Keno Danzenbächer: Dachdecker spielt Handball in der Bundesliga
29. Januar 2026
Dachdecken und Handball sind die beiden Leidenschaften von Keno Danzenbächer. „Mein Vater ist gelernter Tischler und auch Handballer“, berichtet der 21-Jährige über seine familiären Wurzeln. Er selbst spielt seit der Grundschule Handball als Torhüter. Auf das Dach kam er erst nach der Schule, als die Frage nach dem passenden Beruf im Raum stand. Sein Vater kannte jemanden und so machte Keno Danzenbächer vor Ort in Zweibrücken ein Praktikum im Betrieb SonnenPlan GmbH. „Dort arbeiten mehrere Gewerke, aber Dachdecker hat mir sofort gefallen“, erinnert sich Keno Danzenbächer. „Unterkonstruktion, Dachfenster, Gauben, Eindeckungen oder Lattungen, das hat mich alles super fasziniert. Da habe ich direkt die Lehre begonnen, um das Warum und Wie zu erlernen.“
Ausbildung zum Dachdecker und parallel Leistungshandball
Parallel spielte er als Jugendlicher bereits auf hohem Niveau Handball beim SV 64 Zweibrücken. Und nach dem zweiten Lehrjahr kam ein Angebot aus Gummersbach, Traditionsverein mit ehemaligen Top-Stars wie Heiner Brand oder Joachim Deckarm, für die U19, das Sprungbrett zur Handball-Bundesliga. Ein Zwiespalt, „denn ich wollte die Ausbildung als Dachdecker auf jeden Fall abschließen“, berichtet Keno Danzenbächer. Die Gummersbacher organisierten ihm einen neuen Lehrbetrieb für das letzte Jahr. Der Vater von einem Ex-Spieler wurde zu seinem Chef. „Bei der Peter Schlüter GmbH konnte ich mich weiterentwickeln, alles ausprobieren, auch wenn nicht gleich alles auf Anhieb geklappt hat.“

Was geht Richtung Profi-Handball
Ein Jahr hat Keno Danzenbächer die Doppelbelastung auf sich genommen. Erst Krafttraining am Morgen, dann fuhr ihn ein Betreuer direkt auf die Baustellen, Vollzeit arbeiten und abends das Handballtraining. „Ich wollte einfach schauen, was in Richtung Profi-Handball geht.“ Trotz des hohen Pensums schloss er im Sommer 2023 die Ausbildung erfolgreich ab. Und danach ging es nach Minden zu einem Zweitligisten. Ein vermeintlicher Rückschritt, der sich aber als Sprung nach vorne entpuppte. GWD Minden stieg ein Jahr später auf spielt in dieser Saison mit Keno Danzenbächer als drittem Torhüter in der Handball-Bundesliga. Das Ziel Klassenerhalt ist nach der Hälfte der Saison durchaus realistisch.

Modellathlet mit Gardemaß
Der Modellathlet mit 2,02 Metern Gardemaß und 104 Kilogramm ist dabei das aufstrebende Talent hinter zwei bereits erfahrenen Keepern. Ähnlich wie beim Fußball werden auch beim Handball die Torhütern oft erst ab Mitte 20 oder später zur Stammkraft. „Der Torhüter kommt über Erfahrung“, weiß Keno Danzenbächer und nimmt seine Rolle als Lernender wie schon als Dachdecker auch als Handballer an, hängt sich im Training voll rein, schaut sich von den beiden erfahrenen Keepern etwas ab. „Die Perspektive hier im Verein gefällt mir supergut“, erklärt der 21-Jährige. Geduld genug hat er.
Plötzlich Stammkeeper gegen Championsleague-Sieger
Doch dann verletzte sich im November ein Stammkeeper und Keno Danzenbächer erhielt im Spiel gegen Stuttgart seine ersten Einsatzminuten. Und als der zweite Stammkeeper erkrankte, schlug erstmal seine große Stunde. Er stand von Beginn an im Tor, vor heimischer Kulisse in der mit 3500 Zuschauern ausverkauften Halle. Und auf der anderen Seite liefen die Weltklasse-Handballer vom Tabellenführer und amtierenden Championsleague-Sieger aus Magdeburg auf.

Die erste Parade war eine Befreiung
Noch Fragen? „Ich war schon aufgeregt, vor allem am Spieltag, das geht einem durch den Kopf, aber als ich zwischen den Pfosten stand, verpuffte das.“ Nach der ersten Parade fasste er Fuß. „Ab da konnte ich sehen, was ich inzwischen für Fortschritte gemacht habe, da kam auch das Selbstvertrauen, dass ich es ja doch kann.“ Der Trainer vertraute ihm, sagte vorher: „Mache dein Spiel“. Hinterher gab es viel positives Feedback, gerade auch von den beiden Torhüterkollegen. „Für dieses positive Gefühl stehe ich jeden Tag in der Halle“, sagt Keno Danzenbächer, der in den Spielen danach wieder klaglos auf der Bank Platz nahm. Klar ist dennoch: Nach diesem Highlight ist der junge Mann in der Handball-Bundesliga angekommen.
Nach dem Profi-Handball dem Handwerk treu bleiben
Seit er in Minden ist, hat er sich voll und ganz für Handball und gegen eine Doppelbelastung entschieden. „Ich hatte ein Angebot von einem Betrieb, als Dachdeckergeselle zu arbeiten, der Chef ist Handball-Fan. Doch ich wollte das Risiko zusätzlicher Krankheiten oder Verletzungen durch die körperlich harte Arbeit nicht in Kauf nehmen“, erklärt Keno Danzenbächer. Er will jetzt auf Profi-Handball setzen und sich als Torhüter in der Bundesliga etablieren. Doch ab und zu fehlt ihm das Dachdecken. Etwa wenn ihn Bekannte fragen, ob er aufs Dach steigen kann, um sich mögliche Schäden anzuschauen. „Da oben spüre ich wieder, wie cool dieser Beruf ist.“ Deshalb plant Keno Danzenbächer nach der Zeit als Handballtorhüter dem Handwerk treu zu bleiben. „Ich möchte dann auf jeden Fall wieder etwas im Bereich Bau machen.“