Bild von dachdecker Jan Voges mit seinem Partner Torben Ohlendorf

Zwei Dachdecker im Ort: Kooperation statt Konkurrenz

16. Dezember 2025

 · Knut Köstergarten

Der Alteingesessene und der junge Emporkömmling – das bedeutete zunächst Reibung und Konkurrenz. Heute ist das anders: Seit einigen Jahren setzen zwei Betriebe aus einem Ort auf Kooperation – für größere Projekte, Synergien und bessere Kundenbetreuung.

Eine Gemeinde mit rund 5600 Einwohnern und zwei Dachdeckerbetrieben – das ist Lamspringe bei Hildesheim in Niedersachsen. Zunächst gab es die Andreas Wöllm GmbH, die vor dem Verkauf im fünf Kilometer entfernten Ortsteil Woltershausen ansässig war. Dort lernte Jan Voges. 2005 machte er sich in einer Nachbargemeinde von Lamspringe selbstständig und wuchs schnell. 2013 zog er auf ein größeres Betriebsgelände nach Lamspringe um – nur rund 200 Meter Luftlinie vom heutigen Firmensitz der Andreas Wöllm GmbH entfernt.

Bild von Mitarbeitern von Dachdecker Jan Voges bei einer Dachsanierung
Zwei Betriebe in einem Ort, nur 200 Meter Luftlinie auseinander. Das hieß in Lamspringe lange Misstrauen und Konkurrenz. (Alle Fotos: Voges)

Wie eine Kooperation entsteht

Wie kam es zu nun zu einem Miteinander? Einerseits wurde die Andreas Wöllm GmbH verkauft. Seit Januar 2020 führt Bauingenieur Torben Ohlendorf (siehe Titelfoto rechts) den Betrieb, in dem auch er seine Ausbildung absolviert hatte. Und Ohlendorf zeigte in Sachen Kooperation keine Berührungsängste.

200 Meter weiter dachte Dachdeckermeister Jan Voges angesichts von Fachkräftemangel und Branchenwandel seit längerem über die Vorteile von Kooperationen nach. Denn was passiert, wenn Hersteller Betriebe kaufen oder branchenfremde Akteure in den Markt drängen – wie bereits in der Photovoltaik? Dann kann es eng werden für Betriebe, die allein zu klein sind, diese Herausforderungen zu meistern. Die Antwort aus Sicht von Voges war: Kräfte bündeln – die Dachdeckerfamilie leben und nicht nur von ihr reden.

Lesetipp: Sie wollen mehr über die Arbeitsweise von Jan Voges erfahren? Hier ist unser Bericht!

Bild von Jan Voges auf der Messe
Jan Voges, rechts, mit Maximilian und Thomas Schmitz vom Verband Nordrhein auf der Dach+Holz 2024.

Zusammenarbeit mit System

Beide Inhaber begannen, ihre Sichtweisen abzugleichen, Synergien zu identifizieren und festzulegen, was gemeinsam besser geht. Sie stimmten Kapazitäten ab, verteilten Ressourcen effizienter und vermieden Engpässe. Für Kunden heißt das: höhere Zuverlässigkeit, bessere Betreuung und mehr Schlagkraft bei Projekten. „Wir telefonieren täglich, sind mitten in der Findungsphase und haben bereits erste Vorhaben gemeinsam abgewickelt, an denen Teams beider Firmen beteiligt waren“, berichtet Voges.

Ein Großprojekt war die Sanierung eines 3000 Quadratmeter umfassenden Hallendachs mit einer 350‑kW‑PV‑Anlage. Theoretisch hätten beide das jeweils allein stemmen können. Aufgrund des engen Zeitrahmens funktionierte es aber gemeinsam besser, denn so mussten andere Baustellen nicht vernachlässigt werden. Organisatorisch läuft es so: Ein Betrieb übernimmt den Auftrag, der andere rechnet seine Mitarbeiter zum üblichen Stundensatz als Subunternehmer ab. Ein kleiner Risikoaufschlag bleibt beim Auftragnehmer. Das Ziel: Es soll beiden wirtschaftlich Freude machen und den Gesamtumsatz der Betriebe steigern.

Bild von der gemeinsamen Mannschaft von Dachdecker Jan Voges und Bauingenieur Torben Ohlendorf
Erste Teamtreffen in der Freizeit gab es bereits, hier ein Gruppenbild beim Stellen eines Maibaums.

Unterschiedliche Stärken – eine Mannschaft

Gerade weil beide Betriebe unterschiedlich aufgestellt sind, ergeben sich Synergien. Zusammen verfügen sie über eine flexibel einsetzbare Mannschaft von 22 Dachdeckern. Jeder bringt eigene Stärken in Ausführung und Organisation ein. Das erhöht Tempo und Qualität. Auch beim Maschineneinsatz nutzen beide die Vorteile: Kräne, Abkanttechnik oder der gemeinsame Drohnen‑Aufmaß‑Account werden bedarfsgerecht geteilt, statt alles doppelt vorzuhalten.

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Vertrauen als Fundament

Damit Kooperation funktioniert, braucht es Vertrauen – zuerst zwischen den Chefs, dann auch zwischen den Teams. Jeder Betrieb bringt Kundenstamm und Netzwerk ein, gemeinsam können sie sich auf größere Projekte bewerben. Im Büro werden Prozesse vereinheitlicht, damit Abläufe kompatibel sind. Auf der Baustelle lernen die Mitarbeiter voneinander, Lehrlinge profitieren durch Einsätze in beiden Teams. Gemeinsame Aktivitäten wie Grillabende oder das Maibaum‑Stellen stärken das Wir‑Gefühl.

Photovoltaik‑Kompetenz erweitert

Als weiterer Partnerbetrieb ergänzt die Tellus Systemtechnik GmbH aus Hildesheim die Photovoltaik‑Kompetenz. Tellus plant und projektiert Energieeffizienzprojekte und setzt diese gemeinsam mit den Dachdeckerbetrieben um. So lässt sich ein hoher Qualitätsanspruch auch in einem Bereich sichern, in dem durch unsachgemäße Ausführungen zuletzt immer wieder Schäden entstanden sind.

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Schritt für Schritt voran

Beide Inhaber gehen den Prozess bewusst Schritt für Schritt. Leitbild, Werte, Strategie und operative Ziele werden konkretisiert. Im Büro sollen einheitliche Systeme genutzt werden. Langfristig ist eine gemeinsame Holding denkbar. Weitere Partner – etwa Gerüstbauer oder Elektriker – könnten hinzukommen. Kurzfristig wollen beide beim Dorferneuerungsprogramm der Gemeinde Lamspringe möglichst viele Aufträge vor Ort halten.

Kooperation schlägt Konkurrenz

„Kooperation schlägt Konkurrenz“, so Voges. „Wer Ressourcen teilt, Prozesse harmonisiert und Vertrauen lebt, steigert Verlässlichkeit, Qualität und Wirtschaftlichkeit – und bleibt in einem dynamischen Marktumfeld widerstandsfähig.“ Davon sind Voges und Ohlendorf überzeugt. Und ihr Beispiel zeigt, dass eine Dachdecker-Kooperation erfolgreich sein kann.

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