Gewinn“, ist Klingebiel überzeugt. Gerade für kleinere Betriebe mache es wenig Sinn, in einen eigenen Maschinenpark zu investieren und dort Arbeitszeit der Mitarbeiter zu binden.

Kooperieren für größere Holzprojekte

„Sie sollten sich lieber mit Kollegen zusammenschließen, um auch größere Holzprojekte realisieren zu können. Wir nehmen ihnen von der Planung über Abbund und die individuelle Vorfertigung bis zur termingerechten Anlieferung alles andere ab und können das aufgrund der Mengen kostengünstiger und in bester Qualität anbieten.“ Eco-Timber ist natürlich zertifiziert für Abbund und Vorfertigung. Wenn der ausführende Betrieb dann für die Baustelle zertifiziert ist, kann er auch öffentliche Aufträge übernehmen, bei denen beides Bedingung ist für die Vergabe.

Bild von Produktionshalle von Eco-Timber
Abbund ist auf aktuell zwei Anlagen bis einer Breite von 1,3 Metern möglich.

Investitionen in modernste Maschinen

Eco-Timber hat in modernste Maschinen von Hundegger investiert, der Abbund ist auf aktuell zwei Anlagen bis einer Breite von 1,3 Metern möglich. Es gibt auch eine zusätzliche Hobelmaschine. Je nach Bedarf bietet Klingebiel den Kunden drei Qualitäten an, von Standard bis Sicht-Abbund Plus. In der Vorfertigung gibt es eine 28 Meter lange Tischanlage zur Montage mit zwei Deckenkränen. Hier arbeiten aktuell rund 20 Mitarbeiter im Einschichtbetrieb. Aufgrund der zunehmenden Auslastung plant Klingebiel bereits die Umstellung auf zwei Schichten.

Bild von Mitarbeitern von Eco-Timber
In der Vorfertigung gibt es eine 28 Meter lange Tischanlage zur Montage mit zwei Deckenkränen.

Überzeugungsarbeit im Dachhandwerk leisten

Dachdecker und Zimmerer, die einmal mit Eco-Timber zusammengearbeitet haben, kommen auch wieder. Dennoch entwickelt sich das Geschäftsfeld Holzbau für Dachhandwerker nur langsam. „Es braucht Zeit, bis die Betriebe ihre Vorbehalte überwinden und stärker den Nutzen sehen können. Gemeinsam mit der DEG Dach-Fassade-Holz wollen wir da weiterhin Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Klingebiel. Wer eine Kooperation wünscht, kann auf der Webseite von Eco-Timber in wenigen Schritten alle wichtigen Infos eingeben und Dokumente hochladen, die es für ein sauberes Angebot braucht. „Während sie sich die Zeit dafür nehmen, arbeiten sie sich ja selbst schon in das Projekt und seine Besonderheiten ein“, erklärt Klingebiel.

Bild von Holzbau-Projekt von Eco-Timber
Eco-Timber liefert nur die vorgefertigten Holzelemente zu den Baustellen der Kunden. Eigene Montageteams hat das Unternehmen aus Prinzip nicht.

2003 die eigene Zimmerei gestartet

Klingebiel lernte Zimmerer ab 1997 und machte direkt danach den Meister in Erfurt. Dann startete er 2003 allein seinen Betrieb, selbstständig wollte er immer schon arbeiten. Ein Jahr später realisierte Klingebiel den ersten Holzrahmenbau und machte den Dachdeckermeister in Vollzeit am Bubiza in Kassel. „Ich weiß also, worauf es bei Dachhandwerkern ankommt bei Planung, Logistik und auf der Baustelle. Was wir den Betrieben bei Eco-Timber anbieten, ist gut durchdacht auf deren Bedarf abgestimmt.“

Enge Kooperation mit DEG Dach-Fassade Holz eG

Bei der Entwicklung der Geschäftsidee kooperierte Klingebiel von Beginn an eng mit der DEG Dach-Fassade-Holz eG und deren Leiter Produktmanagement, Markus Piel. „Ich war da ja schon mit dem Zimmereibetrieb fünfzehn Jahre Mitglied und guter Kunde. Die DEG hat das Projekt unterstützt, weil sie den steigenden Bedarf bei ihren Holzbaubetrieben in Sachen Abbund und Vorfertigung gesehen hat.“ 

Bild von Dämmung bei Eco-Timber
Bereits in der Planung der Geschäftsidee kooperierte Eco-Timber eng mit der DEG Dach-Fassade-Holz eG.

Einfach machen – ohne Risiko geht es nicht

Warum startete Klingebiel neben der Zimmerei noch eine Gründung in dieser Größenordnung? „Das war so eine innere Bewegung. Ich wollte nach 16 Jahren noch einmal etwas anderes machen und eine neue Herausforderung suchen.“ Und so groß, wie es am Ende geworden ist, war das Projekt Eco-Timber anfangs gar nicht geplant. Doch nachdem Klingebiel externe Berater ins Boot geholt hatte, verändert sich noch einmal vieles. Aus einer Abbundanlage wurden zwei, auch um eine Ausfallsicherheit zu haben. Hinzu kam die Vorfertigung. Die Investitionen lagen anfangs bei einer Million, am Ende waren es sechs Millionen. „Natürlich habe ich Bedenken gehabt, aber letztlich gedacht: einfach machen“, erinnert sich Klingebiel. Ohne Risiko gehe es nicht.

Bild von Team von Eco-Timber
In Abbund und Vorfertigung arbeiten aktuell rund 20 Mitarbeiter im Einschichtbetrieb.

Eco-Timber: Schwieriger Start wegen Corona

Pünktlich zum Start der Produktion am 1. März 2020 begann auch die Corona-Pandemie. „Es gab keine Eröffnung, es war ein schwieriger Start. Aber zugleich boomte der Holzbau“, berichtet der Zimmerermeister. Am Anfang gab es als Aufträge nur die Projekte des eigenen Zimmererbetriebs, doch schnell sorgten erste Großprojekte für eine solide Grundauslastung. Große Holzbauprojekte sind das zweite Standbein von Eco-Timber. Dabei arbeitet Klingebiel entweder direkt mit Branchenriesen wie Künzli, Rubner oder Brüninghoff zusammen oder mit spezialisierten Holzplanungsbüros.

Bild von Holzbau-Projekt von Eco-Timber
Neubau eines mehrgeschossigen Bürogebäudes für den Waldcampus der Hochschule in Aalen: Holzskelettbauweise mit Betonfertigteilelementen und vorgehängten Holzrahmenbauwänden.

Großprojekte mit den Schwergewichten des Holzbaus

„Für Rubner Holzbau realisieren wir gerade die Fassade beim Projekt Birkenstraße West in Penzberg, ein Neubau von Mehrfamilienhäusern mit 179 Wohnungen plus Tiefgarage. Hierfür fertigen und liefern wir aktuell rund 7000 Quadratmeter komplett geschlossene Wandelemente mit Holzfassaden und insgesamt 540 Fensterelementen“, erläutert Klingebiel. In der zweiten Jahreshälfte startet das Großprojekt TRI in München, Auftraggeber ist Künzli. Dort entsteht ein Bürohochhaus mit einem Holzskelett als Konstruktion. „Da werden 85 Lkw für uns die vorgefertigten Holzelemente nach München transportieren, darunter allein 7000 Quadratmeter Deckenelemente“, so Klingebiel.

Neue Halle: Abbund und Vorfertigung werden ausgebaut

Solch ein Projekt bringt die Produktion dann an ihre Kapazitätsgrenze. Und da immer mehr Aufträge über den Bedachungshandel, Multiplikatoren und Empfehlungen hereinkommen, plant Klingebiel schon die nächste Ausbaustufe. Neben dem Firmensitz von Eco-Timber hat er weitere Grundstücke gekauft und reserviert. Noch in diesem Jahr beginnen die Arbeiten für das neue Bürogebäude mit zusätzlichen Schulungsräumen im Dachgeschoss. Zudem will Klingebiel eine neue Halle bauen, in die dann die Vorfertigung umziehen soll. „Da möchte ich auch mit Robotik und teilautomatisierten Abläufen arbeiten.“ In der bisherigen Halle soll der freie Platz für eine dritte Abbundanlage genutzt werden.

Bild von Produktionshalle von Eco-Timber
Die großen Holzelemente werden je nach Bedarf auch inklusive Dämmung realisiert.

Baubuche für mehrgeschossigen Holzbau

Die Ausweitung hat auch zu tun mit dem dritten Standbein von Eco-Timber. Es ist der neue Bereich Baubuche für mehrgeschossigen Holzbau. Dort gab es das erste Abbundprojekt 2021/2022 für Rubner Holzbau. „Das Buche-Furnierschichtholz ist härter, braucht deshalb im Abbund spezielle Diamantwerkzeuge und stellt auch höhere Anforderungen an den Brandschutz in der Produktion“, erläutert Klingebiel. Es gibt bundesweit bislang nur einen Produzenten von Baubuche, der im nahen Eisenach sitzt. Das sind kurze Wege, es ist ein verlässlicher Partner und das Geschäft entwickelt sich. Eine Spedition aus der Region übernimmt die Logistik. „Wir haben bereits Aufträge in England und Luxemburg“, berichtet der Zimmerermeister. 

Bild von Holzbau-Projekt
Holzrahmenbau für Holzbau Rubner in Penzberg - 7000 Quadratmeter komplett geschlossene Wandelemente mit Holzfassaden und 540 Fensterelementen.

Fachkräfte möglichst selbst ausbilden

Eco-Timber kommt im Büro mit erstaunlich schlanker Belegschaft aus: Ein Einkäufer, fünf Konstrukteure, ein Produktionsleiter und ein Außendienstmitarbeiter. Zudem hilft die Familie, der Vater hat die Gründung voll unterstützt, eine Tante macht die klassische Büroarbeit. Gewerbliche Mitarbeiter für weiteres Wachstum sind gut zu finden, schwieriger ist es, studierte Fachkräfte wie Bauingenieure oder Konstrukteure zu gewinnen. „Holzbau ist in der Mitte Deutschlands noch nicht so weit, wir setzen deshalb auf die eigene Ausbildung“, erklärt Klingebiel. Es gibt einen ersten Mitarbeiter, der ein duales Studium absolviert. Neue Wege gehen sie gerne und mit Erfolg bei Eco-Timber.

Sie interessieren sich für innovative Betriebe? Dann lesen Sie unsere Story über die erfolgreichen Gründer von HeRo-Holzbau.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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