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Dachdeckerin arbeitet am liebsten mit Klebeband

2019.10.31 Knut Köstergarten • Lesezeit 3’

Carolin Martin wollte zuerst studieren, macht jetzt aber eine Ausbildung zur Dachdeckerin. Hier erzählt sie, warum genau das ihr Ding ist, was sie weiter vor hat und welche Vorteile die Lehre in einem kleineren Betrieb bietet.

Erwartet hat Carolin Martin diese Reaktionen nicht. „Ob von Kunden oder von Handwerkern aus anderen Gewerken – ich habe überall ein starkes positives Feedback erhalten. Eine Frau auf dem Dach, das sei doch super!“ Für Martin ist dies eine Bestätigung, dass sie etwas Tolles und Sinnvolles macht, und natürlich auch dafür, dass sie jetzt den richtigen Job für sich gefunden hat. „Ich mache genau das, was ich immer wollte“, sagt die junge Frau nach dem zweiten Lehrjahr. „Ich kann draußen sein, kreativ arbeiten, eigene Lösungen erproben und habe zusätzlich noch Kontakt mit Kunden.“

Dachdeckerin Carolin Martin

Harte, staubige körperliche Arbeit ist kein Problem für Carolin Martin – wie hier das Schneiden der Dachpfannen.

Ausbildung zur Dachdeckerin statt Büro-Beruf

Direkt nach dem Abitur hatte Martin noch anderes im Sinn. Zunächst bewarb sie sich auf den dualen Studiengang Marketing-Management. „Da musste ich einige Assessment-Center machen, da habe ich gemerkt, dass dieser Büro-Beruf doch nichts für mich ist.“ Danach wurde es bereits praktischer. Martin meldete sich zum Trialen Studium an, das Handwerksmanagement, welches einen Bachelor of Arts, den Gesellenbrief und danach den Meisterbrief als Dachdecker in fünf Jahren umfasst. Doch nach einem halben Jahr merkte die junge Frau, dass sie sich lieber voll auf die Ausbildung als Dachdeckerin konzentrieren möchte und beendete das Kapitel Studium. Bereut hat Martin das nicht. Und den Meister möchte sie nach der Lehre und einem Praxisjahr als Gesellin auf jeden Fall noch draufsatteln.  

Aktuell lernt die Dachdeckerin im Familienbetrieb Dachdeckerei Jörn Martin in Heiligenhaus im Kreis Mettmann, am Rande des Ruhrpotts. Dort arbeitet sie Seite an Seite mit dem Vater. Erst zu zweit, inzwischen sind ein Geselle und ein zweiter Azubi hinzugekommen. „Mein Vater findet das toll, dass ich in seine Fußstapfen treten will. Er unterstützt mich, wo er kann“, berichtet Martin. Auf den Baustellen ergänzen sich die beiden gut. „Ich mache gerne die vielen Kleinarbeiten, die mein Vater nicht so mag.“ Am liebsten arbeitet Martin mit Klebeband, ob bei der Aufdachdämmung oder der Dampfsperre. Dort alles ordentlich und dicht zu verkleben, das ist ihr Ding.

Dachdeckerin Carolin Martin

Sind ein eingespieltes Team: Carolin und Vater Jörn Martin.

Dachdeckerin gefällt das Arbeiten im kleinen Team

Überhaupt gefällt es ihr sehr gut, dass sie in einem kleinen Team viele Arbeiten direkt ausprobieren kann. „Das ist ein echter Vorteil gegenüber größeren Betrieben“, sagt Martin. In der überbetrieblichen Ausbildung in Wesel habe sie Kollegen, die auch im dritten Lehrjahr in größeren Betrieben vor allem Material tragen und anreichen müssten. Sie selbst konnte etwa nach dem Metallkurs in Wesel ihr Wissen direkt auf der Baustelle anwenden und eine Dachrinne anbringen und löten. „Da habe ich natürlich schon etwas länger als ein Geselle gebraucht und auch ein paar Rinneisen nachbiegen müssen. Aber diese praktische Vertiefung bringt einen richtig weiter.“ Viel learning by doing bereitet die junge Frau gut darauf vor, später als Gesellin selbstständig und eigenverantwortlich arbeiten zu können. Da heißt es schon mal beim Einbau einer Fensters: Mach‘ Du doch mal.

Teamplayerin freut sich über das gute Arbeitsklima

Für Carolin Martin ist diese Art des Arbeitens und Lernens genau die richtige. Sie scheut sich nicht, neue Dinge auszuprobieren und dabei auch mal Fehler zu machen. Denn die gehören ja dazu. Was ihr zudem besonders gefällt, in einem kleinen Team, ist das Arbeitsklima. „Wir verstehen und kennen uns sehr gut, es ist familiär und macht richtig Spaß.“ Die junge Frau ist eine Teamplayerin. Das zeigt auch ihr Hobby. Viele Jahre spielte sie Fußball. Aktuell macht sie beim Sport eine Pause. „Zwei Mal die Woche Training und am Wochenende noch ein Spiel, das ist mir gerade neben der Arbeit zu viel.“

Was sie dennoch gemacht hat, ist ein Auslandspraktikum auf der Pazifikinsel La Réunion. „Zum Glück konnte ich mitfliegen, die drei Wochen Urlaub habe ich dafür gerne genommen.“ Spannend fand Martin vor allem, eine andere Kultur kennenzulernen. „Die Menschen dort und ihre Arbeitsweise in den ‚Handwerks-Berufen‘ sind doch ganz anders als bei uns. Dies war für mich eine wichtige Erinnerungserfahrung.“

Dachdeckerin Carolin Martin

Mit Freundin Marleen Solle (links) beim Arbeiten mit Schiefer im Berufsbildungszentrum Wesel.

Dachdeckerin möchte den Meister machen und den Betrieb später übernehmen

Von solchen menschlichen Erfahrungen kann Carolin Martin später sicher profitieren, wenn sie einmal den Familienbetrieb übernehmen wird. Dabei hat sie schon klare Vorstellungen, wie das aussehen könnte. „Ich möchte den Betrieb schon noch größer machen, weniger auf dem Dach sein und mehr das Büromanagement und die Kundenbetreuung übernehmen. Mit 40 Jahren will ich nicht mehr acht Stunden draußen auf der Baustelle sein.“

Sie interessieren sich für die Rubrik „Dachdecker werden“. Dann lesen Sie unseren Artikel über den jungen Reetdachdecker und Kraftsportler Jannik Hinsch.

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