Holzbaupreis 2025: intelligent-nachhaltige Projekte
29. Juli 2025
Die Vielfalt der für den Holzbaupreis 2025 eingereichten 206 Projekte – von kommunalem Bauen über Kulturbauten bis hin zu Industrie-, Gewerbe- und privaten Bauvorhaben – verdeutlicht den Stellenwert, den der Holzbau heute besitzt. Sie zeigen, dass mit Holz nicht nur höher gebaut wird als früher, sondern auch intelligenter, denn ein effizienter, ressourcenschonender Materialeinsatz gewinnt bei Bauprojekten zunehmend an Bedeutung. Der Holzbaupreis wird seit 2003 alle zwei Jahre unter der Federführung von Holzbau Deutschland in Zusammenarbeit mit Organisationen der Holzwirtschaft ausgelobt.
Holz ist nachwachsend und nachdrücklich
Vier Projekte erhielten jüngst den Holzbaupreis 2025: das Studierendenwohnheim Collegium Academicum in Heidelberg, das Mikroapartmenthaus Cube 68 in Dinkelsbühl, der Gemeindesaal in Legau und die Kultur- und Sporthalle in Alfter. Geehrt wurden gleichermaßen Bauherren, Architekten, Tragwerksplaner und Holzbaubetriebe der ausgezeichneten Beiträge. Zudem gab es für das Verfahren für metallfreie punktgestützte Flachdecken aus Holz, Gradient Density, einen Sonderpreis. „Holz ist nicht nur nachwachsend – es ist nachdrücklich. Es steht für klimagerechtes Bauen, für regionale Wertschöpfung und für eine Architektur, die nicht nur in die Höhe wächst, sondern auch ins Herz“, so Verena Hubertz, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, in ihrem Grußwort.

Mehrgeschossiger Holzbau: Studierendenwohnheim Collegium Academicum
Das mit dem Holzbaupreis 2025 ausgezeichnete mehrgeschossige Projekt greift viele aktuelle Themen auf, alle überzeugend durchdekliniert vom partizipativen Planungsprozess über den Entwurf bis ins Ausführungsdetail. Der gewählte konstruktive Ansatz weist als Bausystem ein innovatives Potenzial auf, über die Holzverbindungsmittel eine gute Rückbaubarkeit und Kreislauffähigkeit zu gewährleisten.

Für alle Verbindungsdetails wurden sortenreine, form- und kraftschlüssige Verbindungen auf Basis traditioneller Zimmereitechniken entwickelt und die Fügungselemente in die Bauteilgeometrie integriert. Die handwerklichen Arbeitsschritte auf der Baustelle beschränkte man dabei auf ein Minimum, da keine zusätzlichen Verbindungsmittel eingebracht werden mussten. Der Ansatz, Gebäude während ihres langen Lebenszyklus – auch im bewohnten Zustand – an geänderte Nutzungen anzupassen, demonstriert eine besondere Stärke des Holzbaus.

Mikroapartmenthaus Cube 68
Mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit und soziale Interaktion weist das mit dem Holzbaupreis 2025 ausgezeichnete Projekt Cube 68 den Weg für eine neue Form gemeinschaftlichen Wohnens. Gestaltgebendes Element für das Konzept sind Holzmodule, deren gleichartiges Volumen sich in der Summe als erstaunlich variantenreich und anpassungsfähig erweisen. Ihr Vorfertigungsgrad ist sehr hoch, so waren sie bereits bei der Ankunft auf der Baustelle bis zum integrierten Schreibtisch eingerichtet. Wand- und Deckenelemente in den Wohnungen sind in Holz-Sichtqualität.

Die Module sind überwiegend mit Schraubverbindungen errichtet, um eine zügige Montage des Gebäudes, die Demontage oder den Rückbau und die Wiederverwendung zu erlauben. Das zeigt eine starke Ausrichtung auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, ermöglicht einen flexiblen Lebenszyklus des Gebäudes und fördert das Recycling von Materialien. Durch die Koppelung von Modulen und Zuordnung von Terrassen entstanden insgesamt 57 Wohneinheiten auf vier Etagen mit vier Wohnungstypen von 43 bis 113 Quadratmetern.

Gemeindesaal in Legau
Behutsam wurden in Legau zwei wohlproportionierte Baukörper in die Ortsmitte eingefügt, in denen sich neben dem Gemeindesaal auch eine Gastwirtschaft befindet. Versetzt angeordnet bilden beide Gebäude ein Ensemble, das gleichzeitig den Außenraum durch einen Platz und Biergarten belebt. Beide Baukörper wurden als Effizienzhaus 55 im Holzbau erstellt, der nicht nur die Konstruktion, sondern auch den Innenausbau und die Fassadengestaltung bestimmt.

Während die außenliegende Verkleidung durch vertikale Fichtenlatten geprägt ist, wurde für die Innenverkleidungen Tannenholz verwendet. Das Holz stammt aus der Region. Eine Besonderheit stellt die als Faltwerk konstruierte Dachkonstruktion aus gedämmten Holzkastenelementen dar. Der mit dem Holzbaupreis 2025 prämierte Gemeindesaal schafft mit seiner feinfühlig und gut gestalteten Architektur einen Begegnungsort von hoher ästhetischer Qualität für eine lebendige neue Ortsmitte.
Kultur- und Sporthalle in Alfter
Mit dem signifikanten Bauwerk hat die Gemeinde Alfter im Rahmen der Neugestaltung des Ortskerns einen neuen kommunalen Treffpunkt erhalten. Das mit dem Holzbaupreis 2025 prämierte Gebäude wird über drei Etagen genutzt: die Event- und Sportfläche unterirdisch, Quartierscafé und Tribünenbereich ebenerdig und über dem Terrain eine schwebende Dachlandschaft mit Sportfeld und Fitnessareal als öffentlich verfügbarer Freiraum.

Die Fachwerkträger-Konstruktion aus Buchenholz schwebt auskragend auf V-förmigen Holzstützen und wirkt leicht und transparent. Bemerkenswert ist die Wiederentdeckung des Treppenversatzes, also die stufenförmige Verbindung von Holzbauteilen zur wesentlichen Reduzierung der Querschnitte. Die Holzkonstruktion auf einer Sporthalle mit einem öffentlich begehbaren Dach dürfte einzigartig in Deutschland sein.
Sonderpreis: Metallfreie punktgestützte Flachdecken aus Holz
Mit dem Sonderpreis des Holzbaupreises 2025 wurde ein innovatives Forschungsprojekt prämiert, das ein Verfahren, Gradient Density genannt, für punktgestützte Brettsperrholzplatten mit Stützen-Decken-Verbindung entwickelt hat. Durch die Verstärkung der Holzdecke im Bereich der konzentrierten Lastdurchleitung der hohen Stützenlasten durch die Brettsperrholzdecke eröffnet sich eine in der Praxis sehr einfach umzusetzende Möglichkeit der Deckenverlegung.

Infolge der gezielten Einleimung von Hartholzschichten im Durchleitungsbereich sind keine metallischen Verbindungsmittel mehr erforderlich. Die Decke ist unter- und oberseitig in der Ebene durchgängig. Somit ergeben sich hier einfache Möglichkeiten für die unterzugsfreie Ausbildung der Geschossdecke. Auch für die Forderungen an Brandwiderstand, Erschwerung des Rauchdurchgangs und Verhinderung der oberseitigen Hitzeentwicklung lässt das System Gutes erwarten. Ebenso wird sich in der Praxis die Montagezeit der Decke verkürzen lassen.
Sie interessieren sich für nachhaltige Holzbauprojekte? Dann lesen Sie unseren Bericht über das Bauexperiment Living Places in Kopenhagen.
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