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Aktion DACH: Gemeinsam als Branche Nachwuchs gewinnen

Knut Köstergarten

4. August 2026

Die Aktion DACH zeigt beispielhaft, was möglich ist, wenn Industrie, Bedachungshandel und Dachdeckerverbände an einem Strang ziehen. Über vielfältige Projekte und Aktivitäten erhalten Innungen und Betriebe professionelle, zeitgemäße Unterstützung bei der Nachwuchswerbung.

Veranstaltungen und Ausbildungsmessen immer wichtiger

Die Präsenz auf Veranstaltungen und Ausbildungsmessen wird auch für Dachdecker immer wichtiger, um junge Menschen für eine Lehre zu begeistern. Vielen Betrieben und Innungen ist inzwischen klar, dass sie aktiv Nachwuchswerbung betreiben müssen. Was viele aber nicht wissen: Die Aktion DACH sorgt mit dafür, dass die jungen Menschen auf professionelle und zeitgemäße Weise angesprochen werden können.

Zwei Beispiele aus den letzten Wochen sind die IdeenExpo in Hannover und der Hessentag in Fulda. Dort waren die jeweiligen Landesverbände Niedersachsen/Bremen und Hessen sehr erfolgreich präsent mit ihren Ständen – unterstützt von der Kampagne „Dachdecker – Dein Beruf!“ des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH). Und diese Kampagne wiederum wurde entwickelt und mitfinanziert von der Aktion DACH, in der sich Industrie, Bedachungshandel und Dachdeckerverbände gemeinsam gegen den Fachkräftemangel engagieren.

Dachdecker machen Volksfest Hessentag zum Schiefer-Erlebnis

Starke Präsenz auf der IdeenExpo

Die IdeenExpo ist eines der deutschlandweit größten Events zur Berufsorientierung für Schüler und geht über neun Tage. Mittendrin und gut besucht waren auch in diesem Jahr die beiden Stände der Dachdecker – einer in Halle 9, der andere mit dem Böcker-Kran als Besuchermagnet auf dem Außengelände, vor dem sich Schlangen bildeten für eine Korbfahrt in luftige Höhen. Über die Finanzmittel aus der Aktion DACH hatte der ZVDH erstmals eine Werbefläche im Hauptbahnhof Hannover angemietet, um auf die Stände, aber eben auch auf das Berufsbild Dachdecker aufmerksam zu machen. Am Stand der Dachdecker auf dem Hessentag gab es als ein Highlight einen eigenen Zeltpavillon für die Nutzung von VR-Brillen.

Dachdeckermeisterin Johanna Rieger begeistert junge Menschen auf IdeenExpo

Innungsbetriebe können VR-Brillen kostenlos buchen

Die VR-Brillen sind ein Projekt der Aktion DACH und können von Innungen und Innungsbetrieben für Veranstaltungen und Messen beim ZVDH kostenlos gebucht werden. „Wichtig ist uns nur, dass die Anfragen nicht zu kurzfristig kommen, damit wir Vorlauf haben“, erklärt Philip Witte, beim ZVDH verantwortlich für die Aktion DACH. Seit einem Jahr stehen die VR-Brillen zur Verfügung. Zuerst liefen darauf Videos aus Werkstätten der Ausbildungszentren. „Das war ein Anfang, aber doch eher langweilig für die Jugendlichen“, berichtet Kollegin Rebecca Klinkhammer.

Virtuell auf das Dach des Kölner Doms

„Jetzt geben wir mit den neuen Videos mit Dachdeckermeister Leon Hain Einblicke in Baustellen“, erläutert Klinkhammer. Hain verantwortet bei der Landesinnung Hessen die Nachwuchswerbung und organisierte den Stand auf dem Hessentag in Fulda, ein großes Event in der Stadt über zehn Tage. Mit einem Dachmobil war er mit KollegInnen vor Ort. Und auch dort kamen die VR-Brillen natürlich zum Einsatz.

„Es gibt bei den neuen Videos für die VR-Brillen den Wow-Effekt mit dem Blick von oben. Das hat eine krasse Wirkung, es beamt den Nutzer in eine andere Welt.“ Rebecca Klinkhammer

Mit den VR-Brillen gehen die jungen Leute virtuell auf die Dächer des Kölner Doms, erleben Zukunftsthemen wie Gründach oder PV-Anlagen sowie eine energetische Sanierung mit Steil- und Flachdach auf einem klassischen Einfamilienhaus. So können die Jugendlichen über die Videos in den Alltag auf dem Dach eintauchen und ein Gefühl für die Arbeiten und die Vielfalt der Aufgaben entwickeln, wie Lattung, Dämmung, Eindecken. „In der interaktiven Anwendung fokussiert der Nutzer mit den Augen, was er als nächstes tun möchte“, erklärt Klinkhammer. „Es gibt bei den neuen Videos den Wow-Effekt mit dem Blick von oben. Das hat eine krasse Wirkung, es beamt den Nutzer in eine andere Welt“, so Klinkhammer.

Potenzielle Azubis noch besser abholen

Zudem gibt es von der Landesinnung Baden-Württemberg VR-Games, wie Dach-Pong digital, Dachziegel Speed-Decking, Dachlatten-Fixing und vom ZVDH eine Rennsimulation im Cockpit eines Sportwagens. „Wichtig ist, dass wir immer über den Tellerrand hinausschauen, etwa was andere machen auf Berufsmessen. Es geht darum, am Ball zu bleiben und schnell zu reagieren“, erläutert Philip Witte. „Möglich wird genau dies auch durch das sechsstellige Jahresbudget der Aktion DACH, das wir gemeinsam maximal gewinnbringend einsetzen.“ Trotz aktuell sehr guter Azubizahlen geht es darum, noch besser werden. „Die Frage ist, wo und wie wir die jungen Leute abholen und für ein Praktikum als Startpunkt gewinnen können.“

Fachkräftebedarf gemeinsam lösen

Für den ZVDH-Vizepräsidenten Dirk Sindermann zeigt die Aktion DACH seit vielen Jahren, „wie erfolgreich die Zusammenarbeit mit Bedachungsindustrie und Fachhandel funktionieren kann. Gerade mit Blick auf den steigenden Fachkräftebedarf können wir die Herausforderungen der Zukunft nur gemeinsam lösen.“ Die Kampagne „Dachdecker – Dein Beruf!“ schafft dafür eine starke Plattform und stellt den rund 7000 Innungsbetrieben umfangreiche Materialien und Unterstützung für Messen, Schulveranstaltungen und Aktionen vor Ort zur Verfügung.

Mitglieder der Aktion DACH finanzieren die Projekte

Mit dem neuen Webshop, der in Kürze startet, werden diese Angebote künftig noch einfacher und schneller verfügbar sein. „Realisierbar wird all das durch die rund 40 Mitglieder der Aktion DACH aus Industrie und Fachhandel, die diese Maßnahmen mit ihren Beiträgen mitfinanzieren“, erklärt Sindermann. „Gleichzeitig profitieren auch diese Partner von einem starken Dachdeckerhandwerk. Denn nur mit ausreichend Fachkräften können Produkte verarbeitet, verkauft sowie die gesamte Wertschöpfungskette langfristig gesichert werden.“

Ein Mann mit Brille und Bart trägt ein Hemd und Sakko, blickt freundlich in die Kamera, unscharfer Hintergrund.
Dirk Sindermann, ZVDH-Vizepräsident. (Foto: Herzmann/ZVDH)

Schulterschluss aller wichtigen Akteure

Ein wichtiger Partner ist die ZEDACH. „Es macht hochgradig Sinn, im Schulterschluss mit allen wichtigen Akteuren in unserer Branche die Nachwuchskampagne zu generieren. Denn jeder Partner ist allein zu klein mit seinen Aktivitäten“, sagt ZEDACH-Vorstand Oliver Pees. „Daher ist es gut, dass wir plakativ, zeitgemäß und auch überregional junge Menschen gemeinsam ansprechen. Mit den vielfältigen Aktivitäten machen wir für Branchenfremde eine bislang unbekannte Branche erlebbar. In der Berufsorientierung gilt es, früh und kompetent präsent zu sein, und mit der Aktion DACH sind wir ganz vorne mit dabei.“

„Es macht hochgradig Sinn, im Schulterschluss mit allen wichtigen Akteuren in unserer Branche die Nachwuchskampagne zu generieren. Denn jeder Partner ist allein zu klein mit seinen Aktivitäten.“ Oliver Pees

ZEDACH engagiert sich im Beirat der Aktion DACH

Und auch wenn die Hauptzielgruppe der Berufsorientierung natürlich Jugendliche und junge Erwachsene sind, spielen für Pees und Jean Pierre Beyer, der die ZEDACH im Beirat vertritt, weiterhin auch die erfolgreichen Pixi-Bücher für die Jüngsten im Kindergarten bei der Imagebildung eine wichtige Rolle. „Manchmal kann man gar nicht früh genug unterwegs sein“, erklärt Beyer.

Aus der Industrie sind alle wichtigen Player aus den verschiedenen Produktbereichen vertreten. Im Beirat, dem auch die ZEDACH angehört, sitzt seit vielen Jahren Thomas Kleinegees, Geschäftsführer von Sita. „Im Dachhandwerk fehlen gute Hände. Es scheiden mehr aus als hinzukommen. Deshalb gilt es, junge Menschen zu begeistern und zu guten Fachkräften auszubilden. Denn unsere Produkte sind so gut, wie sie vom Handwerk verarbeitet werden.“

Konstruktive Zusammenarbeit im Beirat

Die Zusammenarbeit im Beirat, in dem die Entscheidungen getroffen werden, bezeichnet Kleinegees als sehr konstruktiv. „Neue Ideen werden so vorgestellt, dass man einen guten Eindruck gewinnt. Es wird in angenehmer Atmosphäre intensiv diskutiert, hinterfragt und auch mal etwas verworfen. Jeder bringt seine Erfahrungen und Impulse ein in die Entscheidungsfindung.“ Für ihn ist es sehr interessant, die verschiedenen Sichtweisen der Akteure zu hören und über aktuelle Marktlagen zu sprechen. Kleinegees sieht in der Aktion DACH auch ein Forum für den Austausch, das Netzwerken mit Fachhandel und Handwerk.

„Wir haben viel gemeinsam verändert und auf dem Weg gebracht, immer mit dem Fokus, welche Chancen wir haben und was es braucht für die Ansprache junger Leute.“ Thomas Kleinegees

KI ersetzt keine Jobs auf dem Dach

„Wir haben viel gemeinsam verändert und auf den Weg gebracht, immer mit dem Fokus, welche Chancen wir haben und was es braucht für die Ansprache junger Leute“, sieht Kleinegees die Aktion DACH auf einem guten Weg. Zudem benennt er einen Punkt, der den Dachdeckern neben der Präsentation als Klimahandwerk helfen könnte bei der Nachwuchsgewinnung. „Junge Menschen stehen vor der Frage, welche Jobs KI künftig ersetzen wird. Das könnte einen positiven Effekt auslösen, denn Dächer werden auch zukünftig von Menschen gedeckt.“

Knut Köstergarten

Schreibt seit 20 Jahren für das Printmagazin „das dach“ und leitet dort und bei Dach\Live heute die Redaktion. Der ausgebildete Journalist hat sich in vielen Themenfeldern ausgetobt und sich inzwischen auf Dachhandwerk spezialisiert. Seine Leidenschaft sind Interviews, denn ihn interessiert die persönliche Sicht auf die Dinge, gerade auch von Unternehmern.

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