Schwarzes DACH LIVE Logo, wobei das A und der Schrägstrich im Wort rot hervorgehoben sind.
Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Ein Laptop steht auf einem Schreibtisch unter einer Lampe, neben Notizbuch, Stift und Tasse, während jemand den Arm hebt.

Viele Wege führen aufs Dach: das Triale Studium

Knut Köstergarten

15. Juni 2018

Los ging es mit einer Anzeige, die Dachdeckermeister Heiner Lübkemann aus dem niedersächsischen Steyerberg in der örtlichen Presse geschaltet hatte. Inhalt: das Triale Studium, also eine Ausbildung plus Betriebswirtschaftsstudium plus Meisterschule über viereinhalb Jahre. Für Nadja Gründler genau die richtige Herausforderung. Die heute 21-Jährige hatte ihr Abitur gemacht und war danach sechs Monate in den USA, wo sie auch handwerklich arbeitete – bei einem Hufschmied.

„Ich bin gerne draußen und möchte eine abwechslungsreiche Arbeit machen. Deshalb habe ich mich bei Heiner Lübkemann gemeldet“, berichtet Gründler. Danach gab es ein Gespräch mit Nadine Grün, Ansprechpartnerin für das Triale Studium bei der Handwerkskammer Hannover. „Schon nach der Probezeit war klar, dass mir das ziemlich gut gefällt“, erläutert die Auszubildende. Sie hat gerade ihre Gesellenprüfung absolviert, verkürzt nach zwei Jahren.

Triales Studium ist eine Herausforderung

Der Alltag ist voll durchgetaktet: Montag Berufsschule, Dienstag bis Freitag Betrieb und alle zwei Wochen Freitag und Samstag Präsenzveranstaltungen an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover. Aktuell sind 15 Teilnehmer dabei, aus allen Gewerken bunt gemischt. „Der Austausch ist sehr interessant und es haben sich Lerngruppen gebildet, die sich außerhalb der Vorlesungen treffen. „Da sind erste Freundschaften entstanden“, freut sich Gründler. Zum Start waren es 20 Teilnehmer, doch einige haben wieder aufgehört. Meist liegt es daran, dass es nicht passt mit dem jeweiligen Ausbildungsbetrieb. So ein triales Studium muss kompatibel sein mit den Arbeitszeiten, bei einem Friseur kann das schon schwierig werden.

Nadja Gründler selbst hat die Möglichkeit, am Freitagmittag Schluss im Betrieb zu machen und zur Fachhochschule zu fahren. Was es noch braucht, um die hohe Belastung zu bewältigen? „Sturheit und Durchhaltevermögen, auch Ehrgeiz und vor allem Spaß an der Sache“, meint Gründler.

Nadja Gründler, Studentin

Nadja Gründler weiß, was sie will und arbeitet hart dafür:
Ausbildung, Studium und am Ende die Meisterprüfung.

Der Chef wünscht sich neue Ideen von seiner Auszubildenden

Für Lübkemann ist klar, dass auch der Betrieb vom Trialen Studium profitieren kann. „Das muss nicht so sein, halte ich aber für sinnvoll.“ Der Dachdeckermeister möchte seinen Betrieb weiterentwickeln und dafür macht es Sinn, wenn seine Auszubildende immer wieder nachfragt, warum die Abläufe auf den Baustellen und im Büro so sind und nicht anders. „Wir wollen ja besser werden, und da können wir von den Anregungen aus dem Studium Handwerksmanagement profitieren. Dieser frische Wind wirkt auch motivierend auf unsere Mitarbeiter.“

Das heißt, dass so ein Triales Studium im besten Fall sowohl dem Betrieb als auch dem Auszubildenden Vorteile bringt. Doch dafür sollte der jeweilige Chef sich Zeit nehmen für die Betreuung und offen sein für Nachfragen und Anregungen. Lübkemann ist auch Jugendwart der Landesinnung Niedersachsen/Bremen und rührt gerne in dieser Funktion bei Vorträgen die Werbetrommel für die innovative Ausbildung, die noch wenig bekannt ist.

Praktische Erfahrung sammeln für die Meisterschule

Die Reihenfolge der Abschlüsse können die Auszubildenden flexibel gestalten. Gründler etwa hat bis zur Gesellenprüfung parallel schon studiert. Jetzt beginnen die Vorbereitungen auf den Bachelor-Abschluss und dann die Meisterschule. „Ich möchte den Meister gerne ganz am Ende der viereinhalb Jahre machen, damit ich vorher praktische Erfahrung als Gesellin sammeln kann, auf dem Dach und im Büro.“ Dort bringt sie sich jetzt schon ab und zu ein, schreibt mal eine Rechnung. Nach der erfolgreichen Gesellenprüfung soll das Schritt für Schritt mehr werden an Aufgaben. So kann Gründler langsam hineinwachsen in Führungsaufgaben.

Ob sie mal einen eigenen Betrieb gründen will? Das Thema ist ihr noch ein bisschen weit weg. Doch dass sie Führungspositionen einnehmen wird, kann sie sich schon gut vorstellen. Bei Lübkemann fühlt die junge Frau sich sehr gut aufgehoben. Die Chemie mit dem Chef stimmt, gemeinsam gehen sie bei Bedarf Unterlagen aus dem Studium doch. Und auch mit den Mitarbeitern läuft es gut. „Wir sind ein kleinerer Betrieb, die Jungs haben mich gleichberechtigt aufgenommen und unterstützen mich“, sagt Gründler.

Entspannen beim Westernreiten

Auch im privaten Umfeld sind die Reaktionen positiv. Die Eltern unterstützen ihre Tochter, wo sie können. „Sie sagen, dass ich das machen soll, was ich will“, beschreibt es Gründler. Und was tut die 21-Jährige, wenn sie doch mal Freizeit hat?

„Ich habe ein Pferd und dafür schaufele ich mir Zeit frei, so gut es geht.“ Gründler macht Westernreiten, sie sitzt im Sattel seit sie neun Jahre alt war. „Dabei kann ich wunderbar entspannen und abschalten“, erzählt die Auszubildende.

Und das hilft ihr dann dabei durchzuhalten, wenn es mal etwas viel wird im Trialen Studium. Doch wer mit ihr spricht, hört schnell heraus, dass sie tatsächlich ihr Ding gefunden und viel Spaß dabei hat.

Der Beruf Dachdecker bietet vielfältige Möglichkeiten. Es gibt für Ausbildungsbesten sogar Leistungswettbewerbe. Hier stellen wir Jonas Fangmann vor, der an der Weltmeisterschaft der Dachdecker teilnimmt.

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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