Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Eine Frau arbeitet auf einem Dach, legt Dachziegel und trägt Handschuhe. Im Hintergrund sind Baumaterialien und Gerüste zu sehen.

Dachdeckerin arbeitet am liebsten mit Klebeband

Knut Köstergarten

31. Oktober 2019

Erwartet hat Carolin Martin diese Reaktionen nicht. „Ob von Kunden oder von Handwerkern aus anderen Gewerken – ich habe überall ein starkes positives Feedback erhalten. Eine Frau auf dem Dach, das sei doch super!“ Für Martin ist dies eine Bestätigung, dass sie etwas Tolles und Sinnvolles macht, und natürlich auch dafür, dass sie jetzt den richtigen Job für sich gefunden hat. „Ich mache genau das, was ich immer wollte“, sagt die junge Frau nach dem zweiten Lehrjahr. „Ich kann draußen sein, kreativ arbeiten, eigene Lösungen erproben und habe zusätzlich noch Kontakt mit Kunden.“

Dachdeckerin Carolin Martin

Harte, staubige körperliche Arbeit ist kein Problem für Carolin Martin – wie hier das Schneiden der Dachpfannen.

Ausbildung zur Dachdeckerin statt Büro-Beruf

Direkt nach dem Abitur hatte Martin noch anderes im Sinn. Zunächst bewarb sie sich auf den dualen Studiengang Marketing-Management. „Da musste ich einige Assessment-Center machen, da habe ich gemerkt, dass dieser Büro-Beruf doch nichts für mich ist.“ Danach wurde es bereits praktischer. Martin meldete sich zum Trialen Studium an, das Handwerksmanagement, welches einen Bachelor of Arts, den Gesellenbrief und danach den Meisterbrief als Dachdecker in fünf Jahren umfasst. Doch nach einem halben Jahr merkte die junge Frau, dass sie sich lieber voll auf die Ausbildung als Dachdeckerin konzentrieren möchte und beendete das Kapitel Studium. Bereut hat Martin das nicht. Und den Meister möchte sie nach der Lehre und einem Praxisjahr als Gesellin auf jeden Fall noch draufsatteln.  

Aktuell lernt die Dachdeckerin im Familienbetrieb Dachdeckerei Jörn Martin in Heiligenhaus im Kreis Mettmann, am Rande des Ruhrpotts. Dort arbeitet sie Seite an Seite mit dem Vater. Erst zu zweit, inzwischen sind ein Geselle und ein zweiter Azubi hinzugekommen. „Mein Vater findet das toll, dass ich in seine Fußstapfen treten will. Er unterstützt mich, wo er kann“, berichtet Martin. Auf den Baustellen ergänzen sich die beiden gut. „Ich mache gerne die vielen Kleinarbeiten, die mein Vater nicht so mag.“ Am liebsten arbeitet Martin mit Klebeband, ob bei der Aufdachdämmung oder der Dampfsperre. Dort alles ordentlich und dicht zu verkleben, das ist ihr Ding.

Dachdeckerin Carolin Martin

Sind ein eingespieltes Team: Carolin und Vater Jörn Martin.

Dachdeckerin gefällt das Arbeiten im kleinen Team

Überhaupt gefällt es ihr sehr gut, dass sie in einem kleinen Team viele Arbeiten direkt ausprobieren kann. „Das ist ein echter Vorteil gegenüber größeren Betrieben“, sagt Martin. In der überbetrieblichen Ausbildung in Wesel habe sie Kollegen, die auch im dritten Lehrjahr in größeren Betrieben vor allem Material tragen und anreichen müssten. Sie selbst konnte etwa nach dem Metallkurs in Wesel ihr Wissen direkt auf der Baustelle anwenden und eine Dachrinne anbringen und löten. „Da habe ich natürlich schon etwas länger als ein Geselle gebraucht und auch ein paar Rinneisen nachbiegen müssen. Aber diese praktische Vertiefung bringt einen richtig weiter.“ Viel learning by doing bereitet die junge Frau gut darauf vor, später als Gesellin selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten zu können. Da heißt es schon mal beim Einbau einer Fensters: Mach‘ Du doch mal.

Teamplayerin freut sich über das gute Arbeitsklima

Für Carolin Martin ist diese Art des Arbeitens und Lernens genau die richtige. Sie scheut sich nicht, neue Dinge auszuprobieren und dabei auch mal Fehler zu machen. Denn die gehören ja dazu. Was ihr zudem besonders gefällt, in einem kleinen Team, ist das Arbeitsklima. „Wir verstehen und kennen uns sehr gut, es ist familiär und macht richtig Spaß.“ Die junge Frau ist eine Teamplayerin. Das zeigt auch ihr Hobby. Viele Jahre spielte sie Fußball. Aktuell macht sie beim Sport eine Pause. „Zwei Mal die Woche Training und am Wochenende noch ein Spiel, das ist mir gerade neben der Arbeit zu viel.“

Was sie dennoch gemacht hat, ist ein Auslandspraktikum auf der Pazifikinsel La Réunion. „Zum Glück konnte ich mitfliegen, die drei Wochen Urlaub habe ich dafür gerne genommen.“ Spannend fand Martin vor allem, eine andere Kultur kennenzulernen. „Die Menschen dort und ihre Arbeitsweise in den ‚Handwerks-Berufen‘ sind doch ganz anders als bei uns. Dies war für mich eine wichtige Erinnerungserfahrung.“

Dachdeckerin Carolin Martin

Mit Freundin Marleen Solle (links) beim Arbeiten mit Schiefer im Berufsbildungszentrum Wesel.

Dachdeckerin möchte den Meister machen und den Betrieb später übernehmen

Von solchen menschlichen Erfahrungen kann Carolin Martin später sicher profitieren, wenn sie einmal den Familienbetrieb übernehmen wird. Dabei hat sie schon klare Vorstellungen, wie das aussehen könnte. „Ich möchte den Betrieb schon noch größer machen, weniger auf dem Dach sein und mehr das Büromanagement und die Kundenbetreuung übernehmen. Mit 40 Jahren will ich nicht mehr acht Stunden draußen auf der Baustelle sein.“

Sie interessieren sich für die Rubrik „Dachdecker werden“. Dann lesen Sie unseren Artikel über den jungen Reetdachdecker und Kraftsportler Jannik Hinsch.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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