Vom Studium zur Dachdecker-Ausbildung – ein Erfahrungsbericht
Dachdecker-Ausbildung

Erfahrungsbericht: Vom Studienabbruch zur Dachdecker-Ausbildung

16. Oktober 2018

 · Harald Friedrich

Fast jeder dritte Studierende bricht sein Studium vorzeitig ab. Und 43 Prozent dieser Studienabbrecher starten danach eine Ausbildung. So lautet das interessante Ergebnis einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie. Ein Fachkräftepotenzial, das auch für Dachdecker und Zimmerer in Zeiten des demografischen Wandels immer interessanter wird. Einer dieser Ex-Studenten ist Lukas Göbel. „Nix für mich“, sagte auch er bereits nach einem Semester Maschinenbaustudium. Der Grund für den Abiturienten: Zuviel theoretisches Wissen wird da im Hörsaal vermittelt und gefordert – Praxisanteil gleich Null.

Dachdecker-Ausbildung: Auf dem Dach fühlt Lukas Göbel sich wohler als im Hörsaal. Letzteren hat er "getestet" und dann die Ausbildung "ganz oben" bevorzugt.
Auf dem Dach fühlt Lukas Göbel sich wohler als im Hörsaal. Letzteren hat er „getestet“ und dann die Ausbildung „ganz oben“ bevorzugt.

Direkt vom Ferienjob zur Ausbildung als Dachdecker

Der Sohn eines SHK-Betriebsinhabers entschloss sich daher, weitgehend den Fußabdrücken seines Vaters zu folgen und eine Dachdecker-Ausbildung zu starten. Fast wäre es der Kälte-Klima-Techniker geworden – wäre da nicht ein Freund gewesen. Der bot ihm: „Komm‘ einfach mal mit zu dem Dachdecker-Betrieb, bei dem ich auch einen Ferienjob habe“. Raus aus dem Hörsaal, rauf auf den Hörsaal? Das könnte was sein für Lukas Göbel. Der erste Arbeitstag bei der unterfränkischen Thalheimer & Fischer Gebäudemanagement GmbH begann direkt mit der Feststellung. Chef Ernst Thalheimer sagte zu ihm: „Du musst noch den Ausbildungsvertrag unterschreiben.“ Gesagt, getan. So schnell kann man heute Dachdecker werden.

Vater Göbel sah die Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lukas wird Handwerker war das lachende Auge, leider nicht in der SHK-Branche das weinende. Volle Unterstützung gab es dagegen von Mutter Göbel und seiner Freundin. Als ehemalige Studentin der Kunstgeschichte und der Juristerei hatte diese vollstes Verständnis für den Abschied von der grauen Uni-Theorie. Sie selbst hat sich inzwischen auch für einen praktischen „Job ganz oben“ – als Stewardess – entschieden.

Ex-Student hat Top-Schulnoten in der Dachdecker-Ausbildung

Der Spaß am Anpacken im Handwerk hört bei Lukas Göbel auch nicht im überbetrieblichen Unterricht und an der Berufsschule im niederbayerischen Waldkirchen auf. Wurde er wegen seiner permanenten 1er-Benotungen von Klassenkameraden nicht selten als Streber tituliert, brachten es die Fachlehrer auf einen einfachen Nenner: „Eine sehr gute Leistung kann später einige Euro pro Stunde ausmachen.“ Das ist messbare Motivation. Im Frühjahr 2018 legte er dann gleich noch seine Zwischenprüfung in der Ausbildung mit einer Traumnote von 1,22 als Jahrgangsbester ab. Zukunftspläne? „Ja, nach dem Gesellenbrief im nächsten Jahr erst mal weiter ganz viel Berufserfahrung sammeln. Und dann vielleicht die Meisterschule – erst als Dachdecker und dann im Zimmererhandwerk“, so der 23-Jährige ohne lange zu überlegen.

Dachdecker-Ausbildung: Bei den Zwischenprüfungen 2018 schnitt er als Jahrgangsbester ab und wurde mit 100 Euro vom KPZ Kompetenzzentrum Dachtechnik Waldkirchen e. V. belohnt.
Muster-Azubi: Bei den Zwischenprüfungen 2018 schnitt er als Jahrgangsbester ab und wurde mit 100 Euro vom KPZ Kompetenzzentrum Dachtechnik Waldkirchen e. V. belohnt.

Begeisterung wecken für Vorzüge der Dachdecker-Ausbildung

Wer so begeistert von seinem Handwerk ist, hat doch bestimmt auch einen Tipp für erfolgreiche Nachwuchswerbung? „Da geht nicht mehr viel, denn es ist wohl schon alles ausprobiert worden“, meint Göbel. „Vielleicht aber mal weg von den Bildern mit Models, die mit dem iPad auf dem Dach sitzen und einen sehnsüchtigen Blick über den Horizont schweifen lassen. Dafür lieber mal den Spaß an der täglich anderen und gut bezahlten Arbeit an der frischen Luft zeigen“. So einfach kann es vielleicht sein, den Funken zu erzeugen, der das Feuer für die Dachdecker-Ausbildung entfacht.

In der Freizeit Ski fahren und reisen 

Und was macht der künftige Dachdecker, wenn Urlaubszeit ist? „Skifahren und vor allen Dingen: Reisen. Eine Woche Strand im Jahr muss einfach sein“, erzählt Lukas Göbel. „Und da habe ich den Vorteil, eine Stewardess als Partnerin zu haben“. Das Reisen und das Handwerk – das möchte er gerne einmal miteinander verbinden. Für ein Hilfsprojekt in Rumänien im Rahmen des Erasmus-Programms der Europäischen Union wurde er vom Waldkirchener Fachlehrer Rainer Groß vorgeschlagen. „Ich würde bei so etwas sofort mitmachen. Ich helfe gerne Menschen und reise gerne. Und vor allen Dingen ist es eine Ehre, für so ein Austauschprojekt ausgewählt zu werden“. Dachdecker-Ehre eben. Und die gibt es nicht im Hörsaal, sondern in der Ausbildung.

Sie interessieren sich für die Ausbildung zum Dachdecker? Dann lesen Sie, wie ein anderer Quereinsteiger den Weg aufs Dach gefunden hat.

Artikel jetzt teilen!

Weitere Artikel

Newsletter-Anmeldung

DACH-Ticker

A. Ewald Kreuzer wird Ehren-Landesinnungsmeister der bayerischen Dachdecker

Nach Abschluss der Neuwahlen der Vorstandschaft auf dem jüngsten Landesverbandstag der bayerischen Dachdecker stellte der neu gewählte Landesinnungsmeister Mario Kunzendorf den Antrag, A. Ewald Kreuzer für seine herausragenden Verdienste während seiner knapp 20-jährigen Amtszeit als Landesinnungsmeister zum Ehren-Landesinnungsmeister zu ernennen. Kunzendorf bekräftigte die Aussage von ZVDH-Präsident Dirk Bollwerk, dass mit der Zeit von Kreuzer als Landesinnungsmeister eine „Ära“ zu Ende gehe und ergänzte, dass dieser Begriff selten treffender hätte sein können.

18. Juli 2024

ifo Institut erhöht Prognose auf 0,4 Prozent Wirtschaftswachstum für 2024

Das ifo Institut hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 0,4 Prozent heraufgesetzt, von 0,2 Prozent bislang. Im kommenden Jahr dürfte es sich beschleunigen auf 1,5 Prozent. „Es entsteht gerade neue Hoffnung“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Krise. Das zweite Halbjahr 2024 dürfte deutlich besser ausfallen als das erste.“ Gleichzeitig wird die Inflation abflauen, von 5,9 Prozent im vergangenen Jahr auf 2,2 Prozent in diesem und auf nur noch 1,7 Prozent im kommenden Jahr.  

20. Juni 2024

17 Prozent weniger Baugenehmigungen im April 2024 als im Vorjahr

Im April 2024 wurde in Deutschland der Bau von 17 600 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 17 Prozent oder 3600 Baugenehmigungen weniger als im April 2023. Im Vergleich zum April 2022 sank die Zahl der Baugenehmigungen sogar um 43,5 Prozent oder 13 500 Wohnungen. Von Januar bis April 2024 wurden 71 100 Wohnungen genehmigt. Das waren 21 Prozent oder 18 900 Wohnungen weniger als im Vorjahreszeitraum. „Deutschlands Wohnungsnot verschärft sich weiter. Was heute nicht genehmigt wird, können wir morgen nicht bauen und wird den Mieterinnen und Mietern am Markt fehlen“, erklärt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe.

18. Juni 2024

Bundesweite Zoll-Razzia gegen Ring von Dachdecker-Betrügern

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück ist mit einer Großrazzia unter anderem im Raum Osnabrück und Leer gegen ein illegales Netzwerk sogenannter fliegender Dachdecker vorgegangen. Bei den Ermittlungen gegen Dachdecker-Betrüger geht es unter anderem um den Vorwurf Schwarzarbeit. Laut Staatsanwaltschaft Osnabrück vollstreckten in einer Razzia 590 Zollbeamte mehr als hundert Durchsuchungsbeschlüsse in Niedersachsen, Hamburg und Berlin. Außerdem unterstützten Spezialkräfte der Polizei die Durchsuchungen von Wohnungen und Gebäuden. Es wurden laut Staatsanwaltschaft Arrestbeschlüsse in Höhe von mehr als 800 000 Euro erwirkt. Es seien deshalb umfangreiche Vermögenswerte in bar sichergestellt worden.

4. Juni 2024

Auftragseingang im Bauhauptgewerbe steigt im Februar 2024 erstmals wieder an

Der reale, also preisbereinigte Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Februar 2024 gegenüber Januar 2024 kalender- und saisonbereinigt um 1,8 Prozent gestiegen. Das gilt auch für die Umsätze, die sich sogar um 2 Prozent erhöhten. Der Auftragseingang nahm im Hochbau um 0,5 und im Tiefbau um 2,9 Prozent zu. Auch gegenüber dem Februar 2023 gibt es eine Steigerung um 0,9 Prozent.

25. April 2024

Positiver Trend im Dachdeckerhandwerk: Steigerung der Azubizahlen

Die aktuellen Zahlen zeigen einen erfreulichen Anstieg der Azubizahlen im Dachdeckerhandwerk. Derzeit erlernen 8490 junge Menschen diesen Beruf, was einem leichten Anstieg um 0,75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr mit 8427 Auszubildenden entspricht. Rolf Fuhrmann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), betont die positive Entwicklung trotz der allgemeinen Ausbildungssituation und intensiver Konkurrenz mit anderen Berufen.

7. Februar 2024

Holzhandel erzielt im Jahr 2023 deutlich weniger Umsatz

Das schwierige wirtschaftliche Umfeld verbunden mit einer sehr schwachen Baukonjunktur sorgten beim deutschen Holzhandel 2023 insgesamt für einen Umsatzrückgang von 15 Prozent. Teilweise ist dieser Umsatzrückgang aber auch weiter nachgebenden Preisen geschuldet. Die Jahresauswertung des monatlichen GD Holz Betriebsvergleiches zeigt deutlich, dass die schwachen Absatzmärkte im vergangenen Jahr voll auf die Umsatzentwicklung der Branche durchgeschlagen haben. Alle wichtigen Sortimente im Holzhandel sind von diesem Umsatzrückgang betroffen, am stärksten Schnittholz mit einem Umsatzrückgang von 24 Prozent.

2. Februar 2024

ifo Institut: Rentenalter an steigende Lebenserwartung koppeln

Das ifo Institut Dresden hat sich dafür ausgesprochen, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. „Einige unserer Nachbarländer haben das bereits beschlossen, so die Niederlande, Schweden und Finnland“, sagt ifo-Rentenexperte Joachim Ragnitz. In den Niederlanden werde folgende Regel angewendet: Wenn die Menschen drei Jahre länger leben, müssen sie zwei Jahre länger arbeiten und bekommen ein Jahr länger Rente. Das Verhältnis von Rentnern zu Erwerbstätigen würde damit auch nach dem Jahr 2040 stabil bei rund 40 Prozent liegen und nicht auf fast 50 Prozent steigen, wie derzeit prognostiziert. 

16. Januar 2024

Beschäftigung auf Rekordniveau: Arbeitsmarkt zeigt sich 2023 widerstandsfähig

Im Dezember 2023 waren rund 2,6 Millionen Menschen arbeitslos. Im Vergleich zum November stieg die Arbeitslosenquote saisonbedingt um 0,1 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent. Staatssekretärin Leonie Gebers, Bundesministerium für Arbeit und Soziales: „Erfreulich ist, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit 35,1 Millionen im Oktober erneut einen Höchststand erreicht hat und die Nachfrage nach neuen MitarbeiterInnen im Dezember trotz weiterhin schwacher Konjunktur wieder leicht gestiegen ist. Der Arbeitsmarkt erweist sich als verlässlich und widerstandsfähig.“

8. Januar 2024

Dachdecker gilt als am wenigsten durch Künstliche Intelligenz gefährdeter Beruf

Die meisten Büroberufe halten viele Menschen nach einer repräsentativen Umfrage der Marktforscher von YouGov für akut gefährdet, durch Künstliche Intelligenz (KI) ersetzt zu werden. Besser sind die Zukunftsaussichten für die handwerklich geprägten Berufe, bei denen sich die menschliche Komponente nur sehr schwer ersetzen lässt. Den Beruf des Schreiners halten 64 Prozent der Befragten für wenig oder gar nicht gefährdet, 65 Prozent den Beruf Maler und für den Beruf Dachdecker sehen gar 71 Prozent der Befragten wenig oder gar keine Gefahr.

21. Dezember 2023