Schulungspflicht für PU-Bauschaum gilt ab August 2023
Bild von Fenstereinbau mit PU-Bauschaum

Schulungspflicht für PU-Bauschaum gilt ab August 2023

30. März 2023

 · Michael Podschadel

Der Stichtag für die im Vorjahr eingeführte PU-Schulungspflicht kommt immer näher. Wer als Dachdecker oder Zimmerer mit PU-Bauschaum arbeitet, muss spätestens bis 24. August 2023 eine Schulung absolviert haben und den sicheren Umgang nachweisen können. So regelt es die Chemikalienverordnung REACH für die EU. Betriebe, die noch keine Schulung mitgemacht haben, sollten zeitnah einen Termin für ihre Mitarbeiter einplanen und vereinbaren.

Bild von Arbeit mit PU-Bauschaum
Ab 24. August darf ohne vorherige Schulung kein PU-Bauschaum mehr auf Baustellen verwendet werden. (Foto: PDR)

PU-Bauschaum enthält gefährliche Diisocyanate

Montageschaum, Holzleim, Lacke und Klebstoffe – sie alle enthalten oft gesundheitsgefährdendes Polyurethan (PU) und verursachen bei falscher Anwendung Haut- oder Atemwegserkrankungen wie Asthma. Dabei entsteht PU aus einer Reaktion von Polyolen und Diisocyanaten – und eben diese Diisocyanate sind ein Risiko für die Gesundheit. Sind PU-Materialien noch nicht ausgehärtet, gelten sie als giftig und krebsverdächtig.

Unsachgemäße Verwendung führt zu Erkrankungen

Tatsächlich erleiden laut BG Bau europaweit jährlich rund 5000 Menschen Erkrankungen, die durch eine unsachgemäße Verwendung von PU-Produkten ausgelöst werden. Allein aus Gründen der Gesundheitsvorsorge für Mitarbeiter ist deshalb eine Schulung für den sicheren Umgang mit Baustoffen auf Basis von Polyurethan empfehlenswert – und mittlerweile auch Pflicht.

Bild von Arbeit mit PU-Bauschaum
PU-Bauschäume verursachen bei falscher Anwendung und ohne Schutz Haut- und Atemwegserkrankungen.

Schulungen sind in Präsenz oder online möglich

Die REACH-Beschränkungsregelung für Diisocyanate wurde im August 2020 veröffentlicht. Drei Jahre später, am 24. August 2023, ist der Stichtag, an dem Beschäftigte, die mit PU-Materialien arbeiten, spätestens die erfolgreiche Teilnahme an einer entsprechenden Schulung nachweisen müssen. Die Regelung gilt für alle gewerblichen und industriellen Verwender, wie es heißt, und damit auch für Dachdecker und Zimmerer. Die Schulungen können in Präsenz, aber ebenso online absolviert werden. Wichtig ist, dass der abschließende Test bestanden wird. Nur dann wird das notwendige Zertifikat erteilt.

Bild von Arbeit mit PU-Bauschaum
Schulungen für die Mitarbeiter sind online und in Präsenz möglich. (Foto: PDR)

Unterschiedliche Schulungsgrade nach Tätigkeit

Der Verband der Europäischen Kleb- und Dichtstoffindustrie (FEICA) hat ein dreistufiges Schulungskonzept für den sicheren Umgang mit Diisocyanaten erarbeitet. Unterschieden werden dabei:

Eine Allgemeine Schulung (Stufe 1)

Eine Aufbauschulung (Stufe 2) 

Eine Fortgeschrittenen-Schulung (Stufe 3). 

Bild von Arbeit mit PU-Bauschaum
Die Schulungen im Umgang mit PU-Bauschaum sind kostenlos.

Verbände bieten kostenfreie Online-Schulungen

Auf der auch deutschsprachigen Website Safe Use of Diisocyanates, die gemeinsam von verschiedenen europäischen Verbänden verantwortet wird, stehen zahlreiche Online-Kurse zur Verfügung. Unter dem Punkt „Liste der Schulungen“ führt ein unkompliziertes Menü Interessierte zu einer PU-Schulung, die zum eigenen Gewerk passt. Auch die BG Bau bietet auf ihrer Website einen Überblick der geeigneten Online-Angebote für die Bauwirtschaft inklusive Verlinkungen. Hier finden Beschäftigte schnell zum richtigen Kurs. Zudem ist auf der Seite ein Code für eine kostenfreie Teilnahme zu finden.

PU-Bauschaum-Schulungen alle fünf Jahre auffrischen

Wie wichtig es ist, den Stichtag nicht verstreichen zu lassen, haben die meisten Dachdecker und Zimmerer hoffentlich bereits bemerkt. Denn die entsprechenden Produkte mit PU-Bauschaum werden schon seit einiger Zeit mit einem Hinweis auf die verpflichtende Schulung versehen. Allerdings ist es mit einer einmaligen Teilnahme nicht getan. Wer ein Zertifikat erwirbt, hat einen für fünf Jahre gültigen Nachweis – dann muss die Schulung erneut besucht und erfolgreich absolviert werden.

Bild von Arbeit mit PU-Bauschaum
PU-Schulungen müssen alle fünf Jahre aufgefrischt werden.

Arbeitsschutzunterweisung ebenfalls notwendig

Aber Vorsicht: Eine Schulung zur sicheren Verwendung von PU-Bauprodukten ersetzt nicht die Unterweisung gemäß § 14 der Gefahrstoffverordnung. Letztere muss ebenfalls erfolgen, inklusive der Umsetzung von Schutzmaßnahmen, wie Handschuhe, Brillen oder lange Kleidung, um jeden Hautkontakt mit dem flüssigen PU-Bauschaum zu vermeiden.

Praxistipps für die Arbeit mit PU-Bauschaum

Im Alltag auf dem Bau ist besonders die Arbeit mit flüssigem Polyurethan riskant. Wer etwa PU-Bauschaum versprühen oder PU-Stoffe vergießen muss, sollte unbedingt auf entsprechende Schutzmaßnahmen und die passende persönliche Schutzausrüstung (PSA) achten. Schutzhandschuhe, Schutzbrillen und lange Kleidung verhindern einen direkten Kontakt mit PU-Schaum und PU-Klebern. Außerdem sollten geschlossene Arbeitsbereiche sehr gut gelüftet werden, solange der PU-Schaum nicht ausgehärtet ist.

Bild von Arbeit mit PU-Bauschaum
Schutzhandschuhe, Schutzbrillen und lange Kleidung verhindern einen direkten Kontakt mit PU-Schaum.

Ausgehärteter PU-Schaum ist ungefährlich

PU-Bauschaum ist wegen seiner flexiblen Einsatzmöglichkeit beliebt und aus der Baubranche kaum wegzudenken. Er findet sich in nahezu jedem Gebäude. Wer sich um die Gesundheit seiner Mitarbeiter sorgt, sollte wissen, dass PU-Bauschaum nur im flüssigen Zustand gefährlich ist.  Verarbeitete und vollständig ausgehärtete PU-Produkte gelten als gesundheitlich unbedenklich. Das hat auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigt. Vorsicht ist also während der Verarbeitung geboten – für geschulte und vorsichtig in Schutzkleidung arbeitende Dachprofis ist das Gesundheitsrisiko also gering.

Sie interessieren sich für das Thema Arbeitssicherheit? Dann lesen Sie unsere Story über Absturzprävention mit YouTuber Varion.

Artikel jetzt teilen!

Weitere Artikel

Arbeitssicherheit

Gesundheit: Verschärfte Feinstaubgrenzwerte gelten für Dachhandwerk

Newsletter-Anmeldung

DACH-Ticker

Positiver Trend im Dachdeckerhandwerk: Steigerung der Azubizahlen

Die aktuellen Zahlen zeigen einen erfreulichen Anstieg der Azubizahlen im Dachdeckerhandwerk. Derzeit erlernen 8490 junge Menschen diesen Beruf, was einem leichten Anstieg um 0,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 8427 Auszubildenden entspricht. Rolf Fuhrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), betont die positive Entwicklung trotz der allgemeinen Ausbildungssituation und intensiver Konkurrenz mit anderen Berufen.

7. Februar 2024

Holzhandel erzielt im Jahr 2023 deutlich weniger Umsatz

Das schwierige wirtschaftliche Umfeld verbunden mit einer sehr schwachen Baukonjunktur sorgten beim deutschen Holzhandel 2023 insgesamt für einen Umsatzrückgang von 15 Prozent. Teilweise ist dieser Umsatzrückgang aber auch weiter nachgebenden Preisen geschuldet. Die Jahresauswertung des monatlichen GD Holz Betriebsvergleiches zeigt deutlich, dass die schwachen Absatzmärkte im vergangenen Jahr voll auf die Umsatzentwicklung der Branche durchgeschlagen haben. Alle wichtigen Sortimente im Holzhandel sind von diesem Umsatzrückgang betroffen, am stärksten Schnittholz mit einem Umsatzrückgang von 24 Prozent.

2. Februar 2024

ifo Institut: Rentenalter an steigende Lebenserwartung koppeln

Das ifo Institut Dresden hat sich dafür ausgesprochen, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. „Einige unserer Nachbarländer haben das bereits beschlossen, so die Niederlande, Schweden und Finnland“, sagt ifo-Rentenexperte Joachim Ragnitz. In den Niederlanden werde folgende Regel angewendet: Wenn die Menschen drei Jahre länger leben, müssen sie zwei Jahre länger arbeiten und bekommen ein Jahr länger Rente. Das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen würde damit auch nach dem Jahr 2040 stabil bei rund 40 Prozent liegen und nicht auf fast 50 Prozent steigen, wie derzeit prognostiziert. 

16. Januar 2024

Beschäftigung auf Rekordniveau: Arbeitsmarkt zeigt sich 2023 widerstandsfähig

Im Dezember 2023 waren rund 2,6 Millionen Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum November stieg die Arbeitslosenquote saisonbedingt um 0,1 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Staatssekretärin Leonie Gebers, Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Erfreulich ist, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit 35,1 Millionen im Oktober erneut einen Höchststand erreicht hat und die Nachfrage nach neuen MitarbeiterInnen im Dezember trotz weiterhin schwacher Konjunktur wieder leicht gestiegen ist. Der Arbeitsmarkt erweist sich als verlässlich und widerstandsfähig.“

8. Januar 2024

Dachdecker gilt als am wenigsten durch Künstliche Intelligenz gefährdeter Beruf

Die meisten Büroberufe halten viele Menschen nach einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von YouGov für akut gefährdet, durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt zu werden. Besser sind die Zukunftsaussichten für die handwerklich geprägten Berufe, bei denen sich die menschliche Komponente nur sehr schwer ersetzen lässt. Den Beruf des Schreiners halten 64 Prozent der Befragten für wenig oder gar nicht gefährdet, 65 Prozent den Beruf Maler und für den Beruf Dachdecker sehen gar 71 Prozent der Befragten wenig oder gar keine Gefahr.

21. Dezember 2023

Mayener Meisterwoche 2024 mit aktuellen Themen

In Mayen werden vom 24.-26. Januar 2024 wieder Tür und Tor für die Mayener Meisterwoche (MMW) geöffnet. Das Programm lässt keine Wünsche offen und beleuchtet die aktuellen Themen der Zeit: Neben wichtigen Neuerungen im Fachregelwerk geht es um Schadensfälle bei PV-Anlagen, die Möglichkeiten und Grenzen einer 4-Tage-Woche in Dachdeckerbetrieben, aber auch Cybersicherheit und KI im Handwerk versprechen interessante Einsichten. Ein Blick in das Programm lohnt auf jeden Fall.

15. Dezember 2023

Neues Führungs-Duo bei Velux Deutschland

Mit sofortiger Wirkung übernehmen Silke Stehr als Sprecherin der Geschäftsführung und Matthias Mager als Geschäftsführer Vertrieb die Leitung von Velux Deutschland. Jacob Madsen, bisheriger Geschäftsführer, wechselt als Executive Vice President Region North Europe in das Top-Management der Velux Gruppe. „Silke und Matthias haben viel Markt- und Branchen-Erfahrung und gestalten Velux schon lange erfolgreich mit,“ erklärt Madsen. „Gemeinsam werden wir unser Qualitätsversprechen, die enge Zusammenarbeit mit den Partnerbetrieben im Fachhandel und Handwerk und die starke Position des Unternehmens weiter ausbauen.“

4. Dezember 2023

Auftragszahlen im Wohnungsbau gehen weiter abwärts

„Seit mehr als einem Jahr verzeichnen wir nun schon negative Zahlen bei Baugenehmigungen und Auftragseingängen im Wohnungsbau. Von Januar bis September wurden fast 77.000 Wohneinheiten weniger genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Die Order sind im September um real 15 Prozent zurückgegangen“, so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Der Der Wohnungsbau brauche neben dem beim Kanzlergipfel verabschiedeten 14-Punkte-Plan kurzfristige Hilfe, sonst werde der Einbruch noch dramatischer.

24. November 2023

ifo Institut: Auftragsstornierungen im Wohnungsbau erreichen neuen Höchststand  

Die Stornierungswelle im Wohnungsbau reißt nicht ab. Im Oktober meldeten 22,2 Prozent der Unternehmen gestrichene Projekte, im Vormonat waren es 21,4 Prozent. „Es wird immer schlimmer, mehr und mehr Projekte scheitern am gestiegenen Zinsniveau und den teuren Baupreisen“, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen. „Das Neugeschäft im Wohnungsbau ist weiterhin sehr schwach, die Auftragsbestände der Firmen schmelzen ab.“ 

15. November 2023

ifo Institut: Wirtschaftsleistung 2023 schrumpft um 0,4 Prozent

Das ifo Institut hat seine Konjunkturprognose bestätigt. Demnach wird die deutsche Wirtschaftsleistung 2023 um 0,4 Prozent schrumpfen. Im kommenden Jahr wird sie dann um 1,4 Prozent steigen, aber 0,1 Prozentpunkte weniger als bislang gedacht. Im Jahre 2025 wird das Wachstum 1,2 Prozent betragen. „Anders als bislang erwartet dürfte die Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2023 ausbleiben. Die Abkühlung setzt sich fort, in nahezu allen Branchen steht die Tendenz auf Flaute“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. 

8. September 2023