Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Vorderseite eines weißen Fahrzeugs mit blauer Beschriftung, teilweise sichtbar, im Innenraum sind zwei Sitze zu erkennen.

Sabrina Wollscheid: Vom Lehrling zur selbstbewussten Juniorchefin

Anja Streiter

31. März 2022

Sabrina Wollscheid, 29 Jahre jung, Dachdeckermeisterin in Dortmund-Brackel, übernimmt immer mehr Verantwortung im Betrieb Wollscheid Bedachungen, Mitglied der DEG Dach-Fassade-Holz eG. War das der Juniorchefin in die Wiege gelegt? „Mein Vater hat mich nie dahin lenken wollen“, sagt Sabrina Wollscheid. „Ich war frei in meiner Entscheidung.“ Doch die beruflichen Möglichkeiten hat der Vater ihr schon als Schülerin gezeigt. Er nahm sie ab und an mit ins Büro und auf Baustellen, jedoch ohne Druck. Denn schon damals war der Rat des Dachdeckermeisters: „Geh niemals mit Widerwillen zur Arbeit, sonst kannst Du sie nicht gut machen.“

Bild von Sabrina Wollscheid auf dem Dach
"Ich war frei in meiner Entscheidung": Sabrina Wollscheid tritt in die Fußspuren ihres Vaters. (Alle Fotos: Wollscheid)

Von nichts kommt nichts: der Weg zur eigenen Firma 

Sabrina Wollscheid gefiel die Vorstellung eines eigenen Betriebs und schon früh stand die Firmenübernahme als Thema im Raum. „Wenn du daran Gefallen findest und die Verantwortung übernehmen möchtest, kannst du die Firma mit hochziehen“, bot ihr der Vater an. Als die Entscheidung Abitur oder Ausbildung anstand, ging die Schülerin zwei Wochen lang mit auf die Baustellen und machte zum Vergleich ein Praktikum im Kindergarten. „Dann ging die Tendenz klar zum Dach.“ 2009 beginnt Sabrina Wollscheid die Lehre im Betrieb des Vaters – der erste Schritt hin zum eigenen Betrieb.

Bild von Sabrina Wollscheid auf dem Dach
Sabrina machte ein Praktikum im Kindergarten, entschied sich aber für eine Lehre als Dachdeckerin.

Einzige Frau unter Männern: Sexismus und Konfliktbereitschaft

In der überbetrieblichen Ausbildung war Sabrina Wollscheid die einzige Frau. Sie erinnert sich: „Da kamen Sprüche, die waren so unter der Gürtellinie, teilweise auch sexistisch. Ich hab mir gedacht, ich kann da nicht nur stehen und grinsen.“ Die Berufswahl habe sich sehr stärkend auf ihre Persönlichkeit ausgewirkt, findet die Dachdeckerin. „Bis dahin war ich ein liebes Mäuschen, das nie den Mund aufgemacht hat. Mein beruflicher Weg hat mir gezeigt: ich muss in den Konflikt gehen und sagen, wenn mir was nicht passt.“ 

Für Respekt der Männer ihr gegenüber sorgt sie noch auf andere Weise: „Mir war wichtig, dass ich zeigen kann: nur weil du ein Typ bist, heißt das nicht, dass du mehr kannst. Ich hab mich nach dem Unterricht hingesetzt und gelernt.“ Bis heute lautet ihr Motto: „Von nichts kommt nichts. Wenn man was erreichen will, muss man sich dahinterklemmen.“

Bild von Sabrina Wollscheid auf dem Dach
Früher ein liebes Mäuschen, heute eine selbstbewusste Frau und Chefin: Sabrina Wollscheid.

Meisterschule im Abendkurs nach der Arbeit

2012 schließt Sabrina Wollscheid ihre Gesellinnenprüfung bei der Dachdecker-Innung Dortmund und Lünen mit dem besten Ergebnis aller Lehrlinge ab – und erhält einen Förderpreis. Den Meisterkurs beginnt sie gleich im Anschluss. Statt einer kompakten Ausbildungszeit in der Meisterschule im sauerländischen Eslohe besucht die Gesellin nach der Arbeit Abendkurse. Es geht ihr um Selbstständigkeit und die Verantwortung im Betrieb.

„Mir war wichtig, nicht neun Monate am Stück weg zu sein und kein Geld zu verdienen. Privatleben war kaum, es war eine schwierige Zeit“, erinnert sich die Dachdeckermeisterin, die „megaglücklich vergeben“ ist und mit dem Mann an ihrer Seite inzwischen an Familienplanung denkt. Im Berufsalltag liebt Sabrina Wollscheid Flachdachabdichtungen, wegen der Vielfalt der verwendeten Materialien. Weitergebildet hat sie sich zudem als Gebäudeenergieberaterin.

Bild von Sabrina Wollscheid mit Meisterbrief
Die harte Tour: Meisterschule nach der Arbeit im Abendkurs.

Wer Respekt erwartet, muss respektvoll sein

Ihr Vater zieht sich inzwischen langsam zurück und so übernimmt die Juniorchefin mehr und mehr Verantwortung für den Betrieb mit rund zehn Mitarbeitenden. Unter ihnen gibt es einen Altgesellen, der Sabrina Wollscheid seit ihrem zweiten Lebensjahr kennt. Er hat sie aufwachsen sehen, ihre Anfänge als Lehrling begleitet und nun ist sie seine Junior-Chefin. Wie gelingt so ein Wechsel in den Rollen? „Mit Respekt für den Azubi genauso wie für den Altgesellen“, ist Sabrina Wollscheids Antwort. „Ich kann mich nicht hinstellen und in einem Ton reden, als wäre ich Wunders was für‘n Mensch. Wenn ich Respekt erwarte, muss ich respektvoll sein, auch wenn ich sage, was nicht passt.“ 

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Engagement und Nachwuchssorgen

Sabrina Wollscheid liebt ihren Beruf und wirbt dafür auf Instagram und Facebook. „Eine Lehre ist so viel wert. Es gibt viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln: studieren, in die Industrie gehen, sich selbstständig machen. Man kann stolz sein, verdient gut, sieht, was man geschafft hat. Und so eine Dachdeckerprüfung ist kein Hexenwerk. Wer sich hinsetzt und lernt, kann das.“ Die Meisterin engagiert sich ehrenamtlich im Prüfungsausschuss der Dachdecker-Innung Dortmund und Lünen. Doch die Sorgen um den Nachwuchs sind groß. 

Bild von Sabrina Wollscheid auf dem Dach
Bei der Arbeit auf dem Flachdach: Sabrina Wollscheid wirbt auf Instagram für ihren Beruf.

Kaum einer will sich noch dreckig machen

In der Branche mangelt es an Bewerbungen auf die Lehrstellen. „Ich weiß nicht, woher das kommt: ob alle nur noch das Studieren gut finden oder das Nichtstun? Als hätten die Leute keine Lust mehr, raus zu gehen und sich dreckig zu machen“, rätselt Sabrina Wollscheid.   Von den Lehrlingen, die im Spätsommer anfangen, seien im Februar nur noch 40 Prozent da, berichtet die Meisterin. „Wenn es schmuddelig und kalt wird, haben sie keine Lust mehr. Sie spielen lieber mit der Playstation oder wollen Influencer werden und ihr Essen fotografieren.“ Doch es gibt auch einen Hoffnungsschimmer: immer mehr Frauen, die sich für das Dachdeckerhandwerk interessieren.

Sie interessieren sich für Frauen im Handwerk? Dann lesen Sie unsere Story über die Vollblut-Dachdeckerin Miriam Dorny.

Anja Streiter

Hat bisher vor allem Bücher, Artikel und Rezensionen über Filme geschrieben. Fragen stellen, zuhören, Zusammenhänge verstehen und gute Texte schreiben, das sind die Leidenschaften, die sie als Quereinsteigerin bei Dach\Live einbringt.

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