Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Mehrere Menschen stehen in einer Reihe auf einem Freigelände mit Holz und Gebäuden; im Vordergrund sieht man einen Mann mit Sonnenbrille.

Internationaler Handwerksmeister geht auf Auslandseinsatz

Harald Friedrich

12. März 2019

Mit dem deutschen Wirtschaftswunder in den 1960er Jahren tauchte erstmals der Begriff der Globalisierung auf. Ein Wort, bei dem die meisten heute an Großkonzerne denken, wohl kaum aber an das Handwerk. Doch es gibt Ausnahmen. Auf die Idee, Internationaler Handwerksmeister zu werden, kam Uwe Mäusgeier aus dem hessischen Rotenburg an der Fulda, nicht selbst. „Es war ein spontaner Einfall von einem Freund“, erinnert er sich. Der Freund war der Geschäftsführer seiner zuständigen Handwerkskammer. Und der machte Uwe Mäusgeier bei der Überreichung der Urkunde zum 25-jährigen Dachdecker-Meisterjubiläum den Vorschlag zur „Internationalisierung“.

Die Neugier auf Neues und die „Lust, mal über den Tellerrand zu schauen“ waren der Anreiz für Uwe Mäusgeier, sich zum Internationalen Handwerksmeister weiterzubilden.

Die Neugier auf Neues und die „Lust, mal über den Tellerrand zu schauen“ waren der Anreiz für Uwe Mäusgeier, sich zum Internationalen Handwerksmeister weiterzubilden.

Weiterbildung Internationaler Meister: einmal über den Tellerrand schauen

Weder eine Midlife-Crisis noch Abenteuerlust waren für den 53-Jährigen Anstoß, sich vom Meister zum Internationalen Meister weiterzubilden. Und ganz sicher lag es auch nicht an fehlender Auslastung. Immerhin ist Mäusgeier angestellter Dachdeckermeister bei der Dachdeckerei Otto Gruß in Eichenzell, Mitgliedsbetrieb der Dachdecker-Einkauf Süd, und Sachverständiger für das Dachdeckerhandwerk. Es war wohl einfach die Neugier auf Neues und die „Lust, mal über den Tellerrand zu schauen.“

Die Fortbildung zum Internationalen Handwerksmeister bedeutete für den Vater von zwei Töchtern allerdings auch, an Wochenenden die Schulbank zu drücken und nach Geschäftsschluss im Betrieb noch lange nicht Feierabend zu haben. Dafür lockte im Zuge dieser Weiterbildung als Belohnung ein Auslandseinsatz. Denn ebenso wenig wie die duale Ausbildung in Deutschland nur aus grauer Theorie besteht, ist auch diese fast einjährige internationale Zusatzqualifikation auf das Wälzen von Lektüre begrenzt.

Der erste Einsatz des Internationalen Handwerkmeisters war in Ruanda. Zusammen mit acht Handwerkskollegen und im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) trat Uwe Mäusgeier die Reise an.

Der erste Einsatz des Internationalen Handwerkmeisters war in Ruanda. Zusammen mit acht Handwerkskollegen und im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit trat Uwe Mäusgeier die Reise an.

Mehr als Handwerk: Reise nach Ruanda

Zur Weiterbildung gehörte auch ein etwa einwöchiger Praxiseinsatz in einem Entwicklungs- oder Schwellenland. Im Ausland zu arbeiten war kein Neuland für Uwe Mäusgeier. Schon vor rund 20 Jahren war er als Lehrverleger in Israel aktiv. Doch Ruanda, sein erstes Ziel, ist ein – wenn auch aufstrebendes – Entwicklungsland im Osten des schwarzen Kontinents und nicht vergleichbar mit dem hochzivilisierten Nahoststaat Israel. Zusammen mit acht Handwerkskollegen und im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) trat er die Reise an. Learning by Doing heißt das Prinzip der Internationalen Meisterausbildung. Und so stehen auf dem Lehrplan auch Themen wie  interkulturelle Kompetenz, interkulturelles Projektmanagement, das Bilden von Netzwerken, das Sammeln wichtiger Informationen über Land und Leute inklusive möglicher Gefahren, sowie über Impfungen und Materialbeschaffung.

Sicherheitsbewusstsein, Betriebswirtschaftlichkeit und Vermittlung von Fachwissen möchten der Internationale Handwerksmeister Uwe Mäusgeier und seine Kollegen vor Ort weitergeben.

Sicherheitsbewusstsein, Betriebswirtschaftlichkeit und Vermittlung von Fachwissen möchten der Internationale Handwerksmeister Uwe Mäusgeier und seine Kollegen vor Ort weitergeben.

„Wenn wir hier bei uns von einem Gerüst reden, kann das für die Handwerker in Ruanda eine Leiter oder eine abenteuerliche selbstgebaute Balken-Bretter-Konstruktion sein“, erinnert sich Uwe Mäusgeier. „Unsere Aufgabe ist es auch, soviel Sicherheitsbewusstsein wie möglich zu vermitteln.“  Darüber hinaus sollen ruandische Handwerker lernen, gute Arbeit zu leisten, betriebswirtschaftlich zu denken und ihr Wissen auch weiterzugeben.

250 Tote durch Blitzschlag pro Jahr

Warum gerade Ruanda? „Im letzten Jahr gab es dort 250 Tote durch Blitzschlag. Und das sind 250 zu viel“, so die trockene Antwort von Dachdeckermeister Mäusgeier. Sein Projekt für die GIZ, das er dort gestartet hat, heißt „Blitzschutz für Ruanda“. An den – auch in Ruanda – immer weiter verbreiteten Mobiltelefonen, Rechnern und anderen „Segen der modernen Zivilisation“ kommt es durch Blitzeinschläge zu teuren Überspannungsschäden, die nur durch einen konsequent ausgebauten Blitzschutz verhindert werden können.

Unterstützt wird Mäusgeier bei dem Projekt von einem Kollegen, der selbst als Elektromeister in Deutschland arbeitet – und in Ruanda geboren ist. „Das ist mehr als ein Glücksfall – der Kollege ist für unsere Arbeit Türöffner, Organisationstalent und ein Gesprächspartner auf Augenhöhe für unsere Kontakte dort.“

Für den Internationalen Handwerksmeister Uwe Mäusgeier ist Ruanda ein Land mit viel Potenzial.

Für Uwe Mäusgeier ist Ruanda ein Land mit viel Potenzial.

Friedliche Auslandseinsätze als Internationaler Handwerksmeister

Solche Auslandseinsätze sind kein reines Ehrenamt. Neben der Kostenübernahme für die Reisekosten und Unterbringung gibt es sogar noch etwas Geld von der GIZ aus dem Entwicklungshilfe-Etat. „Gut angelegtes Geld“, findet Uwe Mäusgeier. „Denn nichts ist effektiver als die Hilfe zur Selbsthilfe“. Allerdings kosten Uwe Mäusgeier seine Auslandseinsätze auch einen Teil seines wohlverdienten Urlaubs. Aber sowohl sein Arbeitgeber als auch seine Familie haben ihm dafür grünes Licht gegeben.

Sie interessieren sich für ehrenamtliches Engagement. Dann lesen Sie unseren Artikel über Mario Kunzendorf, der Dachdeckern in Uganda hilft.

Harald Friedrich

In den 80er Jahren kam der ausgebildete Werbekaufmann und Texter zum Journalismus. Seit dieser Zeit unterstützt er zahlreiche Dachdecker-Landesverbände bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit durch Vor-, Nach- und Querdenken. So hob er das Verbandsmagazin des Bayerischen Dachdeckerhandwerks mit aus der Taufe und erstellt bis heute fünf Ausgaben pro Jahr komplett. Er schreibt zudem für Fachmedien im Bereich Handwerk, darunter seit Jahren auch „Das DACH“. Sein Motto: „Schreiben ist nichts weiter als eine permanente Neuordnung von 26 Buchstaben."

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