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Es ist das älteste Landesfest Deutschlands und vielleicht auch das größte. Einmal im Jahr wird eine hessische Stadt für zehn Tage zum Showroom für Handwerk, Kunst und Leistungsfähigkeit eines vielfältigen Bundeslandes im Herzen Deutschlands und im Zentrum Europas. Und wer vom 11. bis 21. Juni 2026 in Fulda am Stand der Dachdecker vorbeischaute, konnte kaum daran vorbeigehen. Hier wurde nicht nur informiert, hier wurde gearbeitet, gefragt, ausprobiert, gelacht und schließlich auch gestaunt.
Zwischen Schiefer, Blechrosen, Gründach, Werkzeugen, Dachfenstern und der Erkundung von Dachwelten über VR-Brillen zeigte die Dachdeckerinnung Fulda gemeinsam mit dem Dachdeckerzentrum Hessen, was moderne Dachdecker alles zu bieten haben. Image, Kundenkontakt, Nachwuchsgewinnung und die einfache, aber echte Botschaft war greifbar: Das Dachdeckerhandwerk lebt in erstaunlicher Vielfalt.
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Besucher haben „die Bude eingerannt“
Schon im Vorfeld hatte Leon Hain vom Dachdecker-Zentrum Hessen zugesagt, dass er die Landesinnung Fulda an allen zehn Tagen vor Ort unterstützen werde. So war er dann auch mit dem hessischen Dachmobil vor Ort. Fotografieren, Gespräche führen, Eindrücke sammeln - vieles war möglich. Tatsächlich bot der Stand reichlich Motive. Denn die Fuldaer Innung um Obermeister Jürgen Bug beließ es nicht bei Roll-ups und Broschüren. Sie füllte ihren Auftritt mit Leben.

Zeitweise, so der Eindruck am Stand, wurde den Dachdeckern „die Bude eingerannt“. Junge Menschen wollten ausprobieren, wie sich Schiefer anfühlt und bearbeiten lässt. Kinder durften unter Anleitung selbst Hand anlegen. Erwachsene blieben an Mustern, Dachfenstern, Gründachaufbauten und schließlich den Beratungsgesprächen hängen. Und manche dieser Unterhaltungen begannen ganz banal: Da sieht ein Ehepaar ein Gründach und denkt plötzlich an die eigene langweilige Garage. Matchball!
Dachdeckerin Johanna Rieger begeistert junge Menschen auf der IdeenExpo
Innungszeichen aus Schiefer live gefertigt
Rund 10 bis 15 Personen sorgten täglich für die Standbesetzung. Das war auch nötig, denn der Hessentag bedeutete für die Beteiligten lange Tage. Bis zu 19 Stunden Einsatz am Tag standen im Raum. Die Innung Fulda zeigte damit nicht nur Handwerk, sondern auch Haltung: Wer sichtbar sein will, muss präsent sein. Und wer um Nachwuchs wirbt, muss jungen Menschen Gelegenheit geben, das Handwerk nicht nur erklärt zu bekommen, sondern es selbst zu erleben.
Schiefer: Dachdeckermeister Markus Berg hat preisverdächtig restauriert
Wie handwerkliche Präzision, Tradition und Gestaltung zusammenfinden können, zeigte Leon Hain eindrucksvoll live. Während der ersten acht Tage fertigte er aus Schiefer mit einem Meter Durchmesser das Innungszeichen. Für das Abschlusswochenende wurde es zum besonderen Blickfang. Schieferherzen, Schieferornamente und handwerkliche Vorführungen machten deutlich, dass der Werkstoff weit mehr ist als ein Dachbaustoff. Er ist robust, natürlich, anspruchsvoll und in geübten Händen erstaunlich vielseitig.

Leon Hain macht Nachwuchswerbung mit dem Dachmobil
Mit VR-Brillen auf das Dach des Kölner Doms
Ein weiteres Highlight, vor allem für junge Menschen, also potenzielle Azubis war die virtuelle Dachwelt. Im Kuppelzelt konnten BesucherInnen mit VR-Brille auf ein Dach steigen, unter anderem auf den Kölner Dom und weitere Dachbaustellen. Nachwuchswerbung kann heute mehr sein als der Hinweis auf einen sicheren Arbeitsplatz in Zeiten von KI. Junge Menschen wollen erleben, was ein Beruf kann. Sie wollen sehen, spüren und ausprobieren. Genau das ermöglichten die VR-Brillen und der gesamte Stand der Dachdecker. Selbstverwirklichung ist ein Thema bei jungen Menschen. Wo geht das besser als auf dem Dach?
500 Blechrosen welken nicht
Auch die Blechrosen wurden zum Publikumsmagneten. Ursprünglich war die Aktion offenbar eher als Vorführung gedacht. Doch dann wollten BesucherInnen die Rosen selbst kaufen. Aus der Idee wurde eine Spendenaktion. Rund 500 Blechrosen entstanden. Gesammelt wurde für soziale Projekte, unter anderem für ein Kinderhospiz über die Fuldaer Zeitung Stiftung. Material und Unterstützung kamen unter anderem von PREFA sowie Schiefer Rathscheck.
Insgesamt wurden beim Hessentag rund zwei Tonnen Schiefer verarbeitet, überwiegend zu Herzen. Die Zahlen zeigen, wie ernsthaft der Auftritt angelegt war. Beim Hessentag geht es nicht um symbolische Präsenz, sondern um echtes Handwerk vor Publikum. Wer wollte, konnte sehen, wie Material gebrochen, geformt, angepasst und verarbeitet wird.

Partner Velux und Roto
Neben der Innung Fulda und dem Dachdecker-Zentrum Hessen waren auch Partner aus der Branche vertreten. Roto und Velux informierten am Stand über moderne Dachfensterlösungen. Auch das Thema Gründach spielte eine Rolle. Damit spannte der Auftritt den Bogen vom klassischen Schieferhandwerk bis zu zeitgemäßen Lösungen für Energie, Wohnkomfort, Nachhaltigkeit und Klimaanpassung. Auch andere Gewerke, unter anderem Schreiner, zeigten, was die Ausbildung bietet und über welches Können regionale Betriebe verfügen. Das Handwerk trat gemeinsam auf – selbstbewusst, offen und nahbar.
78. Landesverbandstag folgt in Fulda im August
Für die Dachdecker-Innung Fulda war der Auftritt zugleich Werbung in eigener Sache. Die Innung zählt 36 Betriebe und präsentierte sich als aktiver Zusammenschluss eines Gewerks, das Fachkräfte sucht, Kunden begeistert und sein Berufsbild modern vermitteln will. Dass die Fuldaer Dachdecker im August auch den 78. Landesverbandstag ausrichten, passte gut in dieses Bild. Der Hessentag wurde damit zugleich zur Bühne für den kommenden Branchentreff. Joachim Ritzel, stellvertretender Obermeister aus Fulda und Mitglied im Landesvorstand, war ebenfalls eingebunden.

Dachdecker auf Abschlussumzug präsent
Beim abschließenden Umzug am Sonntag, 21. Juni mit über 150 Teilnehmern durch Fulda präsentierten sich die hessischen Dachdecker mit Verstärkung durch die Kasseler Innung und den Landesvorstand. Dabei war es auch möglich, Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) Danke zu sagen für langjährige Unterstützung von Seiten der Politik. Der Hessentag war damit für das Dachdeckerhandwerk mehr als ein Termin im Veranstaltungskalender. Er war eine Werkbank mitten im Landesfest. Und vielleicht ist genau das die beste Werbung für ein Handwerk, das viel zu oft erst dann wahrgenommen wird, wenn es ins Dach regnet. Ganz einfach: zeigen, erklären und manchmal einfach ein Stück Schiefer in die Hand drücken oder eine VR-Brille...