Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Zwei Personen arbeiten an technischen Zeichnungen, verwenden einen Bleistift, ein Lineal und einen Taschenrechner, während eine Hand ein Smartphone hält.

Digitalisierung im Handwerk – Wir sind mittendrin

Knut Köstergarten

12. Juni 2018

In DACHLIVE haben wir Thorsten Seidel (rechts), Generalsekretär der ZEDACH eG, und den ZVDH-Vizepräsidenten Michael Zimmermann (links) zum Thema Digitalisierung im Handwerk befragt. Letzterer ist beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks zuständig für den Bereich Digitalisierung und setzt als Inhaber der rheinland-pfälzischen Zimmermann Bedachungen GmbH selber auf digitale Prozesse im Büro und auf der Baustelle.

Digitalisierung im Handwerk – Wir sind mittendrin

DACH\LIVE: Wie beurteilen Sie persönlich die Bereitschaft der Dachdecker- und Zimmererbetriebe, die Möglichkeiten der Digitalisierung im Handwerk zu nutzen?

Michael Zimmermann: Die Digitalisierung hat in unserem privaten Umfeld schon längst Einzug gehalten. Die hieraus resultierenden alltäglichen Erleichterungen nutzen und schätzen natürlich auch unsere Betriebsinhaber. Die Bereitschaft zur Digitalisierung ist also durchaus vorhanden. Einige Handwerker nutzen die Digitalisierung bereits jetzt schon sehr erfolgreich als Geschäftsmodell. Aber der digitale Zugang zu unseren Kunden ist mit Sicherheit noch ausbaufähig.

Thorsten Seidel: Viele Betriebe möchten die Digitalisierung im Handwerk voranbringen, aber wissen noch nicht genau wie und was. Die Bereitschaft dieser Betriebe steigt, was wir auch an den steigenden Nutzerzahlen unseres E-Commerce Shops OBIS feststellen. Nur, wie Herr Zimmermann bereits erwähnt hat, ist dies noch weiter ausbaufähig.

DACH\LIVE: Wo sehen Sie für diese Betriebe die besten Möglichkeiten, schnell in die Digitalisierung im Handwerk einzusteigen?

Thorsten Seidel: Der hohe administrative Aufwand macht vielen Handwerksbetrieben zu schaffen, hier kann ein guter Einstieg für Betriebe sein, analoge Prozesse zu digitalisieren. Weniger Papier, transparente Prozesse und schneller Zugriff auf Unterlagen, sind einige Vorteile. Auch hier bieten die Dachdecker-Einkaufsgenossenschaften bereits einen ersten Einstig mit OBIS. Das „I“ steht für Informationssystem, sodass der Handwerker von überall auf seine Lieferscheine oder Rechnungen zugreifen kann.

Michael Zimmermann: Die Digitalisierung im Handwerk betrifft alle Bereiche in unserem unternehmerischen Denken und Handeln. Hier geht es beispielsweise um Fachtechnik, um Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sowie um die Berufsbildung und die Nachwuchswerbung. In allen diesen Bereichen können und müssen wir die Effizienz erhöhen. Hierbei kann die Digitalisierung helfen. Der erste Schritt wäre also die Digitalisierung unserer betrieblichen Prozesse.

Der erste Schritt weg von der Routine, hin zu neuen Wegen ist für viele Handwerksbetriebe, die ja oft sehr traditionell geprägt sind, kein leichter Schritt. Es müssen also Möglichkeiten geschaffen werden, den Betrieben diesen ersten Schritt zu erleichtern.

DACH\LIVE:  Welche Rahmenbedingungen müssten erfüllt werden, um diesen Betrieben einen schnellen, sicheren Einstieg zu ermöglichen und sie dazu zu motivieren?

Michael Zimmermann: Für die Digitalisierung im Handwerk brauchen wir ein interdisziplinäres Gesamtsystem. Dafür benötigen unsere Betriebe interne und externe Unterstützung. Externe Hilfestellungen kommen von den Handwerkskammern, der Industrie und dem Handel. Sehr nahe steht uns da natürlich der genossenschaftliche Handel durch unsere Dachdeckereinkaufsgenossenschaften über die ZEDACH-Gruppe. Der ZVDH bietet mit dem neu gegründeten Lenkungskreis Digitalisierung eine zentrale Schaltstelle für die notwendige interne Unterstützung und hilft den Betrieben zudem bei der praktischen Umsetzung. Die notwendige Motivation für das Handwerk 4.0 ist bei den Unternehmen jetzt schon sehr deutlich spürbar.

Besonders wichtig ist für den Handwerksbetrieb eine solide Vertrauensbasis zu seinen Partnern. Das betont auch Thorsten Seidel in seiner Antwort.

Thorsten Seidel: Der Kontakt zwischen Handwerkern auf der einen sowie ZVDH und Genossenschaft auf der anderen Seite fußt auf einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Dieses Vertrauen ist von hoher Bedeutung, um eine Motivation zu schaffen. Die ZEDACH kann, wie bereits mit der Baustellen-App, die Entwicklung von zentralen digitalen Mehrwerte schaffen. Auch ein gutes Beispiel für die konstruktive Zusammenarbeit zwischen Verband und ZEDACH. Wenn die unterschiedlichen Insellösungen in der digitalen Welt gebündelt werden, wird sicherlich auch die bereits vorhandene Motivation sich zu digitalisieren weiter steigen.

Beim Stichwort „Digitalisierung im Handwerk“ ist gerade von Arbeitnehmern die Angst zu spüren, dass der „Kollege Computer“ nun ihre Arbeit übernehmen könnte. Nicht ganz unberechtigt, wenn man auf die Automobilindustrie blickt, wo ganze Belegschaften durch Roboter ersetzt wurden.

DACH\LIVE: Welche Auswirkungen könnte nach Ihrer Ansicht die Digitalisierung im Handwerk auf den Arbeitsmarkt in diesen Gewerken haben?

Thorsten Seidel: Viele Betriebe sind bereits heute zu einem hohen Grad ausgelastet. Nachwuchskräfte für das Dachhandwerk zu begeistern ist seit Jahren eine große Herausforderung. Tendenziell werden die arbeitenden Hände in unserer Branche immer weniger und dies bei gleicher, bzw. steigender Arbeit. Hier kann die Digitalisierung im Handwerk helfen, die Prozesse effizienter zu gestalten, sodass die Mitarbeiter ihre originäre Tätigkeit mit Spaß verrichten können.

Digitalisierung im Handwerk bedeutet also, dass der „Hand-Werker“ in der Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik-Branche mehr Zeit für seine produktive Arbeit hat, weil er von administrativen Aufgaben entlastet wird. Das betont auch Michael Zimmermann. Und er sieht sogar die erfreuliche „Nebenwirkung“, dass das traditionelle Handwerk gerade durch die Digitalisierung attraktiver für die nächste Generation wird. Und auch seine Kunden werden davon profitieren.

Michael Zimmermann: „Handwerk 4.0“ steht für digitale Lösungen zur Umsetzung unserer betrieblichen Prozesse, um so unsere Leistungen künftig einfacher, besser, wirtschaftlicher und mit einem noch höheren Kundennutzen erbringen zu können. Die Digitalisierung im Handwerk gehört aber auch zu einem modernen interessanten Berufsbild, gerade beim Kampf um die „jungen Talente“ auf dem Ausbildungsmarkt. Mit der Digitalisierung verbinden wir Tradition mit Innovation. Dadurch machen wir unser Dachdeckerhandwerk zukunftsfähiger und attraktiver.

Sie wollen mehr darüber erfahren, wie Digitalisierung im Handwerk bereits jetzt zur praktischen Anwendung kommt? In unserem Artikel „Aufmaß mit Drohnen“ erfahren Sie, was inzwischen möglich ist.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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