Inhaltsverzeichnis
- Erst Meisterprüfung, dann Krankenhaus
- Kein Beinbruch
- Zufriedenheit mit dem Ergebnis als oberstes Ziel
- Steiler Weg nach oben
- Der Familienbetrieb wartet schon
- Qualifikation beim Bundesentscheid
- „Gigantische Ehre“
- Persönliche Entwicklung zählt mehr als Medaille
- Vertrauen in die Entscheidung des Trainerteams
- Mit Zuversicht in die Zukunft
Es sind große Fußstapfen, in die er da tritt – und er füllt sie aus: Seine Mutter absolvierte ihre Fortbildung zur Dachdeckermeisterin einst als Bundesbeste, Junior Tom Rodenbäck schaffte es beim jüngsten Bundesentscheid 2025 aufs Treppchen und belegte dort Platz zwei. Für den 21-Jährigen nicht nur eine besondere Freude, sondern auch eine große Ehre. Denn damit verbunden ist die Qualifikation für die Dachdecker-Nationalmannschaft und für die Weltmeisterschaft 2027 in Budapest.
- Gigantische Ehre: Tom Rodenbäck fährt zur Dachdecker-WM
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Erst Meisterprüfung, dann Krankenhaus
Manchmal liegen Glück und Pech ganz nah beieinander. Neun Monate lang hatte Tom Rodenbäck seit August 2025 am Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks (BBZ) in Mayen intensiv für seinen Meistertitel gepaukt. Am Mittwoch vor Christi Himmelfahrt legte er die letzte Prüfung ab, die Ergebnisverkündung war für den Freitag angekündigt. Da bot sich der Vatertag an, um zwischendurch mit ein paar Mitschülern den glücklichen Abschluss zu feiern. Doch dann stolperte der frischgebackene Meister über einen Palisadenstein und brach sich das Handgelenk. „Da gibt es noch nicht mal eine schöne Story dahinter oder übermäßigen Sektgenuss als Begründung“, erzählt er lachend. „Ich bin einfach blöd gestolpert und blöd aufgekommen, und dann war das Handgelenk gebrochen.“
Kein Beinbruch
Eine Episode, die viel über den Menschen Tom Rodenbäck aussagt. Denn während sich andere über das Missgeschick und die darauffolgende Operation ärgern würden, ließ er sich seine gute Laune und seinen Optimismus nicht nehmen. „Ich hatte Glück, dass es das linke Handgelenk war“, sagt er eine Woche später und nur wenige Stunden nach seiner Krankenhaus-Entlassung am Telefon. „Und mein doppeltes Glück war, dass ich die Prüfungen da schon hinter mir hatte.“
„Im Vordergrund steht für mich immer, dass ich mit den Ergebnissen meiner Arbeit zufrieden bin und hinterher sagen kann: Ich habe geleistet, was ich leisten konnte.“
Zufriedenheit mit dem Ergebnis als oberstes Ziel
Ehrgeizig, offen und wissbegierig: So beschreibt sich der 21-Jährige. „Im Vordergrund steht für mich immer, dass ich mit den Ergebnissen meiner Arbeit zufrieden bin und hinterher sagen kann: Ich habe geleistet, was ich leisten konnte.“ Was immer er lernen könne, versuche er aufzufassen und mitzunehmen. Da passt es ins Bild, dass seine bisherige Laufbahn nicht nur geradlinig, sondern auch ausgesprochen erfolgreich verlief.

Steiler Weg nach oben
Abitur mit 1,0. Ausbildung im Schnelldurchlauf. Bester Dachdeckergeselle in seinem Kammerbezirk. Zweiter beim Bundesentscheid. Und dann wenige Monate später schon die bestandene Meisterprüfung mit den Teilnoten dreimal sehr gut und einmal gut: Das alles kann sich mehr als sehen lassen. Dabei ist Tom Rodenbäck noch lange nicht fertig, wie er sagt. „Ich hänge jetzt direkt den Spenglermeister hinten dran und eventuell kommt dann noch ein Studium dazu. Bauingenieur könnte ich mir gut vorstellen.“
Der Familienbetrieb wartet schon
Dass der gebürtige Rheinländer einmal Dachdecker werden würde, war ihm praktisch schon in die Wiege gelegt. „Da hat mein Opa gute Arbeit geleistet, der hat mich sehr früh fürs Handwerk begeistert“, berichtet Tom Rodenbäck. Seine Mutter Bettina Lücking-Rodenbäck führt den in Moers ansässigen Familienbetrieb Lücking – Abdichtung von Dach und Wand inzwischen in dritter Generation. Er selbst wird offiziell dort einsteigen, wenn er seine zweite Meisterfortbildung abgeschlossen hat – und gegebenenfalls auch noch das angedachte Studium. „Da wird es dann relativ zügig Richtung Firmenübernahme gehen“, stellt er fest. „In der ersten Zeit werde ich den Betrieb zusammen mit meiner Mutter leiten, über kurz oder lang dann allein.“
Qualifikation beim Bundesentscheid
Aber vorher wird es für ihn noch vom 10. bis 12. November 2027 zur Dachdecker-WM nach Ungarn gehen. Bei den Deutschen Meisterschaften, den „German Craft Skills“, musste er sich im vergangenen November nur dem Bundessieger Kevin Schreijer geschlagen geben. Damit qualifizierten sich die beiden Jung-Gesellen automatisch für die Dachdecker-Nationalmannschaft. „Das war ein spannender Moment bei der Ergebnisverkündung“, erinnert sich Tom Rodenbäck. „Als nur noch wir zwei übrig waren, wussten wir, dass wir es geschafft haben.“
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„Gigantische Ehre“
Für Tom Rodenbäck ist es eine „gigantische Ehre“, bei der nächsten Weltmeisterschaft für Deutschland antreten zu dürfen. „Das fühlt sich schon nach was an“, meint er. Und gleichzeitig sei das alles im Moment noch ziemlich weit weg. „Klar habe ich das irgendwo im Hinterkopf, und ich freue mich auch schon darauf. Aber die WM ist ja erst Ende 2027, das ist noch ein gutes Stückchen hin.“ Seine größte Vorfreude gilt den gemeinsamen Trainingswochenenden, die im Vorfeld am BBZ in Mayen stattfinden werden. Er ist überzeugt: „Da kann ich wieder viele neue Dinge lernen und bekomme neue Tricks und Kniffe vermittelt. Darum bin ich sehr dankbar, dabei sein zu dürfen.“



Persönliche Entwicklung zählt mehr als Medaille
Bei so viel Lernbegierde wundert es kaum, dass sein größtes Ziel für den Wettkampf in Budapest nicht der Gewinn einer Medaille ist. „Das wäre natürlich mega, da würde ich mich unglaublich freuen“, sagt der 21-Jährige. „Aber noch wichtiger ist es mir, mich persönlich weiterzuentwickeln und die bestmögliche Leistung abzuliefern. Wenn dann am Ende andere besser sind, ist das völlig in Ordnung.“
„Da kann ich wieder viele neue Dinge lernen und bekomme neue Tricks und Kniffe vermittelt. Darum bin ich sehr dankbar, dabei sein zu dürfen.“
Vertrauen in die Entscheidung des Trainerteams
In welcher der vier WM-Kategorien Steildach, Flachdach, Metall und Fassade er antreten wird, steht übrigens noch nicht fest. „Das wird sich dann beim Training in Absprache mit den Trainern zeigen“, erläutert Rodenbäck. Für ihn stehe außer Frage, dass Nationaltrainer Jörg Schmitz mit seinem Team die richtige Entscheidung treffen werde. „Er hat mich während der Meisterfortbildung gut kennengelernt und weiß, wo meine Stärken liegen, darum vertraue ich da komplett seiner Einschätzung.“
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Mit Zuversicht in die Zukunft
Mit ziemlicher Sicherheit wird sein gebrochenes Handgelenk bis dahin wieder vollständig verheilt sein. Von so einem kleinen Missgeschick will er sich nicht weiter beeinträchtigen lassen, das wird schon während des Interviews deutlich. „In zwei Tagen hole ich in Mayen meinen Meisterbrief ab“, kündigt Tom Rodenbäck am Telefon an, „dann fahre ich für ein paar Tage in den Urlaub – und anschließend packe ich sofort übergangsweise in unserem Familienbetrieb mit an.“ Was am Anfang auf der Baustelle möglich ist, wird sich zeigen. „Aber ich bin da zuversichtlich“, meint er. „Und ansonsten ist das eine gute Gelegenheit, mich schon mal ein bisschen im Büro einzuarbeiten.“