Es ist eines der Wahrzeichen Dortmunds: die Westfalenhalle. Wer auf der Bundestraße 1 mit dem Auto stadteinwärts unterwegs ist, dem springt der leicht ovale Bau sofort ins Auge. Millionen Menschen haben hier schon Sporthighlights, Konzerte, Messen und politische Großereignisse erlebt. Doch auch ein Bau dieser Größenordnung ist nicht unverwundbar. Irgendwann wird ein Dach undicht, Materialien altern – und dann braucht es Profis, die wissen, was zu tun ist. Die kamen in diesem Fall von der Dortmunder Firma Bedachungen Sindermann GmbH.
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Großprojekt läuft seit über 15 Monaten
Solch ein Großprojekt kommt nicht alle Tage: Rund 2000 Quadratmeter Teil-Dachfläche einer der bekanntesten Veranstaltungshallen Deutschlands werden saniert. Bedachungen Sindermann GmbH, mit knapp 20 Beschäftigten sonst vor allem im Wohnungsbau und bei energetischen Sanierungen zuhause, arbeitet seit mehr als 15 Monaten auf dem Dach der Westfalenhalle – und steht nun kurz vor dem erfolgreichen Abschluss. Ein Projekt mit besonderen Anforderungen, das exakte Planung, viel Erfahrung und behutsames Vorgehen verlangt.

Moderne Technik für ein Dortmunder Wahrzeichen
Zum Einsatz kommt hier ein Kalzip-Warmdachsystem, bekannt für die präzise Abstimmung seiner einzelnen Bauteile. „Das Baudenkmal erhält erneut eine Aluminiumhülle. Durch die besondere Geometrie der Bahnen, unten breiter als oben, wirkt die oval verlegte Fläche wie aus einem Guss und unterstreicht die gestalterische Qualität der Ausführung“, erklärt Geschäftsführer Dirk Sindermann. „Zudem halte ich die ein Millimeter starke Aluminiumdeckung für nahezu unkaputtbar. Ich bin überzeugt: Selbst unser jüngster Mitarbeiter wird es nicht mehr erleben, dass dieses Dach noch einmal saniert werden muss.“

Kalzip realisiert Stadion-Dach von Real Madrid!
Ein Sturmtief lässt Aluminiumbleche fliegen
Dass Handlungsbedarf bestand, zeigte sich kurz vor Weihnachten 2023. Am 23. Dezember fegte Sturmtief „Zoltan“ mit kräftigen Böen und Dauerregen über Nordrhein-Westfalen hinweg. Aluminiumbleche flogen vom Dach – ausgerechnet am Tag vor Heiligabend. Gut, wenn man verlässliche Dachdecker kennt. Dirk Sindermann machte sich sofort auf den knapp acht Kilometer langen Weg vom Firmensitz in Dortmund-Brackel zur Halle. Die Feuerwehr war bereits vor Ort und hatte erste Sicherungsmaßnahmen ergriffen. Sindermann: „Bei der Begutachtung des Daches zeigte sich das Ausmaß des Unwetterschadens und die Erfordernis von zeitnahen weiteren Maßnahmen zur Regensicherung!“

Freiwillige vor: Einsatz an Heiligabend
„Eigentlich waren wir schon in der Weihnachtsruhe“, erinnert sich Sindermann. „Ich habe den Notfall ausgerufen und gefragt, wer an Heiligabend ein paar Stunden helfen kann.“ Die Resonanz ließ das Herz des Chefs höherschlagen: Am nächsten Morgen standen genauso viele Mitarbeiter auf dem Hof, wie für den Einsatz gebraucht wurden. Mit eigenem Kran, Folien und Hölzern war das Dach bis zum Nachmittag wieder wetterfest.
Jahrelange Feuchtigkeit als Schadenursache
Ursache des Schadens war eine über Jahre in der Konstruktion vorhandene Feuchtigkeit. Die in den frühen 1990er-Jahren eingebaute Holzunterkonstruktion war unterseitig durch eine Bitumenbahn und oberseitig durch die Aluminiumdeckung weitgehend diffusionsdicht eingeschlossen, sodass eingebrachte oder vorhandene Restfeuchte nicht austrocknen konnte. In der Folge wurden die tragenden Holzbauteile geschädigt. Dadurch verlor die in Leistendeckung ausgeführte Aluminiumdeckung ihre erforderliche Befestigungsgrundlage, sodass sich beim Sturm einzelne Dachbleche lösen konnten.

Systematische Untersuchung der betroffenen Dachflächen
Nachdem der Sturmschaden zunächst provisorisch gesichert worden war, erfolgte Anfang 2024 eine systematische Untersuchung der betroffenen Dachflächen. In jedem Teilsegment wurde eine Dachbahn aufgenommen, um den konstruktiven Aufbau sowie den Zustand der Unterkonstruktion zu prüfen. Sämtliche Bereiche wurden in einem eigens dafür erstellten digitalen Protokoll transparent dokumentiert, einzeln bewertet und mit konkreten Handlungsempfehlungen versehen. Auf dieser Grundlage wurde zunächst ein Sanierungskonzept für das vom Unwetterschaden betroffene Segment erarbeitet. Im Laufe des Jahres erhielt Bedachungen Sindermann hierfür den Auftrag, die Ausführung startete Ende 2024.
Schon bei Hoteldachsanierung gut zusammengearbeitet
Parallel dazu sanierte Bedachungen Sindermann im Frühjahr und Sommer 2025 mit Erfolg ein Hoteldach der Westfalenhalle GmbH mit komplexer Dach- und Attikageometrie. Vor dem Hintergrund dieser Zusammenarbeit sowie der strukturierten Bestandsanalyse und eines wirtschaftlich überzeugenden Angebots wurde anschließend auch der Auftrag zur Sanierung der weiteren 19 Dachsegmente erteilt. Seit September 2025 werden sie abschnittsweise umgesetzt.

20 Tortenstücke und eine große Aufgabe
Für Dirk Sindermann und sein Team handelt es sich um einen der umfangreichsten Aufträge der Unternehmensgeschichte. Die Herausforderung: Das Dach der Westfalenhalle besteht aus 20 trapezförmigen Teilbereichen, die dem Gebäude seine charakteristische Form verleihen. Gesucht war eine Lösung ohne zusätzliches Gewicht, dauerhaft tragfähig, denkmalgerecht und den Anforderungen des Brandschutzes entsprechend. Holz schied aus statischen und brandschutztechnischen Gründen aus. Die Wahl fiel auf Kalzip, nicht zuletzt, weil die markante Kuppel der Halle bereits früher damit realisiert worden war.

Millimeterarbeit für eine geschlossene Fläche
Ein Ziel war es, die Dachfläche gewichtstechnisch zu entlasten. Eine weitere Vorgabe bestand darin, die weiterhin von unten sichtbaren Glasbausteine aus der Erbauungszeit der Halle konstruktiv zu schonen. Jeder der 20 trapezförmigen Teilbereiche, seitlich jeweils an einem aufwendig hergestellten Grat endend, wurde mit bis zu 30 passgenau gefertigten Aluminiumbahnen aufgeteilt – unten breiter und oben schmaler zulaufend.
„Dadurch ist keine zusätzliche Gratausbildung erforderlich. Dank der sehr präzisen Vorplanung sind wir uns sicher, dass die bereits gefertigte letzte Bahn millimetergenau in die zuerst verlegte Dachbahn einklicken wird“, so Dirk Sindermann. Aus der Luft betrachtet entstehe so eine geschlossene Dachfläche, die wie aus einem Guss wirkt, ohne sichtbaren Anfang und ohne Ende.

Arbeit bei laufendem Betrieb
Ein Projekt dieser Größenordnung bringt zusätzliche logistische Herausforderungen mit sich. Während großer Veranstaltungen waren Arbeiten auf dem Dach ausgeschlossen, ebenso war in diesen Zeiten das Lagern von Materialien und Containern häufig nicht möglich. Die Einsatzplanung musste daher flexibel organisiert werden. Da Lager und Standflächen rund um die Halle nur eingeschränkt verfügbar waren, kam ein dauerhaft aufgebauter Turmdrehkran nicht in Betracht.
44 Meter hoher Kran im flexiblen Einsatz
Zum flexiblen Einsatz wurde daher der eigene 44 Meter hohe Böcker Mobilkran AK 46 genutzt. Mit ihm wurden mehrere Tonnen Material bewegt, die demontierte Unterkonstruktion kontrolliert nach unten transportiert und neue Aluminiumprofile sowie weiteres Baumaterial bis zu 20 Meter hoch auf das Dach gehoben. Aufwendige, weithin sichtbare Fassadengerüste wurden so vermieden. Den Absturzschutz realisierte das Team Sindermann mit speziellen Dachfanggerüsten der Firma Sifatec. So ließen sich die Arbeiten sicher ausführen, ohne das Erscheinungsbild des Gebäudes unnötig zu beeinträchtigen.

Präzision bis zur letzten Bahn
Besonders lobt Sindermann die Zusammenarbeit mit Hersteller Kalzip. „Man muss sich das so vorstellen: Insgesamt haben wir rund 600 einzelne Blechbahnen verlegt. Und die Planung war so exakt, dass von Bahn eins bis Bahn 600 alles passgenau und termingerecht geliefert wurde.“ Wenn im Frühjahr 2026 die letzte Bahn millimetergenau in die erste eingeklickt wird, schließt sich der Kreis und die Westfalenhalle erhält wieder ein Dach, das ihrem Status als Dortmunder Wahrzeichen gerecht wird.