Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Modernes Bürogebäude mit Glasfassade und mehreren Etagen, reflektiert den Himmel, große Fenster, zeitgenössische Architektur, Blick auf das Innere und Außenbereich.

Berliner Dachdecker-Lehrlingen mangelt es an Qualität

Gerald Weßel

15. Februar 2022

Das Dachdecker Bildungszentrum in Berlin beherbergt hinter seinen gläsernen Fassaden enormes Potenzial für das Handwerk der Zukunft: öffentlich geförderte Digitalisierungsprojekte und Rekordnachwuchszahlen sei Dank. Doch den jungen Menschen mangele es leider an der einst gewohnten Ausbildungsreife, bedauert Schulleiter und Geschäftsführer in Personalunion, Ruediger Thaler. „Das ist sehr unbefriedigend.“ 

Große blaue Buchstaben auf Glasfenster, Teil eines Schriftzugs. Im Hintergrund spiegelt sich ein modernes Gebäude mit großen Fenstern.
Hier geht es um die Zukunft des Berliner Dachdeckerhandwerks: Die Ausbildung von Fachkräften. (Alle Fotos: Dachdeckerinnung Berlin)

50 Prozent der Auszubildenden fallen durch die Prüfung

Der anhaltende Trend setzt Ruediger Thaler zu. Dabei gäbe es für ihn als Geschäftsführer der der Landesinnung des Berliner Dachdecker-Handwerks auch viele Gründe zur Freude. Es gibt so viele Auszubildende wie nie zuvor, Fortschritte bei der Digitalisierung und volle Auftragsbücher für die Mitgliedsbetriebe, die in Zeiten des Klimaschutzes obendrein mehr denn je gebraucht werden. Und doch, Thaler weiß: „Wir haben hier echte Probleme.“

Eine Person in Arbeitskleidung und Handschuhen arbeitet an einer Holzkonstruktion, wahrscheinlich auf einer Baustelle im Innenbereich.
Viel zu viele Auszubildende fallen in Berlin durch die Gesellenprüfung.

Die Quote der bestandenen Prüfungen sinke seit Jahren. „Fast 50 Prozent der Auszubildenden sind zuletzt durchgefallen, das ist zu viel“, klagt der 65-Jährige. „Doch daran ist nicht die Ausbildung schuld, weder die bei uns durch unsere fünf Meister noch die in den Betrieben.“ Für ihn ist die Schuldfrage glasklar zu beantworten: „Es mangelt den Dachdecker-Lehrlingen an Qualität.“

Fundamentale Lücken bei Motivation und Vorwissen

Körperlich gebe es bei den Lehrlingen die geringsten Probleme. „Es ist alles andere“, holt Thaler aus. „Sie sind teils nicht richtig motiviert, geistig überfordert oder es mangelt an Vorwissen aus der Schule.“ So komme alles Mögliche zusammen. „Mathematik, Rechtschreibung, Grammatik, die Liste ließe sich fortsetzen. Da sind fundamentale Lücken vorhanden und diese können wir hier nicht schließen“, sagt er. Dafür fehle ihm schlicht Zeit und Personal.

Holzverschläge mit dreieckiger Form in einem Innenraum, sichtbare Elektrik an den Wänden, ein roter Beutel auf dem Boden vorne.
Fundamentale Lücken bei den Lehrlinge können die Ausbilder am Berliner Bildungszentrum allein nicht schließen.

Im dritten Anlauf schaffen die meisten Lehrlinge die Prüfung

Deshalb könne auch die Dachdeckerschule in Berlin nur das Beste aus dem machen, was dort ankommt. „Wir bieten aber natürlich Nachhilfe- und Auffrischungskurse an“, erläutert Thaler mit Blick auf die möglichen Wiederholungsprüfungen für einen jeden Lehrling, der im ersten Anlauf durchfällt. Zweimal könne man sich das leisten. Wer es beim dritten Mal nicht schafft, sei raus. "Zum Glück gelinge es den meisten seiner Schützlinge, dieses Schicksal zu vermeiden, sodass sich das Dachdeckerhandwerk über reichlich Nachwuchs freuen kann. „Wir eilen von Rekord zu Rekord. Wir sind zum ersten Mal seit über 20 Jahren wieder über 300 Lehrlinge im Haus.“ 

Graues und gelbes Banner mit Text: „jetzt bewerben“ und einer Webadresse www.dach..., Werbung für eine Bewerbung im Dachdeckerbereich.

Wunsch nach mehr Frauen als Dachdecker-Lehrlinge

Die Dachdecker stemmten gegen den Trend der oft beklagten, sinkenden Ausbildungszahlen im Handwerk. „Da sind wir sehr stolz darauf.“ Denn laut Thaler sei dies auch auf die erfolgreiche Nachwuchswerbung in den sozialen Medien zurückzuführen. Allerdings stellen Frauen weiterhin nur ein oder zwei Prozent in jedem Jahrgang. „Wenn aber welche dabei sind, klappt das sehr gut“, ist der Schulleiter zufrieden. „Die Jungs sind sogar oft motivierter, wenn eine Frau mit im Kurs ist.“

Mehrere junge Menschen sitzen zusammen und halten herzförmige Schiefertafeln in die Kamera, während sie lächeln und fröhlich posieren.
Junge Frauen sind eine Zielgruppe, wenn es um gute Auszubildende geht.

Dachdecker als Berufsgruppe bestens organisiert

Ruediger Thaler ist seit 1995 beim Berliner Verband - zuerst als Geschäftsführer, später dann auch als Schulleiter. „Es mussten Kosten eingespart werden“, erklärt er heute die Annahme dieser Doppelrolle vor etwa 15 Jahren. Vor seiner Zeit in Berlin war er als studierter Jurist mit zwei Staatsexamen bei der Kreishandwerkerschaft in Ravensburg als Geschäftsführer angestellt. Hierüber lernte er etliche Dachdeckerinnungen in Deutschland kennen und die Berufsgruppe als Ganzes besonders zu schätzen. „Die Dachdecker sind von allen Handwerkern in Deutschland am besten organisiert.“ Als es ihn dann „raus in die große und weite Welt zog“, wie er sagt, führte ihn sein Weg quasi selbstverständlich in die Branche, der er bis heute die Treue hält.

Auch bei Meisterkursen steigt die Durchfallquote

Die zweite der drei Säulen des Dachdecker Bildungszentrums sind die Meisterkurse in Vollzeit von  September bis Mai im Folgejahr statt. Früher gab es auch Abend/Wochenendkurse über zwei Jahre, „aber die haben wir eingestellt“, so Thaler. „Die Schüler sind teilweise eingeschlafen.“ In Vollzeit laufe es besser und es sei für alle angenehmer. Doch das ständig nachlassende Niveau beginne sich auch bei den angehenden Meistern auszuwirken. „Hier sind es aber bislang nur zwischen 30 und 35 Prozent, die durchfallen.“

Helferkurse als positive Ausnahme

Die Akteure der dritten Säule fallen hingegen positiv auf: Die Helfer. Die finanziell geförderten Kurse „vom Helfer zum Gesellen“ laufen über die Schlechtwetterzeit im Winter. Es können alle teilnehmen, die bereits Vorerfahrungen im Beruf gesammelt haben, aber aus welchen Gründen auch immer bisher keinen Abschluss als Dachdecker besitzen“, erklärt Thaler. "Hier haben wir eine Durchfallquote von maximal zehn Prozent, die oft auch älteren Teilnehmer sind extrem motiviert.“ Jeder begreife, welche Chance sich ihm hier biete.

Person arbeitet an einem Laptop in einem modernen Konferenzraum mit großem Bildschirm an der Wand und verschiedenen Gegenständen auf dem Tisch.
Baustellengeeignete Tablets für den Unterricht sollen der nächste Schritt in Sachen Digitalisierung sein.

Digitalisierung der Dachdeckerschule schreitet voran

Ein Herzensprojekt von Ruediger Thaler ist die Digitalisierung der Schule. So sollen mit öffentlicher Förderung baustellengeeignete Tablets angeschafft werden, die weder Staub noch Wasser fürchten müssen. „Das ist nicht nur in unseren Lehrwerkstätten wichtig, sondern übt auch gleich für den realitätsnahen Einsatz auf dem Bau“, begründet er. Und gemeinsam mit den neuen, je 96 Zoll großen LCD-Smartboards, die ebenfalls für Klassenzimmer und Lehrwerkstätten bestellt sind, soll so der erste große Schritt hin zum rein digitalen Lernen abseits der Werkstücke getan werden. Die digitale Technik zum Unterricht in den Lehrwerkstätten ist zudem ganz neu, bisher musste immer mal wieder in die Theorieräume gewechselt werden, um sich Unterlagen anzuschauen.

Smartboards und Drohnen

Mithilfe von Kameras und einer Drohne möchte die Dachdeckerschule zudem in Zukunft das zeitgemäße Ausmessen und die moderne Arbeit auf einer Baustelle im Unterricht nachstellen. Doch bis die Smartboards und Tablets da sind, wird es noch eine Weile dauern – dem weltweiten Chipmangel geschuldet. Die Drohne hingegen ist bereits im Einsatz.

Zudem sollen Daten über die Cloud ausgetauscht werden. Dies bedeutet, dass Lehrstoff einfach vor- sowie nachgeholt werden kann. „Vor allem Lernschwache und Lernstarke profitieren davon, da beide Gruppen mehr Kontrolle über ihr Lerntempo erhalten“, beschreibt Thaler. „Irgendwann wollen wir dann komplett papierlos arbeiten, also auch bei Prüfungen und bei Berichtsheft, steckt er als Ziel ab.

Person steht auf einer Wiese im Freien, mit kahlen Bäumen im Hintergrund und einer Tasche auf dem Gras.
Die Drohne als Lehrstoff: Üben unter Anleitung auf der grünen Wiese.

Mehr Arbeit mit weniger Dachdeckern bewältigen

Der Anstoß zur Digitaloffensive wird wohl sein letztes großes Projekt im Amt sein: 2023 wird er in Rente gehen. Aber sein Erbe wird die Schule in die kommenden Jahrzehnte begleiten - und die werden nicht einfach. "Die anstehenden Verrentungswellen werden unsere Branche mit voller Wucht treffen", blickt der Schulleiter voraus. Trotz guter Ausbildungszahlen werde man den Wegfall nicht kompensieren, geschweige denn Personal aufstocken können. "Wir werden also mehr Arbeit mit weniger Menschen zu erledigen haben", bringt er es mit Blick auf die anstehenden Sanierungs- und Photovoltaikpflichten für sich auf den Punkt. 

Mittelalterlicher Mann mit kurzem, blondem Haar im dunklen Anzug und hellblauem Hemd, lächelt leicht vor neutralem Hintergrund.
Sieht mehr Beratungsbedarf zu Photovoltaik, Energiespeichern und Fördermöglichkeiten auf die Dachdecker zukommen: Ruediger Thaler.

Neue Geschäftsbereiche für Dachdecker kommen hinzu

„Das macht uns Sorgen und wird unsere Auftragslage grundlegend verändern.“ Denn man werde nicht nur mehr, sondern auch in heute noch eher unterrepräsentierten Geschäftsbereichen – wie Beratung zu Solaranlagen, Energiespeichern und Fördermöglichkeiten – geschultes Personal brauchen. „Kurzum: Wir würden uns über die guten Auftragsaussichten noch mehr freuen, wenn die Betriebe nicht heute schon überlastet wären und wir mit der Aus- sowie Weiterbildung nicht jetzt schon kaum hinterherkommen würden", urteilt Ruediger Thaler.

Sie interessieren sich für Themen aus den Innungen? Dann lesen Sie unsere Story über den Mindestlohn für Dachdecker.

Gerald Weßel

Der studierte Wirtschaftsgeograf und ausgebildete Journalist schreibt seit Jahren in Bremen und dem Umland für die lokale Tageszeitung Weser-Kurier. An seiner Arbeit begeistert ihn vor allem die Vielfalt an Themen, Sichtweisen und Geschichten.

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