Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Zwei Arbeiter auf einem Dach, während Ziegel von einem Kran hochgehoben werden. Ein Fenster ist in der Dachfläche sichtbar.

Wasserschloss Köngen: neues Dach im historischen Look

Katharina Meise

4. April 2023

Das ehemalige Wasserschloss Köngen vor den Toren Stuttgarts hat eine bewegte Geschichte. Erbaut im 14. Jahrhundert von der Familie Thumb von Neuburg erfuhr es im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Umbauten, wurde im 30-jährigen Krieg zerstört und wieder aufgebaut, ging im 17. und 18. Jahrhundert in den Besitz des Hauses Württemberg über und wird heute als Büro- und Veranstaltungsort genutzt. Aus dem ursprünglichen Wassergraben wurde in der Zwischenzeit der Schlossgarten und die Fassade mit mächtigem Fachwerk erstrahlt seit fast 200 Jahren weiß verputzt. Logisch, dass auch das Dach des historischen Gemäuers bereits einiges hinter sich hat. Zuletzt sorgte die Dieter Meyer Bedachungen GmbH, Mitgliedsbetrieb der Dachdecker-Einkauf Süd eG, für eine neue Eindeckung und eine zeitgemäße Dämmung.

Ein Baukran hebt Material auf ein Gerüst neben einem teils renovierten Gebäude mit rotem Dach. Bäume sind im Hintergrund sichtbar.
Das Wasserschloss Köngen erhielt eine neue Eindeckung und eine zeitgemäße Dämmung. (Alle Fotos: Dieter Meyer Bedachungen GmbH)

Wasserschloss Köngen: langes Bewerbungsverfahren

Um den Auftrag zu bekommen, musste der Familienbetrieb aus Köngen, der heute in zweiter Generation geführt wird, jedoch erst einmal ein längeres Bewerbungsverfahren durchlaufen. „Für das Wasserschloss Köngen gab es eine Ausschreibung der Gemeinde. Und wie es eben so ist, mussten wir dafür eine Beurteilung schreiben und diese im Gemeinderat vortragen. Das Dach des Schlosses wurde 1999 zuletzt grundlegend saniert, seither wurde immer nur ausgebessert“, erzählt Christian Schmid, einer von drei Geschäftsführern von Meyer Bedachungen.

Luftaufnahme eines Gebäudes mit braunem Dach, mehreren geparkten Autos und Bäumen in einem kleinen Parkplatzbereich.
Das Dach des Schlosses wurde 1999 zuletzt grundlegend saniert, seither wurde immer nur ausgebessert.

Reparaturen nur mit 200 Jahre alten Bieberschwanzziegeln

„Es gab immer wieder Probleme, so dass Reparaturen und Sicherungsmaßnahmen vorgenommen wurden, damit abrutschende Ziegel niemanden gefährden.“ Das mag wohl auch an der Auflage des Denkmalamtes gelegen haben, das damals vorgegeben hatte, dass nur 200 Jahre alte Biberschwanzziegel verwendet werden dürfen. Diese wurden zudem nicht gegen Windsog verklammert, so dass es immer wieder zu gefährlichen Situationen kam.

Ein großer orangefarbener Behälter wird von einem Kran über ein Ziegeldach gehoben, im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.
Die abzudeckenden Biberschwanzziegeln waren 200 Jahre alt.

Gemeinderat und Denkmalamt beschließen Modernisierung mit Antik-Bibern

Doch nun sollte mit der Flickschusterei Schluss sein. 2022 entschied der Gemeinderat, dass das Wasserschloss Köngen ein komplett neues Dach bekommt – ganz ohne Vorgaben der Denkmalschutzbehörde ging es allerdings auch diesmal nicht. „Das ist ja auch in Ordnung. Immerhin ist so ein geschichtsträchtiges Gebäude auch besonders schützenswert. Die wichtigste Auflage für uns war, dass wir mit Antik-Bibern arbeiten, also mit neuen Biberschwanzziegeln, die die Form der alten Ziegel nachahmen und eine aufgeraute Oberfläche haben. So setzen sie schneller die erwünschte Patina an“, erklärt Christian Schmid.

Schrägdach eines Hauses mit roten Ziegeln, zwei Dachfenstern und etwas Moosbewuchs, fotografiert aus der Vogelperspektive.
Die Modernisierung realisierte das Team mit Antik-Bibern.

1050 Quadratmeter Dach, 21 kleine Gauben

Im September 2022 fiel der Startschuss für die Dacharbeiten am Wasserschloss Köngen. „Obwohl das für uns noch mitten in der Hauptsaison war, haben wir das Projekt mit viel Manpower durchgezogen. Wir waren immer mit drei bis sechs Mann auf dem Dach, trotzdem waren wir bis kurz vor Weihnachten beschäftigt. Und einige kleinere Details müssen noch immer fertiggestellt werden. Zum Glück ist das kein Problem, da auch die Fassade erneuert wird und somit ohnehin ein Gerüst steht“, berichtet Schmid. Bei einer Gesamtfläche von 1050 Quadratmetern Dach und 21 kleinen Dachgauben verwundert diese Projektdauer nicht. „Wir haben das Dach in Abschnitten abgedeckt und dann neu gemacht. Begonnen haben wir im Bereich der Kehle und dann von links nach rechts weggearbeitet, einmal im Kreis herum.“

Arbeiter reparieren ein Ziegeldach, ein orangefarbener Container ist in der Nähe, Bäume im Hintergrund.
Das Dach wurde in Abschnitten abgedeckt und dann neu gemacht.

13 Meter eingebundene Kehle und unterschiedlich geneigte Dachflächen

Dabei war die Kehle ein ganz besonderes Highlight: „Wir hatten es hier mit knapp 13 Metern eingebundener Biberkehle zu tun, drei Ziegel breit“, berichtet Dachdeckermeister Mario Gams. „Die Kehlenmitte bestimmt dabei die Anzahl der Ziegel.“ Mario Gams, der schon seine Ausbildung bei der Firma Meyer Bedachungen absolviert hat, war die Idealbesetzung für diese Spezialaufgabe. Denn er hatte erst im Mai 2022 die Meisterschule abgeschlossen und eine solch eingebundene Kehle war Teil seiner Meisterprüfung. „Das passte perfekt, ich hatte das gerade frisch gelernt und Übung“, erzählt er lachend.

Zwei Bauarbeiter arbeiten mit einer Schubkarre auf einem Gerüst an einem schrägen Hausdach, das mit Planen abgedeckt ist.
Die Dachdecker hatten es mit 13 Metern eingebundener Kehle zu tun.

Herausforderung ungleichhüftige Dachflächen 

Diese Expertise kam seinen Kollegen und ihm auch bei den ungleichhüftigen Dachflächen zugute. „Dabei müssen unterschiedliche Dachneigungen zusammengebracht werden. Sowas macht die Arbeit auf dem Dach natürlich besonders interessant.“ Damit das neue Dach auf Jahrzehnte wasserdicht bleibt, wurden bis zu vier Lagen Biberschwanzziegel übereinander verlegt – ohne Blech. „Die Unterläufer haben wir händisch abgefräst, damit sie nicht zu hochstehen und die Dachfläche auf dem Wasserschloss Köngen nicht nur sicher und dicht ist, sondern auch harmonisch aussieht“, so Gams.

Rotes Ziegeldach mit Blick auf eine Stadt, bewölkter Himmel, im Hintergrund Häuser und Bäume.
Weite, schöne Aussicht bei der Arbeit am neuen Dachfirst.

42 000 Ziegel, 10 000 Windsogklammern und noch viel mehr

Die schiere Größe der Dachfläche und die Art der Eindeckung bedeuteten nicht nur etliche Arbeitsstunden, sondern auch eine riesige Menge an Material, das es zu verarbeiten galt. „Wir haben alles in allem 42 000 Biberschwanzziegel inklusive Lüfterziegel und ähnlicher Sonderziegel aufs Dach gebracht. Außerdem 310 First- und Grathauben, in Mörtel verlegt, sowie zirka 10 000 Windsogklammern. Für die 21 Dachgauben haben wir die seitlichen Anschlüsse mit Noppenblech gefertigt, von dem wir etwa 21 Laufmeter benötigt haben“, zählt Gams auf. „Obendrauf kamen noch 120 Meter Zahnleisten, die wir mit der Dacheindeckung verbunden haben. Außerdem haben wir 58 Meter Schneefanggitter angebracht und den Blitzschutz erneuert.“ Damit all dies, zuverlässig geliefert von der Einkaufsgenossenschaft DE Süd, möglichst schnell und schonend aufs Dach gelangt, arbeitet Meyer Bedachungen in solchen Fällen mit dem Kran.

Blick von oben auf einen Baukran, der Baumaterial auf ein Gebäudedach hebt, umgeben von Bäumen und Gerüst.
Die DE Süd lieferte zuverlässig die großen Mengen an Material - etwa 42 000 Ziegel.

Wetterfahnen aus Weißblech neu gefertigt

Neben der reinen Dacheindeckung hat sich die Firma Meyer Bedachungen auch um Details am Wasserschloss Köngen gekümmert. So fertigten die Mitarbeiter die Wetterfahnen an den Spitzen von den Flaschnern aus Weißblech neu. Außerdem wurde der alte Drachenkopfspeier neu bearbeitet und wieder montiert. „Solche Arbeiten verlangen besonders viel Liebe zum Detail und zur alten Handwerkskunst“, sagt Christian Schmid.

Ein Haus mit rotem Dach, Gerüst und Bauplakat, Leitern an der Fassade, Bäume im Hintergrund.
Die Tradition wird vom Familienbetrieb nicht nur auf den Baustellen, sondern auch im Miteinander gelebt.

Tradition wird gelebt und gepflegt

Wie gut, dass die im Unternehmen hochgehalten wird. Zwar wurde der Köngener Betrieb erst 1968 von Dieter Meyer gegründet. Allerdings stammt er aus einer traditionsreichen Thüringer Dachdeckerfamilie, deren Wurzeln sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen lassen. Dieses Traditionsbewusstsein wird bis heute von den aktuell rund 50 Mitarbeitern gelebt und gepflegt. Und genau das sieht man dem bis ins Detail fachgerecht modernisierten historischen Dach auf dem Wasserschloss Köngen auch an.

Sie interessieren sich für ausgefallene Praxisprojekte? Dann lesen Sie unsere Story über eine neue Dachterrasse für einen historischen Flughafen-Tower in Berlin.

Katharina Meise

Sie hat das journalistische Handwerk vor über 20 Jahren in verschiedenen Print- und Online-Redaktionen von der Pike auf gelernt. Nach einem fast zehn Jahre währenden Ausflug in die Welt der PR leitete Meise die Unternehmenskommunikation eines renommierten Herstellers von Wohndachfenstern, Dachausstiegen und Bodentreppen – und entdeckte dort ihre Liebe zum Dachhandwerk.

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