Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Eine Person installiert Solarmodule auf einem Hausdach mit roten Dachziegeln unter blauem Himmel.

PV-Boom: Dachdecker leisten ihren Betrag zur Energiewende

Knut Köstergarten

22. August 2023

Der Photovoltaik-Boom sorgt weiterhin für Aufträge bei den Dachdeckern. Das Interesse bei den Privatkunden gehört dabei zu den wichtigsten Treibern. Denn deren Nachfrage nach PV-Systemen und Solarspeichern hat sich zwischen 2019 und 2022 mehr als verdreifacht. Das geht laut einer Pressemeldung des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) aus den Auswertungen des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur hervor. 

Bild von Dachdecker bei Montage einer PV-Anlage
Auch im Jahr 2023 hält der PV-Boom an, die Zahl installierter Anlagen steigt weiter rasant. (Foto ZVDH/Harald Friedrich)

Zwei Drittel der Immobilieneigentümer wollen sich eine Solarstromanlage anschaffen, jeder sechste in den kommenden zwölf Monaten. Allein bei Dach- und Balkonanlagen im Bereich Eigenheim und Mietwohnungen wurden im ersten Quartal 2023 mit rund 159 000 PV-Systemen mehr als doppelt so viele Anlagen in Betrieb genommen als im Vorjahreszeitraum.

Interview mit Karl-Heinz Krawczyk

DACH\LIVE hat Dachdecker-Meister Karl-Heinz Krawczyk dazu befragt, wie das Handwerk die vielen Aufträge umsetzen kann und welche Herausforderungen es gibt. Er führt einen Betrieb in Freiburg, ist Landesinnungsmeister in Baden-Württemberg, bietet Coaching und Vorträge an und macht den „Dachdecker-Podcast“ mit seinem Kollegen Michael Zimmermann. Zunächst spricht er über die Erfahrungen bei der PV-Kooperation mit den Elektrikern im „Ländle“. 

Bild von Dachdecker-Meister Karl-Heinz Krawczyk
Diskutiert und auch gerne kontrovers: Dachdecker-Meister Karl-Heinz Krawczyk. (Foto: Krawczyk)

Sie sind in Baden-Württemberg Vorreiter, wie lautet Ihr erstes Fazit?

Wir haben uns sehr gefreut über die Bereitschaft der Betriebe mitzuziehen. Sie haben erkannt, dass die Kooperation mit den Elektrikern bei PV-Anlagen jetzt sinnvoll ist, obwohl ja bislang der Konkurrenzgedanke normal war. Es ist unseren Betrieben in Baden-Württemberg klar, dass wir nach der Einführung der Solarpflicht durch die Landesregierung nur im Schulterschluss mit den Elektrikern den Boom meistern können. 

Sie sind ja auch auf Verbandsebene sofort aktiv geworden oder?

Ja, wir waren als Landesinnung der Dachdecker sehr schnell im Gespräch mit den Verbandskollegen der Elektriker. Und seitdem sind wir im regen Austausch. Das ist auch ein Signal an die Politik: Wir wollen über die Gewerke hinweg gemeinsam unseren Beitrag zur Energiewende leisten. Um das klar zu machen, führen wir auch regelmäßig Lobbygespräche mit politischen Entscheidungsträgern oder Energieversorgern.

Bild von Büttner auf der Messe
Pressesprecherin Claudia Büttner am ZVDH-Stand zum Thema PV-Anlagen auf der internationalen Handwerksmesse in München. (Foto: ZVDH/GHM)

Wie unterstützen die Verbände die Kooperation der Betriebe vor Ort konkret?

Wir Dachdecker wollten es von Beginn an nicht bei Absichtserklärungen belassen. Stattdessen haben wir mit den Elektrikern tatsächlich ganz klare Absprachen und Regelungen getroffen für die Kooperationen vor Ort. Dafür haben wir die PV FAQ entwickelt, also einen Leitfaden für alle wichtigen Fragen und Antworten rund um das Thema und mögliche Unterstützung durch die beiden Verbände.

Wie sorgen Sie dafür, dass die Infos auch bei den Betrieben ankommen?

Jeder Verband geht über alle verfügbaren Infokanäle auf die eigenen Betriebe zu. Wir haben das Thema etwa in den Fokus gerückt auf unserem jüngsten Landesverbandstag in Konstanz. Mein Eindruck ist, dass die Dachdecker, die PV-Anlagen verstärkt machen wollen, entweder bereits Elektrikerbetriebe als Partner haben oder in Gesprächen sind. 

Bild von PV-Anlage auf Hausdach
Die gute Kooperation von Dachdecker- und Elektrobetrieben ist eine Voraussetzung, um den PV-Boom bewältigen zu können.

Wo sehen Sie aktuell die Herausforderungen?

Zum einen sehe ich hier das Problem, dass unsere Betriebe nicht genügend Fachkräfte haben, um dem aktuellen PV-Boom gerecht werden zu können. Denn das normale Geschäft füllt die Kapazitäten bereits voll aus. Wachstum mit neuen Geschäftsfeldern braucht Mitarbeiter. Das benötigt Zeit und geht nicht sofort. Dabei brauchen wir Vollgas beim Klima und wollen der Politik Druck machen. Wir müssen junge Leute ins Dachdecker-Handwerk holen nach dem Motto: montieren statt demonstrieren.

Gibt es weitere Hindernisse?

Wir haben ein Problem bei der Materialverfügbarkeit. Ich mache als Betrieb die Dachsanierung, aber dann ist die PV-Anlage nicht verfügbar. So viele Privatleute wollen jetzt eine PV-Anlage, das treibt die Preise hoch. Und in Verbindung mit der hohen Inflation und steigenden Zinsen sorgt es dafür, dass viele Kunden sagen: Ich kann mir nicht mehr beides leisten, Dachsanierung und PV-Anlage.

Bild von Dachdecker mit PV-Anlage
Aus Kostengründen entscheiden sich einige Kunden nur für die PV-Anlage und verzichten auf eine Dachsanierung.

Und das heißt?

Dass es sinnvoll ist, erst das Dach zu sanieren und dann eine Solaranlage zu montieren, ist klar. Wenn wir bei einer Sanierungsrate von rund 1,5 Prozent in Deutschland aber erst einmal abwarten wollen, bis alle Dächer saniert sind, kommen wir überhaupt nicht voran. Spricht sich der Kunde also gegen eine Sanierung, aber für eine Solaranlage aus, und das Dach ist dafür geeignet, sollten wir uns diesem Wunsch nicht verschließen.

PV-Umfrage des ZVDH unter Mitgliedsbetrieben

Dass die Dachdecker von der Wichtigkeit einer festen Kooperation mit Elektrikern überzeugt sind, zeigt sich auch in einer Umfrage des ZVDH zum Thema Photovoltaik, an der sich 1.161 Betriebe beteiligt haben. 75 Prozent gaben an, Leistungen im Bereich PV-Anlagen anzubieten. Hauptgründe dafür, dass diese Zahl nicht höher ist, liegen für die Betriebe im Personalmangel, fehlendem Know-how und ohnehin hoher Auslastung. 40 Prozent bieten das Rundum-Sorglos-Paket an, in der Regel mit einem Elektrobetrieb als Partner. Und rund 15 Prozent der Befragten haben bereits eine Kombination von Photovoltaik und Gründach umgesetzt.

Bild von Dachdecker mit Solarmodul
Weiterhin schwierig bleibt die Materialsituation bei PV-Anlagen.

Mehrheitlich werden weiterhin Aufdachanlagen verbaut, aber auch Indach-PV und Solarziegel sind inzwischen mehr als ein Nischenprodukt. Die Materialsituation bleibt schwierig: Bei den PV-Modulen zeigt sich, dass diese bei 90 Prozent der Dachdecker-Betriebe nach höchstens acht Wochen zum Einsatz vorliegen. Länger warten sie jedoch auf Wechselrichter und Stromspeicher. Hier geben ein Drittel Lieferfristen von bis zu sechs Monaten an.

Sie interessieren sich für das Thema Photovoltaik? Dann lesen Sie unsere Story über ein Praxisprojekt auf einem Einfamilienhaus.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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