Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Holzdachschindeln werden schuppenartig auf einem Dach angeordnet, im Sonnenlicht. Ein Teil des Daches ist noch unbedeckt.

Leonie Schneider: die neue Generation auf dem Dach

Jasmin Najiyya

22. Juli 2025

Leonie Schneider steht für eine neue Generation im Handwerk: engagiert, bodenständig und bereit, Klischees zu durchbrechen. Die 22-Jährige aus Staufen im Breisgau ist Dachdeckerin in dritter Generation. Schon ihr Großvater legte Schieferplatten, ihr Vater führt seit vielen Jahren den Familienbetrieb. In der Familie gab es aber noch weitere Dachdecker – das Handwerk ist bei den Schneiders eine echte Familientradition. Dass sie einmal in die väterlichen Fußstapfen treten würde, war jedoch lange alles andere als ausgemacht.

Helles Dachzimmer mit Dachfenster, gemütlichem Teppich, Kissen, Büchern und Kakteendekoration auf weißem Regal.
Werbung.

Eigentlich war alles anders geplant

Nach dem Abitur schrieb sich Leonie Schneider zunächst für ein Studium der Sozialen Arbeit ein. „Ich hatte ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht und fand das richtig spannend. Also dachte ich, das ist mein Weg.“ Doch bevor das Studium losging, wollte sie noch etwas Geld verdienen und fragte kurzerhand im elterlichen Betrieb an, der Schneider Bedachungen GmbH. „Ich hatte mich zu spät darum gekümmert, also blieb notgedrungen nur noch Papa.“

Eine Person mit Handschuhen montiert braune Dachziegel auf einem Dachgerüst, im Hintergrund ist ein blaues Schutznetz zu sehen.
Nach einem Praktikum auf dem Dach entschied sich Leonie Schneider gegen das Studium Soziale Arbeit.

Was dann passierte, überraschte sie selbst: „Nach der ersten Woche habe ich gemerkt, dass mir die Arbeit Spaß bereitet. Nach der zweiten Woche war mir klar: Ich will das machen.“ Ihr Vater reagierte überrascht, aber offen: „Er hat erst gelacht, weil er dachte, ich mache einen Scherz. Als er merkte, dass ich es ernst meine, hatte er gemischte Gefühle. Einerseits freute er sich, andererseits wusste er aber auch, dass das eine Herausforderung für mich werden würde.“

Zwei junge Handwerker lächeln, tragen graue T-Shirts mit roter Schrift. Sie halten Werkzeuge und ein Herz aus Metall in den Händen, Hintergrund im Freien.
Engagement für das Handwerk ist für die Dachdeckerin eine Selbstverständlichkeit.

Was sie aufs Dach zog

Das Dach kannte Leonie Schneider von Kindesbeinen an. Schon früh kam sie mit der Arbeit ihres Vaters in Berührung. Sie begleitete ihn zu Kunden, verteilte Schieferherzen auf Berufsmessen und bastelte im Alter von neun Jahren eine Blechkatze, die ihre Eltern heute noch aufbewahren. Dennoch schien der Weg ins Dachdeckerhandwerk für sie lange undenkbar. „Ich habe zwei ältere Brüder und dachte immer, die übernehmen den Betrieb. Für mich war das ein klassischer Männerberuf und kam nicht in Frage.“

Eine Person mit rotem T-Shirt arbeitet mit einem Werkzeug an einer Metallplatte im Freien, umgeben von grünen Pflanzen.
Metallarbeiten haben es der Dachdeckergesellin besonders angetan.

Ein Faible für Blecharbeiten

Die Wendung kam unerwartet und mit ihr die Leidenschaft für den Beruf. Besonders die Blecharbeiten und die Aussicht haben es Leonie angetan: „Als ich gejobbt habe, war ich viel mit unserem Blechner unterwegs. Mir hat die Arbeit richtig Spaß gemacht. Zu der Zeit hatten wir zudem eine Baustelle mit einer Wahnsinnsaussicht über Staufen. Das hat mich begeistert.“

Der Anfang war schwer

Leonie Schneider ist heimatverbunden, verbringt ihre Freizeit gern mit Familie und Freunden. Als sie für die überbetriebliche Ausbildung nach Karlsruhe ins Wohnheim ziehen musste, fiel ihr das zunächst schwer. Doch dann verblüffte sie sich selbst: Die Berufsschulzeit wurde zum tollen Erlebnis und Leonie Schneider lernte, wie wertvoll es ist, über den eigenen Schatten zu springen. „Ich bin durch diese Zeit sehr gewachsen, fachlich und persönlich.“

Zwei Frauen stehen zusammen, eine hält eine Urkunde mit einem blauen Rahmen. Im Hintergrund sind rote Sitzreihen und eine große Halle zu sehen.
Mit den stolzen Eltern: Leonie Schneider absolvierte die Lehre als Beste in Baden-Württemberg.

Ihre Ausbildung schloss sie als Landessiegerin von Baden-Württemberg ab. Trotzdem war der Einstieg als Gesellin kein Selbstläufer. Als zwei wichtige Kollegen unerwartet länger ausfielen, stand sie plötzlich allein auf der Baustelle. „Ich musste Aufgaben übernehmen, die ich vorher nie eigenständig gemacht hatte, und hatte ständig das Gefühl, nicht genug zu sein.“ Rückblickend nennt sie diese Zeit einen Crashkurs ins echte Handwerkerleben: „Ich habe gelernt, dass man ins kalte Wasser springen muss. Nur so wächst man.“

Was den Dachdeckerberuf besonders macht

Was Leonie Schneider an ihrem Job liebt? „Der Beruf ist die perfekte Kombination aus handwerklicher Präzision und Kreativität.“ Wenn sie bei Sonnenuntergang vom Dach über ihre Heimat blickt, weiß sie, dass sie am richtigen Ort ist. „Ich schicke meinen Freunden manchmal in der Mittagspause Fotos vom Dach. Sie sagen dann immer: ‚Diese Aussicht haben wir nicht im Büro‘ – das bringt mich zum Lachen.“ Für Leonie Schneider ist Dachdeckerin sein mehr als nur ein Job. „Ich sehe am Ende des Tages, was ich geschafft habe und das macht mich stolz.“ Die sichtbaren Ergebnisse geben ihr ein gutes Gefühl. „Wir tun etwas Sinnvolles, etwas, das wirklich gebraucht wird und im Alltag von Menschen eine wichtige Rolle spielt. Das fühlt sich einfach richtig an.“

Eine Person steht auf einem Ziegeldach, trägt Outdoor-Kleidung und eine Kappe. Im Hintergrund sind grüne Bäume, Hügel und blauer Himmel zu sehen.
Der Rückhalt aus dem Team hat ihr geholfen als Frau auf dem Dach. (Alle Fotos: Leonie Schneider)

Als Frau auf dem Dach? Klar!

Mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein begegnet Leonie heute alten Rollenbildern auf der Baustelle. Gerade zu Beginn sah sie sich immer wieder Vorbehalten gegenüber, besonders von älteren Kunden. „Vor allem ältere Herrschaften waren überrascht, eine Frau auf dem Dach zu sehen, und haben blöde Sprüche gemacht“, berichtet die Dachdeckergesellin. In solchen Momenten halfen ihr Schlagfertigkeit und der Rückhalt aus dem Team. Heute begegnet sie solchen Situationen souverän: „Ich erledige einfach meinen Job und zeige, dass ich ihn gut mache. Die Ergebnisse meiner Arbeit sprechen für sich.“

Die Zukunft bleibt spannend

Leonie Schneider blickt offen und realistisch zugleich auf das, was vor ihr liegt. Für 2027 hat sie sich zum Meisterkurs angemeldet, vielleicht folgt später auch noch der Blechnermeister, denn gerade die Metallarbeiten haben es ihr ja angetan. Ob sie eines Tages den elterlichen Betrieb übernehmen wird, lässt sie bewusst offen. „Ich schließe nichts aus, aber ich weiß auch, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen.“

Frau in rotem Top und schwarzen Shorts arbeitet lächelnd auf einem Dach mit Werkzeug, vor einem Fenster.
Ist bereits für den Dachdecker-Meisterkurs 2027 angemeldet: Leonie Schneider.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Ein großes Thema für sie ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Ich möchte irgendwann auch Mutter werden und frage mich, wie sich das mit der Verantwortung für einen Betrieb vereinbaren lässt.“ Noch hat sie darauf keine Antwort, macht sich aber auch keinen Druck. Stattdessen geht sie ihren Weg Schritt für Schritt in dem Wissen, dass nicht alle Fragen sofort geklärt sein müssen. Sicher ist für sie aber schon heute: Das Dachhandwerk wird immer ein fester Bestandteil ihres Lebens bleiben, in welcher Form auch immer.

Eine Hand hält eine flache Steinplatte mit einer eingravierten Zeichnung eines Hundegesichts, ähnlich einer Bulldogge.
Die Dachdeckerin werkelt auch in ihrer Freizeit mit Dachmaterialien und schafft kleine Kunstwerke.

Echt statt perfekt

Leonie Schneider gibt ehrliche Einblicke in ihren Berufsalltag und genau das macht sie so glaubwürdig. Sie weiß, was es bedeutet, sich für etwas zu begeistern, aber auch zu zweifeln und trotzdem weiterzumachen. Gerade deshalb ist sie ein Vorbild für viele junge Frauen, die sich fragen, ob sie den Schritt ins Handwerk wagen sollen. Ihre Antwort ist klar: „Einfach ausprobieren, traut euch! Man muss nicht perfekt starten. Aber man kann über sich hinauswachsen. Jeden Tag ein Stück mehr.“

Sie interessieren sich für das Thema Nachwuchs im Dachdeckerhandwerk? Dann lesen Sie unsere Story über die Kampagne „Oben ist das neue Vorn“ in Baden-Württemberg.

Jasmin Najiyya

Jasmin Najiyya absolvierte ihre Ausbildung an der Freien Journalistenschule Berlin. Seit 2014 arbeitet sie als freiberufliche Redakteurin mit den Schwerpunkten Blogging, Content-Erstellung sowie Umsetzung von Marketing- und Kommunikationsprojekten für Unternehmen und ist bereits längere Zeit im Bereich Dachhandwerk tätig.

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