Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Gelbe und rote industrielle Maschine mit Computerbildschirm und Tastatur im Vordergrund, Herstellername „HUNDEGGER“ oben auf dem Gerät.

Aaron Wilhelmi: Energiebündel startet als Zimmerer durch

Kai-Uwe Bohn

14. Oktober 2021

Da liebt es einer wirklich schnell: Zimmerermeister mit 19 Jahren, dann Zimmerer-Nationalmannschaft und Übernahme der Firmenleitung vom Vater mit 21 Jahren, zuletzt Hauptdarsteller einer TV-Doku. Aaron Wilhelmi erzählt hier, wie er seine ehrgeizigen Ziele verwirklicht ohne abzuheben.

Hat es da einer eilig? „Nicht wirklich“, schmunzelt Aaron Wilhelmi, Chef der Günter Wilhelmi GmbH in Haina-Löhlbach und heute 25 Jahre alt, wenn er darauf angesprochen wird. Er weiß, dass eine solche Blitzkarriere nicht nur in seinem Gewerk etwas Besonderes ist – für die anderen, nicht für ihn. „Es war von Kindesbeinen an mein Traum, einmal die Firma zu übernehmen“, sagt er im Rückblick. Dass es dann tatsächlich sehr schnell ging, „ist eine Folge davon, dass es nicht nur im Traum, sondern auch in der Realität immer auf dieses Ziel hinauslief.“ Und zwar so überzeugend, dass der Vater mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen konnte: „Sohn, mach Du. Du kannst das.“

Ein Mann im roten Pullover hält ein langes Holzbrett, steht draußen vor einem Lagerhaus mit gestapelten Paletten und Baumaterialien im Hintergrund.

Holz ist sein Werkstoff: Aaron Wilhelmi. (Alle Fotos: Wilhelmi)

Aaron Wilhelmi wächst neben und im Betrieb des Vaters auf

Na klar: So zielstrebig und schnell in das Zimmerer-Handwerk und auf den Chefposten kommt keiner, dessen Berufswunsch als Kind und Jugendlicher Lokführer oder Sozialpädagoge lautet. „Ich bin ja sozusagen neben und im Betrieb meines Vaters aufgewachsen. Der Werkstoff Holz, die Gerüche, die Geräusche, das Drumherum und später auch die Tätigkeiten und Abläufe, all das ist sozusagen bei mir in Fleisch und Blut.“ Schon während der Schulzeit half er natürlich mit. Und weil er nebenher auch noch „einen kleinen Landwirtschafts-Spleen“ hatte, baute er schon mal als 12-Jähriger Hochsitze im Garten. Früh übt sich!

Ein junger Mann in traditioneller Zimmermannskleidung sitzt neben einer Holzkonstruktion vor einer blauen Wand.

Baute als Kind erste Hochsitze und später anspruchsvolle Modelle bei den Leistungswettbewerben der Zimmerer: Aaron Wilhelmi.

Die Mutter pochte auf ausreichende Schulbildung

Zimmerei & Holzbau Günter Wilhelmi, Mitglied der Dachdecker-Einkauf Süd eG, ist der größte Holzbauer in der Region. Der Ursprung lag in einem Sägewerk, das 1918 in Löhlbach startete. Holz liegt also in der Familie. Aarons Vater Günter Wilhelmi war selbst mehr als 40 Jahre mit dem Betrieb erfolgreich selbständig. Und weil Aaron, dem mittleren seiner drei Kinder, der Werkstoff Holz so gut von der Hand ging, wollte der auch gleich durchstarten. „Qualifizierter Hauptschulabschluss nach der 9. Klasse reicht mir“, sagte Aaron Wilhelmi seinerzeit. „Nichts da“, antwortete die Mutter. Die 10. Klasse und der Realschulabschluss sollten es schon sein. Es wurde dann sogar das Fachabitur, das er in Frankenberg mit dem Schwerpunkt „Bautechnik“ machte.

Lehrzeit im Schnelldurchgang

Drei Männer in traditioneller Tracht mit schwarzen Hüten lächeln draußen, Hintergrund zeigt Fachwerkhaus.

Familienbetrieb: Aaron Wilhelmi mit seinem Vater hinter ihm.

„Religion und Kunst waren halt nicht so meine Sache“, lacht Aaron Wilhelmi. Stattdessen machte er die drei Tage Fachpraktikum in der Woche natürlich im Betrieb seines Vaters. Das Fachabitur ersparte ihm schon mal das erste Lehrjahr, und nach dem zweiten Jahr beantragten Aaron und sein Vater die Verkürzung der Lehre. Der wurde stattgegeben, ein aufwändiger Prozess, „bei dem Gott und die Welt zustimmen mussten“, wie sich Aaron Wilhelmi erinnert.

Mit 19 Jahren schon Meister

Doch die Ergebnisse seiner Arbeit unterstrichen das Ansinnen. Allen, die Aaron Wilhelmi und seinen Biss, seinen Ehrgeiz kannten, wussten: das ist ein Zimmerer-Talent. Da war es nur logisch, dass an die Gesellenprüfung im Dezember 2015 gleich die Meisterschule ab Januar 2016 folgte. Im Kasseler Zimmerer-Ausbildungszentrum büffelte Wilhelmi das, was ihn sowieso brennend interessierte. Dass er mit nur 19 Jahren den Meister machte, darf dennoch als eine weitere bemerkenswerte Station seines Weges gelten. Kurz überlegte er sogar noch, den Dachdeckermeister zu machen, aber ein Titel reichte ihm dann.

Vier Personen stehen vor einem blauen Hintergrund, eine Person in traditioneller Kleidung hält eine Urkunde. Darunter steht: "Ehrung der Besten 2017".

Ehrung der Besten: Aaron Wilhelmi wurde Kammersieger bei der Handwerkskammer Kassel.

Titelgewinne und „Zimmerer-Nationalmannschaft“

Dass Wilhelmi „echt was drauf hat“, hatte schon das sehr gute Ergebnis seiner Gesellenprüfung gezeigt. In der hatte der Löhlbacher derart gut gearbeitet, dass er 2016 sogar in die „Zimmerer-Nationalmannschaft“ berufen wurde. Als Kammersieger bei der Handwerkskammer Kassel 2016, hessischer Landessieger und Viertplatzierter der Deutschen Meisterschaft im gleichen Jahr hatte er bewiesen, dass er zu den besten deutschen Nachwuchs-Zimmerern gehört.

Sechs Männer in traditioneller Zimmermannskleidung stehen um eine kleine Holzkonstruktion im Freien auf gepflastertem Boden.

Aaron Wilhelmi (links) im Kreis der Zimmerernationalmannschaft. Im Holzmodell hockt Zimmererweltmeister Alex Bruns.

Durch das Nationalteam viele Leute kennengelernt

„In der Nationalmannschaft haben wir uns dann auf internationale Wettkämpfe vorbereitet. Da haben wir richtig verrückte Sachen gemacht, beispielsweise sehr komplizierte Dachmodelle ausarbeiten.“ Und weil es bei diesen Wettbewerben noch um das reine Handwerk fernab von Computern und Maschinen geht, lernte Aaron Wilhelm auch die letzten Verästelungen und feinen Tricks und Kniffe der Zimmerei kennen. Wissen, das ihm auch heute noch zugutekommt und dem Selbstbewusstsein eines jungen Zimmerers sicherlich nicht abträglich ist. „Schöner Nebeneffekt ist, dass man bei sowas viele Leute kennenlernt und ein Netzwerk aufbaut. Das geht bis hin zu den Vorständen von Firmen, die wichtig für unser Gewerk sind, wie etwa Velux.“

Ein junger Mann in Arbeitskleidung konzentriert sich auf handwerkliche Arbeiten an einem Holztisch, im Hintergrund erkennt man unscharfe Poster und Banner.

Bei der Nationalmannschaft lernte Aaron Wilhelm auch die letzten Verästelungen und feinen Tricks und Kniffe der Zimmerei kennen.

Ehrgeiziger Sohn macht Abschied des Vaters einfach

Und dann mit nur 21 Jahren: Chef von Zimmerei & Holzbau Günter Wilhelmi, einem Betrieb mit 24 Mitarbeitern, davon vier Azubis, sieben Meister, ein Bautechniker und ein Bauingenieur. Wenn man Aaron Wilhelmi danach fragt, klingt die Antwort eher unspektakulär: „Ich habe mir das ein Stück weit ja sogar genommen. Das war einfach eine Entwicklung, die klar in diese Richtung ging.“ Sein Vater Günter war froh, nach einem harten Arbeitsleben schließlich mit 60 Jahren in Rente gehen zu können: „Der Aaron ist so unheimlich ehrgeizig. Ich habe mir gesagt: Wenn er das will und kann, worauf soll ich denn jetzt noch warten?“

Ein Mann präsentiert Baupläne auf einem Bildschirm, während zwei Personen am Tisch Pläne betrachten und zuhören.

Digitale Medien nutzt der junge Meister ganz selbstverständlich.

Junger Chef führt ein junges Team

Aaron wollte und Aaron konnte. „Natürlich ist das schon eine andere Welt. Ich musste ja plötzlich den Mitarbeitern sagen, ob es linksherum oder rechtsherum geht.“ Dass er noch so jung ist, sei nie ein Problem gewesen, „denn wir sind hier sowieso ein eher junges Team. Wir haben immer viele gute und interessante Projekte. Und als junger Chef ist man natürlich näher an den Auszubildenden dran, das ist schon ein Vorteil.“ Für viele ist sein Alter offenbar immer wieder mal ein Thema, nur für einen nicht – ihn selbst.

Zwei Personen sitzen an einem Schreibtisch, besprechen zusammen Dokumente, im Hintergrund steht ein großer Computerbildschirm.

Keine Frage des Alters: Die Mitarbeiter respektieren ihren jungen Chef wegen seiner Kompetenzen.

Lebensjahre spielen keine Rolle

Wer mit Aaron Wilhelmi spricht, erlebt einen selbstbewussten, erfahrenen, auch unterhaltsamen Zimmerer-Meister, der gerne lacht. Lebensjahre spielen da keine Rolle. Sein Laden läuft, der Chef hat ihn nochmals modernisiert. 2020 wurde eine neue Abbundhalle gebaut, dort, wo früher mal das Sägewerk stand. Dass die Zimmerei den Kunden höchste Qualitätsstandards rund um den Baustoff Holz nicht nur verspricht, sondern das Versprechen auch hält, sorgt für eine ausgezeichnete Auftragslage. „Wir zählen im Moment zu den am stärkstem wachsenden Holzbauunternehmen in Nordhessen“, sagt Wilhelmi zufrieden.

Jetzt viel im Büro – dort fallen die Entscheidungen

Er selbst ist nicht mehr bei Wind und Wetter auf den Baustellen unterwegs, dafür hat er „seine“ erfahrenen Leute. „Die wichtigen Geschäftsentscheidungen werden nun mal hier im Büro getroffen, die Kundengespräche meistens auch hier geführt“, sagt er. Alle Fäden laufen bei ihm zusammen – eine Tätigkeit, die über die normalen Arbeitszeiten hinausgeht. „Aber für mich ist das ja auch eine Art Hobby. Ob ich acht, neun oder zehn Stunden im Büro bin, spielt da nicht so die Rolle.“

Mehrere Personen stehen neben einem Van auf einem Bauernhof. Ein Radfahrer in gelber Jacke steht mit seinem Fahrrad im Vordergrund.

Zum Ausgleich ist Aaron Wilhelmi in der Region mit dem Rennrad unterwegs.

Radsport hilft, den Kopf freizubekommen

Freizeit hat der junge Zimmerer, der noch im Haus der Eltern lebt, daher eher wenig. Aber wenn, dann sucht er die Entspannung nicht auf dem Sofa, sondern in der freien Natur. Als Radrennfahrer ist Aaron Wilhelmi in der herrlichen nordhessischen Gegend rund um den Edersee unterwegs, fährt hin und wieder sogar Rennen für die MT Melsungen. Oft erfolgreich, zuletzt aber mit Pech: „Bei einem Rennen auf der Radrennbahn in Göttingen bin ich leider gestürzt und habe mich erheblich verletzt.“ Die Diagnose will hier niemand lesen – es ist eine Auflistung aller möglichen Brüche und Risse. „Seither fahre ich nur auf der Rolle, aber es geht gesundheitlich wieder bergauf.“ Der Sport hilft ihm, den Kopf auch mal freizubekommen und abzuschalten.

Ein Mann im roten Shirt steht draußen, während ein anderer Mann mit einer Videokamera ihn filmt, im Hintergrund sind Bäume und eine Holzabsperrung.

Als Hauptdarsteller einer TV-Doku über Handwerker im Hessischen Fernsehen.

Hauptdarsteller einer HR-Fernsehdokumentation

Eine Geschichte von einem jungen Energiebündel im Zimmerer-Handwerk – das interessiert Journalisten. Medien wie hier Dach\Live, aber auch der Hessische Rundfunk berichten. Letzterer drehte für die Reihe „Erlebnis Hessen“ wochenlang eine Fernsehdokumentation mit dem Titel „Holz ist unser Leben – zwei junge Handwerk-Chefs packen’s an“. 45 Minuten geht es um Aaron Wilhelmi und seinen Freund Marc Witte, der einen Tischler-Meisterbetrieb hat und eng mit der Zimmerei zusammenarbeitet. Im September 2021 wurde die sehenswerte Doku, in der der Alltag der beiden Gewerke lebensnah präsentiert wird, mehrfach gesendet.

Sie interessieren sich für das Thema Zimmerer werden. Da haben wir eine spannende Story über den Zimmerer-Weltmeister Alex Bruns.

Kai-Uwe Bohn

Kai-Uwe Bohn ist ausgebildeter Journalist und seit mehr als 40 Jahren im Geschäft. Er fühlt sich in vielen Themenfeldern zuhause, kann sich aber vor allem für das „richtige Leben“ rund um Wirtschaft, Handwerk, Handel und Dienstleistungen begeistern. Dass er Politikwissenschaft bis zum Diplom studiert hat, hilft ihm, die Zusammenhänge im Hintergrund richtig einzuordnen. Im Mittelpunkt seines Interesses stehen stets die Menschen, die Mögliches und Unmögliches wahr machen.

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