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Bild von VELUX Banner
Mehrere Menschen stehen unter einem schwarzen Pavillon auf einer Messe oder Veranstaltung, einige schauen auf Tische oder Displays.

Attraktiver Beruf Dachdecker: Azubizahlen steigen weiter

Knut Köstergarten

10. Februar 2026

Das Berufsbild Dachdecker gewinnt weiter an Attraktivität. „Wir haben eine positive Entwicklung bei den Ausbildungszahlen, die sich auch 2025 fortgesetzt hat“, berichtet Rolf Fuhrmann, als stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) zuständig für den Bereich berufliche Bildung. 8939 Azubis gab es Ende 2025 über alle drei Lehrjahre hinweg. Das ist Anstieg um 4,09 Prozent gegenüber 2024. Bei den Lehrlingen im ersten Ausbildungsjahr gab es gegenüber dem bereits deutlichen Anstieg im Vorjahr von 5,2 Prozent noch einmal fast eine Verdoppelung auf 10,79 Prozent.

Sinnstiftend arbeiten und Beitrag zum Klimaschutz leisten

Gründe für das inzwischen bessere Image des Dachdeckerhandwerks und die gestiegenen Azubizahlen gibt es sicher mehrere. Einerseits konnten sich die Dachdecker weiter als Klimahandwerker positionieren mit energetischer Sanierung, PV-Anlagen und Gründächern. „Viele junge Menschen wollen sinnstiftend arbeiten und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bei uns finden sie die perfekte Plattform“, erklärt ZVDH-Vizepräsident Jan Voges. Seit 2024 gibt es eine freiwillige Zusatzwoche in der überbetrieblichen Ausbildung, die sich intensiv mit der Planung und Installation von PV-Anlagen beschäftigt.

Bild von Jan Voges im Gespräch
„Viele junge Menschen wollen sinnstiftend arbeiten und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bei uns finden sie die perfekte Plattform“, erklärt ZVDH-Vizepräsident Jan Voges, Zweiter von links. (Alle Fotos: ZVDH)

Lesetipp: Kooperation statt Konkurrenz: Wie Dachdecker Jan Voges in Lamspringe mit seinem örtlichen Kollegen zusammenarbeitet.

Frauenanteil steigt erneut an

Im Zuge dieses Imagewandels zum Klimahandwerk tauchen Betriebe oder DachdeckerInnen wie Chiara Monteton zudem öfter in den Medien auf, von Zeitungen über Radio bis Fernsehen, was für zusätzliche öffentliche Aufmerksamkeit sorgt. Gerade dass das Gewerk langsam weiblicher wird, hilft hier sehr. Waren es 2024 noch 390 Frauen, sind es inzwischen bereits 407, die Quote stieg auf leicht über vier Prozent.

Bild von Schieferarbeiten auf dem Dachdecker-Messestand
Auch junge Frauen interessieren sich immer mehr für den Beruf Dachdecker.

Fachkräfte selbst ausbilden

Zudem haben die einzelnen Betriebe erkannt, dass sich nur über Ausbildung noch Fachkräfte gewinnen lassen in Zeiten des demografischen Wandels. Arbeitslose Gesellen gibt es praktisch nicht und Abwerben von Mitarbeitern bei Kollegen ist aufwändig, teuer und ein oft unsicheres Geschäft in Sachen Motivation. Unterstützt werden die Betriebe von den Dachdeckerverbänden, die inzwischen das Thema Nachwuchswerbung viel professioneller und an den Bedürfnissen der Zielgruppe ausgerichtet forcieren. So sind die Infostände der Dachdecker inzwischen auf vielen Berufsmessen ein Besuchermagnet.

Lesetipp: Drei Betriebe in drei Städten – erfahren Sie mehr über das Projekt Azubi-Tausch!

Bild von Messestand der Dachdecker
Der Dach-Truck lädt zum Verweilenund zum interaktiven Kennenlernen des Berufs mit der VR-Brille ein.

Cooler Messestand auf Berufsbildungsmesse

Ein tolles Beispiel dafür war der Stand der bayerischen Dachdecker in Kooperation mit der Aktion DACH-Nachwuchskampagne Dachdecker Dein Beruf unter dem Motto „Find heraus, was in dir steckt“ auf der jüngsten Berufsbildungsmesse in Nürnberg. Schon vorab wurden Videos vom Stand gedreht und in den sozialen Medien beworben. Als Einstieg in den Stand gab es einen „Hau den Lukas“ mit Klingel. „Da war schon die Hölle los“, berichtet Rebecca Klinkhammer, die beim ZVDH die Kampagne Dachdecker Dein Beruf betreut.

Bild von Dachdecker-Messestand mit Hau-den-Lukas
"Hau den Lukas" war eine von vielen Attraktionen am Dachdecker-Stand auf den Berufsbildungstagen in Nürnberg.

Dacheindecken als Challenge

Als weitere Attraktionen gab es das traditionelle aber weiter angesagte Schiefer schlagen und Dacheindecken als Challenge. Hier konnten zwei Teilnehmer gegeneinander antreten. Sie mussten, exakt wie auf einem Foto zu sehen, die Ziegeln auf dem Dachmodell platzieren. Es gab eine Popcornmaschine und ein Dach-Pong-Spiel mit Iso-Drinks im Design von Dachdecker Dein Beruf. „Die BesucherInnen waren viel in Action, aber es gab auch eine Sitzecke zum entspannten Verweilen“, erklärt Klinkhammer. „Wir konnten dabei mit den jungen Leute schnell in den Austausch über das Berufsbild Dachdecker kommen.“

BIld von Ziegelspiel auf dem Dachdecker-Messestand
Dacheindecken als Challenge. Hier konnten zwei Teilnehmer gegeneinander antreten. Sie mussten, exakt wie auf einem Foto zu sehen, die Ziegeln auf dem Dachmodell platzieren.

„Wir wollen künftig mehr Messe machen“

Insgesamt war das Interesse am Handwerk groß. „Es gab eine Halle für Büroberufe und eine für das Handwerk. In letzterer war viel mehr los. Das Interesse steigt stetig, selber etwas gestalten zu können“, meint Klinkhammer. Angesagter als die Dachdecker war nur die Bundeswehr. Ihr Fazit: Auf einer Messe lassen sich die jungen Leute am besten erreichen. „Sie nehmen sich dort die Zeit für den direkten Austausch. Wir wollen künftig mehr Messe machen!“

Bild von Dach-Pong auf der Messe
Dachdeckermeister Leon Hain spielt mit Jugendlichen Dach-Pong.

Die nächste Gelegenheit steht schon vor der Tür. So plant Dachdecker Dein Beruf im Juni zur IdeenExpo 2026 in Hannover, Werbung für den eigenen Messestand an einer Treppe im dortigen Hauptbahnhof zu platzieren. Bereits vor zwei Jahren waren die beiden Stände der Dachdecker aus Niedersachen und Bremen ein Highlight für junge Besucher, die am Böcker-Kran auf dem Außengelände Schlange standen.

BIld von vielen Besuchern auf dem Dachdecker-Messestand
Riesiger Andrang am Messestand der bayerischen Dachdecker auf der jüngsten Berufsbildungsmesse.

Lesetipp: Erfahren Sie mehr darüber, wie die Dachdecker junge Menschen auf der IdeenExpo 2024 begeisterten!

Ausbildungsabbrüchen auf den Grund gehen

Ein Wermutstropfen ist die Abbrecherquote von 7,8 Prozent vom ersten auf das zweite Lehrjahr. „Das ist nicht exorbitant hoch, aber wir wollen wissen und verstehen, welche Gründe hinter den Ausbildungsabbrüchen stecken“, erklärt Rolf Fuhrmann. Es soll dafür eine Umfrage unter den Azubis gestartet werden, um aus den Ergebnissen konkrete Maßnahmen abzuleiten.

Bild von Rolf Fuhrmann
Will genauer herausfinden, warum Azubis eine Lehre als Dachdecker abbrechen, damit Betriebe gezielter gegensteuern können: Rolf Fuhrmann, stellvertretender ZVDH-Hauptgeschäftsführer.

Verantwortliche Gesellen schulen für den Umgang mit Azubis

Etwa beim sogenannten Onboarding, also der Art und Weise, wie die neuen Auszubildenden von den Betrieben und Innungen zum Start empfangen und begleitet werden. „Dabei können wir auf sehr guten Projekten, etwa in Brandenburg und Baden-Württemberg aufbauen“, so Fuhrmann. Einen weiteren Hebel gegen die Ausbildungsabbrüche sieht er in der Schulung derjenigen Gesellen, die in den Betrieben die Azubis auf den Baustellen unter ihrer Fittiche haben. „Wir wollen die Überschüsse der Lohnausgleichskasse dafür nutzen, für diese Gesellen kostenlose Seminare in unseren Bildungszentren anzubieten.“

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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