Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Mann in grüner Kleidung und Trachtenhose lacht und zeigt Daumen hoch bei einer Veranstaltung, im Hintergrund eine Fahne und weiteres Banner.

Zimmerer-EM 2022: Deutsche gewinnen Teamwertung

Knut Köstergarten

19. Juli 2022

Es war das Event auf der Dach+Holz mit zahlreichen interessierten Zuschauern an allen drei Tagen des Wettbewerbs: die Zimmerer-EM. In der Einzelwertung siegte Marcel Bolego aus Südtirol/Italien, Silber und Bronze gingen an die beiden Deutschen Philipp Kaiser (22) und Benedikt Pfister (21). Das deutsche Team mit dem dritten Teilnehmer Marco Schmidt (22) konnte zudem in der Teamwertung der Zimmerer-EM ihren 2018 in Luxemburg gewonnenen Titel verteidigen. DACH\LIVE wollte dabei hinter die Kulissen schauen und wissen, wie sich die noch jungen Teilnehmenden vorbereiten und mit Aufregung und Druck im Wettkampf umgehen lernen.

Bild von Zimmerer-EM Team mit Roland Bernardi
Nachwuchstalente Jonas Lauhoff, Lukas Baumann und Isabel Peters mit Teamchef Roland Bernardi. (Titelbild: ZDB, Reiner Zensen und Abbildungen: Tobias Vollmer)

Teamleiter im Ehrenamt: Roland Bernardi

Einer, der sich auskennt, ist der Teamleiter der deutschen Zimmerer-Nationalmannschaft, Roland Bernardi. Er ist seit der Gründung dabei und hat auch den Förderverein mitgegründet. Der Zimmerermeister führt mit seinem Bruder einen Betrieb im saarländischen Völklingen – seine Arbeit als Teamleiter macht er als Ehrenamt. Bernardi hält die mentale Vorbereitung für genauso wichtig wie die fachlichen Trainings zur Verbesserung der Skills. „Es geht darum, in einen Tunnel hineinzukommen, voll konzentriert zu sein auf die Aufgabe.“

Nervosität und Druck vor der Wettkampfstart

Alle Teilnehmenden der Zimmerer-EM seien vorher nervös und spürten Druck. Klar, denn es ist ja kein Training mehr, sondern Wettbewerb vor den Augen von Zuschauern. Eine neue Erfahrung für die jungen Zimmerer, an der sie wachsen können, gerade dann, wenn einmal etwas schief geht. „Ich erinnere mich an einen Wettkampf, wo einer unserer Teilnehmer gleich beim ersten Schnitt einen Fehler gemacht hat. Er war so ambitioniert und erst einmal völlig fertig.“ Dann gehe es darum, weiterzumachen bis zum Schluss, Kampfgeist zu zeigen. „Der junge Mann wurde am Ende noch mit Bronze belohnt“, berichtet Bernardi. Denn Fehler passieren allen. Die Frage ist, wie geht jeder Einzelne mit Rückschlägen um.

Bild von Teilnehmer der Zimmerer-EM
Philipp Kaiser nimmt genau Maß - egal ob fürs Team oder in der Einzelwertung.

Zimmerer-EM: Sich nicht von der Aufgabe ablenken lassen

Beim deutschen Teilnehmer und Silbermedaillengewinner Philipp Kaiser hat Bernardi schnell sehen können, wie sich die Anspannung gelöst hat und er sich auf den Wettkampf fokussieren konnte. Bei der niederländischen Teilnehmerin war hingegen der Druck womöglich zu groß. Die junge Frau wurde am ersten Wettkampftag der Zimmerer-EM krank und musste leider abbrechen. „Es geht darum, sich nicht ablenken zu lassen. Das gilt gerade auch für die Pausen, wo wir als Betreuer und Trainer dafür sorgen, dass unsere Zimmerer wirklich Ruhe haben und entspannen können.“ 

Bei der Zimmerer-WM, die für Schanghai geplant war und jetzt für die Zimmerer und Schreiner während der Holzmesse im Herbst in Basel stattfindet, hat das Team in der Vorbereitung sogar einen Mentaltrainer dabei. „Denn bei einer Weltmeisterschaft sind richtig viele Zuschauer“, weiß Experte Bernardi.

Bild von der Aufgabe bei der Zimmerer-EM
Der Anfang jedes erfolgreichen Werkstückes ist der Blick auf die Pläne - so auch bei der Zimmerer-EM.

Komplettes Team der Zimmerer-Nationalmannschaft vor Ort

In Köln bei der Zimmerer-EM war das gesamte Team der Zimmerer-Nationalmannschaft vor Ort, zu dem auch Isabel Peters (19), Julius Bruder (21), Lukas Baumann (20) und Jonas Lauhoff (21) gehören. „Die sind noch jünger und können hier schon mal die Atmosphäre eines Wettkampfs vor Publikum kennenlernen, beim Aufbau helfen und die Leistungspartner besuchen“, sagt Bernardi. Auch eine Art von Vorbereitung, falls man in den Folgejahren selbst an der Reihe ist. Die Altersgrenze für die WM liegt bei 22 Jahren, für die EM bei 23 Jahren. Danach ist Schluss. So auch für Philipp Kaiser, der im Herbst bei der Zimmerer-WM in Basel seinen letzten Wettkampf führen wird im Team der Zimmerer-Nationalmannschaft.

Bild von Teilnehmer der Zimmerer-EM
Auch wenn Marco Schmidt hier alleine am Werk ist, kommt es bei der Zimmerer-Nationalmannschaft sonst auf Teamwork an - vor allem im Training, bei dem mitunter sogar Handwerker aus anderen Ländern dabei sind.

Suche nach talentiertem Team-Nachwuchs  

Wegen der Altersgrenze suchen Teamleiter Bernardi und die Trainer sehr junge Zimmerer, wie etwa die 19-Jährige Isabel Peters, die jetzt in Kassel ihren Meister macht. Dafür haben sie neben den Leistungswettbewerben von der Innung bis zur deutschen Meisterschaft noch den Zimmerer-Contest ins Leben gerufen. „Bei den offiziellen Wettbewerben sind immer öfter die Topleute schon etwas älter und kommen nicht mehr für das Team infrage. Beim Zimmerer-Contest laden wir gezielt die jungen Jahrgänge ein“, erläutert Bernardi. So ist auch Isabel Peters ins Team gekommen.

Dabei ist es schon ein großer Anreiz, in die Zimmerer-Nationalmannschaft zu kommen. „Du bist Teil einer Gemeinschaft. Du kannst dich im Team messen und dort viel lernen“, so Bernardi. Gerade auch durch den Kontakt mit den Teilnehmern aus anderen Ländern. Es gibt gemeinsame Trainings, „wir haben da nichts zu verstecken“, sagt Bernardi.

Bild von Teilnehmer der Zimmerer-EM
Für jeden klar erkennbar dank deutscher Flagge, für welches Land Philipp Kaiser gemeinsam mit seinen Kollegen an den Start geht.

Fairness im Wettkampf bemerkenswert

Während der vier Messetage stellten die jungen ZimmerInnen ihren fachgerechten Umgang mit dem Baustoff Holz unter Beweis. In einem klar definierten Zeitrahmen mussten sie anspruchsvolle Holzkonstruktionen zimmern, die anschließend von einer europäischen Expertenjury bewertet wurden. Dabei ging es um Präzision und Genauigkeit beim Messen, Sägen und Zusammenbauen. 

Eine Person arbeitet konzentriert an einer Kreissäge mit einem Holzbrett in einer Werkstatt.
Volle Konzentration auch bei Benedikt Pfister

Peter Aicher, Präsident von Timber Construction Europe und Holzbau Deutschland, lobte die Teilnehmenden für ihr Engagement, ihren Teamgeist, ihre Fairness und ihr Durchhaltevermögen. „Wir sind stolz auf das, was ihr in den vergangenen Tagen geleistet habt. Ihr habt eindrucksvoll gezeigt, welch hohes Niveau das Zimmererhandwerk in Europa erreicht hat.“

Sie interessieren sich für das Thema Dachdecker oder Zimmerer werden? Dann lesen Sie unsere Story über den Durchstarter Aaron Wilhelmi, der auch im Team der Zimmerer-Nationalmannschaft war.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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