Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Eine Frau mit kurzem Haar und grünem Handschuh lächelt, während sie auf einer Dachleiter bei sonnigem Himmel arbeitet.

Erst Miss Handwerk und bald Meisterin mit eigenem Dachdecker-Betrieb

Knut Köstergarten

19. Mai 2020

Geschenkt bekommen hat sie nie etwas und auch keinen Familienbetrieb im Rücken. Doch Sonja Theisen weiß, was sie will. Wenn die Dachdeckerin sich Dinge vornimmt und Ziele setzt, hängt sie sich voll hinein in die Umsetzung. Schon mit Opa und Vater schnupperte die kleine Sonja erstmals Baustellenluft. Nach dem Fachabitur war klar, dass sie die Familientradition als Dachdeckerin fortsetzen wollte. „Ich habe mir in meiner Region Mayen/Koblenz einen Betrieb gesucht, der vom Leistungsspektrum breit aufgestellt ist“, sagt Theisen.

Eine Frau arbeitet auf einem Dach und befestigt Schieferplatten mit einem Hammer.Zunächst genoss die junge Frau Welpenschutz, doch danach wurden die männlichen Kollegen schon rustikaler. „Das war zu Beginn schwer für mich, weil ich eher ruhig und schüchtern war. Ich musste lernen, mit dem rauen Ton umzugehen“, erinnert sich die angehende Dachdecker-Meisterin. Erst war sie erschrocken, doch schnell wusste sie sich zu wehren und auf den Punkt zu kommen. „In der Lehre habe ich mehr und mehr Selbstvertrauen gefunden. Die Kollegen wurden zu Freunden. Wir haben gegrillt und sind zusammen weggegangen.“

Als Miss Handwerk das Reden auf der Bühne gelernt

Beigetragen zum gestärkten Selbstvertrauen hat sicher auch die Bewerbung für den Kalender Miss Handwerk 2013. Theisen versuchte es einfach, fuhr zum Shooting und schaffte es dann nicht nur in den Kalender. Sie errang als 21-Jährige direkt den Titel Miss Handwerk. Sich auf einer Bühne zu präsentieren, wie bei der Endauswahl und der Ehrung auf der internationalen Handwerksmesse, das braucht Courage und bringt Erfahrung.

Eine Fotografin macht ein Bild von einer Frau mit schwarzen Haaren, die in einem Studio vor einer grauen Wand posiert.

Auf dem Weg zur Miss Handwerk: Fotoshooting für den Kalender 2013. (Foto: Germany’s Power People)

„Ich habe gemerkt, auf einer Bühne zu reden, ist gar nicht so schlimm.“ Auch auf dem Sofa im Studiointerview des TV-Senders SWR stand sie als Miss Handwerk Rede und Antwort, cool und ohne das ihr die Aufregung anzumerken war. Das kommt ihr danach und bis heute zugute. Etwa als sie für Rathscheck auf der Messe DACH+HOLZ am Stand moderiert hat oder bei der jüngsten Weltpremiere des VW Caddy, wo Influencerin Theisen als Gast eingeladen.

Eine Frau in Arbeitskleidung sitzt lächelnd auf einem Dachmodell bei einer Messe oder Ausstellung, Werkzeug in der Hand, umgeben von Informationsschildern.

Als Moderatorin am Rathscheck-Stand auf der Messe DACH+HOLZ 2018.

Ein Profi als Dachdeckerin und Markenbotschafterin

Inzwischen ist sie als Markenbotschafterin für das Handwerk genauso ein Profi wie als Dachdeckerin. Beides hat sie sich hart und mit viel Engagement erarbeitet. Nach der Lehre arbeitete Theisen in mehreren Betrieben, um weiter zu lernen für die Ziele Meisterin und eigener Betrieb. „Man bleibt nicht da, wo man gelernt hat“, sagt sie selbst dazu. Ein Jahr geht die Dachdeckerin nach Marburg. Dort macht sie nach viel Flachdach in der Lehre mehr Steildach. Danach kehrt sie in die Heimatregion zurück, um in einem Zimmererbetrieb zu arbeiten. „Da habe ich gemerkt, Holz ist nicht so meins, Klempnerei schon mehr.“ Doch es zog Theisen zurück zu einem klassischen Dachdeckerbetrieb. Dort hatte sie bis zur Anmeldung zum aktuellen Meisterlehrgang am BBZ Mayen drei gute Jahre. „Es war sehr familiär, mit viel Vertrauen und Austausch. Wir haben viel zusammen gemacht nach der Arbeit“, berichtet Theisen.

Zwei Bauarbeiter arbeiten auf einem Dach, eine Frau platziert Dachziegel, während ein Mann einen Ziegel wirft.

Das gute Miteinander im Team ist für Sonja Theisen besonders wichtig.

Wohlfühlumfeld wird auch im eigenen Betrieb wichtig sein

Für die Dachdeckerin ist ein Wohlfühlumfeld wichtig. Der Betrieb oder auch das Nachwuchsprojekt Zukunft Dachdecker der Landesinnung Rheinland-Pfalz mit den Filmdrehs und der ehrenamtlichen Mitarbeit am Stand auf vielen Berufsmessen, das ist für Theisen wie zweite Familie. Und so wird sie sicher auch ihren eigenen Betrieb gründen und aufbauen in Worms, wo ihr Freund bereits einen Betrieb im Bereich Dach & Gebäude-Management führt. „Im Sommer möchte ich loslegen. Ich denke, dass sich unsere beiden Betriebe da sehr gut ergänzen.“

Zwei Personen stehen vor einem Stand mit dem Schild „Zukunft Dachdecker“. Sie tragen Arbeitskleidung und posieren vor einem Infotisch unter einem weißen Pavillon.

Unterwegs als Markenbotschafterin – live vor Ort und zugleich auf dem Plakat.

Etwas verschieben wird sich das Ganze in Zeiten von Corona, denn der Meisterkurs am BBZ Mayen endet gut drei Wochen später als geplant. Anfang Juni soll die letzte mündliche Prüfung stattfinden, wenn alles gut läuft bis dahin, mit Maskenschutz und Abstand halten. Das E-Learning über Wochen daheim konnte die Dachdeckerin nicht schocken. Sie schaut gerne auf das Positive. „Mit Kindern wäre es noch krasser gewesen.“

Wettkämpfe als Fitnessathletin neben der Arbeit

Krass im positiven Sinne ist, dass Sonja Theisen ab 2016 neben der Arbeit auf dem Dach auch noch an Wettkämpfen als Fitnessathletin teilgenommen hat – mit entsprechender Intensität im Training. Sechs Mal die Woche in einem Mainzer Studio, dazu die entsprechende Diät für die perfekte Figur, das braucht Motivation und Power. „Ich habe mir ein Ziel gesetzt und wollte schauen, wie weit ich mit meinem Körper komme“, sagt die Dachdeckerin.

Frau in Sportkleidung steht draußen mit Blick auf eine Stadtlandschaft und Hügel im Hintergrund, hält ihre Haare zurück und genießt die Aussicht.

Eine kraftvolle Frau – auf dem Dach und als Fitnessathletin.

Parallel dazu startete Theisen als Sunny Roofer auch ihren Instagram-Kanal mit Bilder von der Baustelle, vom Training, zu Essen und Ernährung. Und eines Tages spielte sie mit Filtern auf dem Smartphone und hielt mal drauf beim Altgesellen Micha, der ein Tänzchen wagte. Seitdem hat sie viele Storys mit ihm gepostet. Micha und Sunny sind ein cooles Duo, das unterschiedlicher nicht sein könnte. „Er hatte erst ein wenig Angst vor mir, weil er noch nie mit einer Frau gearbeitet hatte. Schließlich arbeitet er schon seit knapp 40 Jahren als Dachdecker. Doch er ist so ein toller Mensch und ich habe von seinem Wissen viel profitiert“, sagt Theisen.

Zwei Personen, teilweise im Bild, eine Frau macht ein nachdenkliches Gesicht, ein Mann ist ebenfalls zu sehen. Der Hintergrund ist unscharf und wirkt wie ein Innenraum.

Das Traumduo unter den Dachdeckern auf Instagram.

Als Sunny Roofer mit Micha auf Instagram

Inzwischen ist sie als Sunny Roofer die wichtigste Influencerin unter den Dachdeckern. Weil sie authentisch rüberkommt in ihren Posts und Storys, auf der Bühne oder auf einer Berufsmesse, bodenständig und reell. „Man muss auch auf Instagram sein Ding durchziehen und dazu stehen, was man macht. Jedem kann ich es sowieso nicht recht machen. Neid habe ich mir erkämpft, obwohl ich das als Nonsens ansehe, da ich gerne meine Erfahrung teile und helfe, wo ich kann. Ich weiß das man einiges erreichen kann, wenn man Ziele und Träume hat, egal was andere sagen“, berichtet Theisen.

Ein Bauarbeiter mit Schutzhelm steuert einen Kran, der Baumaterialien unter blauem Himmel hebt.Es klingt durch, dass dies manchmal hart war. „Für viele Männer war ich die Schiefer-Barbie und Frauen sagten, du bist gar keine Frau. Doch ich habe die Hände zum Arbeiten, was ist falsch daran?“ Theisen ist eine attraktive Frau, ohne sich zu schminken oder in Schale zu werfen. Eine Frau, die zudem weiß, was sie kann und will als Dachdeckerin. Sie freut sich auf die Gründung des eigenen Betriebs. Dafür, dass das Geschäft gut läuft, wird sie sicherlich wieder alles geben.

Eine Frau hält ein Rohr an einer Mauer und arbeitet konzentriert daran.Sie interessieren sich für unsere Rubrik Dachdecker werden? Dann lesen Sie unsere Geschichte über den besten Dachdecker-Gesellen aus Nordrhein-Westfalen.

Knut Köstergarten

Schreibt seit über zehn Jahren für das Printmagazin „Das Dach“ und leitet dort und bei Dach live die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und inzwischen auf die Bereiche Politik und Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge – gerade auch von Unternehmern.

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