Dachdeckermeisterin Janine Neureuther: Vorbild im Handwerk

DACH-Ticker

Geschäftsführerwechsel bei BMI Deutschland

Eugenio Cecchin wird ab November 2022 als Geschäftsführer der Unternehmen BMI Deutschland GmbH und BMI Flachdachsysteme GmbH die Leitung von BMI in Deutschland übernehmen. Cecchin folgt auf Christian Birck, der das Unternehmen Ende Oktober verlassen wird. Der gebürtige Italiener Cecchin kommt aus den eigenen Reihen und war in den vergangenen zwei Jahren mit großem Erfolg als Geschäftsführer der BMI Region Italien, adriatische Länder und Bulgarien verantwortlich.

26. September 2022

Wohnungsbau stark rückläufig gegenüber dem Vorjahr

Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe ist nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juli 2022 gegenüber Juni 2022 kalender- und saisonbereinigt um 8,1 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich zum Juli 2021 sank der reale, kalenderbereinigte Auftragseingang allerdings um 5,8 Prozent. „Mit Sorge sehen wir die Orderentwicklung im Wohnungsbau. Bereits in den Monaten April bis Juni mussten wir reale Rückgänge gegenüber dem Vorjahr zwischen 13 und 17 Prozent hinnehmen. Im Juli waren es nun rund 21 Prozent. Mit Blick auf die Baugenehmigungen haben wir wenig Hoffnung, dass die Zahlen in den nächsten Monaten besser werden, so Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Die Wirtschaft brauche jetzt dringend einen Energiepreisdeckel.

23. September 2022

Nelskamp startet Tondachziegel-Produktion neu

Nelskamp startet jetzt im bayerischen Werk Unsleben kurzfristig wieder die Herstellung von Tondachziegeln. Wie aus verlässlicher Quelle zu erfahren war, finde jedoch auf alle Produkte eine Preiserhöhung über 25 Prozent Anwendung, hinzu käme außerdem ein Energiekostenzuschlag von 20 Prozent. Nelskamp hatte noch Anfang September die Herstellung von Tondachziegeln vorläufig an allen Standorten eingestellt.

20. September 2022

Nelskamp stellt Tondachziegelproduktion vorläufig ein

Die Dachziegelwerke Nelskamp haben entschieden, die energieintensive Produktion von Tondachziegeln am 1. September vorläufig einzustellen. Nelskamp stellt dazu in einer Pressemeldung fest: „Das sind die Folgen der Energiepolitik, die Gas und Strom künstlich verknappt und damit die gegenwärtig untragbare Preisexplosion herbeigeführt hat.“ Für knapp über 300 Mitarbeiter meldet das Unternehmen ab dem 1. September Kurzarbeit an. Die Fertigung an den drei Dachsteinstandorten laufe hingegen uneingeschränkt weiter, weil sie nicht so energieintensiv sei.

30. August 2022

Neustart von PolyStyreneLoop: Anlage zum Recycling von EPS-Dämmstoffen

Die erste industrielle Anlage für das Recycling von EPS-Dämmstoffen aus Abriss- und Sanierungsarbeiten geht genau ein Jahr nach der Erstinbetriebnahme wieder an den Start. Eine Gruppe von deutschen EPS-Herstellern – Mitglieder des Industrieverbandes Hartschaum e.V. – hat die niederländische PolyStyreneLoop-Anlage aus der Insolvenz gerettet. Im niederländischen Terneuzen sollen jährlich 3.000 Tonnen HBCD-haltigen Materials recycelt werden.

26. August 2022

Noch bis 2. September zum Zimmerer Contest 2022 anmelden

Junge Zimmerertalente bis 20 Jahre für die Zimmerer-Nationalmannschaft gesucht, die ihre Fertigkeiten beim Schiften, Sägen und Schrauben unter Beweis stellen wollen. Der Zimmerer Contest findet von Montag, 17. bis Freitag, 21. Oktober 2022 in Ansbach statt. Er beinhaltet einen viertägigen Schiftkurs und eine eintägige Wettbewerbsaufgabe. Anmeldeschluss ist der 2. September 2022. Download: Bewerbungsformular

15. August 2022

Soprema steigt ins Photovoltaikgeschäft ein

Soprema steigt in dem Boom-Markt Photovoltaik ein. (Foto: Soprema)

Die Soprema GmbH hat die Mehrheit an der MW Photovoltaik Engineering GmbH mit Sitz in Berlin übernommen. Bekannt als Komplettanbieter für hochwertige Abdichtungs- und Dämmsysteme sowie für Essertec Tageslicht- und Rauchabzugslösungen erweitert das Unternehmen sein Portfolio nun im Bereich Photovoltaik für Dach und Fassade.

11. August 2022

EEG 2023: Fördersätze für PV-Anlagen steigen

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat Ende Juli über das Inkrafttreten erster Regelungen aus dem EEG 2023 informiert. Ab sofort können Betreiber von neu in Betrieb genommenen Solaranlagen bis zu 13,40 Cent pro Kilowattstunde für ihren PV-Strom erhalten. Die erhöhten Fördersätze gelten allerdings laut Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks nur für sogenannte Volleinspeiser. Das heißt: Der erzeugte Strom wird nicht selbst verbraucht, sondern vollständig ins Netz eingespeist.

8. August 2022

Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser sind 2022 eingebrochen

Im April 2022 wurde in Deutschland der Bau von 31 152 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das 5,1 Prozent oder 1 515 Baugenehmigungen mehr als im April 2021. Von Januar bis April 2022 wurden damit insgesamt 123.659 Baugenehmigungen für Wohnungen erteilt – dies waren 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr (125.553 Baugenehmigungen). Im Neubau gab es in den ersten vier Monaten 2022 gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 22 Prozent bei Einfamilienhäusern und ein Plus von 11,6 Prozent bei Mehrfamilienhäusern.

17. Juni 2022

Bauwirtschaft: Arbeitsunfälle 2021 leicht rückläufig

Die Arbeitsunfälle in der Bauwirtschaft sind im vergangenen Jahr um 0,4 Prozentpunkte auf 103.525 leicht gesunken. Auch die Anzahl der tödlichen Arbeitsunfälle ging laut BG Bau zurück. Einen leichten Anstieg gibt es hingegen bei den Anzeigen auf Verdacht einer Berufserkrankung. Der zweithäufigste Verdachtsfall war hierbei das für das Dachdeckerhandwerk besonders relevante Risiko von Hautkrebs durch Sonneneinstrahlung. Der leichte Rückgang bei Arbeitsunfällen und tödlichen Arbeitsunfällen sei laut BG Bau aber kein Grund zur Entwarnung. Denn die Zahlen seien immer noch zu hoch. 

3. Juni 2022

Dachdeckerin Janine Neureuther

Dachdeckermeisterin Janine Neureuther: Ein Vorbild im Handwerk

Sie ist Dachdeckermeisterin, Geschäftsführerin im Familienbetrieb, Lehrkraft an der Meisterschule Karlsruhe sowie aktives Mitglied der Dachdecker-Mädelz. Und seit März 2022 ist Janine Neureuther auch stellvertretende Landesinnungsmeisterin im Landesverband des Dachdeckerhandwerks Baden-Württemberg, als bundesweit erste Frau in dieser Position. Insbesondere das Thema Dachdecker-Nachwuchs liegt ihr hier am Herzen. Darum bildet sie auch selbst in ihrem Betrieb aus.

Am Messestand der Zedach 2022: Janine Neureuther (hintere Reihe links) ist ein aktives Mitglied der Dachdecker-Mädelz.

Mit dem Familienbetrieb groß geworden

Die 38-Jährige aus Rheinstetten bei Karlsruhe hat also reichlich zu tun. Im Tagesgeschäft leitet die zweifache Mutter gemeinsam mit ihrem Mann den Betrieb Neureuther GmbH, Mitglied der Dachdecker-Einkauf Süd eG. Mit dem Dachdeckerhandwerk ist Janine Neureuther von klein auf groß geworden. Ihr Urgroßvater hat 1949 den Dachdeckerbetrieb gegründet, der bis heute, in mittlerweile vierter Generation, in Familienhand ist und aktuell 14 Mitarbeiter beschäftigt.

Janine Neureuther wollte den Betrieb übernehmen

„Immer haben die Söhne in der Familie das Geschäft von ihren Vätern übernommen – bis mein Vater eben zwei Töchter bekommen hat“, lacht sie. Janine Neureuther wusste schon früh, dass sie das Familienunternehmen weiterführen möchte. „Ich bin schon als Schülerin in den Ferien mit auf die Baustellen gefahren. Mir hat das immer richtig Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Und da ihre Schwester kein Interesse daran hatte, den Meisterbetrieb zu übernehmen, hat Janine Neureuther von Beginn an daraufhin gearbeitet.

Dachdeckerlehre gegen den Rat des Vaters

Dabei hätte sie auch einen anderen Beruf erlernen dürfen: „Mein Vater hat mir eigentlich geraten, mir andere Berufe anzuschauen. Das habe ich dann nach dem Abi während eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) gemacht, in dem ich in der Altenpflege gearbeitet habe. Das hat schon auch Spaß gemacht, aber mir war schnell klar: Mein Herz schlägt für die Dachdeckerei.“

So hat sie nach dem FSJ ihre auf zwei Jahre verkürzte Ausbildung begonnen. „Ich habe mich bewusst für einen Ausbildungsbetrieb etwas weiter weg von daheim entschieden“, erzählt sie. „Ich wollte einfach die Gelegenheit nutzen, noch mal was anderes zu sehen, ehe ich den Rest meines Arbeitslebens im elterlichen Betrieb verbringe. Wettbewerber im näheren Umkreis kamen für mich auch nicht infrage. Und ich wollte mich nicht von den Menschen ausbilden lassen, deren Chefin ich einmal werden würde, um niemanden in eine unangenehme Situation zu bringen.“

„Du bist ein Mädel, was willst du hier?“

Also ist sie zwei Jahre lang täglich eine Stunde zum Ausbildungsbetrieb gependelt – und abends wieder zurück. In der Ausbildung bekam sie das erste Mal zu spüren, was es heißt, als Frau einen vermeintlichen Männerberuf erlernen zu wollen. „Einer der Gesellen, der mich ausbilden sollte, begrüßte mich mit den Worten ‚Du bist ein Mädel, was willst du hier? Frauen gehören nicht aufs Dach.‘ Heute bin ich ihm eigentlich dankbar für diesen Spruch. Denn für mich war das der Ansporn, es ihm und allen anderen Zweiflern zu zeigen. Na klar gehöre ich aufs Dach!“ Bewiesen hat sie das unter anderem, indem sie ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste abschloss.

Gesellenbrief, Studium, Meisterschule

Nach dem Gesellenbrief folgte ein Studium an der Berufsakademie in Stuttgart, das sie als Bachelor of Arts (BA) mit dem Schwerpunkt „Handwerk“ abschloss. „Ein BA-Studium besteht ja aus wechselnden Praxis- und Theorie-Phasen. Ich war also immer drei Monate an der Berufsakademie, dann wieder drei Monate im elterlichen Betrieb“, erzählt Neureuther. Dort hat sie dann auch die Büroarbeit kennengelernt: „Im Büro zu sitzen macht zwar nicht annähernd so viel Spaß wie auf dem Dach zu stehen. Aber diese Arbeit gehört nun mal zur Betriebsführung dazu und ist wichtig, damit das Unternehmen läuft.“ Nach dem Studium folgte eine weitere Zeit des Lernens an der Meisterschule Karlsruhe.

Gruppenbild in der Meisterschule
Janine Neureuther (erste Reihe) lernte weiter an der Meisterschule Karlsruhe. (Foto: Bildungszentrum der Dachdecker Karlsruhe)

Engagement als Lehrkraft in der Meisterausbildung

„Nachdem ich 2010 meinen Meisterbrief gemacht habe, bin ich endgültig und in Vollzeit in unseren Fachbetrieb eingestiegen, seit 2020 leite ich ihn zusammen mit meinem Mann“, sagt Janine Neureuther. „2012 und 2014 kamen unsere beiden Söhne zur Welt, da habe ich natürlich eine Weile pausiert. Mittlerweile arbeite ich aber wieder Vollzeit und kann über Langeweile wirklich nicht klagen.“ Und trotzdem engagiert sie sich noch in anderen Aufgabenfeldern als ihrem eigenen Unternehmen: „Ich unterrichte seit rund sechs Jahren an der Meisterschule in Karlsruhe Berufs- und Arbeitspädagogik. Das heißt, ich befähige künftige Meister dazu, Lehrlinge auszubilden.“

Den Nachwuchs fürs Dachhandwerk begeistern

Überhaupt ist das Thema Bildung und Nachwuchs fürs Handwerk bei Janine Neureuther allgegenwärtig. Seit 2017 ist sie im Meisterprüfungsausschuss für das Dachdeckerhandwerk tätig. Sie ist aktiv bei den Dachdecker-Mädelz, einer Gruppe von Dachdeckerinnen in Deutschland, die sich stark fürs Dachhandwerk und ganz besonders für Frauen im Dachhandwerk macht.

In der Dachdeckerinnung Karlsruhe engagiert sie sich als PR-Referentin und kam darüber auch in den Ausschuss des Landesverbands, der das neue Dachmobil entwickelt hat. „Das Dachmobil ist ein Pick-up mit Anhänger und funktioniert wie eine Art rollender Info- und Messestand. Im Innern gibt es einen Simulator für Drohnenflüge und andere Virtual-Reality-Attraktionen, die junge Menschen fürs Dachhandwerk begeistern sollen. Auf diese Weise will der Landesverband Fachbetriebe dabei unterstützen, Azubis zu finden. Sie können das Mobil zum Beispiel für lokale Ausbildungsmessen, Firmenfeste und dergleichen mieten.“

Einstimmig zur stellvertretenden Landesinnungsmeisterin gewählt

Durch diese Arbeit wurde schließlich wohl auch der Landesinnungsverband auf Neureuther aufmerksam. „Als Michael Braunwarth nach über acht Jahren sein Amt als stellvertretender Landesinnungsmeister niedergelegt hatte, wurde ich als seine Nachfolgerin vorgeschlagen.“ Eine Nominierung, die auf die breitest mögliche Zustimmung der Mitglieder stieß: Janine Neureuther wurde von allen zehn Dachdecker-Innungen Baden-Württembergs einstimmig in Amt und Würden gewählt. Eine ihrer neuen Aufgaben ist auch hier die Bildung. Sie hat etwa das Amt der Landesreferentin für Berufsbildung übernommen und somit auch die Zuständigkeit fürs Dachdecker-Bildungszentrum in Karlsruhe mit der überbetrieblichen Ausbildung und der Meisterschule.

Janine Neureuther als Landesinnungsmeisterin
Janine Neureuther und ihr Vorgänger Michael Braunwarth (links) sowie die aktuellen Vorstandskollegen Christoph Schendel und Karl-Heinz Krawczyk (rechts). (Foto: LIV der Dachdecker Baden-Württemberg)

Sie interessieren sich für starke Frauen? Dann lesen Sie unsere Story über Marion Mecke, die sich ebenfalls auf die Fahnen geschrieben hat, dem Nachwuchs die Liebe fürs Dachhandwerk mit auf den Weg zu geben.

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