Haller Gruppe: Stahlbau und Dachtechnik aus einer Hand
15. Juli 2025
Was für ein cooles Dach, denkt sich, wer die Großbaustelle am Busbahnhof in Tuttlingen besichtigt. Mitten im beschaulichen Städtchen am Rande der Schwäbischen Alb entsteht „Architektur pur, einmalig für unsere Region“, erklärt Jürgen Gabele, neben Dr. Hans-Walter Haller und Michael Oexle einer von drei Geschäftsführern der Haller Gruppe mit Sitz in Villingen-Schwenningen.
Architektur pur: Dachkonstruktion für Busbahnhof Tuttlingen
Direkt vor dem alten Bahnhofsgebäude wird aktuell für rund 15 Millionen Euro ein neuer Busbahnhof gebaut und die Dachkonstruktion in geschwungener W-Form ist das absolute Highlight. Obwohl tonnenschwer aus Stahl gefertigt, wirkt das Dach fast filigran, stehend auf wenigen schmalen Stützpfeilern. Realisiert hat das Projekt die Haller Gruppe, die mit vier Unternehmen Stahlbau, Metallleichtbau, Dachtechnik und Werbetechnik Projekte aus einer Hand anbietet.

Besonderes Portfolio als Alleinstellungsmerkmal
„Wir haben uns mit diesem Portfolio eine Alleinstellung in der Region und darüber hinaus erarbeitet“, berichtet Jürgen Gabele. So ist das Projekt in Tuttlingen bereits der zweite Busbahnhof nach Singen und der nächste könnte demnächst folgen, wo die Haller Gruppe bereits in die Planung einbezogen wurde. „Die Bürgermeister und die Gemeinderäte kommen aus nah und fern und schauen sich unsere Dachkonstruktionen an. So kommen wir gleich ins Gespräch“, erzählt Jürgen Gabele.
Stahl aus eigener Produktion für die W-Form
Besonders und beeindruckend ist dabei das Zusammenspiel von Stahlbau, Metallleichtbau und Dachtechnik, das eine sehr hohe Fertigungstiefe ermöglicht. So wurde die Stahlkonstruktion für den Busbahnhof in der eigenen Produktionshalle hergestellt. Es gibt 21 riesige Bauteile, „alle unterschiedlich. Das war die große Herausforderung“, erklärt Nikolas Haller, Mitglied der Geschäftsführung, der die nächste Führungsgeneration bildet.

Das ist echte Stahlmanufaktur
Voller Begeisterung führen Nikolas Haller und Jürgen Gabele durch die Produktion und zeigen, wie die Stahlteile in W-Form entstanden sind: echte Stahlmanufaktur! „Selbst unsere erfahrenen Stahlbauer Roland Doser und Michael Krüger hatten so etwas noch nicht gefertigt. Das war Neuland, das sie in engster Abstimmung mit unserem Statiker Robert Herrmann und unserem Bauleiter Stefan Heth erfolgreich erkundet haben.“ Der Radius verändert sich über die Länge des Dachrands der Stahlelemente permanent. Es gibt mehrere Überhöhungen des Trägerosts, die sich dann unter dem Gewicht der Dachkonstruktion auf der Baustelle zum Teil wieder gerade ausrichten.
Schwertransporte in der Nacht
Rund ein Jahr dauerte das Projekt von der Auftragserteilung bis zur Dachbegrünung und den Sekuranten mit Seilsystem. Mit eigenen LKW-Teleskopanhängern wurden die 21 Stahlteile nach und nach nachts zum Busbahnhof transportiert. „Wir können damit Elemente bis 5,0 Meter Breite, 24 Meter Länge und 24 Tonnen Gewicht laden“, erklärt Nikolas Haller. Allein zwei bis drei Stunden brauchte es dann, um die Seile der beiden Krane an den Haken der Stahlteile exakt gleichmäßig zu befestigen. „Das Aufsetzen der Trägerroste war stets eine Herausforderung, da gibt es nur eine minimale Toleranz, um diese auf den Einspannstützen und deren Auflagepunkten zu verschrauben.“

Auch Metallleichtbau für Dach und Fassade in Eigenregie
Natürlich ebenfalls aus dem Hause der Haller Gruppe kommen die Seitenverkleidungen und das Stahltrapezblech für den Dachaufbau. Zugeschnitten und gebogen wurden diese Teile ebenfalls in einer eigenen Produktionshalle mit modernster Technik. So steht hier eine Maschine, die das Biegen bis acht Meter Länge ermöglicht. Diese Maschine ist natürlich von Trumpf, denn auch dieser auf dem Weltmarkt agierende Mittelständler gehört wie viele andere bekannte Unternehmen aus der Region zu den Stammkunden der Haller Gruppe, deren Historie bis 1705 zurückreicht.
Im Metallleichtbau werden auch die Fassadenelemente, vor allem aus Alucobond, für den Industriebau gefertigt. Und eben alles, was im Geschäftsfeld Dachtechnik benötigt wird, im Fall der Fälle auch in kürzester Zeit, wenn einzelne Bleche auf einer Baustelle fehlen. Eine „normale“ Dachdeckerei müsste das im Zweifel extern bestellen und kann auch nicht Maschinen in dieser Größenordnung vorhalten für die Spenglerei.
Vertrauensvolle Kooperation mit der DE Süd
Der Dachaufbau über dem Stahltrapezblech besteht beim Busbahnhof Tuttlingen aus einer Wärmedämmung PIR und einer FPO-Dachbahn von Bauder. Darüber wurde ein extensives Gründach angelegt und auf einer Teilfläche eine PV-Anlage mit einer Unterkonstruktion von Bauder. In Sachen Material gibt es eine sehr vertrauensvolle Kooperation mit der Niederlassung Villingen-Schwenningen der Dachdecker-Einkauf Süd eG und ihrem Leiter Michael Wohlgemuth.

Markante Holzverkleidung mit verschiedenen Farben
Besonders markant ist die untenliegende Verkleidung mit verschiedenfarbigen Holzelementen, zwischen denen Leuchtkörper installiert sind. „Da haben wir den Auftrag an eine Zimmerei vergeben, einen langjährigen Partner von uns“, erklärt Jürgen Gabele. Wiederum im eigenen Hause wurden die Stahlteile für die hochwertigen Sitzmöbel produziert, deren Rückwände aus Glas und deren Sitzflächen aus Holz bestehen.

Bereich Dachtechnik mit bereits 25 Mitarbeitern
In der Haller Gruppe hat der Bereich Dachtechnik erst vor 30 Jahren an Bedeutung gewonnen und dann seit der Gründung einer eigenen Tochterfirma vor elf Jahren richtig Fahrt aufgenommen. Mittlerweile sind hier rund 25 Mitarbeiter beschäftigt von insgesamt rund 160 in der gesamten Gruppe. „Mit unserem Betriebsleiter und Dachdeckermeister Marco Seiffert, haben wir einen Macher, der Engagement vorlebt und nah bei den Mitarbeitern ist“, berichtet Nikolas Haller. „Wir haben trotz unserer Größe flache Hierarchien und setzen auf eigenverantwortliches Arbeiten.“ Geschäftsführer Jürgen Gabele ist jeden Tag bei den Mitarbeitern, beschäftigt sich vor allem mit Vertrieb, Kalkulation und strategischer Ausrichtung.

Aufträge im Bereich gewerbliche Flachdächer
Die Sparte Dachtechnik ist einerseits bei Großprojekten im Industriebau gefordert, wenn die Haller Gruppe alles aus einer Hand anbietet. „Doch inzwischen sind bereits 50 Prozent eigene Aufträge, ausschließlich für gewerbliche Kunden. Wir öffnen Flachdächer, schauen, was das Problem ist, und sanieren sie energetisch. Zudem sind wir auch im Neubau aktiv“, so Jürgen Gabele. PV-Anlagen und Gründächern gehören mit zum Portfolio der Dachtechniksparte. Ende 2024 wurde für die Dachtechnik erstmals ein AK 52 Kran angeschafft, der mit einer Ausfahrlänge von 52 Metern auf vier Achsen der stärkste Autokran in Stahl-Aluminium-Bauweise ist. „Der Kran ist seitdem voll ausgelastet. Was uns noch fehlt, ist ein fester Fahrer“, berichtet Jürgen Gabele.
Innovative Notdachkonstruktion aus Stahl
Zuletzt ist der Kran bei einer Notdachkonstruktion aus Stahl für eine Produktionshalle des Kunden Knauf im Einsatz gewesen. Dort konnte aus Platzgründen am Rand der Halle kein Gerüst auf dem Boden platziert werden. „Da haben wir knapp unter dem Dach, Stahlkonsolen gebaut und befestigt, auf denen jetzt das Gerüst steht, das vom Kran an seinen Platz gehievt wurde“, so Jürgen Gabele. Die Dachnotkonstruktion zum Abheben ist nötig, weil sich nur über das Dach die neuen Produktionsmaschinen in die Halle transportieren lassen, ein Projekt nach seinem Geschmack und beispielhaft für die innovativen Lösungen der Haller Gruppe. Auch hier sind Stahlbau, Metallleichtbau und Dachtechnik vereint. „Wir liefern technische Lösungen komplett“, erläutert Jürgen Gabele.

Stahlbaulounge für Mitarbeiter
Inzwischen arbeiten neben Marco Seiffert mit Marcel John und Franziska Boos zwei weitere DachdeckermeisterInnen im Büro. Warum ist die Haller Gruppe so attraktiv als Arbeitgeber? „Wir arbeiten überwiegend in der Region für viele Mittelständlern, die auf dem Weltmarkt agieren, und haben 80 Prozent Stammkunden. Da bieten wir Verlässlichkeit und Beständigkeit und zudem immer interessante Projekte“, berichtet Nikolas Haller.
Zudem gibt es die Stahlbaulounge mit vielfältigen Sportangeboten, wie Spinning, Yoga oder Sauna. Die Location können Mitarbeiter zudem, ebenfalls kostenlos, für private Feiern buchen. Und es gibt coole Events, wie Klettern im Hochseilgarten, Bungeespringen oder Canyoning. „Wir wollen Mehrwert bieten, die Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen“, sagt Nikolas Haller, der selbst beim Bungeespringen dabei war.

Tatkraft der Chefs ist ansteckend
Bei der Haller Gruppe sind die Chefs mittendrin im Geschehen und voller Tatendrang. So steht Jürgen Gabele die Begeisterung ins Gesicht geschrieben, wenn er von Projekten berichtet. Da will einer mit großer Energie beständig Lösungen finden für die Kunden und zeigt auch seine Freude, wenn es gelungen ist. Seine Tatkraft ist ansteckend. Ein Zitat von Bertold Brecht an der Wand seines Büros benennt, worum es geht: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“
Sie interessieren sich für spannende Betriebe? Dann lesen Sie unsere Geschichte über die Hanebutt Gruppe, einer der bundesweit größten Dachdeckerbetriebe.
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