Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Bild von VELUX Banner
Ein junger Mann misst und hält Holzbretter in einer Werkstatt, während eine weitere Person ihm hilft. Auf dem Tisch liegen Werkzeuge und Papier.

Dachdecker-Berufsschule praktisch: Kundenauftrag Steildach

Knut Köstergarten

24. Juli 2025

Wenn der Azubi in der Berufsschule ist, kann der Dachdecker ihn nicht auf den Baustellen einsetzen. Da kommt schnell das Vorurteil auf, dass die Lehrlinge da ja kaum was lernen für ihr Gewerk. In Bremen ist das anders. „Beide Seiten sind sich bewusst, dass sie sich gegenseitig brauchen“, erläutert Vera Linke, Berufsschullehrerin am Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße. „Wir haben einen sehr guten Austausch mit den Ausbildungsbetrieben, das hilft auch, wenn es Probleme mit einem Azubi gibt.“

Lehrbaustellen und fiktive Kundenaufträge

Zudem entwickelt und realisiert das Dachdecker-Lehrerteam immer wieder sehr praxisnahen Unterricht. Eine Zeit lang gab es den in der Projektwoche auf Lehrbaustellen, wie etwa eine Schieferdeckung an einem historischen Gebäude im Bremer Bürgerpark. Zuletzt wickelten die 24 Dachdecker-Azubis im zweiten Lehrjahr einen fiktiven Kundenauftrag ab, von der Planung des Aufbaus und der Auswahl des Materials über die Kundenmappe und die Präsentation bis zur ersten Umsetzung der eigenen Zeichnungen am Dachmodell. Der Förderkreis zugunsten des Nachwuchses der Dachdecker-Innung Bremen e.V. übernahm Kosten und Anlieferung des benötigten Materials.

Bild von Dachdecker-Berufsschullehrerin Vera Linke
Berufsschullehrerin Vera Linke kooperiert sehr eng mit der Dachdecker-Innung Bremen. (Foto: Höpken)

Lehrerin im Vorstand des Dachdecker-Förderkreises

Am Förderkreis zeigt sich, wie eng in Bremen die Berufsschule mit der Innung kooperiert. Vera Linke gehört dem Förderkreis-Vorstand an – dass sie jüngst mit einem Kollegen das Sommerfest der Dachdecker-Innung besuchte, versteht sich fast von selbst. Dass sie dies in ihrer Freizeit tut, hebt sie nicht extra hervor. Vielmehr sagt sie: „Wir sind wirklich privilegiert. Wenn wir ein Projekt machen wollen, scheitert es dank des Förderkreises nicht am Geld. Es gibt eine gegenseitig hohe Wertschätzung.“ Zusätzliche Unterstützung komme auch vom Bedachungsfachhandel, wie der DEX eG, und von Herstellern in Form von Materialspenden.

Bild von Steildach-Modell
Erst wurden die Materialien ausgewählt, dann konkret gearbeitet am Dachmodell. (Alle Fotos und Titelbild: Schulzentrum Alwin-Lonke-Straße Bremen)

Material für Projekt „Steildach“ auswählen

Das Besondere am jüngsten Projekt „Steildach“ – alle Lernfächer und alle Lehrkräfte waren daran beteiligt. Acht Azubi-Gruppen machten sich mit jeweils anderen Vorgaben zu Dachaufbau, zur Dämmung und zur Wahl der Eindeckung an die Arbeit. „Sie ermittelten zunächst anhand eines fiktiven Kundenauftrags den genauen Aufbau und Materialbedarf“, berichtet Berufsschullehrer Godehard Weyerer. Ob Zwischensparren- oder Aufsparrendämmung, ob beides kombiniert oder doch eher das geschlaufte Verfahren gewählt wurde, ob sich für Dämmung aus Zellulose, Holzfaser, Stein- oder Glaswolle, PUR/PIR oder Schafwolle entschieden wurde, ob Dachziegel aus Ton oder Beton verwendet werden sollten: Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile, was es abzuwägen galt.

Bild von Schülern der Dachdecker-Berufsschule
Die angehenden Dachdeckergesellen präsentierten das fiktive Kundenangebot den Mitschülern.

Kundenmappe erstellen und Angebot präsentieren

„Jede Gruppe erstellte dazu eine Kundenmappe, die nach Informationsgehalt und Gestaltung benotet wurde“, erläutert Weyerer. „Überzeugen mussten die Azubis auch im anschließenden Referat; schließlich wollte man ja mit dem eigenen Angebot den Kunden für sich gewinnen. Hierbei waren freies Sprechen, direkte Ansprache sowie fundiertes fachliches Wissen Bestandteile eines überzeugenden Auftritts.“

Bild von Schülern der Dachdecker-Berufsschule
Praktische Umsetzung der geplanten Dachkonstruktion in der Zimmererhalle.

Praktische Umsetzung der eigenen Zeichnungen

Für Teil zwei des Projekts wechselten die Azubis vom Klassenzimmer in die Zimmererhalle. Auf einer Grundplatte der Größe 50 auf 75 Zentimeter setzten die Azubis um, was ihnen ihre selbst erstellten Zeichnungen vorgaben. Am Ende des Schultages war nach dem ein oder anderen korrigierenden Eingriff der Lehrkräfte das Werk vollendet. Die Azubis haben dabei Sparren, Dampfbremse, Dämmstoff, Konter– und Traglatten zu recht ansehnlichen Modellen verbaut. Allein die Dachziegel fehlten noch“, berichtet Weyerer.

Bild von Schülern der Dachdecker-Berufsschule
Stolz auf das Erarbeitete: Zum Abschluss präsentierten die Dachdecker-Azubis in ihre Modelle noch den SchülerInnen der 12. Klasse der Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Bautechnik/Architektur.

Stolz auf das Erarbeitete

Zum Abschluss präsentierten die Dachdecker-Azubis ihre Modelle noch den SchülerInnen der 12. Klasse der Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Bautechnik/Architektur. Dort konnten sie erneut unter Beweis stellen, dass sie ihr erlerntes theoretisches Wissen und handwerkliches Können punktgenau, klar und verständlich vortragen und erläutern können. „Die Azubis haben gerne vor Publikum ihre Ergebnisse vorgestellt. Da war schon der Berufsethos zu spüren, der Stolz auf das Erarbeitete“, erzählt Vera Linke.

Verbindung von Theorie und Praxis begeistert

Selbst wenn im ersten Durchlauf noch nicht jedes Rädchen ins andere griff, waren die Schüler doch davon angetan, wie sie das Thema „Steildach“ einmal ganzheitlich und im Teamwork umsetzen konnten. „Sie hatten Freude an der Verbindung von Theorie und Praxis, auch wenn ihnen das Erstellen schriftlicher Ausarbeitungen nicht zufällt“, erläutert Linke. Auf jeden Fall soll diese Art von Projektarbeit auch für kommende Ausbildungslehrgänge – so das einhellige Fazit – eine Fortsetzung finden.

Bild von Lehrern der Dachdecker-Berufsschule
Das Dachdecker-Team der BerufschullehrerInnen will weitere Lernkonzepte ausarbeiten.

Lehrer wollen Lernkonzept weiterentwickeln

„Und wir haben bei der Auswertung noch einige Punkte gefunden, die wir verbessern können“, erklärt Linke. „Dank unserer Schulleitung haben wir regelmäßig didaktische Tage, an denen wir im gesamten Dachdecker-Team Konzepte ausarbeiten und weiterentwickeln können.“ Das freut das Team der LehrerInnen, aber sicher auch die Dachdecker. Denn die Berufsschule ist ein wichtiger Baustein für eine qualitativ hochwertige Ausbildung.

Sie interessieren sich für interessante Nachwuchsprojekte? Dann lesen Sie unsere Story über den Azubi-Tausch, an dem drei Dachdeckerbetriebe aus drei Städten beteiligt waren.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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