Inhaltsverzeichnis
- Frühe Faszination für das Dachdecken
- Entwicklung des Betriebs senkrecht nach oben
- Wachstum mit System
- Energetische Sanierung als Treiber des Geschäfts
- Drohne für Schadenerkennung und Aufmaß
- Führung mit Vertrauen
- Ein Betrieb als Gemeinschaft
- Rückschläge und Verantwortung
- Zwischen Betrieb und Ehrenamt
- Eine Branche unter Druck und im Wandel
- Was bleibt und was vorangeht
Manche Unternehmergeschichten beginnen mit einem Businessplan. Die von Andreas Wiebicke beginnt mit einer Trotzreaktion, motiviert von einem klaren inneren Kompass. „Dachdecker machst du nicht“, habe sein Vater damals gesagt. Zu stressig, zu viel Ärger mit Kunden, zu hart das Geschäft. Doch genau dieser Widerstand wurde für den Sohn zum Antrieb. Heute, zehn Jahre nach der Gründung seines eigenen Betriebs, ist Andreas Wiebicke nicht nur erfolgreicher Unternehmer, sondern auch Landesinnungsmeister in Sachsen-Anhalt und steht exemplarisch für eine neue Generation im Dachdeckerhandwerk.
Frühe Faszination für das Dachdecken
Die Begeisterung für das Handwerk war früh da. Schon als Schüler war Andreas Wiebicke von Dachdeckern begeistert: „Werkzeug, Material und die Arbeit in der Höhe haben mich fasziniert.“ Ein prägendes Erlebnis aus dieser Zeit erzählt er noch heute mit einem Schmunzeln: „Vor einem Zahnarzttermin bestand ich darauf, zunächst auf eine Baustelle zu dürfen.“ Erst danach ließ er sich behandeln. Ohne eine Miene zu verziehen übrigens.




Entwicklung des Betriebs senkrecht nach oben
Der Weg verlief dennoch nicht geradlinig. Zunächst absolvierte er eine Ausbildung im Holzbereich und qualifizierte sich anschließend zum Bautechniker. Doch der Plan war klar: Irgendwie wollte er doch den Weg zurück zum Dach finden. Der Vater blieb skeptisch. Vielleicht auch aus eigener Erfahrung. Doch der Sohn blieb beharrlich. Mit dem Meistertitel in der Tasche fiel schließlich die Entscheidung. 2016 gründete Andreas Wiebicke seinen eigenen Betrieb, zunächst als Einzelunternehmen. Zwei Jahre später bereits wurde daraus eine GmbH. Was folgte, beschreibt er selbst als Entwicklung „wie eine Senkrechte nach oben“.
Wachstum mit System
Heute beschäftigt die Gerüstbau-Dachdeckerei Wiebicke GmbH in Possenhain, Mitglied der Dachdecker-Einkauf Ost eG, rund 14 Mitarbeiter inklusive Auszubildender. Doch das Wachstum ist kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis einer klaren strategischen Ausrichtung. Andreas Wiebicke verfolgt konsequent den Ansatz, möglichst viele Leistungen aus einer Hand anzubieten. Dachdeckerei, Zimmerei, Teile des Hochbaus und der eigene Gerüstbau greifen ineinander. Unterstützt wird das durch einen umfangreichen Maschinen- und Fuhrpark, der es erlaubt, unabhängig und flexibel zu agieren. Auch der Schutt wird mit eigenen Containern abtransportiert.
Diese Struktur zahlt sich aus. Nicht nur organisatorisch, sondern auch im Wettbewerb. Kunden schätzen es, einen Ansprechpartner für das gesamte Projekt zu haben. Für den Unternehmer selbst bedeutet es vor allem eines: Geschwindigkeit und Kontrolle über die Qualität.
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Energetische Sanierung als Treiber des Geschäfts
Inhaltlich hat sich der Betrieb klar positioniert. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf der energetischen Sanierung. Dämmung, Dachsanierung und Dachstuhlumbauten bilden den Kern des Geschäfts. Hinzu kommt die Integration von Photovoltaikanlagen, die heute bei vielen Projekten selbstverständlich mitgedacht wird. Andreas Wiebicke denkt dabei konsequent aus Kundensicht. Wenn das Dach ohnehin geöffnet wird, soll der Bauherr möglichst viele Themen in einem Schritt erledigen können. Das spart nicht nur Kosten, sondern auch Zeit und Koordinationsaufwand. Diese Herangehensweise trifft den Nerv der Zeit. Steigende Energiepreise und ein wachsendes Bewusstsein für Effizienz sorgen dafür, dass die Nachfrage in diesem Bereich stabil bleibt, wenn auch bei PV-Anlagen in Wellen.

Drohne für Schadenerkennung und Aufmaß
Auch technologisch zeigt sich der Betrieb offen für neue Wege. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz von Drohnen. Was zunächst als ergänzendes Werkzeug gedacht war, hat sich inzwischen zu einem echten Mehrwert entwickelt. Dächer lassen sich schneller und sicherer vermessen, Schäden frühzeitig erkennen und Projekte besser dokumentieren.
Gleichzeitig eröffnet die Technik neue Geschäftsfelder, etwa bei der Unterstützung anderer Betriebe mit Aufmaß- und Dokumentationsleistungen. Für Andreas Wiebicke ist das typisch: Innovation in seinem Betrieb sind kein Selbstzweck, sondern helfen dabei, pragmatische Lösungen für konkrete Probleme zu finden.
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Führung mit Vertrauen
Bei aller Technik liegt der Kern des Unternehmens jedoch woanders: In der Art, wie geführt wird. Andreas Wiebicke setzt bewusst auf Vertrauen statt Kontrolle. Seine Mitarbeiter treffen selbst Entscheidungen auf der Baustelle und tragen Verantwortung für ihre Arbeit. Fehler gehören dazu. Entscheidend ist, wie damit umgegangen wird. Probleme werden offen angesprochen. Das passiert nicht erst, wenn der Kunde sie bemerkt, was nicht nur dessen Stimmung trüben, sondern auch den Erlös schmälern würde. Erst dann werden Fehler teuer.
Diese Haltung prägt den gesamten Betrieb und sorgt für ein Klima, in dem sich Mitarbeiter ernst genommen fühlen. Das Ergebnis: Die Fluktuation ist gering, das Team eingespielt und die Identifikation mit dem Unternehmen hoch.
„Gute Arbeit braucht gute Bedingungen und diese beginnen nicht erst auf dem Dach.“ (Andreas Wiebicke)
Ein Betrieb als Gemeinschaft
Dieses Miteinander endet nicht auf der Baustelle. Im Alltag wird viel Wert auf Gemeinschaft gelegt. Regelmäßige Treffen, gemeinsames Essen und offene Gespräche gehören dazu. Es geht darum, den Betrieb nicht nur als Arbeitsplatz zu verstehen, sondern als gemeinsames Projekt. Gleichzeitig investiert Andreas Wiebicke gezielt in die Rahmenbedingungen. Der Chef erweitert den Betrieb, sorgt für neue Sozialräume und Aufenthaltsbereiche. Seine Botschaft ist klar: „Gute Arbeit braucht gute Bedingungen und diese beginnen nicht erst auf dem Dach.“
Rückschläge und Verantwortung
Dass nicht alles planbar ist, hat der Unternehmer ebenfalls erlebt. Der Verlust eines wichtigen Mitarbeiters, der für zentrale Aufgaben vorgesehen war, stellte den Betrieb vor große Herausforderungen, sowohl fachlich als auch menschlich. Solche Abgänge lassen sich nicht voll kompensieren, nur bewältigen. Vielleicht ist es genau diese Erfahrung, die den Blick für das Wesentliche schärft. Andreas Wiebicke spricht oft davon, dass es im Leben nie nur geradeaus geht. „Entscheidend ist, trotzdem nach vorne zu schauen.“
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Zwischen Betrieb und Ehrenamt
Parallel zum eigenen Unternehmen engagiert sich Andreas Wiebicke seit vielen Jahren in der Innung. Was mit einem frühen Eintritt begann, entwickelte sich schnell weiter, über Vorstandsarbeit bis zur Wahl zum Landesinnungsmeister. Dieses Engagement bringt zusätzliche Aufgaben, aber auch klare Vorteile. Der Austausch mit Kollegen, der Zugang zu aktuellen Entwicklungen und der Blick über den eigenen Betrieb hinaus sind für ihn unverzichtbar geworden. Gerade in einer Zeit, in der sich das Dachdeckerhandwerk stark verändert, hält Andreas Wiebicke diese Vernetzung für immer wichtiger.
Sein ehrenamtliches Engagement entspricht aber auch seiner Überzeugung, den Beruf des Dachdeckers öffentlich präsentieren und vertreten zu wollen. Zweimal jährlich ist Andreas Wiebicke auf Berufsorientierungs- und Handwerksmessen in Naumburg präsent. Zudem bietet er Schülern regelmäßig Praktika an und unterstützt Schulen im Burgenlandkreis, wenn es um die Vorstellung handwerklicher Berufe geht. Auch wenn die Gewinnung eigener Auszubildender im Fokus steht, können davon auch andere Innungsbetriebe profitieren, wenn er Bewerber weitervermittelt, weil die eigenen Kapazitäten ausgeschöpft sind.
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Eine Branche unter Druck und im Wandel
Das Dachdeckerhandwerk steht aktuell vor mehreren Herausforderungen. Dabei bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Thema. Zwar gibt es weiterhin Nachwuchs, doch die Bindung an Betriebe hat nachgelassen. „Viele junge Menschen probieren sich aus, wechseln schneller und bringen weniger praktische Vorerfahrung mit“, erläutert Wiebicke im Gespräch.
Gleichzeitig steigen die Kosten, für Material ebenso wie für Löhne. Das muss an Kunden weitergegeben werden, was nicht immer auf Verständnis stößt. Hinzu kommen Unsicherheiten durch schwierige politische Rahmenbedingungen, steigende Energiepreise und wirtschaftliche Schwankungen. Doch zeigt sich für Andreas Wiebickde gerade in dieser Situation die Stärke des Handwerks: seine Anpassungsfähigkeit. „Betriebe, die flexibel denken, sich weiterentwickeln und ihre Strukturen hinterfragen, haben gute Chancen, auch durch schwierigere Zeiten zu kommen.“

Was bleibt und was vorangeht
Zehn Jahre nach der Gründung steht die Gerüstbau-Dachdeckerei Wiebicke GmbH solide da. Der Betrieb ist gewachsen, hat Rückschläge verkraftet und sich klar positioniert. Vor allem aber hat er eine eigene Haltung entwickelt. Für junge Menschen bietet genau das eine Perspektive. Wer hier anfängt, lernt nicht nur ein Handwerk. Auszubildende lernen, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und Lösungen zu finden. Sie erleben, dass Leistung gesehen wird – und dass Vertrauen keine Floskel ist. Vielleicht ist das der eigentliche Kern dieser Betriebsgeschichte: Dass Erfolg im Handwerk heute nicht mehr nur aus Technik und Fleiß entsteht, sondern aus Haltung, Klarheit und dem Willen, seinen eigenen Weg zu gehen. Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen: Manchmal braucht es eben einen Dickkopf, um etwas richtig aufzubauen.