Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Abbildung eines Virus und eines fallenden Diagramms, das wirtschaftliche Auswirkungen oder Rückgang während einer Pandemie darstellt.

Corona: Auf dem Gerüst ist nichts mit Abstand

Knut Köstergarten

9. April 2020

Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann es mehr Corona-Erkrankungen unter Dachdeckern und Zimmerern geben wird. Die Betriebe arbeiten weiter so gut sie können, aber im Fahrzeug oder auf Baustellen sind die geforderten Abstandsregeln nur schwer einzuhalten. Im Onlinemagazin der Deutschen Welle (DW) hat Sven Henning dazu offen Auskunft gegeben. „Wir machen ganz normal unsere Arbeit, ohne Wenn und Aber.“

Corona Dachdecker Zimmerer

Egal für welches Gewerk: Die Abstandsregeln sind auf Baustellen-Gerüsten praktisch nicht einzuhalten.

Corona: Alle Gewerke benutzen auf der Baustelle dieselbe Toilette

Jeden Tag fährt der Dachdeckermeister aus Lützen in Sachsen-Anhalt, Mitglied der Dachdecker-Einkauf Ost, mit seinen drei Angestellten zu einer Baustelle. Anfangs drückten sie sich in die Ecken des großen Transporters, um mehr Abstand voneinander zu haben. Wenn es irgendwie geht, fahren sie mit zwei Wagen. Das mit dem Abstand halten bleibt so eine Sache, nicht nur im Wagen. „Unsere Arbeitsgerüste sind 70 Zentimeter breit“, erzählt Henning im DW-Gespräch. „Wenn da einer vorbei muss oder Hilfe braucht, dann stehen die 20 Zentimeter nebeneinander. Da ist nichts mit Abstand.“ Und das sind nur seine Leute. „Wenn eine Wohnung saniert wird, dann sind da auch der Maler und der Heizungsbauer und andere – und alle benutzen dieselbe Toilette“, sagt der Dachdecker. Doch langsam ändert sich die Lage, auf einigen Baustellen gibt es inzwischen mehrere Toiletten, getrennt für die Gewerke.

Im telefonischen Austausch ist Henning über das Thema auch mit Marcus Eismann, der bei der Dachdecker-Einkauf Ost  die nahe gelegenen Niederlassungen Borna, Leipzig und Zorbau leitet. Eismann kennt natürlich die Problematik auf den Baustellen. Wenn seine Fahrer dort Material für die Betriebe anliefern, gibt es Kundenkontakt nur mit weitem Abstand. Unterschreiben muss keiner mehr einen Lieferschein, das Geschäft ist laut Eismann in Corona-Zeiten Vertrauenssache. Das gilt auch für Materialabholungen in den Niederlassungen. „Wir hatten gerade eine Telefonkonferenz, bislang sind alle unsere Mitarbeiter verschont geblieben, gut die Hälfte arbeitet im Homeoffice.“

Corona Dachdecker Zimmerer

Zumeist sind die Gesundheitsämter zuständig für die Anordnung einer Quarantäne. (Foto Pixabay, Gerd Altmann)

Corona: Bei Quarantäne muss Gehalt des Mitarbeitern weiter gezahlt werden

Der Betrieb läuft also weiter, beim Dachdecker und im genossenschaftlichen Bedachungshandel. Aber worauf muss ein Inhaber achten, wenn doch mal ein Mitarbeiter oder er selbst erkrankt. Es droht dann eine Quarantäne von mindestens zwei Wochen. Dazu heißt es im Infektionsschutzgesetz, Paragraf 30, dass zumeist das örtliche Gesundheitsamt beim Verdacht auf eine Erkrankung oder eine Ansteckung die Absonderung der Betroffenen in der eigenen Wohnung oder in einem Krankenhaus anordnen kann. Bei einem bloßen Verdacht gibt es vom Arzt zumeist keine Krankschreibung.

Corona Dachdecker Zimmerer

Noch immer ein alltägliches Bild auf Baustellen: Relativ enge Zusammenarbeit im Team mit einem gewissen Risiko der Ansteckung.

Arbeitnehmer haben nach Paragraf 56 des Infektionsschutzgesetzes für die ersten sechs Wochen der Quarantäne dennoch einen Anspruch auf eine Entschädigung in Höhe des Nettogehaltes. Der Betrieb ist es, der diese Entschädigung bezahlen muss, in Vorleistung. Per Antrag kann er sich jedoch das Geld von der anordnenden Behörde, zumeist das Gesundheitsamt zurückholen. Wir schnell die Rückzahlung allerdings fließt, ist unklar. Um die Liquidität zu sichern, sollten die Dachdecker und Zimmerer schnell Anträge auch auf Zuschüsse aus den Finanzfonds der Bundesländer stellen. Die sind gestaffelt nach Mitarbeiterzahl der Betriebe und reichen von 9.000 Euro bis zu 60.000 Euro. Aktuell hat die Bundesregierung zudem KfW-Schnellkredite bis zu 800.000 Euro für Betriebe mit mehr als zehn Mitarbeitern beschlossen. Hausbanken erhalten eine Haftungsfreistellung von 100 Prozent, der Zinssatz liegt bei drei Prozent bei einer Laufzeit von zehn Jahren.

Corona: Auch der Chef kann in Quarantäne Verdienstausfall geltend machen

Auch der Chef selbst hat als selbständig Tätiger im Falle einer Anordnung von Quarantäne Anspruch auf Entschädigung. Denn daraus werden sicherlich Verdienstausfälle resultieren. Hier ist es wichtig, den engen Kontakt zum Steuerberater zu halten. Denn um Ansprüche beim Gesundheitsamt geltend machen zu können, braucht es Bescheinigungen über die Höhe des letzten Jahreseinkommens als Vergleichszahl. Wer hier weiß, was auf ihn zukommen kann, ist im Ernstfall besser gewappnet.

Sie interessieren sich für das Thema? Dann lesen Sie unseren Artikel über staatliche Finanzhilfen für Dachdecker und Zimmerer.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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