Bild von Dachdeckerin Caroline Pauels beim Wandern

Dachdeckerin Caroline Pauels: Drei Monate Reise-Auszeit

31. Juli 2025

 · Knut Köstergarten

Ich bin dann mal weg. Dachdeckermeisterin Caroline Pauels startete mit ihrem Freund im März eine dreimonatige Tour in einem zum Wohnmobil umgebauten Mercedes Sprinter, quer durch Frankreich, Spanien und Portugal, immer entlang an der Atlantikküste. Eine Auszeit von der Arbeit auf dem Dach, mitten hinein ins Leben Tag für Tag. „Wir sind immer nur drei Stunden am Stück gefahren und haben geschaut, wo es uns hinführt“, berichtet Pauels.

Kalter Berliner Winter als letzter Auslöser

Bild vom Mercedes Sprinter
Mit diesem umgebauten Mercedes Sprinter starteten Caroline Pauels und ihr Freund die Reise. (Alle Fotos: Pauels)

Die Idee für diese Reise nahm bereits im Dezember 2023 Gestalt an im sehr kalten Berliner Winter. „Ich arbeitete auf einer Baustelle in Neukölln, das war nicht so schön.“ Doch es lag natürlich nicht nur am Wetter. Die Dachdeckerin reist ohnehin leidenschaftlich gerne, mit ihrem Freund und im Mercedes Sprinter war sie zuletzt im Sommer 2024 einige Wochen in Schweden und im Herbst noch einmal länger in Slowenien. „Eigentlich bin ich kaum ein Wochenende zuhause“, erzählt Caroline Pauels, die auch viel unterwegs ist, um Motocross-Rennen zu fahren.

Zeit nutzen für das Reisen

Chillen am Meer: Caroline Pauels fotografiert von ihrem Freund.

Doch es gab noch einen weiteren Grund für die längere Reise-Auszeit. „Mein Vater ist an Krebs erkrankt. Er hat immer geschuftet und kann jetzt nicht mehr reisen“, berichtet die Dachdeckerin. Da ist ihr noch mal klarer geworden, dass es die Zeit zu nutzen gilt, weil keiner weiß, wie lange so eine Reise möglich ist. Also erzählte sie direkt ihrem heutigen Chef und ehemaligen Partner Christian Schütze, der die CC Dachdeckerei in Saarmund bei Potsdam führt, von ihrem Projekt. „Der hat erstmal große Augen gemacht und mich gefragt, wie denn das gehen soll“, erinnert sich Caroline Pauels. „Ich habe ihm dann vorgeschlagen, dass ich von unterwegs Büroaufgaben übernehmen könnte und das hat ihn besänftigt.“

Der Freund ist mit dabei

Bild von Letzter Bratwurst vor Amerika
Ein Zielpunkt: Der Imbiss „Letzte Bratwurst vor Amerika“ an der Algarve.

Und der Freund, was sagte der? „Er macht alle meine verrückten Ideen mit“, erzählt Caroline Pauels. Von seinem Arbeitgeber erhielt er die Möglichkeit für eine dreimonatige Auszeit. Also ging es im März 2025 los – „gen Süden, immer der Sonne entgegen“, so die Dachdeckerin. Sie wollte auf jeden Fall ins Disneyland nach Paris, er unbedingt zum Imbiss „Die letzte Bratwurst vor Amerika“ an der Algarve.

Bild von Kirchturm
Caroline Pauels hat einen Blick für schöne, ungewöhnliche Fotoaufnahmen.

Eigener Reisekanal auf Instagram

Für Freunde und Familie führte Caroline Pauels auf Instagram einen eigenen Reise-Kanal, der einem viel vom lebens- und erkundungslustigen Grundgefühl der Tour vermittelt sowie wirklich coole, atemberaubende Landschaften und ungewöhnliche Städteaufnahmen zeigt. Die Dachdeckerin, die auch ein Talent für das Fotografieren hat, stammt aus dem Ruhrgebiet und so schreibt sie, herrlich gerade heraus. Ein Beispiel: „Zweite Haltestelle Disneyland: Ma gucken, ob wa noch Achterbahn 🎢 fahren können. Ganz klar.👍🏼 Wetterchen war toppi. ☀️👌🏻 Kind sein funzt wie Sau.“

Bild von Snack am Strand
Ein Bild für diese Reise: Alles locker angehen lassen, schauen, was einen vor Ort erwartet und genießen.

Ohne festen Plan unterwegs

Von Paris aus ging es von einem Ziel zum anderen, aber zufällig, ohne Plan im Voraus. Die beiden ließen sich treiben und überraschen. So eine Überraschung war, dass sie genau zur Karwoche in Sevilla vorbeischauten, ohne zu wissen, was sie dort erwartet. „Die ganze Woche waren dort jeden Tag Umzüge der Gläubigen und die Straßen voller Menschen. Wir sind da eingetaucht und haben uns das Ganze auch von oben angeschaut“, erinnert sich Caroline Pauels.

Bild von den Höhlenwohnungen
Eindrucksvoll: Ehemalige Höhlenwohnungen im Dunkeln fotografiert.

Höhlenwohnungen und eingefärbte Tauben

Sie sahen unterwegs Höhlenwohnungen, die noch bis 1960 bewohnt waren, oder kamen einmal aus einem Waldstück und sahen plötzlich vor sich am Meer eine riesige Düne. Wo genau das war, kann die Dachdeckerin gar nicht mehr zuordnen im Gespräch. Kein Wunder, denn es gab so viele außergewöhnliche Eindrücke auf dieser Entdeckungsreise. So auch in Valencia, das die beiden auf mitgebrachten Fahrrädern erkundeten. „Das ging super und auf einmal sahen wir bunte Vögel. Wir haben dann herausgefunden, dass es sich um eingefärbte Tauben handelt“, erzählt Caroline Pauels. „Jeder Züchter hat seinen eigenen Farbton. Und dann gibt es ein Wettfliegen der männlichen Tauben, wer als erstes den Ort erreicht, wo sich das Weibchen befindet.“

Bild von Dachdeckerin Caroline Pauels mit ihrem Freund am Gipfelkreuz
Das Paar hat nach einer Bergwanderung den Gipfel erklommen.

Leben auf 6,5 Quadratmetern

Mit ihrem Freund ist die Dachdeckerin erst eineinhalb Jahre zusammen. Doch die beiden haben sich bestens verstanden auf gerade einmal 6,5 Quadratmetern im Mercedes Sprinter. Sie haben dort zusammen gekocht, wenn sie nicht essen waren. Und viel mehr als gut zu essen und zu trinken, braucht es eigentlich kaum auf so einer Reise, außer natürlich Offenheit für das, was auf einen zukommt an Eindrücken und Menschen. Wäsche waschen war auch kein Problem. „In Frankreich etwa gibt es direkt in den Supermärkten Waschstationen, wo man einfach mit Karte zahlen kann.“

Hand in Hand: Caroline Pauels trifft die Frankenstein-Skulptur in Genf.

Am liebsten gleich wieder losfahren

Die 39-Jährige ist sehr zufrieden, dass sie sich die Zeit freigeschaufelt hat für die dreimonatige Reise quer durch Südeuropa mit Rückweg über die Schweiz. „Als wir zurück waren, hätten wir gleich wieder losfahren können.“ Es wird wohl nicht die letzte längere Reise gewesen sei. Und Caroline Pauels weiß auch schon, was sie dann anders machen würde. „Wir waren diesmal höchstens drei Tage an einem Ort. Aber es gibt Regionen, wo ich gerne noch mal länger, eine Woche vielleicht, bleiben würde, etwa in der Provence oder in Granada und der Sierra Nevada. Zu letzterer Station schreibt Caroline Pauels: „30. Haltestelle: Granada ☀️🇪🇸🏔️🥾 DAAAA will ick noch ma hin …! 🙋🏼‍♀️ Eine schöne Stadt und eine schöne Gegend zum Wandern.“

Bild von Brücke in Ronda
Die berühmte Brücke von Ronda in Spanien – was für ein Anblick.

Wer wissen will, was Caroline Pauels als Dachdeckermeisterin so macht, der lese unsere Story Dachdeckerin findet Nische: Balkonabdichtungen mit Flüssigkunststoff.

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