Dachdeckerin Johanna Rieger begeistert junge Menschen
11. September 2025
Wenn sich am Morgen um 8 Uhr die Türen der IdeenExpo 2024 in Hannover öffneten, bildete sich jeden Tag direkt eine Schlange am Stand der Dachdecker auf dem Außengelände. Viele junge Leute wollten einmal den Korb des Krans von Böcker entern und bis in 30 Meter Höhe aufsteigen. „Da kannst du über das Dach der Messehallen hinweg in die Harzer Berge schauen“, berichtet Dachdeckermeisterin Johanna Rieger. „Und wir reden währenddessen mit den in der Schlange Wartenden über ihre Berufspläne und geben ihnen Infos über unser Gewerk.“ Volle zehn Tage und mit Aufbau sogar zwölf Tage waren die Ehrenamtlichen des Landesinnungsverbandes Niedersachsen/Bremen vor Ort für die Nachwuchswerbung, auf dem Außengelände und mit einem zweiten Stand in der Messehalle.

Ein Team von Jugendbeauftragten
Die IdeenExpo ist Europas größtes Jugendevent für Technik und Naturwissenschaften und zieht alle zwei Jahre hunderttausende junger Menschen an. Mit interaktiven Exponaten, spannenden Workshops und fesselnden Bühnenshows gewinnen Aussteller junge Menschen für ihre Berufsfelder, heißt es auf der Homepage. Und genau das tut das Team der Dachdecker, zu dem auch Johanna Rieger gehört. Sie nehmen alle unbezahlten Urlaub, erhalten dafür jedoch eine Aufwandsentschädigung vom Verband. Zehn Dachdecker gehören zur WhatsApp Gruppe der sogenannten Jugendbeauftragten. Sie bilden den harten Kern derer, die im kommenden Jahr wieder die beiden Stände auf der IdeenExpo 2026 bespielen werden und zudem je nach Region auf Anfragen von Schulen bei Veranstaltungen und Jobmessen einen Vortrag oder einen Stand organisieren.

Lesetipp: Mehr spannende Innungsprojekte stellen wir im Artikel Nachwuchs werben – Ehrenamt stärken vor!
Weitere Mitstreiter gesucht für Schulbesuche
Hauptamtlich laufen dafür die Fäden bei Brigitte Rieger zusammen, der Mutter von Johanna, die für den Verband den Bereich Nachwuchswerbung betreut. „Wir erhalten aktuell so viele Anfragen von Schulen, dass wir vorher aussortieren müssen und nur noch Events annehmen können, wo wir mindestens 50 SchülerInnen erreichen“, erklärt Johanna Rieger. In der WhatsApp Gruppe wird geklärt, wer welchen Termin wo wahrnehmen kann. „Wir würden uns wünschen, noch mehr Mitstreiter zu finden, vor allem Auszubildende, die Lust haben auf Kontakt zu Schülern und verantwortungsbewusst sind.“ Der Verband verfügt über einen großen Anhänger, in dem sich etwa ein Haubock und die Werkzeuge für das Arbeiten Schiefer und Infomaterialien befinden sowie die VR-Brille, mit der die Jugendlichen virtuell über ein Gerüst aufs Dach steigen und die Arbeit als Dachdecker erleben können.

Steildach-Modell für Ziegeleindeckung
Zurück zur IdeenExpo 2024. Da hatten die Dachdecker auch ein Steildach-Modell aufgebaut am Außenstand. Die jungen BesucherInnen konnten Biberschwanzziegel in verschiedenen Farben wählen und sich eine Deckung aussuchen, die sie in Bestzeit nachdecken konnten. Am Stand in der Messehalle konnten die Besucher Schiefer hauen, ganz klassisch. „Das macht Lärm und Dreck und schafft so Aufmerksamkeit“, erläutert Johanna Rieger. „Schiefer haben wir im letzten Jahr nicht gehauen – wir hatten Dachgärten to go und unsere KlimaHäuser im Innenbereich. Nächstes Jahr geht es wieder los mit Schiefer.“

Workshops KlimaHaus basteln sofort ausgebucht
Schulklassen konnten sich zudem vorab anmelden zu kurzen Workshops für 20 Minuten. Genau die Zeitspanne, in der es noch Freude macht und die Aufmerksamkeit hoch bleibt. „Wir stellen einen Bausatz zur Verfügung für ein KlimaHaus mit Flachdach, Gründach und einer Solarzelle auf dem Dach, die eine Lampe im Inneren mit Licht versorgt“, erzählt die Dachdeckermeisterin. Die Workshops waren sehr schnell ausgebucht. „Das Gute ist, dass es jeweils eine Vor- und Nachbesprechung im Unterricht gibt. Die SchülerInnen beschäftigen sich so mindestens dreimal mit dem Thema Dach.“ Alle anderen Teilnehmer konnten für zuhause einen Dachgarten to go bauen, ein Gründach für die Fensterbank, eine Platte mit Folie, Granulat und Kressesamen zum Ernten. Die Jugendbeauftragten haben viele gute Ideen. „Wir planen auch schon neue Aktivitäten, mit denen wir junge Menschen 2026 wieder an unsere Stände auf der IdeenExpo locken können“, erläutert Johanna Rieger.

Lesetipp: Ausführlich berichtet Johanna Rieger im ZVDH-Podcast über ihr Ehrenamt!
Praktikum als Aha-Moment
In Ehrenamt und Verbandsarbeit ist Johanna Rieger schon familiär hineingewachsen. Die Mutter arbeitet für den Landesverband, der Vater war Ausbilder im Ausbildungszentrum St. Andreasberg. Doch da es für sie keine weiblichen Vorbilder gab, war Dachdeckerin als berufliche Option dennoch in ihrer Schulzeit nicht präsent. „Ich hätte fast studiert.“ Doch aus einer Laune heraus absolvierte sie bei einem mit der Familie befreundeten Dachdeckermeister ein Praktikum. „Da habe ich einfach mitgemacht, geholfen eine Regenrinne anzuschlagen. Und dann entstand dieses Gefühl von Stolz. Die hängt da jetzt 80 Jahre, das ist langlebig, was ich erschaffe.“

Jugendbeauftragte mit Leidenschaft
Nachdem die Leidenschaft einmal geweckt war, folgten weitere Praktika, die Ausbildung und die Meisterschule. Und heute engagiert sie sich auch ehrenamtlich, weil sie für junge Mädchen und Frauen ein Beispiel sein möchte, eines, das sie selbst nicht hatte. Nach dem Motto: Ihr könnt das schaffen. Wenn Johanna Rieger so darüber spricht, wird schnell klar, die Nachwuchswerbung, der Kontakt mit SchülerInnen, das liegt der Jugendbeauftragten. Ihre Begeisterung für den Beruf Dachdecker ist einfach ansteckend!
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