Dorit Schmitz: Energiebündel, Zimmerin und Miss-Handwerk-Finalistin
3. Februar 2026
Wenn Dorit Schmitz von ihrem Beruf erzählt, wird schnell klar: Hier spricht eine Frau, die genau da angekommen ist, wo sie hingehört. Die 26-Jährige aus Gangelt ist Zimmerin aus Überzeugung, absolviert derzeit ihre Meisterausbildung und ist Finalistin beim Wettbewerb „Miss Handwerk 2026“. Tagsüber steht sie im Familienbetrieb auf dem Dach, abends geht es häufig direkt weiter in die Meisterschule, in den Musikverein oder zur Showtanzgruppe. Stillstand ist nicht ihr Ding.
Aufgewachsen zwischen Balken und Baustellen
Die Liebe zum Handwerk begleitet Dorit Schmitz seit ihrer Kindheit. Ihr Vater ist Zimmerermeister und gründete im Jahr 2000 seinen eigenen Betrieb. „Wenn zuhause etwas gebaut oder repariert werden musste, war ich lieber bei ihm auf der Baustelle als bei meiner Mutter im Haus“, erinnert sie sich. Anstatt mit Puppenwagen spielte sie lieber mit Werkzeugkiste und Holzresten.

Nach der Zimmererlehre erst ein Studium begonnen
Nach dem Abitur begann sie eine Ausbildung zur Zimmerin und schloss daran ein Studium im Holzbauingenieurwesen an. Zwei Jahre saß sie im Hörsaal, arbeitete sich durch Formeln und Skripte. Doch je länger das Studium dauerte, desto klarer wurde ihr: Etwas Wichtiges fehlte. „Die Bewegung, die frische Luft, das direkte Tun“, sagt Dorit Schmitz. 2023 brach sie das Studium ab und kehrte in den Familienbetrieb zurück. Eine Entscheidung, die sie bis heute keine Sekunde bereut hat.

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Familienbetrieb mit klarer Handschrift
Die Zimmerei & Bedachungen Schmitz in Gangelt ist ein kleiner, familiär geführter Betrieb. Aus der reinen Zimmerei wurde seit 2017 ein Unternehmen, das Dach- und Holzbauarbeiten aus einer Hand anbietet. Vater Norbert und Mutter Birgit führen den Betrieb und werden von Tochter Dorit und einem kleinen Team unterstützt. „Wir sind klein, aber fein“, sagt Dorit Schmitz. „Man kennt die Kundschaft, arbeitet viel im Dorf, repariert, baut um und findet individuelle Lösungen.“

Ein Faible für Holzrahmenbau und Dachstühle
Besonders gerne arbeitet sie im Holzrahmenbau oder an neuen Dachstühlen, aber auch die Dachdeckerarbeiten haben es ihr angetan. Nach mehreren Weiterbildungen, unter anderem in den Bereichen Flachdachabdichtung und Asbestsanierung, schlägt ihr Herz inzwischen mindestens genauso für die Dachdeckerei wie für das Zimmererhandwerk. „Wir sorgen dafür, dass die Menschen trocken und sicher wohnen. Das ist Verantwortung und gleichzeitig wahnsinnig erfüllend.“

Meisterschule, Ehrenamt und Digitalisierung
Aktuell arbeitet Dorit Schmitz an ihrem nächsten großen Ziel: dem Meisterbrief als Zimmerin. Den dritten Teil der Meisterausbildung absolviert sie parallel zur Arbeit. Zwei Abende pro Woche und der Samstagvormittag gehören der Theorie. Die weiteren Teile will sie in Vollzeit absolvieren. Finanzielle Unterstützung erhält sie durch ein Weiterbildungsstipendium, das leistungsstarke Fachkräfte auf ihrem Weg fördert und für sie ein wichtiges Zeichen von Anerkennung ist.
Musikverein und Karnevals-Showtanzgruppe
Trotz ihres vollen Programms gönnt sich Dorit Schmitz auch privat nur selten Ruhe. Neben Betrieb und Meisterschule ist sie im Musikverein aktiv, gehört zu einer Karnevals-Showtanzgruppe und engagiert sich als ehrenamtliche Jugendbetreuerin im Ferienzeltlager. Nur für das Fußballspielen findet sie kaum noch Zeit. Auf dem Sofa liegen kann sie, wie sie sagt, „meistens nicht lange“.

Digitalisierung im Betrieb vorantreiben
Gleichzeitig ist sie im Betrieb bereits an wichtigen Weichenstellungen beteiligt. Sie treibt die Digitalisierung voran, ersetzt Stunden- und Materialzettel auf Papier durch Apps und denkt über die künftige Betriebsorganisation nach. „Mein Vater ist kein Technik-Fan, das muss er auch nicht sein. Dafür bin ich da“, sagt Dori Schmitz und lacht.
Holz als Werkstoff und Haltung
Für Dorit Schmitz ist Holz mehr als nur ein Werkstoff. „Holz ist nachhaltig, lebendig und unglaublich vielseitig“, sagt sie. Wer ein Holzhaus betritt, spürt sofort das besondere Raumklima. Die junge Frau mag es, Projekte von Anfang an zu begleiten. Vom Baum zum Träger, von der Wand bis zum fertigen Dachstuhl. „Man sieht jeden Tag, was man gemacht hat. Aus Balken wird Raum, aus Plänen ein Zuhause.“ Jede Holzart hat für sie ihren eigenen Charakter, was die Arbeit zusätzlich spannend macht.

Sich als Frau durchsetzen und Grenzen setzen
Als Dorit Schmitz ihre Ausbildung begann, war sie häufig die einzige Frau: im Betrieb, auf der Baustelle und in der Berufsschule. „Das war nicht immer einfach, aber es hat mich gestärkt.“ Sie lernte früh, sich durchzusetzen und Grenzen zu setzen, wenn jemand ihre Anweisungen nicht akzeptieren wollte oder ihr zu nah kam. „Man muss nicht schreien, aber man muss klar sein. Und man darf keine Angst haben, um Hilfe zu bitten, wenn etwas zu schwer ist. Es geht nicht darum, alles allein zu schaffen, sondern gesund zu bleiben.“
Handwerk ist nicht nur etwas für Männer
Trotz mancher Hürden sieht Dorit Schmitz vor allem Chancen. „Mit jedem Kran, mit jeder neuen Maschine wird deutlicher: Es geht nicht darum, wer am meisten schleppen kann, sondern wer mitdenkt und sauber arbeitet.“ Ihre Botschaft an junge Frauen lautet: „Nur weil der Beruf Zimmermann heißt, ist er nicht nur für Männer geeignet. Wenn es dir Freude macht, probiere es aus. Es lohnt sich, seinen eigenen Weg zu gehen.“

Im Finale von Miss Handwerk 2026
Dass Dorit heute im Finale von „Miss Handwerk 2026“ steht, begann eher zufällig. In einem Buch für die Meisterschule entdeckte sie einen Flyer zur Wahl. Sie hatte bereits von dem Wettbewerb gehört. Die Siegerin von 2020, Jule Rombey, kommt aus der Nähe. „Da dachte ich: Warum eigentlich nicht?“, erzählt Dorit Schmitz.
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Fotoshooting für Kalender
Nach der Bewerbung folgte die Einladung zum Fotoshooting für den PowerPeople-Kalender. Ab diesem Zeitpunkt war klar, dass auch die Familie eingeweiht werden musste. „Alle fanden es super. Im Dorf ruft man mir seither gerne ‚Hallo, Miss Handwerk‘ hinterher“, berichtet Dorit Schmitz. Das Shooting fand in der Firmenhalle und auf einer Baustelle in einem Kindergarten statt. Dort testete Dorit auf Wunsch des Fotografen spontan eine Notrutsche – allerdings mit etwas mehr Schwung als geplant, sehr zur Freude der Kinder.

Voting für die Kandidatinnen läuft
Am Ende landete Dorit unter den zwölf Finalistinnen und ist nun mit eigenen Motiven im aktuellen Kalender vertreten. Das Voting für den Titel „Miss Handwerk 2026“ läuft noch bis zum 23. Februar. Für Dorit Schmitz können Sie über diesen Link voten, auch mehrmals. Am Ende wird eine Jury entscheiden. Das Finale mit der Verkündigung der Sieger findet am 4. März auf der Messe „Zukunft Handwerk“ in München statt. Ihre Eltern und ihr Freund werden natürlich dabei sein, und Dorit freut sich darauf, ihr Handwerk auf der großen Bühne zu präsentieren.

„Mach, was dich glücklich macht“
Langfristig soll Dorit Schmitz den Familienbetrieb übernehmen. Einen festen Zeitpunkt gibt es noch nicht, aber die Richtung steht fest. Schon heute bringt sie Ideen ein, entscheidet vieles mit und denkt darüber nach, wie der Betrieb in Zukunft organisiert sein soll.
Was sie sich wünscht? „Dass sich mehr junge Menschen trauen, vor allem auch Mädchen, diesen Weg zu gehen. Man muss nicht das machen, was alle machen. Man sollte das machen, was einen glücklich macht.“ Wenn sie am Ende des Tages vor einem neuen Dach, einem Holzbau oder einem ausgebauten Dachgeschoss steht und sagen kann: „Das habe ich mit meinen eigenen Händen gebaut“, dann weiß sie: Sie hat den richtigen Beruf gewählt.
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