Acht Personen in schwarzen Jacken und Arbeitshosen stehen und posieren auf einem großen Dach mit historischen Backsteinbauten und Gerüsten im Hintergrund. Bei der Gruppe scheint es sich um Bauarbeiter oder Dachdecker zu handeln.

Dach-Baustellen

Zwei Oberlichtfenster mit geschlossenen Außenjalousien sind auf einem dunklen, mit Ziegeln gedeckten Schrägdach installiert, und im Hintergrund sind grüne Bäume zu sehen.

Produkte

Zwei Arbeiter in grünen Hemden und Handschuhen verlegen unter strahlend blauem Himmel orangefarbene Dachziegel auf einem Schrägdach, wobei einer dem anderen einen Ziegel reicht. In der Nähe sind Stapel von Ziegeln zu sehen.

Dachdeckerbetrieb

Ein Arbeiter mit rotem Schutzhelm und Klettergurt kniet auf einem Dach, hält ein Telefon in der Hand und überprüft die an einem Kabel befestigte Sicherheitsausrüstung.

Arbeitssicherheit

Eine lächelnde Person in einem weißen Hemd und grauen Handschuhen verlegt Dachziegel auf einem schrägen Dach, wobei im Hintergrund Sicherheitsnetze und Gebäude zu sehen sind.

Dachdecker werden

Zwei Männer stehen in einem Lagerhaus und schauen gemeinsam auf eine Tafel. Ein Mann trägt ein rotes Hemd und hält ein aufgerolltes Papier, der andere trägt ein schwarzes Hemd. Im Hintergrund sind große Regale mit Säcken oder Behältern zu sehen.

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Eine Frau trägt eine große weiße Rolle auf ihrer Schulter, steht draußen vor einem Gebäude und lächelt in die Kamera.

Dachdeckerin: Start im Hörsaal mit Landung auf dem Dach

Knut Köstergarten

27. August 2019

Ihr Vater Ingo war erst skeptisch und dann sehr froh. „Er hätte nicht gedacht, dass ich mich auf dem Dach so durchbeißen würde“, sagt Chiara Monteton. Seit einem Jahr macht die 23-Jährige eine Ausbildung als Dachdeckerin im Wattenscheider Familienbetrieb. Angefangen hatte es damit, dass sie mit dem Vater raus auf die Baustellen gefahren ist und zu Gesprächen mit Kunden. Zu dieser Zeit machte Chiara Monteton noch ihre Ausbildung als Kauffrau für Büromanagement mit Ausblick auf eine Zukunft am Schreibtisch des Betriebs. Großes Talent und viel Ehrgeiz zeigte sie schon damals. Monteton wurde Landessiegerin im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks NRW in ihrem Ausbildungsberuf.

Eine Person verwendet einen Propanbrenner auf einer Baustelle mit Holzrahmen im Hintergrund.

Seit einem Jahr macht die 23-Jährige Chiara Monteton eine Ausbildung als Dachdeckerin im Wattenscheider Familienbetrieb.

In den Fußstapfen des Vaters die Dächern erobert

Doch die Baustellen-Fahrten mit dem Vater hatten eine neue Leidenschaft geweckt. Sie wollte in seine Fußstapfen treten und selber die Dächer erobern. „Dabei hatte ich mir einiges doch anders vorgestellt, nicht so anstrengend und kraftraubend“, berichtet Monteton. „Doch die Arbeit macht vor allem viel Spaß. Es gibt einen guten Teamgeist und es wird viel gelacht und gescherzt auf dem Dach.“ Das gefällt der lebenslustigen Dachdeckerin. „An der Uni und im Büro habe ich das so nie erlebt.“ Die Reihenfolge ihrer Ausbildungen sieht Monteton dennoch positiv. „Mit 18 Jahren war ich im Kopf noch nicht so weit, um mit den Jungs zu lernen. Die hätten mich aufgefressen“, sagt sie mit einem Lachen. „Jetzt habe ich das Standing, um entspannt einen Spruch zurückzugeben, wenn der Ton mal rauer ist auf dem Dach.“

Eine Person kniet auf einem Flachdach und arbeitet an einer blauen Dachabdeckung. Im Hintergrund sind Bäume und weitere Gebäude zu sehen.

Chiara Monteton wollte in die Fußstapfen ihres Vaters treten und selbst Dachdeckerin werden.

Dachdeckerin will nicht mehr zurück in den Hörsaal

Zurück an die Uni, wie ursprünglich mal geplant, möchte Monteton nicht mehr. So ist sie aus ihrer alten Abitur-Klasse als einzige im Handwerk gelandet. „Damals waren Handwerksberufe in unserer Berufsorientierung gar keine Option“, erinnert sich die angehende Dachdeckerin. Die meisten Frauen hätten eine Banklehre gemacht. Monteton ging zur Universität. „Doch dort traf ich Kommilitonen, die fast alle vor dem Studium schon eine Ausbildung gemacht hatten. Das war auch für mich ein Anstoß, umzudenken.“ Auch heute in der Berufsschule gibt es nur einen weiteren Abiturienten. „Und mit meinen 23 Jahren bin ich schon die Mutti zwischen den 16- bis 19-Jährigen.“

Die Bochumer Innung ist stolz auf ihre Vorzeige-Dachdeckerin

Die Dachdecker-Innung Bochum freut sich, ein weibliches Beispiel in ihren Reihen zu haben. „Wir sind stolz, solche Leistungsträger in der Handwerksjugend zu haben. Chiara Monteton ist ein Vorbild für Engagement und Zielstrebigkeit. Und natürlich hoffe ich, dass sich Chiara später einmal aktiv in die Innungsarbeit einbringen wird. Denn jede Innung lebt von engagierten Ehrenamtsträgern, die sich mit Leidenschaft und Tatendrang für ihr Handwerk einsetzen“, sagt Obermeister Raimund Weinand.   Für ihren Landessieg erhielt Monteton einem Bildungsgutschein für den Besuch einen Seminares ihrer Wahl im Bildungszentrum des westfälischen Dachdecker-Handwerks in Eslohe. „Ich überlege, einen Asbestlehrgang zu machen“, erläutert Monteton.

Eine Person arbeitet auf einem schrägen Dach mit dunklen Ziegeln, trägt Arbeitskleidung und lächelt in die Kamera, im Hintergrund eine Fassade mit verschiedenfarbigen Schindeln.

Ob am Modell oder auf der Baustelle, die angehende Dachdeckerin Chiara Monteton gibt immer alles.

Wenn es zeitlich passt, denn auch das Land Nordrhein-Westfalen hat ihr ein Stipendium ausgelobt. Monteton denkt darüber nach, ob sie eine Weiterbildung zur Dachdecker-Managerin in Mayen machen sollte. Ihren Fachwirt absolviert die 23-Jährige gerade, die letzten Prüfungen stehen im Oktober an. Sie nimmt begeistert auf, was sie lernen kann rund um das Berufsbild Dachdeckerin. Die Berufsschule alleine reicht ihr da keineswegs, „obwohl ich auch dort viele interessante Sachen lernen kann“. Perspektivisch soll auch der Meister hinzukommen, um den Familienbetrieb später übernehmen zu können.

Dachdeckerin gibt auf Instagram persönliche Arbeits-Einblicke

Doch erst mal folgt noch ein Jahr Lehre und danach möchte Monteton mindestens zwei Jahre Praxis sammeln als Gesellin. Um bei allen verschieden Arbeiten auf dem Dach fit zu werden. Monteton ist aktuell mit einem erfahrenen Altgesellen unterwegs und macht viel Zinkarbeiten. „Ich habe das Löten angefangen und föne Balkonanschlüsse. Da bin ich ganz gut drin und brauche nicht so viel Kraft.“ Das Schweißen auf dem Flachdach steht auch bald an. „Da muss ich noch üben“, sagt die Dachdeckerin.

Eine Frau arbeitet an einem geneigten Dachmodell, legt schwarze Dachziegel und trägt Arbeitskleidung und Knieschoner.

Als Dachdeckerin möchte Chiara Monteton auch über die sozialen Medien kommunizieren, um so unter anderem auch potenzielle Auszubildende anzusprechen.

Auf ihrem Instagram-Profil zeigt sie ihre Arbeit auf dem Dach. „Ich mache auch unser Firmenprofil, aber auf meinem privaten Account kann ich auch witzige Dinge posten, wenn etwa was schief geht.“ Die sozialen Medien hält Monteton für sehr wichtig, um Vorurteile gegenüber dem Berufsbild Dachdecker abzubauen und potenzielle Auszubildende anzusprechen. „Wir bilden immer aus, haben aber dieses Jahr noch keinen Lehrling gefunden, obwohl wir auch in die Schulen gehen.“ Der Betrieb macht alle Dachdecker-Arbeiten mit zusätzlicher Spezialisierung auf Klempnerei und beschäftigt aktuell 13 Mitarbeiter. „Doch wir bräuchten dringend mehr Fachkräfte“, sagt Monteton. Wenn ein Geselle Urlaub mache, sei schon fast Land unter angesichts der dünnen Personaldecke bei vollen Auftragsbüchern.

Zuhause auf den Dächern und auf dem Rücken der Pferde

Auf Instagram hat Chiara Monteton auch schon ein Video gepostet, wo sie hoch zu Pferde sitzt und ausreitet. Das Hobby teilt sie mit ihrer Mutter. Zwei Pferde gehören der Familie Monteton. Es ist ein guter Ausgleich für die Dachdeckerin. „Da komme ich raus in die Natur und kann gut abschalten.“

Sie interessieren sich das Thema Dachdecker werden? Dann lesen Sie unsere Geschichte über den Reetdachdecker-Gesellen und Kraftsportler Jannik Hinsch.

Knut Köstergarten

Schreibt seit über zehn Jahren für das Printmagazin „Das Dach“ und leitet dort und bei Dach live die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und inzwischen auf die Bereiche Politik und Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge – gerade auch von Unternehmern.

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