Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Eine Person installiert Solarpaneele auf einem Hausdach mit roten Ziegeln unter blauem Himmel.

Dachdecker: mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2024

Knut Köstergarten

28. Dezember 2023

Wer viel mit einzelnen Betrieben spricht, wie unser Journalistenteam, der hört fast nichts von Krise, hingegen viel von vollen Auftragsbüchern bis weit ins Jahr 2024 hinein. Dachdecker machen weiterhin gute Geschäfte – unabhängig davon, dass der Neubau von Wohnungen stark rückläufig ist. Wir stellen wichtige Faktoren vor, welche die Geschäftsaussichten der Bedachungsbranche beeinflussen.

Bild von Claudia Büttner vom ZVDH
ZVDH-Pressesprecherin Claudia Büttner sieht die Aussichten für Dachdecker im kommenden Jahr vorsichtig optimistisch. (Foto: ZVDH)

Energetische Dachsanierung und PV-Anlagen

Bestätigen kann diese Einschätzung Claudia Büttner, Pressesprecherin des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). „Wir erhalten bislang von unseren Betrieben keine Rückmeldungen, dass sie starke Auftragsrückgänge hätten.“ Es hat damit zu tun, dass der Neubau laut ZVDH-Betriebsumfragen zuletzt nur rund ein Viertel der Aufträge für Dachdecker ausmachte. „Zudem geht es mit energetischer Dachsanierung und PV-Anlagen weiter. Wir sind vorsichtig optimistisch“, erklärt Büttner. Und neben der Krise im Neubau gebe es gesamtwirtschaftlich auch Indizien für eine Verbesserung der Lage. Man müsse ja nur mal schauen, dass die Inflation bereits wieder sinke. Die Inflationsrate lag im September 2023 gerade noch bei 3,8 Prozent. Zuletzt verzichtete deshalb die Europäische Zentralbank auf eine weitere Erhöhung der Leitzinsen. Und das ifo-Institut geht davon aus, dass beim Bruttoinlandsprodukt die Talsohle erreicht ist und das Wirtschaftswachstum langsam wieder anziehen wird.

Bild von Sanierung eines Hauses
Die energetische Sanierung von Fassade und Dach sorgt weiterhin für eine stabile Auftragslage der Betriebe.

Herausforderung Fachkräftemangel

Probleme haben die Betriebe vor allem damit, die Anfragen und Aufträge der Kunden abzuarbeiten, denn vielerorts fehlen Azubis und Fachkräfte. Und das, wo doch die Dachdecker und Zimmerer, so wünscht es die Bundesregierung, maßgeblich die Energiewende mitgestalten sollen: einmal durch energetische Sanierung, um Energie einzusparen, und einmal durch die Installation von PV-Anlagen in Kooperation mit Elektrikern, um nachhaltig Strom gewinnen und die Abhängigkeit von Gas und anderen fossilen Brennstoffen weiter reduzieren zu können.

Ein Thema, das der Dachdecker-Meister und Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, gegenüber der FAZ an die Politik zurückspielte. „Das Problem dabei ist, dass die Photovoltaikanlagen nicht allein aufs Dach klettern und die Wärmepumpen nicht selbstständig den Weg in den Vorgarten oder den Heizungskeller finden. Dafür braucht es Menschen, viele Menschen. Handwerkerinnen und Handwerker, um genau zu sein. Denn nicht nur der Klimawandel ist menschengemacht, sondern auch die Energiewende.“

Bild von Jörg Dittrich vom ZDH
ZDH-Präsident Jörg Dittrich fordert ein Umdenken gegenüber dem Handwerk. (Foto: Sascha Schneider)

Energiewende wird von Menschen gemacht

Und damit diese gelingen kann, braucht es eben neben einem Bekenntnis auch die passenden Rahmenbedingungen für die Menschen, die es richten sollen: die Handwerker. Denn die wachsen nicht auf den Bäumen. Eine Lobby haben sie aber nicht in Politik und Gesellschaft und schon gar nicht in den Schulen. „Die Vorurteile gegenüber dem Handwerk sitzen tief und werden schon früh vermittelt. In der Schule fängt das bereits an. Handwerkliche Bildungsinhalte und deren praktische Anwendung finden sich in kaum einem Lehrplan. Und das hat Folgen“, erläutert der ZDH-Präsident.

Bild von Dachdecker, der Solar-Module montiert
Die Energiewende wird von Menschen gemacht. Dafür braucht es Fachkräfte im Dachhandwerk.

Berufliche Bildung endlich aufwerten

Denn die Schülerinnen und Schüler passten sich an eine Welt an, in der das Verstehen der Photosynthese viel zähle, aber das Verarbeiten des dadurch entstandenen Holzes nicht Teil des Unterrichts sei. „Dadurch geht so viel verloren. Der Sinn fürs Haptische, die Freude daran, etwas zu erschaffen. Das Begreifen. Die fehlende Beratung über Berufs- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk tut dann ihr Übriges“, meint Dachdecker Dittrich. Er fordert, endlich Ernst zu machen mit der Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung. Das ist aber noch nicht in Sicht. „Während der Hochschulpakt auf über zwei Milliarden Euro aufgestockt wurde, gibt es für die Berufsbildungszentren und die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung keine vergleichbaren Steigerungen“, führt der Dachdeckermeister aus.

Bild von neugebauten Wohnungen
Die Anzahl fertiggestellter neuer Wohnungen wird 2024 weiter zurückgehen.

Wohnungsbau bricht weiter ein

Der Fachkräftemangel wird die Betriebe auf absehbare Zeit weiter begleiten. Ob und wie sich die Krise des Neubaus ab dem kommenden Jahr auf die Geschäfte auswirkt, ist schwer vorhersehbar. Einbußen wird es hier sicherlich geben. Schon für 2023 wird die Zahl der jährlich fertiggestellten Wohneinheiten deutlich unterhalb der angestrebten 400 000 Einheiten liegen. Das ifo-Institut geht von rund 245 000 Einheiten aus. Diese Zahl wird bis 2025 voraussichtlich auf ungefähr 200 000 schrumpfen, lautet die Prognose. Der Zentralverband Deutsches Baugewerbe sprach Anfang Dezember in seinem Konjunkturausblick von voraussichtlich 271 000 neuen Wohneinheiten für dieses Jahr und nur noch 235 000 Wohneinheiten für 2024.

Bild von Grafik über Auftragseingang im Wohnungsbau
Die Kurve beim Auftragseingang im Wohnungsbau geht bereits seit 2021 nach unten. (Grafik: ifo Institut)

Steueranreize und Förderungen

Um dem negativen Trend bei der Schaffung neuer Wohnungen entgegenzuwirken, hat jüngst die Bundesregierung nach dem Wohnungsbaugipfel ein Maßnahmenpaket geschnürt. Zentral ist dabei die Einführung einer degressiven AfA von jährlich sechs Prozent für neu errichtete Wohngebäude, was eine schnellere Refinanzierung der Investitionen ermöglicht. Wichtig: Diese Afa gilt bereits ab einem Effizienzstandard von EH 55. Der ZVDH kommentiert dazu eher nüchtern: „Schadet nicht, ist ein Baustein unter vielen, der in die richtige Richtung geht, wird aber nicht die ganz große Strahlkraft erreichen.“

Bild von Dachdecker
Gute Nachricht: Die KfW-Förderprogramme sollen ausgeweitet werden, wenn ein neuer Bundeshaushalt steht.

KfW-Förderprogramme werden ausgeweitet

Hinzu kommt die vorläufige Rücknahme des KfW-Standards Effizienzhaus 40. Um die Baukosten zu senken, gilt jetzt nur noch der niedrigere Standard Effizienzhaus 55. Ein zweischneidiges Schwert laut ZVDH, denn so wird bei einem Neubau oder einer Sanierung natürlich weniger Energie eingespart. Dieser Baustein soll zusammen mit der Ausweitung der KfW-Programme „Klimafreundlicher Neubau“ und „Wohneigentum für Familien“ für mehr private Nachfrage sorgen. Letzteres Programm wurde bislang wenig nachgefragt. Jetzt werden die Obergrenzen deutlich erhöht: Familien können künftig mit einem zu versteuernden Einkommen von bis zu 90 000 Euro pro Jahr, bei einem Kind, die zinsvergünstigten Darlehen beantragen. Pro Kind kommen bis zu 10 000 Euro hinzu. Genau dies hatte der ZVDH bereits im Vorfeld angeregt.

Bild von sanierter Häuserfront
Bürokratieabbau: Dachaufstockungen und Dachgeschossausbau sollen einfacher möglich werden.

Schneller planen und bauen

Einen Schub könnte es auch für Dachdecker bringen, wenn wie angekündigt Baubürokratie tatsächlich abgebaut wird. Ein einmal genehmigter Bautyp im seriellen und modularen Bauen soll nach dem Willen der Bundesregierung von allen Bundesländern gegenseitig anerkannt und die Dauer von allen Genehmigungsverfahren zeitlich begrenzt werden. Und Nutzungsänderungen von Dachgeschossen zu Wohnzwecken einschließlich der Errichtung von Dachgauben werden künftig unter bestimmten Bedingungen in allen Landesbauordnungen genehmigungsfrei sein. „Immerhin wird das Dach erwähnt, aber von der ZVDH-Forderung, den Ausbau von Dachgeschossen und Dachaufstockung auf Bundesebene intensiv zu fördern, ist das noch weit entfernt, obwohl hier schnell mehr Wohnraum geschaffen werden könnte“, sagt Pressesprecherin Claudia Büttner. Stutzig mache auch die vage Formulierung „unter bestimmten Bedingungen“.

Bild von Jan Peter Hinrichs
BuVEG-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs sieht dringenden Handlungsbedarf bei der energetischen Gebäudesanierung. (Foto: BuVEG)

Sanierungsquote bei Gebäuden unter einem Prozent

Der Ausbau von Dachgeschossen und die Dachaufstockung sind sicher für Dachdecker lukrative Geschäftsfelder – neben der energetischen Sanierung inklusive PV-Anlagen. Klar ist, wenn wir in Deutschland die Klimaschutzziele erreichen wollen, muss die Sanierungsquote in den nächsten Jahren steigen. Diese liegt zum Jahresende 2023 insgesamt bei nur 0,72 Prozent, für Fassade bei 0,54 Prozent, Dach bei 0,75 Prozent und Fenster bei 1,28 Prozent. Dies hat eine neue Marktdatenstudie der B+L Marktdaten Bonn im Auftrag des Bundesverbands energieeffiziente Gebäudehülle e.V. (BuVEG) ergeben. Damit liegt die Sanierungsquote sogar noch weit unter der bisherigen Annahme von einem Prozent, auf deren Grundlage die Politik eine Verdopplung auf zwei Prozent für die Erreichung der Klimaziele kalkuliert hatte. „Wenn weiter in diesem Schneckentempo in Deutschland energetisch saniert wird, brauchen wir noch annähernd 100 Jahre, um den Gebäudebestand zur Klimaneutralität zu führen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, denn rund 30 Prozent aller Wohngebäude befinden sich in einem energetisch unzureichenden Zustand“, erklärt BuVEG-Geschäftsführer Jan Peter Hinrichs.

Sie interessieren sich für Branchen-News? Dann lesen Sie unseren Artikel über die aktuelle Lage im Bereich Flachdach.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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