Handwerk rockt: Christian Vogel ist ein cooler Dachdecker
23. September 2025
Wenn Christian Vogel von seinem Beruf erzählt, springt der Funke direkt über. Der 23-jährige Dachdeckermeister aus Herford ist ein wahres Energiebündel und lässt keinen Zweifel daran, wofür er brennt. „Ich wollte immer so sein wie mein Vater, nur ein bisschen besser“, sagt er augenzwinkernd. Nach der Verkürzung der Ausbildung zur Gesellenprüfung im Jahr 2021 absolvierte er in Eslohe die Meisterschule und schloss 2022 gleich doppelt ab: Dachdeckermeister im Frühjahr, Klempnermeister im Winter. Mit gerade einmal 20 Jahren. Ein ungewöhnliches Tempo, das zeigt, wie viel Begeisterung, Disziplin und Liebe zum Handwerk in ihm stecken. Sein Ziel stand früh fest: Verantwortung übernehmen, am besten im eigenen Familienbetrieb, der Dach Vogel GmbH.

Wo Arbeit Familiensache ist
Der Familienbetrieb seiner Eltern in Herford feiert bald sein 40-jähriges Jubiläum. Vater Vogel gründete die Firma, Mutter Vogel hält das Büro zusammen. Sohn Christian stand schon als Schüler auf dem Gerüst. Zunächst um sein Taschengeld aufzubessern, später aus Überzeugung. „Die Arbeit als Dachdecker machte mir von Anfang an riesigen Spaß. Und recht schnell wusste ich: Das ist mein Weg.“ Heute arbeitet er mit einem kleinen, eingespielten Team zusammen: drei Mitarbeiter, darunter sein Schwager und ein ehemaliger Azubi, der gerade übernommen wurde.
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Miteinander im Team
Man kennt sich, vertraut sich und schätzt das Miteinander. Ein klassischer Arbeitstag? Morgens gibt es einen gemeinsamen Kaffee und ein Baustellenbriefing im Pausenraum. Danach geht es auf die Baustellen. Abends tauscht man sich vor Feierabend noch einmal kurz aus. Freitags grillen alle gemeinsam auf dem Hof, wenn es passt. „Dieses Miteinander macht viel aus“, sagt Christian Vogel. „Wir sind ein Team, kein Haufen Einzelkämpfer.“

Liebe zu Blecharbeiten
Neubauten? Macht Dach Vogel auch. Aber Christian Vogels Herz schlägt für Instandhaltung und Denkmalschutz. „Aus dem Vorhandenen wieder etwas Gutes zu machen, das begeistert mich total.“ Besonders bei Blecharbeiten blüht er auf: Kanten, Falzen, Formen – präzise Handarbeit zwischen Tradition und Moderne. „Mit Blech kannst du klassisch denken und innovativ gestalten.“
Auch gute Planung ist Handwerk
Dass sein Beruf körperlich anspruchsvoll ist, verschweigt er nicht. Sommerhitze, Winterkälte und Regenfronten gehören dazu, ebenso wie eine vorausschauende Planung mit wetterunabhängigen Innenarbeiten in der kalten Jahreszeit. „In meinem Beruf geht es um Präzision und Gesundheit. Niemand muss bei 38 Grad durchziehen oder den ganzen Tag in der Kälte stehen. Auch gute Planung ist Handwerk.“
Kundenzufriedenheit und Qualität
Was Christian Vogel im Alltag antreibt, lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Kundenzufriedenheit und Qualität. „Saubere handwerkliche Arbeit draußen auf der Baustelle, das ist mein Anspruch“, sagt er. Angebote, Absprachen, Termine: Möglichst klar und verbindlich. „Wenn der Kunde abends vor dem fertigen Dach steht und lächelt, war es ein guter Tag.“ Kein Wunder, dass Stammkunden gezielt nach dem Junior fragen.

Sein Herz schlägt für den Nachwuchs
Parallel zum Meister übernahm Christian Vogel früh Verantwortung im Prüfungsausschuss. Eine Aufgabe, die ihm viel Freude bereitet. „Ich will zeigen, wie schön das Handwerk ist und jungen Menschen die Angst vor Prüfungen nehmen.“ Sein Rezept für Auszubildende: vormachen, nachmachen lassen, ehrliches Feedback und echte Aufgaben geben statt reiner „Drecksarbeit“, wie es Christian Vogel nennt. „Wer fragt und ausprobiert, wächst.“ Dass sich immer mehr junge Frauen für den Beruf entscheiden, erlebt er als Gewinn: „Davon profitieren alle.“
Für die Innung auf Jobmessen aktiv
Nachwuchs fürs Handwerk zu gewinnen, ist Christian Vogel ein Anliegen. Als aktives Mitglied der Dachdeckerinnung Herford holt er regelmäßig auf Jobmessen in der Region Jugendliche an Material und Werkzeug. Sein Lieblingsformat ist das Klopfen von Schieferherzen, wie kürzlich am Tag vor Muttertag. „So weckst du Interesse. Die Augen der Jugendlichen zu sehen, wenn ihnen das erste Herz gelingt, das ist unbezahlbar. Und nebenbei haben die Jugendlichen auch schon das Geschenk für ihre Mutter fertig.“
Auch in den sozialen Medien zeigt Christian Vogel seinen Arbeitsalltag. Bewerbungen erreichen ihn auf klassischem Weg und digital. Seine extrovertierte Art hilft ihm, junge Menschen zu gewinnen. Viele Bewerbungsgespräche führt er selbst, denn er möchte die Menschen hinter den Bewerbungen kennenlernen, bevor er sich entscheidet. „Wichtig ist, ob die Chemie stimmt. Der Rest ist Lernen und Wollen.“

Kandidat beim Wettbewerb Mister Handwerk 2026
Christian Vogel ist jetzt schon Botschafter des Handwerks und möchte seine Überzeugung gerne noch mehr Menschen vermitteln. Daher nimmt er auch am bundesweiten Wettbewerb „Mister Handwerk 2026” teil. Schon bald wird feststehen, ob er in die Endrunde kommt. „Das ist kein Schönheitswettbewerb. Es geht um Werte und Vorbilder im Handwerk.“ Warum er mitmacht? „Ich möchte die heutige Generation vom Handwerk überzeugen. Du kannst auch ohne Studium erfolgreich sein und mit deinem handwerklichen Geschick viel Gutes bewirken.“ Sollte er Mister Handwerk werden, will er diese Bühne für Nachwuchsgewinnung, Wertschätzung und saubere handwerkliche Arbeit nutzen.
Nach Feierabend gilt das Prinzip Freizeit
So sehr er auch für seinen Job lebt, daheim gilt die Ansage: „Am Esstisch wird nicht über Baustellen geredet.“ Arbeit und Privatleben zu trennen, ist für Christian Vogel Voraussetzung, gesund und motiviert zu bleiben. Sein Hobby ist Fußball, aktiv im Verein und mit Dauerkarten-Herz für Arminia Bielefeld, dazu Bayern München im TV und gelegentlich auf Auswärtsspielen mit seinen Freunden. Freie Tage sind für ihn „nicht nur zum Ausruhen, sondern zum Erleben und Entdecken“ da, unter anderem an der Ostsee. Kühlungsborn ist seit Kindertagen sein Urlaubsziel, einmal im Jahr. Mit seiner Freundin hält er die Familientradition aufrecht und zählt schon die Tage, bis er wieder am Meer sein wird. Auch beim Heimwerken kann Christian gut abschalten. Aktuell renoviert er im Elternhaus eine komplette Etage; der gemeinsame Einzug mit seiner Freundin steht kurz bevor. „Ein neuer Lebensabschnitt, auf den ich mich sehr freue.“

Die Verantwortung im Betrieb übernehmen
Wer Christian Vogel kennt, weiß, dass er nie lange stillsteht und seine Pläne konsequent verfolgt. Die Weichen für den nächsten beruflichen Schritt sind bereits gestellt. Am 30. Juni 2026 will Vater Vogel den Betrieb offiziell übergeben. Als erfahrener Sachverständiger bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe und der Sachverständigengesellschaft des Bauhandwerks Bielefeld bR bleibt er dem Betrieb verbunden. Schon heute laufen viele Angebote, Rechnungen und Termine über den Junior, der „Tradition bewahren und clever modernisieren will.“ Konkret heißt das: mehr Digitalisierung, saubere Software-Prozesse und strukturierte Kommunikation, sprich: „Papier da, wo’s Sinn ergibt; digital da, wo’s schneller, transparenter und sicherer ist.“ Ein eigener Kran steht ebenfalls auf Christians Wunschliste. Für ihn ist das „ein starkes Zeichen nach außen und ja, auch ein bisschen Kindheitstraum“.

Bodenhaftung und Innovationslust
Vielleicht ist es genau diese Mischung, die Christian Vogel ausmacht: Tradition trifft auf Moderne, Freude am Detail aufs große Ganze, Bodenhaftung auf Innovationslust. Verantwortung übernehmen und trotzdem Leichtigkeit leben – das verbindet er im Familienbetrieb und darüber hinaus. Was ihn antreibt? „Durch die Straße fahren und sagen: Das Dach da, das haben wir gemacht.“ Handwerk rockt und Christian zeigt, warum. Ob Mister Handwerk oder nicht: Ein Botschafter ist er schon jetzt. Und morgen? Kaffee, Team, Baustelle. Rauf aufs Dach, wo er zu Hause ist.
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